Sonntag, 7. September 2014

Velier Uitvlugt 1988 Full Proof Old Demerara 17 YO

Seid gegrüßt Freunde des guten Geschmacks!

Zur Feier eines ganz besonderen Ereignisses möchte ich heute nachträglich eine kleine Kostbarkeit vorstellen. Leider also nichts Aktuelles, da der Rum nur noch schwer zu erwerben ist. Ich hoffe ihr verzeiht mir, aber man wird nicht oft Onkel in seinem Leben und diese Abfüllung erscheint mir würdig genug. Es handelt sich um einen Demerara aus der alten Uitvlugt Distillery von 1988. Die Rede ist von Velier Uitvlugt 1988 Full Proof Old Demerara 17 YO.

Zur Abfüllung:

Das Uitvlugt Estate wurde zwischen 1759 und 1776 von Johan Berend Christoffer Frederick Boode gegründet. Bis zum Ende des 18. Jahrhundert wurde dort aber nicht Zuckerrohr angebaut. D.h. diese Gründungsphase hatte mit der späteren Uitvlugt Distillery oder besser gesagt, der Uitvlugt sugar factory, nicht viel gemein. Diese entstand erst viel später. Destilliert wurde dieser Rum in einer French Savalle Still. Das US-Patent von Armand Savalle und sein Sohn Dèsirè Savalle ist auf das Jahr 1868 datiert. Sie könnte also frühestens aus dem 19. Jahrhundert stammen. Was heißt das jetzt im Klartext? Wenn sie irgendwo im Internet lesen, dass die Still aus dem 18. Jahrhundert stammt oder auf dem Estate schon seit diesem Jahrhundert Rum gebrannt wurde, dann haben die Autoren entweder schlampig oder gar nicht recherchiert. Selbst wenn mit einer anderen Art von Brennkessel Rum dort zuvor hergestellt wurde: Die Plantage baute noch 1798 nachweislich nur Kaffee an und hieß damals noch Groote en Klijn Uitvlugt Plantage. Die vollständige Umstellung auf Zuckerrohr erfolgte bis 1832. Die Quellen kann man meinem Artikel zu den Demerara Destillerien entnehmen. Ob bis zum Jahre 1800 dort wirklich angefangen wurde Rum zu destillieren, ist für mich nicht eindeutig bewiesen. 

Es ist schon erschreckend, was für Irrtümer aktuell immer noch für bare Münze verkauft werden. Aber dies ist ein anderes Thema, auf das ich hier nicht näher eingehen werde. Der mündige Verbraucher, der sich auch informieren will, der findet auch die Informationen die er braucht. Zuvor musste man dies sehr umständlich über digitalisierte Bücher und Karten in Bibliotheken bewerkstelligen. Spätestens seit der englischen Version meines Artikels ist dies aber nicht mehr nötig. Wer es wissen will, der findet die Informationen auch. Auch wenn dies nur ein Blog ist und kein gebundenes Fachbuch, wäre es ein Fehler die gesammelten Informationen deswegen nicht zur Kenntnis zu nehmen. 
Diese Abfüllung ist also ein Rum aus der 4 Säulen-Anlage, welche lange Zeit bei Uitvlugt stand und nun in der Diamond Distillery (D.D.L.) ihren Dienst verrichtet. Sie produziert ein angeblich leichtes Destillat und der Unterschied zu anderen Columns besteht im Aufbau der Glockenböden in den Säulen selbst. Inwieweit sich dies genau auf den Rum auswirkt weiß ich nicht, da ich kein Experte auf diesem Fachgebiet bin. Ich gehöre eher zu den Kunden solcher Leute. ;) Die Abfüllung bestand aus 4 Fässern. Diesen entsprangen 1.091 Flaschen, Also im Durchschnitt ca. 272 Flaschen pro Fass. Das Mark auf den Fässern war SP – ICBU. Was sich genau dahinter verbirgt kann ich nicht genau beweisen. ICBU ist aber todsicher die Identifikation für Uitvlugt. Der Velier Uitvlugt 1985 Full Proof Old Demerara 21 YO hatte nur das Mark ICBU. Worin jetzt nun genau der Unterschied zu beiden Rum-Stilen besteht kann ich auch nicht sagen. Danke noch einmal an Egon an dieser Stelle für diese Information! Widmen wir uns nun dem Inhalt dieser Abfüllung. 

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Verkostung Velier Uitvlugt 1988 Full Proof Old Demerara 17 YO:

Preis: Meine Flasche erstand ich 2013 für 122€ bei oldwhisky in Italien. Dort ist mittlerweile nicht mehr viel zu holen und der Rum auch verschwunden.

Alter: Der Rum wurde im April 1988 gebrannt und im April 2005 abgefüllt. Das offizielle Alter beträgt 17 Jahre in den Tropen.

Alkoholstärke: Die Trinkstärke beträgt noch 52,9%vol. Eine Probe hiervon werde ich auf ca. 45%vol verdünnen, um dem Rum mehr Aromen zu entlocken.

Destillationsverfahren: Die offizielle Angabe gibt eine Savalle Still an. Hiermit ist wohl die 4 Säulen-French Savalle Still gemeint, welche um 1988 in Uitvlugt ihren Dienst verrichtete.

Farbe: Der Rum erstrahlt in hellem Mahagoni im Glas. Ist dies die Tropenlagerung? Wir werden sehen.

Viskosität: Der Rum fließt in dicken Schlieren hinab zum Glasboden und bildet einen dünnen Film auf der Glaswand. Der Rum ist also gut ölig und sollte mundfüllend sein.

Nase: Wumms... diese Nase kommt mir sehr bekannt vor und riecht doch auch anders. Ich rieche exotische Früchte, welche von braunem Roh-Rohrzucker ummantelt werden, wie Schokolade eine Praline umschließt. Eine klebstoffartiger Geruch könnte man auf den ersten „Blick“ meinen, wenn der Rum ins Glas fließt. Ganz schwach rieche ich Tabak und Leder. Der Rum hat ein minimal blumiges Aroma. Die Süße ist nach 17 Jahren in amerikanischer Weißeiche nicht zu verleugnen. Zur Süße gesellen sich Nelken und auch Zimt. Im Hintergrund des Rums kann ich auch Holzaromen erahnen. Von den Früchten kann ich Bananen, Orangen und auch Zitrusfrüchte erhaschen. Ganz dezent erkenne ich auch Kokosnuss. Allerdings nur nach einem Schwenk des Glases und wenn man die Nase etwas vom Rand entfernt positioniert. Der Rum ist sehr konzentriert. 

Mit Wasser reduziert sich der Rohrzucker. Die Früchte werden allerdings dadurch nicht dominanter. Ich rieche ganz schwach Bananen und Mangos. Diese kommen allerdings nicht durch den Mix aus Zimt, Nelken und Rohrzucker an. Die Süße ist unverändert präsent. Auch Tabakaromen sind wieder mit dabei. Der schwache blumige Geruch ist allerdings komplett nach der Verdünnung verschwunden. Minimal sind auch Holz und Teer enthalten. Der Rum ist durch die Verdünnung nicht dramatisch verändert worden. Wie auch bei anderen tropisch gereiften Rums reiche ich hier ganz schwache Aromen von Kokosnüssen. Wollen wir doch einmal sehen, ob er sich am Gaumen mehr verändert hat.

Gaumen: Der Alkohol brennt sanft auf der Zunge, dicht gefolgt von Jod, Salz und Tabakblättern. Der Rum füllt den gesamten Mundraum. Ich schmecke dunkle Gewürze, Nelken und eine Spur Zimt. Die Fruchtigkeit ist leider sehr spärlich vorhanden. Ich schmecke nur Mangos. Der Rum schmeckt ein wenig nach Kaffee. Die Bitterkeit vom Fass wird von der Süße des Rums gut ausgeglichen. Keines der beiden Eindrücke dominiert den Rum. Ganz minimal schmecke ich wieder diese Blumigkeit, welche allerdings viel zu kurz und zu schwach ist um sie genau zu erkennen. Ähnlich dem Velier Albion 1986 Full Proof 25 YO kann ich hier nicht viel eindeutig erkennen. Der Rum ist zu kompakt. 

Mit Wasser ist der Rum nun deutlich sanfter geworden. Ich schmecke leicht Aprikosen und Mangos, garniert von Rohrzucker und leichter Süße. Die Holzaromen sind zwar immer noch präsent, aber sie dominieren den Rum immer noch nicht. Ich schmecke auch dunkle Zartbitterschokolade. Ein immer dickes Konzentrat das selbst mit 45% noch mundfüllend ist. Die Gewürze sind allerdings etwas zurückgegangen. Wieder schmecke ich Tabakblätter und eine Spur Rauch. Dazu gesellen sich Teer und Salz. Selbst bei dieser Trinkstärke ist es immer noch schwer präzise Eindrücke zu gewinnen.

Abgang: Zuerst minimal Bitterkeit gepaart mit Süße bilden den Anfang des Abgangs, gefolgt von Jod und minimal Rauch. Süße und Bitterkeit gleichen sich perfekt aus. Dann kommt auch Leder zum Vorschein. Nach einigen Sekunden verschwindet die geringe Bitterkeit komplett und zum Vorschein kommen leichte Holzomen und Melassearomen. Ein leichter Hauch von Kräutern umschmeichelt den Gaumen. Der Abgang ist leicht trocken. 

Leichte Anisaromen gepaart mit Holz- und Tabakaromen bilden den Anfang des Abgangs. Die Süße ist fast gar nicht mehr präsent. Nach einigen Sekunden umschmeichelt ein Hauch von Nelken und nicht Zuckerrohr den Gaumen. Wieder ist der Abgang leicht trocken, hat aber seine leichte Bitterkeit durch die Verdünnung verloren. Ganz am Ende verbleibt nur noch ein Hauch von Anis und Butter im Mund. 

