Sonntag, 5. Juli 2015

Cadenhead Rum Green Label Barbados 11 YO

(the English part is just below, just skip the German part) 

Willkommen zurück verehrte Leser / Leserinnen!

Heute kommt mal wieder etwas Abwechslung auf den Blog. Nach zwei Demeraras kommt ein Rum aus Barbados zur Verkostung auf den Blog. Es ist ein Rum des schottischen Abfüllers WMCadenhead. Es ist der Cadenhead Green Label Barbados 11 YO. In der Green Label Serie gab es in der Vergangenheit schon einige Rums aus Barbados, darunter waren bisher nur Rums mit einer sehr hohen Qualität. Kann dieser Rum hier mithalten?

Zur Abfüllung: 

Quelle: www.whiskytastingroom.com
In der Green Label Serie wurden aus Barbados schon Rums aus 1986 und 2000 abgefüllt. Diese Abfüllung kam 2014 auf den europäischen Markt. Es gibt hier nun zwei theoretische Möglichkeiten. Entweder wurde der Rum 2002 oder 2003 destilliert und dann Ende 2014 abgefüllt. Im Falle 2002 wäre der Rum dann kurz vor seinem 12. Geburtstag abgefüllt worden. Ende des letzten Jahres fand dann auch die Flaschenteilung statt, aus der dieses Sample stammt. Leider hat der Organisator die Flasche zu schnell dem Recycling hinzugefügt, und so habe ich leider nicht die Nummer hinter dem Frontetikett und kann somit meine Vermutungen nicht bestätigen. Aus 2003 gab es einige Abfüllungen aus Barbados. Es gab einen A.D. Rattray Barbados Rum Foursquare Distillery 9 YO (nicht für Europa), den Renegade Rum Company 6 YO (2003 – 2009) Banyuls Cask Finish, den Bristol Classic Rum Fourquare Distillery 2003 9 YO (2003 – 2012), den Rum Nation Barbados 10 YO (Release 2014) und den Berrys' Own Selection Barbados Rum 11 YO (2003 – 2014) (nicht für Europa). Alles haben sie eines gemeinsam: Sie stammen aus der Foursquare Distillery. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass dieser Rum aus diesem Batch von Foursquare stammt.

Aus 2002 kenne ich den Rum Nation Barbados 2002 10 YO. Dieser war ein Rum aus der Blackrock Distillery a.k.a. West Indies Rum Distillery. Allerdings war es kein sogenannter "Rockley", sondern ein anderer Stil dieser Destillerie. Entweder diese Abfüllung hier stammt aus diesem Batch oder es ist ein bisher noch nicht bekanntes Batch aus 2003, welches von der West Indies Rum Distillery stammt. So oder so: Spekulationen bringen uns leider hier nicht weiter. Am Ende des Reviews werde ich noch einmal ein kleines Cross-Tasting zum Vergleich durchführen. Ich glaube zwar nicht, dass dieser Rum aus Foursquare stammt, aber endgültige Gewissheit kann hier nur ein Tasting und ein abschleßender Vergleich bringen. Ich betone noch einmal: er kann. Ich bin ja kein Experte sondern ein Amateur und kann und darf mich hier auch irren. ;) Ich habe die Weisheit weder gepachtet noch mit Löffeln gefressen. Beide Destillerien verfügen sowohl über mindestens eine Pot Still und eine Column Still. Was mag diese Abfüllung wohl sein? Bisher habe ich noch keinen Column Rum aus Barbados von einem UA in die Hände bekommen. Ich denke dafür gibt es auch einige Gründe. Erleben wir hier eine Premiere oder ist das eher einer der bekannten Pot-Still-Varianten der beiden Destillerien, die es in der Vergangenheit schon zu kaufen gab? Aber genug geschwafelt. Auf zum Tasting. 

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Verkostung Cadenhead Rum Green Label Barbados 11 YO:

Preis: Der Rum war für 40-60€ zu haben, je nachdem wo man ihn gekauft hat. Mein Sample bekam ich durch eine Flaschenteilung.

Alter: Das offizielle Alter ist 11 Jahre. Leider keine Angabe zum Jahrgang.

Alkoholstärke: Die Standard-Trinkstärke der Green Label Serie, und vieler anderer Abfüller, von 46%. Nichts außergewöhnliches.

Destillationsverfahren: Keine offizielle Angabe. In der Green Label-Serie gibt es keine näheren Angaben hierzu.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem blassen Goldton im Glas.