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Fazit: Wahrlich glanzvoll. Ein ganz großer Rum mit sehr hoher Qualität. Die 17 Jahre in den Tropen haben unleugbar ihre Spuren hinterlassen, haben den Inhalt aber nicht überrannt, oder mit anderen Worten: Der Rum ist nicht verholzt. Die Fassaromen haben ihn bereichert und nicht gnadenlos verhunzt. Sein Geld war er definitiv wert und es war ein sehr lehrreiches Tasting. Persönlich würde ich zu gerne den Unterschied zum Velier Uitvlugt 1985 Full Proof Old Demerara 21 YO (I.C.B.U.) wissen. Leider war besagte Abfüllung, als er denn noch in Italien verfügbar war, zu teuer für mich. Ich würde auch gern den Preis wissen, für den Velier ihn auf den Markt brachte. Ich persönlich hoffe ja noch auf weitere Abfüllungen aus der Diamond Distillery via Luca Gargano, aber man weiß nicht, welche Prioritäten dieser gute Mann bei seinen Einkäufen setzt oder wie freizügig DDL selbst ihm gegenüber in der Zukunft sein wird. Mit diese Abfüllung im Hinterkopf verkostete ich bisher alle neuen Rums aus dem 1998er Uitvlugt Batch. Mit einem solchen Erlebnis konnten diese aalglatten und sehr reinen Rums einfach nur enttäuschen. Vielleicht taugen solche Rums in Cocktails oder für Kunden in den Tropen etwas. Als Ausgangsmaterial für hochwertige Single Casks (Barrels) kann man sich diese kraftlosen Genossen von 1998 wahrlich nicht vorstellen und dennoch werden wir zur Zeit damit „beglückt“.

Diese Abfüllung zeigt, dass die verwendete Still selbst nicht der alleinige Grund für dieses Versagen war. Die fehlende Fassreife trug sicherlich dazu bei, dass diese Rums nicht wirklich abheben konnten. Betrachtet man die langen Fermentationszeiten von bis zu drei oder mehr Wochen in Jamaika, welche für ihre hocharomatischen Rums benötigt werden, kann man sich hier eine schnelle 24 - 48Std Fermentation beim 1998er Batch vorstellen. Etwaige schwere Aromen in der Maische schafften dann nicht ihren Weg ins Endprodukt durch die zu vielen Glockenböden im inneren der Still. „Master Distiller“, welche die Column / Coffey Still immer wieder loben, betonen die besondere Reinheit des so gewonnenen Destillats. Einem Kenner sagt das allerdings: „Reinheit = fast kein Geschmack“. Also meist ein langweiliges und flaches Geschmacksprofil, welches im Vergleich billig herzustellen ist, da es kontinuierlich produziert und eigentlich nicht für den anspruchsvollen Genuss hergestellt wird. Ich habe diesbezüglich auch einen interessanten Begriff gelesen. „Silent spirit“. Diese Rums können dem Connaisseur nichts erzählen. Mann kann das Glas eine Stunde stehen lassen und es kommt einfach nichts mehr. Anders als bei diesem Rum von 1988. Man findet selbst nach einer Stunde noch unbekannte Nuancen. Wäre das Destillat ähnlich kraftlos wie beim 1998er, dann wäre der Einfluss der Fässer fatal gewesen und man könnte eine feine Holzbrühe bestaunen. Hier verlief die Herstellung, trotz gleicher Still, also irgendwie anders ab. Vielleicht gönnte man der Maische mehr Zeit oder man verwendete nicht alle Glockenböden in der Still. Die Details wird nur DDL selbst wissen.

Freilich weiß ich, dass die Destillerien auf solche geschmacksarmen Produkte angewiesen sind um zu überleben. Solche Rums sind das Butter und Brot Geschäft (ähnlich wie beim Grain Whisky) und ohne diese würde es wohl keine Destillerie mehr geben. Dennoch kann ich ihnen nichts abgewinnen, da diese mit Rums aus mittlerem oder schweren Körper aufgepeppt werden müssen, damit sie überhaupt einen anständigen Blend ergeben. Auch diverse Additive spielen hier noch eine Rolle. Eine jede Hausfrau weiß, dass man den Knochen vom Metzger nicht wegwirft, sondern mit in den Topf gibt. Natürliche Geschmacksstoffe die in unserer schnelllebigen Zeit immer mehr in Vergessenheit geraten. Auch beim Rum ist Zeit = Geld. Lange Reifezeiten? Kann man sich, Dank der von den USA gewährten Begünstigungen an einzelne Destillerien, nicht mehr leisten. Also hilft man nach die rauen Kanten junger Rums etwas abzuschleifen, und um den Spirit einer breiteren Masse noch zugänglicher zu gestalten. Hierzu wurde gelegentlich sogar von einem Experten der Begriff Dosage missbr... ich meine ins Spiel gebracht um die Verwendung solcher Mittel zu rechtfertigen. Fakt ist: Es ist leider legal. Zumindest was Zucker angeht. Mit mehr wurde man ja noch nicht erwischt. Hier wirkt ein universal einzusetzender geschmacksarmer Alkohol (natürlich aus Rum gewonnen) als Material zum Blenden wahre Wunder. Ihnen kommt das Prinzip bekannt vor? Aber ich schweife vom Thema ab.

Diese Abfüllung war wahrlich ein Genuss und absolut jeden Cent wert. Wäre sie nicht ausverkauft, dann gäbe es auch eine dicke Kaufempfehlung von meiner Seite aus. Rums wie diese Verschwinden sang- und klanglos in 08/15 Blends. Die Tatsache, dass dieser Rum direkt von DDL aus Guyana stammt und nicht aus UK, lässt einem Connaisseur wie mich davon träumen und auch erschaudern, was da noch alles in ihren Lagerhäusern schlummern mag, nur um letztendlich in Blends verschnitten zu werden. Aber damit muss man als Connaisseur und letztendlich auch als Mitglied einer kleinen Genießer-Minderheit in Europa wohl leben. Machen wir uns nichts vor: Wir sind in der Unterzahl. Die Mehrheit ist dem Anschein nach schon mit Barcadi & Co zufrieden. Da ist Whisky viel weiter.

Ich wünsche meinem Neffen einen guten Start ins Leben und Euch, verehrte Leser, wünsche ich noch einen schönen Sonntag. Lasst es euch gut gehen. ;) 

Marco

Sonntag, 24. August 2014

Isla del Ron Guyana (Enmore Distillery) 1988 24 YO

Servus und erneut willkommen auf unserem kleinen Blog!

Heute ist wieder eine Abfüllung vom deutschen UA Malts of Scotland an der Reihe. Diese Abfüllung ist schon einige Zeit vergriffen. Auch wenn es einige neue Rums dieses UAs gab, will ich doch heute diese kleine Rarität vorstellen. Diesen Rum gab es denke ich knapp ein Jahr und dann war die Abfüllung auch schon wieder verschwunden. So wie eine andere legendäre Abfülllung dieses Abfüllers: Dem Isla Del Ron Barbados (Mt. Gay) 2000 12 YO.

Zur Abfüllung & Gegenwärtiges:

Zum Abfüller Malts of Scotland und dem Label Isla Del Ron hat Flo schon einiges in seinem Review zum Isla del Ron Jamaika 30 YO aus der Long Pond Distillery geschrieben. Lang lang ist's her. Fokussieren wir unsere Aufmerksamkeit also auf die Abfüllung selbst. Als ich zum ersten mal von dieser Abfüllung las musste ich unweigerlich an einen anderen dunklen Demerara denken. Den Cadenhead Dated Distillation Enmore KFM 16 YO. War hier ein ähnlich gut gefärbter Rum in der Flasche, oder handelte es sich um eine verflüssigte Gaumenfreude für betuchte Holzwürmer? Schließlich gab es kein offizielles Sherryfinish und dementsprechend waren dies die einzigen Schlussfolgerungen in meinen Augen. Nur ein Sample konnte mir hier Gewissheit bringen und so erstand ich im April 2013 ein 3cl Sample in Belgien, wo auch die Rums meines Erachtens zuerst auftauchten. Erst einige Tagen/Wochen später kamen sie auch nach Deutschland. Viele Abfüllungen dieses ersten Releases sind nicht mehr übrig geblieben. Aber ich schweife vom Thema ab.