Viskosität: Viele Schlieren bilden sich an der Glaswand. Sie fließen träge hinab zum Glasgrund und bilden dabei vereinzelte Perlen, welche an der Glaswand haften bleiben.

Nase: Ein leicht mineralischer Geruch liegt im Glas. Der Alkohol brennt leicht in der Nase und der Rum hat einen leicht medizinischen Touch. Ganz schwach durchziehen Früchte die Nase im Glas. Ich rieche Mangos und Zitronenaromen. Viele Gewürze sind kombiniert mit dieser Frucht. Der Rum hat einen mittleren Körper, ist aber von richtig schweren Pot Still Rums etwas entfernt anzusiedeln. Er ist leider nicht sehr komplex in der Nase. Neben den Mangos und den Zitronen rieche ich auch noch unreife leicht säuerliche unreife Äpfel. Der Rum hat nur minimale Eichenaromen. Bisher macht der Rum nur einen soliden Eindruck.

Gaumen: Zuerst flutet eine leichte Süße den Mundraum, gefolgt von einem leichten Brennen des Alkohols. Danach folgen satte Gewürzaromen. Verwoben mit den Gewürzen schmeckt man Spuren von Früchten. Wieder Mangos, schwache Zitronen und nun auch unreife Bananen. Der Rum schmeckt leicht pflanzlich und hat auch einen leicht milchigen Touch. Herbe Kräuter und Anis kann man nur schwach im Hintergrund erkennen. Schwaches Karamell und Toffee vom Fass sind auch enthalten. Beim 2. Schluck schmeckt man noch mehr Gewürze und die Frucht wird noch geringer. Der pflanzliche Geschmack wird ebenfalls stärker. Der Rum macht einen leichten Eindruck und ist leider nicht sehr komplex. Die Süße ebbt nach einigen Sekunden rasch ab und verliert sich, während der Rum im Mund durch den Speichel verdünnt wird.

Abgang: Herbe Kräuter bilden den Anfang des Abgangs. Danach folgen Gewürze und ein schwacher Hauch Butter. Nach einiger Zeit verbleiben nur noch Butter und ein Hauch von Gewürzen am Gaumen. Im Abgang ist er leicht trocken. 

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Abschließender Vergleich
Fazit: Ich habe schon eine gute Vermutung, woher dieser Rum stammt. Am Anschluss an dieses Tasting habe ich tatsächlich einen Vergleich durchgeführt. Die Kandidaten waren: Bristol Classic Rum Fourquare Distillery 2003 9 YO (2003 – 2012) und der Samaroli Barbados 1995 11 YO. Gerade den letzten Rum dürften viele nicht kennen, wohl aber den Ersten. Das Resultat des Vergleichs: Die Abfüllung von Cadenhead war dem Samaroli sehr viel ähnlicher, als dem Rum von Bristol. Die Foursquare Distillery scheidet für mich persönlich als Urheber aus. Woher kommt aber nun der Samaroli? Er stammt laut Label von der „West India Rum Refinery Limited“. Das war der alte Name der West Indies Rum Distillery. Es handelt sich hier also um einen Pot Still Rum aus W.I.R.D.. Allerdings ist es kein Rum des alten und sogenannten „Rockley-Stils“. Diesen Stil hier hatte ich schon in verschiedenen Jahrgängen im Glas. Er war im alten Plantation Rum Barbados Vintage 1991 vorhanden, dem Pellegrini Barbajos 1996 und dem Samaroli Barbados 1996 15 YO (1996 – 2011), um nur einige Beispiele zu nennen. Hiervon war der Jahrgang 1996 der mit Abstand schlechteste aus W.I.R.D.. Dieser Rum hier ist zwar besser, aber der Stil ist absolut nicht mit dem des sogenannten „Rockley-Stils“ vergleichbar. 
Der Rum ist auch fast so gut wie schon verschwunden und nur noch wenige Shops haben ihn gelistet. Muss man jetzt in Panik verfallen, dass man ihn nicht gekauft hat? Nope. Sollten sie zudem schon einige alte Rum Nations aus Barbados kennen, dann dürften sie den Inhalt schon einschätzen können. Der Rum Nation 2001 10 YO war nämlich ebenso aus dieser Destillerie. Auch die neuere Abfüllung von Pellegrini S.p.A., der Pellegrini Barbajos, Barbados 2004 9 YO, hatte damals in München keine gewaltige Begeisterungsstürme in mir entfacht und auch er war derselbe Stil, nur halt aus einem anderen Batch. Diese Rum-Abfüllung ist solide und ehrlich, aber überhaupt nichts Außergewöhnliches. Vor allem nicht für all jene Connaisseure, welche die alten Abfüllungen aus Barbados von 1986 oder die neueren Rums aus 2000 kennen, oder eher jamaikanische Schwergewichte bevorzugen. Er wäre dazu geeignet, um Einsteiger in das Thema Rum einzuführen. Für Fortgeschrittene oder erfahrene Genießer bietet er keine Herausforderung. In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Sonntag!

Marco


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Welcome back dear readers! 

We've now a little bit of variety on the blog. After two Demeraras there is now a rum coming from Barbados for today’s tasting. It is a rum of the Scottish bottler WMCadenhead. It is the Cadenhead Green Label Barbados 11 YO. In the Green Label series, there were in the past quite a few rums from Barbados. All these previously released bottlings were only rums with a very high quality. Can this rum keep up with the past? We will see.

The Bottling:


Source: www.whiskytastingroom.com
There were already quite a few rums in the Green Label series from Barbados, mainly from the vintages 1986 and 2000. This bottling came to the European market in the end of 2014. There are now two theoretical possibilities. Either the rum was distilled in 2002 or 2003 and then bottled near the end of 2014. In the case of 2002, the Rum would have been bottled shortly before his 12th birthday. Also at the end of last year the bottles-sharing took place, from which this sample comes from. Unfortunately, the organizer quickly added the bottle to the recycling-process, and so I do not have the number behind the front label and therefore can not confirm my suspicions. From 2003, there were several bottlings from Barbados. There was the A.D. Rattray Barbados Rum Foursquare Distillery 9 YO (not for Europe), the Renegade Rum Company 6 YO (2003 - 2009) Banyuls Cask Finish, the Bristol Classic Rum Fourquare Distillery 2003 9 YO (2003 - 2012), the Rum Nation Barbados 10 YO ( Release 2014) and the Berrys' Own Selection Barbados Rum 11 YO (2003 - 2014) (not for Europe). All have one thing in common: They came from the Foursquare Distillery. However, I can not imagine that this rum comes from this batch of Foursquare.

I do know the Rum Nation Barbados 2002 10 YO from the 2002 batch. This was a rum from the Black Rock Distillery aka West Indies Rum Distillery. However, it was not a so-called "Rockley", but a different style of this distillery. Either this bottling here comes from this batch or it is a completely new batch of 2003 originating from the West Indies Rum Distillery. Either way, further speculations do not help us further here. At the end of the review I will perform a small cross-tasting for a direct comparison. I do not think that this rum comes from Foursquare, but for a final assessment and to add some certainty to the review I will do this final comparison. I stress once again: it can come from Foursquare. I'm not an expert but an amateur and can be wrong here. ;) I have not feed the wisdom with spoons. Both distilleries are possessing at least one pot still and a column still. What might this bottling be? So far I have not yet received or bought a Column Rum from Barbados released by an Indy. There might be a few reasons I can think of why it not has happened up until now. Are we seeing here a premiere or is it more of the known pot still variants of the two distilleries that we all had the chance of buying in the past? But enough talking. Lets proceed to the actual tasting. 

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Tasting Cadenhead Rum Green Label Barbados 11 YO:

Price: The rum was ranked between 40-60 €, depending on where you bought it. I got my sample through a bottle-sharing with a few fellow rum-connoisseurs.

Age: The official age is 11 years. Sorry, no indication of the vintage on the label.

ABV: The standard drinking strength of the Green Label series, and many other bottlers of 46%abv. Nothing special or fancy.

Process of distillation: No official statement. In the Green Label series, there are no further details provided regarding this subject.

Colour: The Rum shines in a pale gold colour in the glass.
 

Viscosity: Many streaks are forming on the glass wall. They flow lazily down to the bottom of the glass. While they are doing that they forming scattered beads which adhere to the glass wall.

Nose: A light mineral smell is floating in the glass. The alcohol only burns weak in the nose and the rum has a slightly medicinal touch. There is also a faintly pervade fruit in the glass. I smell mango and lemon flavours. Many spices are combined with the fruits. The rum appears to have a light to medium body. But it is far away from really heavy pot still rums. Unfortunately it is not very complex in the nose. In addition to the mangoes and lemons I do also smell immature and slightly sour unripe apples. The rum has only minimal oak flavours. So far, the rum only makes a solid impression. It's not mind-blowing.