Das Sample konnte mich begeistern und schloss auch die Unangenehme der beiden oben erwähnten Annahmen aus. Schließlich, als sich die Gelegenheit ergab, kaufte ich meine Flasche im August bei TRC für „läppische“ 115€. Für Connaisseure mit begrenztem Budget wie mich also maßgeschneidert. Vielleicht mag sich hier der ein oder andere Leser nun fragen, auf welchem Trip ich gerade unterwegs bin oder ob ich schon vor dem Review was getrunken habe. Keineswegs! Betrachtet man die aktuell käuflich zu erwerbende Version dieses Rums aus jenem Batch von 1988 an und studiert den Preis etwas genauer, dann sind 115€ wirklich was für Leute mit begrenztem Budget gewesen. Von welchem Rum ich hier rede? Vom Silver Seal Enmore 1988 25 YO mit 55,7%. Dieser Rum rangiert von 165 bis 200€, je nachdem wo sie ihn kaufen. Ein Jahr offiziell älter, ein paar Prozente mehr in der Flasche und gleich dieser Aufpreis? Vielleicht weil das Fass noch leerer war und wenige Flaschen hergab? Fehlanzeige. Das Fass brachte geradezu gönnerhafte 215 Flaschen hervor. Zum Vergleich: Aus dem Cask IdR Nr. 3 gab es lediglich 146(!) Flaschen. Wie passt das nun zusammen? Entweder hatte jemand den Italienern ein Fass teuer verkauft oder man versucht hier schrittweise den Whisky-Preisstandard beim Rum einzuführen oder die deutschen Varianten waren einfach zu billig. Es gab nämlich noch einen Abfüller, welche einen Rum zur gleichen Zeit aus diesem Batch veröffentlichte. Es war der TheWhiskyAgency Enmore 1988 24 YO mit 50,5%. Der Rum wurde in Zusammenarbeit mit den Belgiern von „The Nectar“ abgefüllt. Diese Abfüllung hatte die geradezu unglaubliche Zahl von 264 Flaschen (Single Barrel) und könnte verdünnt worden sein. Das würde den großen Unterschied in der Flaschenanzahl im Vergleich zur Silver Seal Abfüllung auch erklären. Selbst diese Abfüllung von TWA war zu jener Zeit für ca. 120€ zu haben.
Worauf will ich hier hinaus? Eigentlich ist dies hier nichts anderes als meine schon öfters angekündigte Warnung, dass die ganz alten Demerara Rums immer höhere Preise erreichen werden und je länger ein Rum im Fass verbleibt... ich denke sie können sich denken worauf ich hinaus will. Wer gern die Katze im Sack zu einem geradezu stolzen Preis kaufen möchte, der kann sich gerne zu solchen Abenteuern einlassen. Ich passe. Dafür hatte ich schon zu viele Rums von namenhaften Labeln, welche mir den Appetit auf diese Spirituose für Wochen verdorben haben. Betrachtet man dies alles und lässt diese Informationen nun sacken, dann war diese Abfüllung von Malts of Scotland nicht nur eine Rarität, sondern wirklich auch ein Schnäppchen. Auch wenn der Preis auf den ersten Blick diese Aussage zweifelhaft erscheinen lässt. Einem Kenner war aber spätestens auf dem zweiten Blick klar, was er da vor sich hatte. Leider wird der Rum-Stil, also die Marks auf dem Fass, nicht erwähnt. 

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Verkostung Isla del Ron Guyana (Enmore Distillery) 1988 24 YO:

Preis: Ich erstand diesen Rum für 115€ bei The Rum Cask. Zur damaligen Zeit ein stolzer Preis. Wer allerdings die geringe Flaschenanzahl, die Fassstärke und das Alter mit einrechnet, der empfindet diesen Preis auch als bezahlbar.

Alter: Ein offizielles Alter auf dem Label fehlt. Der Rum dürfte aber ca. 24 Jahre alt sein.

Alkoholstärke: Die Trinkstärke dieses Rums beträgt ganze 52,6%vol.. Ich vermute hier auch die ganze Fassstärke.

Destillationsverfahren: Leider gibt es hierzu keine offizielle Angabe auf dem Label. Vielleicht verrät uns der Gaumen mehr.

Farbe: Die Farbe dieses Rums ist mehr ein dunkles und rötliches Braun. Eine Art tiefes Mahagoni mit rötlichen Reflexen im Licht.

Viskosität: Vereinzelte dicke Tropfen fließen an der Glaswand hinab zum Glasboden. Der Rum ist für 24 Jahre angemessen ölig.

Nase: Angenehme Aromen von Melasse, garniert mit feinen Pflaumen, umschmeicheln die Nase. Dazu gesellen sich dezente Kräuteraromen und eine ganz schwache Rauchigkeit. Die Versailles Single Vat Still lässt grüßen. Auch Spuren von Jod und Salz sind im Glas enthalten. Dunkle Gewürze wie Pfeffer und Nelken sind nur schwach vorhanden. Auch Aromen vom Fass kann ich erkennen: ganz minimale Anis- und Holzaromen. Die Süße ist nicht zu aufdringlich und umschließt all diese Eindrücke wie eine warme wohlige Bettdecke. Entfernt erinnert mich dieser Rum an den Cadenhead Dated Distillation Enmore Distillery KFM 16 YO. Der Alkohol brennt nicht übermäßig in der Nase.

Gaumen: Der Alkohol wärmt und dringt in den Gaumen ein, dicht gefolgt von Melasse- und Kräuteraromen. Wieder kann ich Spuren von Jod schmecken. Der Rum ist überhaupt nicht bitter und auch die Süße ist nicht so krass, wie ich es erwartet habe. Sie ist angenehm und nicht zu aufdringlich. Langsam lässt der Alkohol nach und ein leicht salziger Geschmack macht sich am Gaumen breit. Ganz minimal kann ich Anis und nicht süßen Tabak erkennen. Der Rum weist eine geringe Rauchigkeit auf. Ich muss gestehen, ich habe hier einen etwas krasseren Gesamteindruck erwartet. Der Rum ist sanft und angenehm zu trinken. Ich kann hier als Liebhaber von Rums In Fassstärke nur für mich sprechen.

Abgang: Zuerst beginnt der Abgang mit leicht rauchiger Melasse. Langsam verblassen diese rauchigen Nuancen und ein minimal salziger Geschmack verbleibt am Gaumen. Kurz blitzen Pflaumen- und Kräuteraromen auf. Nach einer Weile verbleibt nur noch ein Hauch von herber Melasse am Gaumen. Ein wahrer Gaumenschmeichler, der den Connaisseur nicht überfordert.

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Fazit: Aus der Erinnerung heraus ein anderer Stil als der des Cadenhead Dated Distillation Enmore Distillery KFM 16 YO. Ich habe also leider noch keine Ahnung, welche Marks auf dem Fass gewesen sein könnten. Seinen Preis von 115€ war er allemal wert. Wie oben schon erwähnt war der Rum ein Schnäppchen. Allerdings auch nur wenn sie dunkle Demeraras mögen. Anhand der Flaschenanzahl und einiger Geschmacksaromen vermute ich, dass der Rum sehr viel vom Fass abbekommen hat. Verholzt ist er jedoch noch nicht, auch wenn die salzigen Aromen für mich eindeutig vom Fass kommen. Der Rum stammt in meinen Augen aus der hölzernen Single Vat Still der alten Versailles Plantage. Die Versailles Destillerie wurde zwischen 1967 und 1971 geschlossen und ihre Brennkessel kamen zur Enmore Plantage. Dort verblieb sie bis zu deren Schließung und schließlich kam sie um die Jahrtausendwende zur Diamond Distillery (Demerara Distillers Limited). Der letzte Jahrgang dieser Still, aus dem viele Unabhängige Abfüller Fässer kaufen konnten, war 1996. Der Jahrgang 1998 von Versailles ist bisher nur bei Velier aufgetaucht und diese stammte aus dem Lagerhaus von DDL selbst.
Silver Seal hatte diesen Jahrgang schon einige Male abgefüllt. Im Glas hatte ich keinen einzigen davon, da diese Abfüllungen utopische Preise kosten. Auch Moon Import hatte mindestens eine Abfüllung aus diesem Batch. Den Moon Import Demerara Rum Enmore Guyana 1988 23 YO 46% welcher 2011 abgefüllt wurde. Von diesem hat man in Deutschland nicht viel gesehen oder gelesen. Auch diese Abfüllung von Isla del Ron verschwand irgendwie sang- und klanglos vom Markt. Zeit für einen Nachruf also. Rums wie diese werden die nächsten Jahre noch seltener und sollte doch mal eine aus den 80igern auftauchen, dann werden die Preise wohl nicht mehr so niedrig wie hier sein. Auch Duncan Taylor veröffentlichte zu Beginn sehr alte Jahrgänge und einer hiervon, es war ein Demerara, kratzte an der 150€ Marke und war stolze 27 Jahre alt und stammte aus dem Jahrgang 1985.
Ich denke es erübrigt sich zu erwähnen, dass der Isla del Ron beim Befüllen des Fasses gefärbt wurde. Wäre das die Farbe vom Fass dann wäre dies hier wirklich ein Paradies für Holzwürmer gewesen. Ein Sherry-Finish wird nicht erwähnt und war für mich auch nicht erkennbar. Je älter die Rums aus den 70igern und 80igern in ihren Fässern jedoch werden, desto sinnfreier wird die Annahme auf eine Färbung. Die Gefahr einen wirklich verholzten Rum aus besagten Jahrzehnten zu kaufen wird also mit den kommenden Jahren steigen, wenn sich die Abfüller wirklich dazu verleiten lassen das Fass auch zu kaufen. Es ist eine Art Lotteriespiel. Man kann eine sehr gute Abfüllung für viel Geld kaufen, oder man setzt eine Menge Geld für flüssiges Holz in den Sand. Solche Fehlkäufe können einem auf Dauer das Hobby ruinieren. Aber natürlich muss jeder Käufer selbst entscheiden, ob er das Risiko eingehen will oder nicht. Ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntag.

Marco


Sonntag, 10. August 2014

Bristol Classic Rum Port Mourant 1999 14 YO

Willkommen auf BAT werte Leser.

Heute kommt eine aktuelle Abfüllung aus Guyana zur öffentlichen Verkostung auf dem Blog. Es handelt sich um einen Rum aus der Port Mourant Double Vat Still. Ich hatte schon einige Rums von Bristol Spirits Limited diesen Stils im Glas. Auch aus diesem Jahrgang. Ich bin zuversichtlich kein totales Desaster, wie bei den bisherigen Rums des Uitvlugt 1998er Batches, zu verkosten.