Palate: First the palate is flooded with a slight sweetness, followed by a slight burning sensation of the alcohol. The alcohol is followed by rich spice flavours. Interwoven with the spices I do taste traces of fruits. Again mangoes, weak lemons and now unripe bananas. The rum tastes slightly vegetal and also has a slightly milky touch. Tart herbs and anise can only be tasted faintly in the background of the flavour profile. Weak caramel and toffee from the barrel are also included. During the 2nd sip you can taste even more spices. Sadly the fruits are now weaker than before. The herbal flavour is also now stronger. The rum makes a slight impression, and unfortunately is not very complex. The sweetness subsides after a few seconds and is quickly lost, while the rum is diluted by saliva in the mouth.

Finish: Herbs form the beginning of the finish. They are followed by spices and a faint hint of butter. After some time there is only butter and a touch of spice remaining on the palate. The finish is slightly dry. 

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Final comparison
Conclusion: I do have an idea where this rum comes from. After the tasting of this bottling I did the aforementioned comparison. The candidates were: the Bristol Classic Rum Distillery Fourquare 2003 9 YO (2003 - 2012) and the Barbados Samaroli 1995 11 YO. Especially the last bottling is most likely unknown to many connoisseurs out there. The result of the comparison: The bottling of Cadenhead was much closer to the Samaroli than to the Foursquare rum of Bristol. This rules out the Foursquare Distillery as origin of this bottling. But from which distillery was the Samaroli produced? According to the label it came from the "West India Rum Refinery Limited". That was the old name of the West Indies Rum Distillery. These must therefore be a pot still rum from W.I.R.D.. However, this is not a rum of the old so-called "Rockley-style". However, I do now this style. This style was already being bottled by various bottlers. He was in the old Plantation Rum Barbados Vintage 1991, the Pellegrini Barbajos 1996 and the Samaroli Barbados 1996 15 YO (1996 to 2011), just to name just a few examples. Of these, the 1996 vintage was by far the worst of W.I.R.D.. This rum though here is better, but the style is absolutely not comparable to the so-called "Rockley-style". 
The rum is almost as good as gone and disappeared. Only a few shops do have still listed this bottling. Should you now panic because you did not have buy it? Nope. If you also already know some old rums from Barbados bottled by Rum Nation (Italian Indy), then you should be able to assess the content of this Cadenhead botling already. The Rum Nation 2001 10 YO was in fact also from this distillery. Even the newer bottling from Pellegrini SpA (another Italian Indy), the Pellegrini Barbajos Barbados 2004 9 YO, which I had the chance to taste in Munich in 2014 was the same style, but a different batch. It was nice and clean but nothing mind-blowing. This bottling is also solid and honest, but nothing out of the ordinary. Especially not for those connoisseurs among us who know the old bottlings from 1986 or the newer releases from 2000. If you prefer heavy Jamaican pot still rums then this one would not be to your liking. He would be suitable to introduce newcomers to the topic of rum. For advanced or experienced connoisseurs it offers sadly no challenge. In this sense, I wish you a good Sunday! 

Marco

Sonntag, 21. Juni 2015

Bristol Classic Rum Port Mourant 1990 17 YO

(the English part is just below, just skip the German part) 

Willkommen zurück liebe Leser!

Heute möchte ich wieder einen Demerara Rum vorstellen. Aus diesem Jahrgang wurde schon einiges veröffentlicht. Dieser Rum ist auch keine neue Erscheinung auf dem Markt. Es gibt ihn schont seit 2007. Die heutige Abfüllung ist der Bristol Classic Rum Port Mourant 1990 17 YO.

Zur Abfüllung: 

Quelle: www.rumundco.de
Zu Bristol selbst wurde ja schon viel geschrieben und deswegen konzentrieren wir unser Augenmerk auf den Jahrgang und Vergleichskandidaten. Aus dem Jahr 1990 gab es wie gesagt schon einige Abfüllungen. Es gab einige Rums von Cadenhead aus der „Dated Distillation“-Serie, einige Samarolis, einige Rum Nation, sogar zwei Veliers und einige Neuerscheinungen von TheRumCask, dem Gasthaus in Brühl und dem Whiskyhaus-Brühl. Aber nur wenige davon stammten aus 1990 und waren aus der Uitvlugt Distillery, wo die Port Mourant Still im besagten Jahre stand und für DDL Rum produzierte. Die Mehrzahl stammte aus der Enmore Distillery und aus der Versailles Vat Still. Die ähnlichsten Kandidaten, die mir auch bekannt sind, sind oder waren der Samaroli Demerara Rum Port Morant 17 YO (1990 – 2007) (366 Fl.) und der Moon Import Demerara Rum Port Morant 1990 Sherrywood Finish (1990 – 2007) (650 Fl.). Diese Abfüllung hat rein zufälligerweise auch ein Finish. Er reifte von 1990 bis 2005 in Ex-Bourbon-Fässern und verbrachte die letzten zwei Jahre bis zur Abfüllung im Jahre 2007 in ehemaligen Port-Fässern („Port Pipes“). Also ein Rum mit Port Finish. Bei den jüngeren Abfüllungen von 1999, dem Bristol Classic Rum Port Morant 11 YO (1999 – 2010) und dem Bristol Classic Rum Port Morant 14 YO (1999 – 2013), störte mich dieses Finish nicht. Allerdings habe ich ja eine bekannte Abneigung gegen Weine und alle seine Derivate (Cognac etc.). Eine genaue Angabe der Flaschen ist nicht auf dem Label vermerkt, aber das ist leider nichts ungewöhnliches bei Bristol Spirits Limited und dürfte wohl eh nur wenige Connaisseure interessieren. 

Diese Abfüllung war übrigens der Vorläufer des Bristol Classic Port Mourant 1980 30 YO (1980 - 2010). Selbst diese „jüngere“ Abfüllung von 2010, mit 13 Jahren mehr Reife, ist schon vom Markt verschwunden. Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, dann war er nicht um Welten teurer als dieser Rum hier. Irgendetwas an diesem Rum muss die Käufer wohl abschrecken, oder es müssten sehr viele Flaschen abgefüllt worden sein. Auf der offiziellen Webseite des britischen Abfüllers ist der Rum auch noch nicht ins „Archiv“ verschoben worden. Selbst die besagten Vergleichskandidaten der Konkurrenten Samaroli und Moon Import sind weg. Die direkte Nachfolge mit Port Mo(u)rant auf dem Label waren die Rums aus 1999, dem letzten Jahrgang aus der Uitvlugt Distillery, welche ja im Dezember 1999 geschlossen wurde. Von diesem Jahrgang gab es ja vor kurzem eine neue Abfüllung mit einem angeblichen Sherry-Finish, das allerdings nirgendwo auf dem Label erwähnt wird. Diese Information stammt von einem Leser dieses Blogs. Das Review findet ihr hier. Das war es auch schon. Beginnen wir mit der Verkostung. ;)

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Verkostung Bristol Classic Rum Port Mourant 1990 17 YO:

Preis: Dieser Rum kostet zwischen 99 bis 130€, je nachdem wo man ihn kauft. Ich habe den Rum sogar für 170€ auf Ebay in Italien gesehen. Ich frage mich persönlich, was der Rum in den nächsten Jahren kosten wird, wenn die Bestände sich reduziert haben und immer mehr Genießer auf den Geschmack von "unverfälschtem" Rum gekommen sind. Mein Dank geht an den Connaisseur,, von dem ich dieses Sample erhalten habe.

Alter: Ein offizielles Alter wird nicht angegeben, es dürfte sich aber auf 17 Jahre belaufen. Den Großteil dieser Zeit wird er wohl in Liverpool „abgesessen haben“.

Alkoholstärke: Nichts Außergewöhnliches hier. Der Rum hat eine Standard-Trinkstärke von 46%vol.

Destillationsverfahren: Die Angabe Port Mo(u)rant verrät uns, dass hier eine Double Vat Still der Ursprung dieses Rums ist. Eine Vat Still ist nichts anderes als eine hölzerne Pot Still.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem leicht rötlichen Farbton im Glas. Könnte der sichtbare Einfluss der „Port Pipes“ sein. Wenn dies der Fall ist, dann verrät die Farbe nichts über die zu erwartende Reife. Bristol nutzt bekanntlich kein Zuckerkulör. Aber dank des Finishs kann man mit der Farbe nichts anfangen. Hoffentlich war der Einfluss der Port-Fässer nicht zu groß.

Viskosität: Es bildet sich am oberen Rand eine Krone. Von dieser fließen dicke Perlen hinab zum Glasgrund und hinterlassen dabei dicke Streifen. Es bleibt ein minimaler Ölfilm an der Glaswand haften. Der Rum ist also gut ölig.