Zur Abfüllung:

Dies ist die zweite Abfüllung aus dem Jahrgang 1999 von Bristol Spirits Limited. Die Erste wurde denke ich Ende 2010 abgefüllt und, wenn ich mich recht erinnere, kam sie zwischen Ende 2010 und Anfang 2011 auf den Markt. Bisher hatten Bristol Spirits Limited, A.D. Rattray und Plantation Rum diesen Jahrgang abgefüllt. Zumal der Plantation Rum als Port Mourant Rum nicht richtig zu erkennen war. Keine Ahnung was Ferrand mit dem Inhalt der gekauften Fässern anstellte. Einen Nachfolger aus 2005 gibt es auch schon. Aber ich denke auf diesen Rum werde ich persönlich verzichten. Diese Abfüllung bekam laut Label eine weitere Reifezeit in ehemaligen Portwein-Fässern (Port Pipes). Der Vorgänger hatte zwei Jahre darin verweilen dürfen. Ob dieser Rum länger oder dieselbe Zeitspanne darin reifen durfte ist mir leider nicht bekannt. Diese Informationen fehlen auf dem Label. Leider gibt es hier auch keine Angabe zur Flaschenanzahl oder den Fässern. Das ist aber leider bei diesem Abfüllers keine Seltenheit. Nur bei wenigen Abfüllungen findet man eine Flaschenanzahl oder eine Angabe zum Fass. 

Apropos fehlende Infos auf den Labeln: Was die Unabhängigen Abfüller nicht vom Verkäufer der Fässer erfahren, können sie auch nicht auf das Label packen. Das wurde beim letzten Review wieder einmal aufgebracht und ich denke ich sollte dies noch einmal erwähnen. Diese Informationspraxis der Bulk- und Zwischenhändler ist, milde ausgedrückt, ein Witz und stark verbesserungswürdig. Vielleicht ist Rum einfach noch immer zu unwürdig um ihm die gleiche Behandlung wie Whisky erfahren zu lassen. Dort erfährt der Käufer (und auch spätere Abfüller) sehr viel über das Fass und seinem Ursprung. Diese Informationen gibt er auch an den Käufer weiter. Glauben sie also bitte nicht, dass ihnen jeder Abfüller diese Informationen mit Absicht vorenthält. Ausnahmen gibt es zwar, welche zu ihren Abfüllungen nur das Land angeben und sonst rein gar nichts, aber die Hauptmasse sollte man deswegen nicht pauschal verurteilen. Absolute Vorbilder sind hier bisher die Dated Distillation Serie von Cadenhead und auch Velier gewesen.
 
Und da wir auch beim Thema Guyana sind möchte ich noch eine kleine Anmerkung in eigener Sache hinzufügen: Es wird wohl denke ich so schnell keine alten Abfüllungen aus Guyana mehr geben, oder sie werden lächerliche und utopische Preise kosten. Rums wie diese, die jung und frisch sind werden wohl in Zukunft den Markt dominieren. Dafür wird die erst jetzt anziehende Nachfrage sorgen. Viele Jahre ist nichts mehr gekauft worden, da die Lagerhäuser voll waren und die Flaschen teilweise wie Blei sehr lange in den Läden lagen. Wie sonst kann ich mir die Verfügbarkeit einiger Rums aus 2000 oder 2007 bis vor ein oder zwei Jahren erklären? Erst die letzten drei Jahre wurden Altbestände eliminiert und junge Jahrgänge beginnen langsam den Markt zu dominieren. Sollte die Nachfrage anhalten, dann wird es eventuell keine Fässer mehr für ältere Abfüllungen geben sondern es werden fast nur junge Abfüllungen nachrücken. Sicherlich hatte die Arbeit des Blogs und unser Bemühen die UAs mehr in den Fokus zu rücken einen Teil zur Nachfrage beigetragen. Vielleicht kommt das gestiegene Interesse auch von den hohen Preisen beim Whisky und dort sucht man einfach nach günstigeren sogenannten „Malternativen“. Das dieses Destillat (Rums von UAs) das Potenzial hierfür besitzt, steht für mich außer Frage. Die Zeit wird zeigen wohin die Reise gehen wird. 

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Verkostung Bristol Classic Rum Port Mourant 1999 14 YO:

Preis: Meine Flasche erstand ich für 47,60€ ohne Versandspesen beim Koelnerrumkontor.

Alter: Auf dem Label gibt es kein offizielles Alter. Der Rum wurde im Jahre 1999 destilliert und abgefüllt wurde er schließlich 2013. Er ist vermutlich an die 14 Jahre alt.

Alkoholstärke: Keine große Überraschung: Die Abfüllung hat die Standard-Trinkstärke von 46%vol.

Destillationsverfahren: Der Name verrät es schon. Hinter diesem Rum steckt die Double Vat Still aus der lange geschlossenen Port Mourant Distillery, welche sich seit 2000 auf dem Gelände von DDL (die ehemalige Diamond Distillery) befindet.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem Goldton im Glas. Er ist ein wenig heller als sein Vorgänger aus 2010. Ob dies nun auf das Bourbon- oder Port-Fass zurückzuführen ist kann ich leider nicht sagen. Es zeigen sich leicht rötliche Reflexe im Licht. Das könnte von den Portwein-Rückständen im Weinfass kommen, welche sich während der Reife darin mit dem Rum vermählt haben.

Viskosität: Der Rum fließt in dünnen Schlieren relativ schnell zurück zum Glasboden. Kleine Glasperlen benetzen die Glaswand. Die Öligkeit ist gefühlt für 14 Jahre ein wenig zurückhaltend. Wieder inaktive Bourbon-Fässer wie beim Uitvlugt 1998er Batch? Lassen wir den Rum selbst sprechen.

Nase: Der Rum durfte nun über eine halbe Stunde atmen. Ich rieche wunderschöne Anisaromen und minimale Nuancen von feuchtem Holz. Auch dunkle Gewürze und eine im Hintergrund versteckte minimale Bitterkeit kann ich erkennen. Allerdings wird diese von einer sehr schwachen Süße überdeckt. Aber man kann sie riechen. Weit vom Glas entfernt riecht man leichte Vanille und wunderschöne Fruchtaromen. Darunter auch Mangos und Papayas. Da ist noch mehr. Aber diese anderen Fruchtaromen kann ich nicht eindeutig bestimmen. Das Weinfinish ist nicht zu dominant, macht sich aber in der Nase durch rote Früchte bemerkbar. Die Geruchsgrenzen sind leicht verschwommen und einige Weinnoten haben sich unter den Aromen des Rums gemischt. Da ich aber kein Weinkenner bin, kann ich hierzu keine weiteren Angaben machen. Der Alkohol sticht leicht in der Nase. Taucht man die Nase tief ins Glas, dann wird man von einer Mischung aus Anis, Holz, Gewürzen und Frucht bombardiert. Man könnte hier auch an eine Schokolade mit hohem Kakao-Anteil denken.

Gaumen: Zuerst wärmt der Alkohol leicht den Mundraum. Danach schmecke ich eine Kombination aus Anis-, Holz- und Gewürzaromen. Hier schmecke ich nun leicht die in der Nase schon erkannte Bitterkeit. Ich kann überhaupt keine Süße im Rum erkennen. Sollte sie vorhanden sein, dann wird sie von dieser Bitterkeit vollständig ausgeglichen. Die Geschmacksgrenzen sind sehr verschwommen. Neben den Gewürzen, wie Nelken, schmecke ich sehr schwache Raucharomen. Die sehr geringe Süße am Gaumen deutet auch auf wenig Einfluss vom Bourbon-Fass hin. Dieser Rum musste vermutlich blass bis leicht golden gewesen sein, bevor er ins Weinfass kam. Die leichte Bitterkeit kommt vielleicht von der Eiche des Weinfasses. Für einen Sekundenbruchteil dachte ich sogar, Holzkohle neben den Gewürzen zu schmecken. Die Frucht ist leider nicht besonders dominant am Gaumen ausgeprägt. Dennoch schmecke ich rote Früchte. Aber die Frucht wird von diesem Mix einfach überwältigt und verweilt eher im Hintergrund. Wieder werde ich an den Geschmack einer dunklen Schokolade mit hohen Kakao-Anteil erinnert.

Abgang: Nuancen von schwachen Rauch mit Holz und Anis bilden den Anfang des Abgangs. Langsam kommen wieder die leichte Bitterkeit und die Gewürze zum Vorschein. Auch Eichenaromen schmecke ich ganz kurz. Wieder muss ich hier an Holzkohle und Bitterschokolade denken. Eine ungewöhnliche Kombination? Mit Sicherheit. Vielleicht schmecken sie hier etwas anderes. Der Abgang ist leicht trocken. Auch hier bestätigt sich meine Vermutung eines unreifen Port Mourants mit einer fast überhaupt nicht vorhandenen Süße. Das Bourbon-Fass musste sehr oft benutzt worden sein. 

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Fazit: Ein sehr solider Rum aus der Port Mourant Still. Sein Geld von rund 48€ ist er wert in meinen Augen. Da bieten andere Abfüller Rums mit weit weniger Komplexität und Qualität für mehr Geld an. Für absolute Puristen und Connaisseure, die mehr wert auf einen nicht süßen oder leicht bitteren Geschmack legen, wäre dieser Rum geeignet. Zumindest konnte ich keine Süße entdecken. Sie geht in diesem Geschmacksprofil am Gaumen für mich einfach etwas unter. Er könnte also auch etwas für Whisky-Liebhaber sein, welche nicht begeistert von zu viel frischer Weißeiche in einem Destillat sind. Am sichersten würde man mit einer Flaschenteilung sein. Dann hätte man keine angebrochene Flasche im Regal stehen, die man nicht trinken kann oder will.