Nase: Port Mourant mal anders. Ich rieche einen leicht medizinischen / pflanzlichen Touch neben den gewohnten Aromen von Port Mourant. Weit weg vom Glas rieche ich Holzkohle und rote Früchte (Beeren). Stammt das vom  Port-Fass? Es sind leider keine Vanillearomen zu erkennen. Im Glas selbst rieche ich eine Kombination aus besagten medizinischen / pflanzlichen Touch (kein Rauch), Anis, Eichenaromen und eine schüchterne Fruchtigkeit. Die Früchte sind kurz nach einem Schwenken des Glases am Stärksten vorhanden, verblassen aber leider viel zu schnell wieder. Ich rieche überreife Papayas und andere exotische Früchte. Die Nase ist minimal süßlich und der Alkohol brennt sich seinen Weg in die Nase schön ein. Minimal entdecke ich auch Fassaromen. Darunter Karamell und Toffee. Beide sind weder süß noch richtig bitter. Die Nase ist im Vergleich zu anderen Port Mourants anders, ungewohnt. Das Finish ist nicht zu dominierend, aber man riecht doch deutlich den Einfluss dieser zwei Jahre.

Gaumen: Zuerst brennt der Alkohl am Gaumen, bevor der Rum den Mund mit seinen Aromen flutet. Ich schmecke dominante Anis-, Holzaromen und Gewürze. Nach einigen Sekunden im Mund schmecke ich die Holzkohle aus der Nase und dieses Mal sogar eine Spur Rauch dazu. Das kann doch nicht vom Port-Finish stammen, oder doch? Der Rum verliert nach einiger Zeit an Kraft und schmeckt nach Anis, schwachen Rauch- und Holzkohlearomen und neben dem Anis noch andere Gewürze. Zu Beginn schmeckt man kurz überreife Papayas und andere Früchte, bevor sie durch die Verdünnung im Mund verschwinden und diesem ungewohnten Mix aus Holzkohle und schwachen Rauch Platz machen. Beim 2. Schluck verstärken sich die Früchte und Gewürze noch einmal. Nur zu Beginn schmeckt der Rum minimal süßlich, wandelt sich jedoch dann immer mehr zu einem leicht medizinisch schmeckenden Destillat, das keine Süße aufweist.

Abgang: Der Abgang beginnt mit Anis und Eichenaromen. Diese verblassen immer mehr und es kommen wieder leichte Holzkohle und Raucharomen zum Vorschein. Erst nach vielen Sekunden huschen auch exotische Früchte am Gaumen. Was bleibt ist ein pflanzlicher Geschmack mit einem Hauch von Anis und Eiche am Gaumen. Nach dem 2. Schluck schmeckt man zu Beginn eine minimale Bitterkeit. Der Abgang ist leicht trocken. 

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Quelle: www.rumundco.de
Fazit: Ein interessante Abfüllung von Bristol. Entweder wurden die Fässer stark ausgekohlt oder ich würde vermuten, dass in den besagten Ex-Bourbon-Fässern zuvor schottischer Whisky lagerte. Anders kann ich mir diese zusätzlichen Aromen nicht erklären. Der Port-Wein-Einfluss war in der Nase stärker vorhanden als am Gaumen. Dieser spezielle Geschmack dürfte wohl auch der Grund sein, das es diesen Rum bereits seit 2007 immer noch auf den Markt gibt. Viele dürften mit diesem Geschmacksprofil nichts anfangen können. Der Neue von Rum dieses Abfüllers, der Bristol Classic Rum Port Morant 15 YO (1999 – 2014), dürfte es dieser alten Abfüllung zudem schwerer machen sich zu verkaufen. Warum sollte man für 2 zusätzliche Jahre über wesentlich mehr Geld auf den Tisch legen? Ich zumindest würde dies nicht tun. Zu mal ich den jüngeren Bristol aus 1999 mit 15 Jahren besser finde, als dieses alte Exemplar aus 2007. Ob Bristol sich selbst damit einen Gefallen getan hat? Es bleibt abzuwarten. Auch diese Abfüllung wird verschwinden und überteuert bei Auktionen wieder auftauchen (siehe Ebay-Italien). Und es wird genügend Genießer geben, die Rum zu spät entdeckt haben, und auch vielleicht verzweifelt genug sind diese Preise auch zu bezahlen. 

Diese Abfüllung schmeckt auch anders, als ich die beiden Rums aus 1999 mit Port-Finish in Erinnerung habe. Ich denke, ich muss mal ein Vergleichstasting mit allen drei Rums mit Port Finish durchführen. Vielleicht kommen diese seltsamen Aromen wirklich nur vom Port-Fass. Für mich persönlich eignet er sich nicht in meiner „Rum-Bar“ und ich bin auch froh, nur ein Sample zu besitzen. Dafür habe ich mich von der neuen Abfüllung aus 1999 eingedeckt. Vielleicht ging es im dortigen Review des Bristol Classic Rum Port Morant 15 YO (1999 – 2014) etwas unter, aber dieser Demerara ist zur Zeit mein Lieblings-Sipper aus Guyana. Ob es am angeblichen Sherry-Finish liegt? Vielleicht. Er hat mehr Flavour als der Bristol Classic Rum Port Morant 14 YO (1999 – 2013). Aber es gibt auch andere Gründe. Wer mehr Geld für zwei zusätzliche Jahre ausgeben möchte, der soll das ruhig tun. Ich greife lieber zu etwas jüngerem mit mehr Geschmack. Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag!

Marco
 

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Welcome back dear readers!

Today I want to introduce a demerara rum again. There were quite a few releases coming from this vintage. This rum is also not a newcomer on the market. It is available in European since 2007. Today's bottling is the Bristol Classic Rum Port Mourant 1990 17 YO.

The Bottling:

Source: www.rumundco.de
We have already written a quite lot about Bristol and that's why we are focusing our attention on the vintage and some comparison candidates. I already said, that this particular vintage brought forth a lot of bottlings on the European market. There were a few rums of Cadenhead from the "Dated Distillation" series, some Samarolis, some Rum Nations, even two Veliers and some new publications of TheRumCask, from “Gashaus in Brühl” and the Whiskyhaus from Brühl. But only few of them were from 1990 and were made in the Uitvlugt Distillery, where the Port Mourant Double Vat Still was located in the said year and did produce rums for DDL. The majority came from the Enmore Distillery, namely from the Versailles Vat Still (not always the Versailles style VSG mind you). The most similar candidates, who are known to me, are or were the Samaroli Demerara Rum Port Morant 17 YO (1990 - 2007) (366 bottles) And the Moon Import Demerara Rum Port Morant 1990 Sherry Wood Finish (1990 - 2007) (650 bottles). This bottling has purely coincidentally also a finish (like the one from Moon Import). The rum matured from 1990 until 2005 in ex-bourbon casks and spent the last two years prior to its bottling in 2007 in used port casks (so-called 'Port pipes'). So its a rum with port finish. In the younger bottlings from 1999, the Bristol Classic Rum Port Morant 11 YO (1999 - 2010) and the Bristol Classic Rum Port Morant 14 YO (1999 - 2013), I did not mind the Port finish. However, I have a well-known aversion to wine and all its derivatives (Cognac etc.). There is no information given about the bottle numbers of this bottling or how many ex-bourbon casks were used. That's unfortunately but not unusual regarding bottlings from Bristol Spirits Limited. There are probably only a few connoisseurs (like me) who would take an interest in that matter anyways.  

This bottling was also the forerunner of the Bristol Classic Port Mourant 1980 30 YO (1980 - 2010). Even these "younger" bottling from 2010 with 13 years more maturity, has already disappeared from the market. If my memory serves me correctly, it was not drastically more expensive than this rum here (around 150€). Something about this rum has been well put off the buyers, or the amount of bottles was very high. The rum has also not yet been moved into the "Archive" on the official website of the British bottler. Even the said comparison of the candidates from competitors Samaroli Moon Import are gone. The direct successor with Port Mo(u)rant on the label were the rums from 1999, the last vintage of the Uitvlugt Distillery, which was indeed closed in December 1999. From this vintage there was recently a new bottling with an alleged sherry finish, which is however nowhere mentioned on the label. This information comes from a reader of this blog. The review can be found here.That was about it. Let's start with the tasting. ;) 

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Tasting Bristol Classic Rum Port Mourant 1990 17 YO:

Price: This rum costs between 99 to 130 €, depending on where you buy it. I saw the Rum even for 170 € on Ebay in Italy. I personally wonder what the rum will cost in the next few years when the stocks are reduced and more and more connoisseurs want to taste unaltered rums. My thanks goes to the fellow connoisseur who was willing to share his rum with me.

Age: An official age is not mentioned on the label, but it should be something around 17 years. The most of this time was probably spent in UK, namely in Liverpool.

ABV: Nothing extraordinary here. The rum has the standard drinking strength of 46% vol.

Process of distillation: The label is specifying the Port Mo(u)rant Double Vat Still as origin of this bottling. A Vat Still is nothing more than a wooden pot still.