Für die obigen genannten Gruppen gebe ich eine Kaufempfehlung. Zumindest sollten sie diesem Rum eine Chance geben (Samples oder Flaschenteilung). Dieser Rum aus 2013 ist, aus dem Gedächtnis heraus, nicht wahnsinnig anders als sein Vorgänger aus 2010. Identisch dürften sie aber nicht sein. Das deutet die Farbe allerdings auch an. Ein direkter Vergleich steht bei mir noch aus. Die Farbunterschiede beider Abfüllungen kann ich mir durch die unterschiedlichen Bourbon-Fässer oder ein aktiveres Weinfass erklären. John Barrett hatte bisher keine Abfüllung aus der Double Vat Still der seit 1955 geschlossenen Port Mourant Distillery, welche ein kompletter Fehlschlag war. Für Jamaika kann ich leider nicht sprechen, aber ich denke Flo war nicht restlos von allen Abfüllungen dieses Abfüllers begeistert. Ich konnte diesem Rum einiges abgewinnen und das trotz der Tatsache, dass ich eigentlich mit Wein absolut nichts anfangen kann. Welch Ironie für einen Franken, welcher in der Nähe einer solchen Weinhochburg lebt und mit diesem Getränk absolut nichts anfangen kann.

Bisher brachte John Barrett bei einigen, dem Anschein nach, beliebten Abfüllungen einen Nachfolger auf den Markt. Dies war z.B. auch beim Bristol Classic Rum Port Mourant 12 YO (1986-1998) der Fall, welcher den Bristol Classic Rum Port Mourant 12 YO (1988-2000) als Nachfolger hatte. Beide Abfüllungen sind allerdings nicht identisch. Der Stil ist derselbe, die Qualität ist nicht identisch. Der letztere Rum hatte schon seinen Auftritt auf dem Blog. Die erste Abfüllung wartet noch darauf. Dies war auch schon beim Bristol Classic Rum Fine Cuban Rum 2003 (2010 & 2012) und beim Bristol Classic Rum Finest Trinidad Rum Caroni 1996 (2008 & 2011) der Fall. Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag!

Marco

Sonntag, 27. Juli 2014

BB&R Demerara Rum Port Mourant Islay Cask 1992 15 YO

Willkommen auf BAT werte Leser

Heute ist ein Rum an der Reihe, der eigentlich schon vom Markt verschwunden ist. Es ist ein Rum vom englischen Abfüller Berry, Bros & Rudd. Allerdings ist dies keine gewöhnliche Abfüllung. Dieser Rum hat ein besonderes Finish erhalten. Es handelt sich um den BB&R Demerara Rum Port Mourant Islay Cask 1992 15 YO.

Zur Abfüllung:

Im Jahre 2007 veröffentlichte Berry, Bros & Rudd einige sehr gute Rums. Hierzu gehörte ein Rum aus Barbados, einen Jamaikaner und vier Demeraras. Zu den Demeraras gehörten zwei Rums aus der Versailles Still (einmal unter dem Label Enmore und einmal mit der Angabe Versailles Still) und zwei Rums aus der Port Mourant Still. Bei den Letzteren stammte einer der Rums aus dem Jahrgang 1975 und ist nur noch zu utopischen Preisen zu ersteigern. Der zweite Rum kam aus dem Jahrgang 1992 und hatte ein Finish in einem ehemaligen Islay-Cask. Letzterer ist die heutige Abfüllung. Rückblickend betrachtet waren alles hochkarätige Rums, von denen wie gesagt, nur noch einige zu kaufen sind und die Preise sind wiederum sehr hoch anzusiedeln. Gerade die beginnende Beliebtheit nach alten und gefärbten Rums von 1973, 1974 und 1975 wird wohl noch zu weiteren Preisschüben führen. Aber langsam aber sicher werden diese alten Jahrgänge gänzlich verschwinden. Der Jahrgang 1992 ist mir nicht ganz unbekannt. Auch der Abfüller Blackadder hatte einen Port Mourant mit Islay Finish aus diesem Batch abgefüllt. Auch Cadenhead hatte schon einige Rums aus Port Mourant mit einem Laphroaig- und einem Springbank-Finish abgefüllt. Die Farbe des Rums ist strohgelb. Dies verheißt einen unreifen Port Mourant. Dies wiederum bedeutet einen rauchigen (ja Rauch) Rum. Ich bezweifle das dies mit einem Islay-Cask-Finish groß ins Gewicht fallen wird, da Whiskys von dieser Insel zu den rauchigsten und torfigsten überhaupt zählen. So gesehen war dieser Rum wohl auch nie nur für reine Rum-Connaisseure gedacht, sondern war wohl eher etwas besonderes für Whisky-Liebhaber. Alle diese Rums waren wohl vermutlich fast die gesamte Zeit in diesen Whiskyfässern. Auch bei dieser Abfüllung vermute ich den Hauptanteil der Reifezeit in diesem Whiskyfass. Dies würde für mich auch die blasse Farbe erklären. Das Fass war wohl schon ausgelutscht und zu oft verwendet worden. Aber wir wollen einmal nicht voreilig urteilen, auch wenn der TWA Uitvlugt 1998 14 YO einen vergleichbar selben Reifemangel besaß.

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Verkostung BB&R Demerara Rum Port Mourant Islay Cask 1992 15 YO:

Preis: Mein Sample bekam ich von Noge aus der Rum-Community. Der Rum selbst kam vermutlich ursprünglich zwischen 60-70€ auf den Markt.

Alter: Das offizielle Alter beträgt 15 Jahre. Der Rum wurde in Uitvlugt (dort stand zu diesem Zeitpunkt die P.M.-Vat-Still) im Jahre 1992 destilliert und 2007 von BB&R abgefüllt.

Alkoholstärke: Keine große Überraschung hier. Der Rum hat die Standard-Trinkstärke von 46%vol..

Destillationsverfahren: Die offizielle Angabe sagt Pot Still. Hiermit ist allerdings die Double Vat Still gemeint, welche aus der alten Port Mourant Distillery stammt. Diese Destillerie gibt es schon seit 1955 nicht mehr. Alles was von ihr blieb war diese Brennblase.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem hellen Goldton. Für 15 Jahre ist dies sehr hell.

Viskosität: Der Rum fließt schnell zurück zum Glasboden und bildet viele dünne Schlieren. Dabei bleiben viele Perlen an der Glaswand haften. Die Öligkeit ist gefühlt ein bisschen wenig für 15 Jahre Fassreife.

Nase: Die Nase beginnt mit starker Fruchtigkeit. Ich rieche Mangos, reife Papayas und noch viele andere exotische Früchte. Die Süße ist angenehm aber nicht zu intensiv. Die typischen Port Mourant Anis- und Holzaromen sind deutlich im Glas vorhanden. Auch eine Spur Leder und Gewürze kann ich riechen. Da ist noch viel mehr im Hintergrund versteckt. Leider kann ich es nicht genau einordnen. Dazu gesellen sich die für mich typischen Raucharomen einey unreifen Port Mourants. Hier allerdings rieche ich auch noch Torf. Islay lässt grüßen. Das könnte eine Torfgranate sein.


Gaumen: Wtf?! Zuerst schmecke ich ganz kurz eine wunderbare Fruchtigkeit, die jedoch locker von starken Raucharomen beiseite geschoben werden. Dieser Rum schmeckt fast wie ein verräucherter Abend in einer kleinen Stadtkneipe. Jene Art von Kneipen, in denen man vor dem Nichtraucherschutzgesetz die Luft fast schneiden, bzw. auch durchaus kauen konnte. Ich schmecke Holzkohle und beißenden Rauch. Auch Torf ist in dem Rum enthalten. Er begleitet geradezu alle anderen Aromen. Ist das noch ein Rum? Technisch gesehen ja. Nur eine minimale Restsüße vom Bourbon-Fass, die fast nicht gegen diese dominanten Whisky-Aromen ankommt erinnert noch daran, das es sich hier um einen Rum handelt, welcher in einem Ex-Islay-Cask lagerte und nicht ein Whisky mit einem Rum-Cask-Fnish ist. Die Kombination ist gut gelungen. Allerdings fehlen mir hier die Fassaromen.

Abgang: Wieder beißender Rauch und Holzkohle. Nur ganz kurz und sehr schwach schmecke ich für einen Sekundenbruchteil Anisaromen der Port Mourant Still. Der dominante und beißende Rauch bleibt sehr lange am Gaumen erhalten und wird noch mit einem Schuss Holzkohle bereichert. Auch Torf begleitet diese Aromen Der Abgang ist lang. 

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BB&R PM 1992
Quelle: masterofmalt.com
Fazit: Ein ganz außergewöhnlicher Rum. Seit der Finest Spirits bin ich auch ein Fan von nicht zu extremen Whiskys geworden. Schuld daran ist auch Doug McIvor. Dieses Sample bekam ich weit davor. Bei meinem ersten Tasting gefiel mir der Rum überhaupt nicht. Als ich nach der Finest Spirits 2014 ich ihm eine zweite Chance gab, gefiel er mir ganz gut. Der Hauptkritikpunkt jedoch bleibt bestehen: Das Fass war einfach schon zu inaktiv. Ich weiß allerdings, dass viele Whisky-Experten zu viel frische Weißeiche nicht mögen. Das mag vielleicht bei Whisky funktionieren. Bei vielen Rums funktioniert das nicht. Zu unreif entwickeln einige Rum-Stile nicht ihr volles Potenzial und enden als Alkohol mit ein bisschen Geschmack. Ganz so wie der TWA Uitvlugt 1998 14 YO, der gefühlte 2-4 Jahre Fassreife am Gaumen besaß. Der Alkohol mag seine Schärfe durch die Lagerung verloren haben, dafür war die Fassreife nur in geringen Mengen vorhanden. Ihnen fehlt einfach Komplexität. Bei diesem Rum ist dies zwar auch der Fall, aber hier fällt es nicht so sehr dramatisch ins Gewicht, da dieser Rum-Stil mit mittleren Körper dies noch eher verträgt als ein leichtes Destillat. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Dieser Rum war 60-70€ durchaus wert, allerdings durch das spezielle Fass wohl nur für eine bestimmte Käuferschicht zugeschnitten. Warum es bei diesen wenigen Abfüllungen verblieb, in denen man Rum mit Whisky-Fässern veredelte ist mir nicht ganz ersichtlich. Während der Berrys schon länger etwas knapp war, gab es noch bei einigen Shops die sehr blassen Rums von Cadenheads mit den oben genannten Whisky-Fässern. Diese lagen gefühlt etwas länger bei den Händlern. Anscheinend war das Konzept nicht interessant genug, denn weder Cadenhead noch Berry, Bros & Rudd wiederholten dieses Experiment.

Nach dem zweiten Tasting mochte ich diesen Rum. Der Whisky-Einfluss war nicht zu dominant, ist aber aufgrund der Herkunft des Fasses für viele Rumtrinker wohl nicht geeignet. Whisky-Liebhaber wären hier im 7. Himmel gewesen. Für mich jedenfalls war diese Abfüllung eine Horizonterweiterung. Auch wenn er für 15 Jahre etwas unreif ist, wäre er das Geld wert gewesen. Im Gegensatz hierzu mag ich den TRC Panama 8 YO nicht wirklich. Bei dieser Abfüllung schmeckte ich gefühlt gar keinen Rum. Witzig ist vor allem, dass das Finish nicht erwähnt wird. Wie sehen sie das, werte Leser? Sollten einige Unabhängige Abfüller weiter solche Rum-Exemplare abfüllen, wie dies u.a. jüngst auch TRC und das Brühler Whiskyhaus getan haben, oder sollten sie dies lieber bleiben lassen? Ich wünsche Euch allen noch einen schönen Sonntag! 

Marco


Sonntag, 20. Juli 2014

Coming in 2014 / 2015

The History of the Distilleries of Trinidad & Tobago

A little work about history, traditions, sugar and rum.


(In Deutsch und Englisch)
(In German and English)




Sonntag, 13. Juli 2014

TWA Guyana (Uitvlugt) Rum 1998 14 YO

Wieder einmal Hallo und willkommen auf BAT!

Heute ist mal wieder ein Rum aus Guyana, besser gesagt aus der Region Demerara, an der Reihe verkostet zu werden. Diese Abfüllung wurde 2012 abgefüllt und noch im gleichen Jahr auf den europäischen Markt gebracht und ist noch bei einigen Händlern zu finden.

Zur Abfüllung:

Die Abfüllung stammt von den beiden Abfüllern The Whisky Agency und The Nectar. Erster kommt aus Deutschland und der Letztere aus Belgien. The Nectar hatte schon in der Vergangenheit einige Rums der Plantation Reihe veröffentlicht. Dazu zählte auch ein Rum aus Jamaika mit dem Jahrgang 1983. The Whisky Agency ist noch nicht allzu lange im Rum-Segment vertreten. Diese Abfüllung hier muss dem deutschen Abfüller wohl gefallen haben, denn es gab eine weitere Veröffentlichung. Den Guyana (Uitvlugt) 1998 15 YO mit 51,7%vol.. Dieser hatte also dieselbe Trinkstärke, was aber nichts zu bedeuten hat (Stichwort Verdünnung), und das Fass brachte dort insgesamt 269 Flaschen hervor. Von dieser Abfüllung hier gab es 253 Flaschen weltweit. Der Jahrgang 1998 hatte schon einige Rums hervorgebracht. Da wäre unter anderem der Mezan Guyana Uitvlugt 1998 13 YO mit 40%, der allerdings in Barrique Fässern gereift sein könnte. Zumindest steht etwas mit Barrique Aged auf dem Label. Andere Rums aus diesem Jahrgang sind der TheRumCask Uitvlugt Rum 1998 15 YO mit 63,2% und der Scotland and Malts Guyana Limited Rum 1998 (Uitvlugt) 14 YO mit 63,2%. Alle Rums stammen wohl aus demselben Batch und dürften in der Grundkonsistenz recht ähnlich sein. Die Trinkstärke von 51,6%vol. lässt mich vermuten, dass dieser Rum hier verdünnt wurde. Ein Vergleich mit den beiden anderen Rums mit 63,2% erhärtet diesen Verdacht auch. Das wäre aber allerdings nichts neues. Auch Duncan Taylor hat die Rums ihrer Rum-Serie vermutlich verdünnt. Das muss also noch lange nichts schlechtes bedeuten. Eine Verdünnung kann einem Rum durchaus gut tun.
Was mich allerdings mehr als beunruhigt ist die blasse Farbe des Rums. Bisher waren alle Rums dieses Batches geradezu bleich, wenn man sie mit anderen Rums ähnlichem Alters vergleicht. Sogar einige jüngere Varianten, z.B. der TheRumCask Worthy Park 4 YO, hatten einen satteren Farbton im Glas als diese Rums aus Uitvlugt von 1998. Mittlerweile haben sogar Berry, Bros und Rudd, Duncan Taylor und Isla Del Ron jeweils ein Fass dieses Batches abgefüllt. Bei allen ist die Farbe relativ ähnlich blass. Hier muss also wohl eine ganze Menge an inaktiven, bzw. „toten“ Fässern verwendet worden sein. Wie sich dies im Glas niederschlägt werden wir hier nun „sehen“.

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Verkostung The Whisky Agency Guyana (Uitvlugt) Rum 1998 14 YO:

Preis: Der reguläre Preis dieser Abfüllung war und ist noch um die 69.00€. Mein Sample bekam ich aus Belgien, von einem kleinen Subshop von the Bondingdram.eu.

Alter: Das offizielle Alter beträgt 14 Jahre. Der Rum reifte von 1998 bis 2012 in einem ehemaligen Bourbon Fass. Dieses war, wie oben schon erwähnt, wohl schon ziemlich ausgelutscht und hatte den Rum nicht viel reifen lassen. Ich habe hier wirklich eine böse Vorahnung, hoffe jedoch auch mich gründlich zu täuschen.

Alkoholstärke: Die Trinkstärke dieser Abfüllung beträgt 51,7%vol.. Wie bereits erwähnt, vermute ich hier eine Verdünnung. Die ursprüngliche Trinkstärke dürfte so um 64%vol. herum gewesen sein, wie man es bei anderen Rums dieses Batches sehen kann.

Destillationsverfahren: Hierzu gibt es keine offizielle Angabe. Es gibt aber zwei Möglichkeiten. Die Erste wäre ein Rum aus der French Savalle Still, die angeblich leichte Destillate hervorbringt. Die Zweite wäre ein Rum aus der Port Mourant Still. Allerdings steht eindeutig Uitvlugt auf dem Label. Ich tendiere hier also eher zu Möglichkeit Nummer eins.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem sehr hellen Goldton. Er ist etwas blass. Für 14 Jahre zu blass. Hier oxidierte der Rum ohne wirklich viel vom Fass abbekommen zu haben.

Viskosität: Vom Rand an der Krone fließen sehr viele kleine Schlieren relativ schnell hinab zum Glasboden. Die Öligkeit ist nicht sehr hoch. In meinen Augen für 14 Jahre zu wenig.

Nase: Die Nase ist etwas verhalten. Das habe ich bereits befürchtet. Selbst nach einer sehr langen Zeit (30 Minuten) ist die Fülle an Aromen immer noch begrenzt. Der deutlichste Geruch ist die dezente Vanille vom Fass. Dazu gesellen sich einige Fruchtaromen, die jedoch nicht sehr dominant in der Nase sind. Ich erkenne schwach Bananen und Mangos. Ebenfalls eher im Hintergrund versteckt erkenne ich auch noch Gewürze und ganz schwache Anisaromen. Es ist sehr schwer etwas ganz genau aus dieser verhaltenen Nase herauszupicken. Der Rum ist nicht so intensiv, wie ich es sonst von Uitvlugt gewohnt bin. Hier war der Uitvlugt 1988 Full Proof Old Demerara 17 YO ein sehr schönes Beispiel eines sehr reifen Rums aus dieser Still. Besagte Abfüllung wurde hier noch nicht vorgestellt.

Gaumen: Eine nicht zu aufdringliche Süße breitet sich im Mundraum aus. Danach schmecke ich Vanillearomen und ganz minimal feine Aprikose. Der Rum hat eine sehr cremige Struktur. Der Alkohol brennt zuerst etwas, lässt dann aber schnell nach. Der Rum kommt sehr glatt daher. Er ist sehr leicht und unbeschwert zu genießen. Mit Rums aus der Port Mourant Double Wooden Vat Still kann nicht mithalten, dafür ist er aber auch einfacher zu trinken. Das Fehlen von Fassaromen, welches sich schon deutlich in der Nase bemerkbar gemacht hat, bestätigt sich auch hier am Gaumen. Außer einigen Vanillearomen hatte das Fass ihm nichts mitgegeben. Es hat ihn nicht wesentlich bereichert.

Abgang: Feine Vanille, vermischt mit Gewürzen und einem Hauch von Früchten bilden den Anfang des Abgangs. Nach einigen Sekunden kommen die Gewürze etwas mehr zum Vorschein. Der Abgang ist leider nicht sehr lang, dafür wieder sehr glatt und leicht.