Colour: The Rum shines in a slightly reddish hue in the glass. Could be the visible influence of the "Port pipes". If this is the case, then the colour does not tell anything about the expected maturity in the nose or mon the palate. The bottöler Bristol is not using caramel to darken the rums. But thanks to the finish, you can't read anything out of the colour. Hopefully the influence of the Port-barrels was not too extensive.

Viscosity: The rums forms at the top of the glass a crown. From this thick crown beads are flowing down on the glass surface and leave thick streaks. There remains a minimum oil film adhered to the glass wall. The rum is good oily. It should be mouth-filling.

Nose: Port Mourant? Not quite. There are differences. I smell a slightly medicinal / herbal touch in addition to the usual aromas of Port Mourant. Far from the glass I smell charcoal and red fruits (berries). Are these flavours from the port casks? There are no vanilla aromas to recognize. In the glass itself I smell a combination of the said medical / herbal Touch (no smoke), aniseed, oak flavors and a shy fruitiness. The fruits are strongest shortly after swirling the glass, but they are fading out much too quickly. I smell overripe papaya and other exotic fruits. The nose is minimal sweet and the alcohol burns beautifully and made its way deep into the nose. I also smell minimal barrel flavours. Including caramel and toffee. Both are neither sweet nor bitter properly. The nose is compared to other Port Mourants different, unusual. The finish is not too domineering, but you can smell clearly the influence of these two years.

Palate: First the alcohol burns gently on the palate before the rum floods the mouth with its aromas. I taste dominant anise, wood aromas and spices. After a few seconds in the mouth I taste the charcoal from the nose and this time even a hint of smoke with it. That can not come from Port-finish, can it? The rum loses a little bit of its power after some time and tastes even more like anise, low smoke and charcoal flavours. I do also recognize other spices besides the anise. At the beginning you can taste short overripe papayas and other fruits before they disappear through the dilution in the mouth and make space for this unusual mix of charcoal and weak smoke. After the 2nd sip the fruits and spices intensify again. Only at the beginning the rum tastes a little bit sweet, but then it transforms itself becoming a light distillate with an medical tasting without sweetness.

Finish: The finish starts with anise and oak flavours. These fade out more and more and then the charcoal and smoke flavors come more to the fore. After several seconds also some exotic fruits scurry over the palate. What remains is a herbal flavour with a hint of anise and oak on the palate. After the 2nd sip you can taste a minimal bitterness at the beginning of the finish. The finish itself is slightly dry. 

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Source: www.rumundco.de
Conclusion: An interesting bottling from Bristol Spirits Limited. Either the barrels were stronger charred or I would suspect that in the said ex-bourbon casks were previously filled with Scotch whisky. Otherwise I can not explain these additional flavors. The Port Wine influence was stronger in the nose as it was on the palate. This particular flavour is probably the reason why this bottling is still available on the market since 2007. We are talking about an availability of nearly 8 years. Many connoisseurs might be having a problem with this kind of flavour profile. But there is something else who will make it hard to sell this particular bottling from 2007. Bristol Spitits Limited released a younger Port Mourant from the vintage of 1999. It was the Bristol Classic Rum Port Morant 15 YO (1999 to 2014). With only 2 years less it is considerably cheaper than the old bottling from 2007 with 17 years. Why place for 2 additional years a lot more money on the table if you can buy a cheaper Port Mourant from the same bottler? I at least would not do this. I prefer the younger version over this bottling from 2007. Has Bristol done itself a favour by doing this? Probably not but as a matter of fact I like the newer version more than this one. These filling will eventually disappear and appear overpriced in auctions again (see ebay auctions in Italy). And there will be plenty of connoisseurs who have discovered unaltered rum “too late”, and perhaps are desperate enough to pay such prices. 

This bottling tastes different from what I can remember of the two rums from 1999. They also have a Port Finish. I think I must do perform a cross-tasting with all three rums in question to sort this out. Perhaps these strange flavors really come only from the port cask. For me personally, it is not suitable in my "Rum Bar" and I'm glad to have only one sample. For that I have stocked up on the new bottling from 1999. Maybe there was a little misunderstanding in the Review of the Bristol Classic Rum Port Morant 15 YO (1999 - 2014), but this younger Demerara is currently my favourite sipper from Guyana. Is the reason for this the alleged Sherry Finish? Maybe. He has more flavour than the Bristol Classic Rum Port Morant 14 YO (1999 - 2013) or this bottling. But there are other reasons. Anyone who wants to spend more money for two additional extra years can do with its money whatever he wants do do with it. I prefer something younger with more “Port Mourant” flavours. I wish you a nice Sunday! 

Marco