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Quelle: thewhiskycask.de
Fazit: Wie lautet nun mein Fazit? Dieser Rum ist nichts für Fortgeschrittene oder „altgediente Hasen“. Der Rum hat aber auch seine Vorteile. Er ist ideal für Anfänger geeignet, welche sich dem Thema Rum nähern wollen. Er ist leicht und glatt am Gaumen. Allerdings ist er für all jene, welche schon Erfahrungen mit Fassstärke und / oder den Ländern Jamaika, Barbados, Trinidad, St. Lucia, Fiji oder anderen Demeraras von diversen UAs gemacht haben, sehr unterfordernd. Dies sage ich nun nicht mit anmaßender Arroganz, sondern mit einer ernüchternder und bleiernen Enttäuschung. Ich hatte wirklich mehr erwartet. Vielleicht wurde ich hier von Velier zu sehr verwöhnt. Aber selbst wenn dies stimmt, dann bin ich von allen alten Jahrgängen von Bristol, Cadenhead, etc. verwöhnt. Warum? Fast alle alten Rums hatten eine sehr schöne Reife und diese schlägt sich deutlich im Genuss nieder. Selbst neuere Rums, wie z.B. aus Jamaika, Barbados, St. Lucia und Fiji (nur um einige zu nennen) hatten aktivere Fässer und schmecken auch einfach besser. Und dies hat mit der verwendeten Still nichts zu tun. Ein solches unreifes Exemplar hatte ich auch schon aus der Versailles Still und sonst sind diese Rums, gut gereift, absolute Burner in meinen Augen. Das Uitvlugt mit seiner French Savalle ganz gut sein kann, hatte Velier gezeigt.
Rums wie diese Abfüllung aus 1998 beweisen mir, dass das beste Destillat absolut nichts bringt, wenn man es in inaktive oder tote Fässer steckt. Genauso gut könnte man den Rum in Glas- oder Stahltanks reifen lassen. Sicherlich, die haben null Fassreife. Aber dieser Rum hier hat niemals volle 14 Jahre Fassreife auf dem Buckel. Zugegeben: Der Rum ist nicht scharf, was typisch für junge und ungereifte Rums ist. Aber von der Qualität tropisch gelagerter Rums oder aktiveren Fässern, welche ihren Rums mehr Reife und Fassaromen bescheren, ist diese Version weit entfernt.
Nun die alles entscheidende Preisfrage: Ist der Rum nun sein Geld wert? Wenn sie auf sehr leichte Rums mit einem unkompliziertem Charakter stehen, dann könnte ihnen der Rum vielleicht das Geld wert sein. Ich konnte ihm nichts abgewinnen. Ich denke dieses eine Sample reicht für mein restliches Leben und deshalb gebe ich hier keine Kaufempfehlung ab. Ich bin sogar froh, hiervon keine ganze Flasche gekauft zu haben. Aber wie immer müssen sie das als mündige Bürger und Käufer selbst entscheiden, in was sie ihre sauer verdienten Mäuse stecken wollen. Nichtsdestotrotz wünsche ich Euch noch einen schönen Sonntag! 

Marco

Sonntag, 29. Juni 2014

RDS West Indies Rum Distillery (Rockley) 14 YO

Willkommen verehrte Leser! 

Heute haben wir es mit einer Premiere zu tun. Ein weiterer Unabhängiger Abfüller hat sich in das Rum-Segment gewagt und es ist ein Deutscher. Die Rede ist von Marco Bonn Whiskyhaus in Brühl. Gleich fünf Rums hat Herr Bonn abgefüllt. Einen Rum aus Nicaragua (Campania Licorera Distillery 15 Jahre), einen Rum aus Panama (Don Jose Distillery 8 Jahre), einen Rum aus Guadeloupe (15 Jahre alt), einen Rum aus Jamaika (Long Pond Distillery 14 Jahre) und einen ganz besonders und interessanten fünften Kandidaten.

Zur Abfüllung:

Die fünfte Abfüllung ist ein Bajan Rum aus der West Indies Distillery mit 14 Jahren aus dem Jahre 2000. Bei jedem Kenner müssten angesichts dieser Angaben die Alarmglocken schrillen. Dies könnte ein Rum des Rockley Stils sein. Der letzte große Jahrgang war 1986 und die letzte Abfüllung, welche dieser Jahrgang hervorbrachte, war der Duncan Taylor West Indies Rum Distillery 25 YO. Diese Abfüllung war ein ganz besonderer Rum und für mich die Krönung des Jahrgangs 1986. Andere Connaisseure mögen den Berrys Bros & Rud Finest Bajan Rockley Still 1986 21 YO als den besten Vertreter dieses Jahrgangs betrachten, für mich allerdings ist diese Fassstärke-Variante mit vier zusätzlichen Jahren das Non-Plus-Ultra gewesen. War beim Cadenhead Dated Distillation BBR 11 YO die Verwandtschaft zum Jahrgang 1986 noch nicht so offensichtlich vorhanden (erst nach längerem Luftkontakt entfalteten sich die Honigaromen), kamen die typischen Honigaromen beim TRC West Indies Distillery 12 YO schon etwas deutlicher zum Vorschein. Eindeutig ein genialer Rockley war der L'Esprit Barbados Blackrock Distillery 12 YO. Seine Vanillearomen, gepaart mit Honig, waren schon ein deutliches Signal, wohin die Reise dieses Jahrgangs gehen kann. Dann kam die Abfüllung von TheRumSwedes Barbados West Indies Rum Distillery 13 YO. Leider war und ist der Preis dank der schwedischen Regierung zu hoch. Die Qualität war eindeutig bemerkenswert. Hier konnte man die Parallelen zum Jahrgang 1986 so deutlich wie noch nie sehen. Allerdings werden nicht mehr viele Connaisseure die alten Rums aus 1986 in diesem jungen Alter kennen. Ich denke ich bin einer der Wenigen. Die meisten werden den Bristol Classic Rum Rockley 12 YO kennen, welcher ähnlich jung war. Der Berrys und der Taylor waren älter und der Bristol Classic Rum Rockley 16 YO hatte ein Fino-Sherry-Finish, welches die Geschmacksgrenzen der einzelnen Nuancen ein wenig verschleierte.

Laut einem Video von ihm, war es schon lange Marco Bonns Traum eine eigene Rum-Serie zu starten. In diesem Jahr erfüllte sich wohl sein Traum. Laut eigener Auskunft wurden nur Rums abgefüllt, von denen Herr Bonn auch überzeugt war. Ich hätte denke ich einiges dafür gegeben, nur um Herr Bonns Gesicht gesehen zu haben, als er diesen Schatz verkostete. Er musste wohl sehr fasziniert gewesen sein. Ich muss zugeben, dass ich diesem Rum hier schon kenne, da ich ihn vor dem Review verkostet habe. Die Versuchung war einfach viel zu groß für mich. Warum ich nicht die Finger hiervon lassen konnte? Der L'Esprit Barbados Blackrock Distillery 12 YO mit 57,7%vol besaß eine sehr sehr gute Reife. Man merkte den delikaten Einfluss von frischer (oder neuer ausgekohlter) amerikanischer Weißeiche. Leider war der Rum dort viel zu schnell verschwunden und für viele deutsche Genießer wohl außer Reichweite. Wenn also die Reife bei 57,7% schon mehr als sehr gut war, wie genial müsste dann ein solcher Rum mit 56,8% und zwei zusätzlichen Jahren sein? Diese Prozentangabe sagte mir als Kenner also eine Menge aus und so bestellte ich blind meine Flaschen. Ich wusste ziemlich genau was in diesen Flaschen war. Dieses Wissen musste ich mir mit einigen Fehlkäufen in der Vergangenheit teuer erkaufen. Auch die Farbe des Rums passte.

Auch wenn ich über die Floskel „die Macht der Fässer“ in Bezug zu einigen offiziellen Abfüllungen nur schmunzeln kann (wie zum Geier bekommt man aus einem Fass 20-60g Zucker pro Liter oder derart künstliche Geschmacksaromen, dass sich die Zehennägel schon unweigerlich beim Schnuppern hochrollen?), so trifft sie doch für fast alle Rums von Velier zu und bewies mir sowohl den positiven als auch den negativen Einfluss in den Tropen. Was dort in der Karibik funktioniert, dass geht auch in Schottland. Das bewiesen Cadenhead, Berry Bros & Rudd, Bristol und alle anderen schon seit Jahren. Hier hatte das Fass einen perfekten Einfluss gehabt. Das kann und will ich hier einmal vorwegnehmen. Manche Whisky-Kenner werden hier nun die Nase rümpfen und an „too much fresh white oak“ denken. Mir ist dies Schnuppe. Diese Aromen gehören und sollten auch in einem guten Melasse-Rum zu finden sein.

Leider gibt es auf dem Label keine Anzahl der Flaschen. Wenigstens wird die Fassnummer, es war die #61, und auch eine Pot-Still als Urspung erwähnt. Auf dem Label fehlt leider die obligatorische Angabe des Verzichts einer Kühlfiltration und das nichts hinzugefügt wurde. Ein kleiner Minuspunkt in meinen Augen. Jammern auf hohem Niveau? Vielleicht. Aber solche Details machen eine Abfüllung in meinen Augen einfach seriöser. Aber genug gequasselt. Auf zur Verkostung! 

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Verkostung RDS West Indies Rum Distillery (Rockley) 14 YO:

Preis: Eine 0,5l Flasche kostet 36,90€. Kauft man drei und dividiert diese durch zwei, dann hat man einen Preis von 55,35€ für 0,75l und ist auch noch bequem über der Versandkostenpauschale.

Alter: Das offizielle Alter beträgt 14 Jahre.

Alkoholstärke: Die angegebene Trinkstärke beträgt noch ganze 56,8% und dürfte noch die volle Fassstärke sein. Dies deckt sich mit den von mir oben erwähnten Rums des Jahrgangs 2000.

Destillationsverfahren: Diese Angabe steht dem Label. Es war eine Pot-Still involviert.  Meine letzten Nachforschungen bezüglich Rockley haben mich aber auf den Gedanken gebracht, dass hier noch eine zweite Still in Reihe verwendet wird. Wenn ich hier auf diese Thema eingehen würde, dann würde dies den Rahmen des Reviews sprengen, aber ich denke man kann von einer zweiten Still ausgehen, welche hinter diesen „Rockleys“ steckt. Sobald ich Zeit habe, wird es einen eigenen Bajan-Distillers Artikel geben, welcher sich auch mit diesem Thema beschäftigen wird. Mehr möchte ich hier noch nicht verraten.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem sehr satten Goldton. Fast so tief und so wunderschön wie ein später Sonnenaufgang im Sommer.

Viskosität: Es bildet sich eine dicke Krone am oberen Glasrand. Von dieser fließen viele dicke und fette Tropfen in Schlieren hinab zum Glasgrund. Die Öligkeit ist für 14 Jahre mehr als gut.

Nase: Hell, yes! Ich rieche ganz feine und delikate Honigaromen, garniert und durchzogen von satter Bourbon-Vanille. Eine ganz schwache süße entschwebt dem Glas. Ich erkenne auch überreife Bananen, Mangos und andere exotische Früchte. Die Rauchigkeit junger Rockleys ist fast verschwunden (In meinen Augen ist Rauch Torf. Das sind für mich zwei unterschiedliche Nuancen. Das kann aber jeder sehen wie er will). Trotzdem riecht er immer noch leicht nach Medizin. Auch delikate Aromen von Teer und Anflüge von schwarzen Tee vorhanden. Auch ganz minimale Nuancen von Anis sind zu erkennen. Der Fasseinfluss ist für mich deutlich riechbar. Er ist allerdings komplett im positiven Bereich. Der Rum riecht wie eine reifere Variante des TheRumSwedes West Indies 13 YO und seine Vanille-Aromen sind stärker, als die des schon sehr reifen L'Esprit Barbados Blackrock Distillery 12 YO. Der Alkohol brennt sich sanft seinen Weg in die Nase. Die alkoholische Note ist allerdings (für mich) nicht besonders hoch. Dafür ist die Bourbon-Vanille-Honig-Teer Kombination einfach zu dominant. Diese Abfüllung kann von der Qualität mit den ganz Alten mithalten und zeigt deutlich ihre Verwandtschaft zum 1986er Jahrgang. Definitiv ein ganz großer. Würden ich hier Punkte vergeben, was nicht der Fall ist, wäre diese Nase hier ganz ganz oben an der Spitze.

Gaumen: Eine kurze und sehr schwache Süße umschmeichelt den Gaumen, dicht gefolgt von einem leichten Brennen im Mundraum. Sofort dominieren Honigaromen das Geschmacksbild und werden von dezenten Bourbon-Vanille-Aromen begleitet. Dazu gesellen sich nach einigen Sekunden auch Teer und wieder der leichte Geschmack nach Medizin. Der Teer war besonders im alten 1986 Jahrgang sehr präsent. Ich habe gerade einige Flashbacks an alte grandiose Abfüllungen. Dazu zählen auch der Cadenhead Green Label Barbados 13 YO (1986 – 1999/2000) und der Cadenhead Green Label 15 YO (1986 – 2001/2002). Einfach ein genialer Rum. Die Fruchtigkeit ist am Gaumen leider etwas dezenter als sie in der Nase war. Dennoch schmecke ich reife Bananen, garniert mit Honig, und auch noch ganz minimal Papayas. Nun schmecke ich auch etwas Eiche und Gewürze. Die letzten beiden Eindrücke sind sehr schwach. Ein wenig erinnert mich diese Kombination an schwarzen Tee.

Abgang: Der Abgang beginnt mit geballter Vanille-Honig-Power. Rockley at its best. Nach und nach kommen Teer und ganz schwache Anflüge von süßen Tabakblätter zum Vorschein. Selbst nach 10 Minuten dominiert immer noch der Honig mit Teer im Mund. Für einen Sekundenbruchteil muss ich wieder an schwarzen Tee denken, als der Rum im Mund immer mehr abklingt. 

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Fazit: Seien sie gewarnt liebe Leser: Die folgenden Worte schreibt ein Rockley-Fan und ein kaufender Kunde. Also keine Person welche sein Geld mit Werbung oder Tasting-Sessions verdient. Ich sage die folgenden Worte als Verbraucher und Liebhaber feiner Rums.

Der alte König ist tot (1986). Lang lebe der neue König aus Barbados (2000)! Einen Rum in dieser Qualität und zu diesem Preis aus dieser Destillerie werden sie denke ich so schnell nicht mehr finden. Für das Äquivalent von 55,35€ bei 0,75l und bei der gebotenen sehr hohen Qualität ist dieser Preis einfach unschlagbar. Von mir bekommt der Rum eine dicke Kaufempfehlung. Alle Liebhaber des Rockley Stils sollten hier unbedenklich zuschlagen. Hier kommen alle zu spät zum Rum dazu gestoßenen Connaisseure dem vergangenen Jahrgang 1986 verdammt nahe. Er ist ein würdiger Ersatz. Noch einmal: Ich betreibe hier keine Werbung. Ich empfehle diesen Rum als Verbraucher für Verbraucher. Der gebotene PLV schlägt den TRC (67,35 € / 0,7l) und den TheRumSwedes West Indies 13 YO (an die 100€ / 0,7l). Der TRC ist mehr Rauch-Medizin-lastig und hat sehr wenig Bourbon-Vanille. Haben sie es mehr mit Rauch und mehr Medizin (ja Rauch und nicht Torf), dann ist er weiterhin ihr Favorit. Dafür ist der Rum aus Schweden diesem Rum hier sehr ähnlich, ist aber aufgrund des Preises ein deutlicher Verlierer. Auch der L'Esprit Barbados Blackrock Distillery 12 YO für 72€ pro 0,7l war deutlich teurer und war innerhalb eines knappen dreiviertel Jahres in Frankreich ausverkauft. Ich werde hier keine Prognose wagen, da ich die Flaschenanzahl nicht kenne, aber ich persönlich habe mich mit diesem sehr sehr guten Rum eingedeckt. Deutschland kann sich aufgrund seiner zentralen Lage und dem großen Angebot an Rum wirklich glücklich schätzen, dass mittlerweile jedes Jahr solche Rums auf dem Markt aufschlagen. Auch zeigt dieser Rum das handwerkliche Können auf der Insel Barbados und das Rum an sich dazu sehr wohl in der Lage ist, eine hohe Qualität zu liefern, ohne das offensichtlich am Rum herumgedoktert wurde. Schnappt euch diesen Rum solange es ihn noch gibt. ;)

Diese Abfüllung ist wie geschaffen für einen Vergleich mit einem gleichaltrigen Genossen, ebenfalls in Fassstärke und aus dem Jahre 1986. Von welcher Abfüllung rede ich hier eigentlich? Ich rede vom Cadenhead Dated Distillation BRS (Rockley) Blackrock Distillery 14 YO mit 69,2% (1986 - 2000), welche ich exakt einmal besitze. Durch einen glücklichen Umstand konnte ich diese Flasche ergattern und der darin enthaltene Rum ist das perfekte Vergleichsmaterial mit diesem Rum von Marco Bonn. Was sofort auffällt ist die geringere Fassstärke. Warum der Jahrgang 2000 mit dieser geringen Trinkstärke abgefüllt wurde ist mir nicht bekannt. Sollten allerdings die Bestände dieses 2000er Jahrgangs in UK ausreichend sein, dann können wir uns in der Zukunft auf vielleicht bis zu 16 oder 20 Jahre alte Rums dieses Stils freuen. Der einzige bisherige Unterschied zwischen 1986 und 2000 ist der geringere Esteranteil, was mich aber persönlich nicht stört. Da könnten noch ganz große Rums in ihren Fässern schlummern. Vorerst bleibt es jedoch bei diesem 14 Jahre alten Exemplar. Er ist also ein beinahe perfekter bajan Rum. Und dieses „beinahe perfekt“ ist Jammern auf höchstem Niveau meinerseits.

Man kann mich hier nun für verrückt erklären, aber dieser Rum mit einem Fino-Sherry-Finish oder Oloroso-Sherry-Finish würde sehr nahe an die Abfüllungen des Jahrganges 1986 von Mr. Barrett herankommen. Gerade der erste Rum ist schon seit langem ausverkauft und eine Art Neuauflage wäre wirklich etwas nostalgisch und in Fassstärke eine einmalige Erfahrung. Auch ein Port-Finish könnte ich mir hier sehr gut vorstellen. Die eingestellte  Renegade-Rum-Serie tat dies bereits, aber leider nur mit 46%vol. Vielleicht trauen sich einige Abfüller dies einmal mit Fassstärke zu wagen. 

Dieser Rum gehört also definitiv zum Besten was Barbados zu bieten hat. Damit meine ich jetzt keine klebrigen Rums, welche nur so vor Kokosnuss strotzen, dass man unweigerlich an Malibu-Likör denken muss, und von einigen Abfüllern als gängiger Vertreter dieser Insel gepriesen werden. Dazu will ich einmal folgendes sagen: Abfüllungen aus Foursquare, Blackrock & Mt. Gay haben, bezieht man sie von UAs (den Süßling Plantation Rum ausgenommen), keine solche Aromen (echten St. Nicholas Abbey Rum gibt es bisher nur als White Rum). Selbst Originale Abfüllungen von Mount Gay oder Foursquare haben diese nicht. Was hier für magische Barrels verwendet werden, ist mir nicht ersichtlich.

Zum Schluss noch einmal der Hinweis: Ich betreibe hier keine Werbung für Herr Bonn. Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag und gönne mir noch ein Gläschen dieses (beinahe) perfekten bajan Rums!

Marco

(PS Dieses Review entstand am vergangenen Freitagabend. Nicht das hier noch ein falscher Eindruck entsteht. Wer Alkohol am Morgen braucht sollte sich mal ernsthaft Gedanken machen.)