Sonntag, 13. April 2014

Blackadder Enmore Still (Versailles) VSG 14 YO

Servus werte Leser!

Es ist mal wieder soweit. Heute kommt mal wieder eine kleine Rarität eines englischen Abfüllers. Den Whisky-Liebhabern unter unseren Lesern dürfte der Name sogar recht geläufig sein. Die Rede ist von Blackadder. Dieser Abfüller hat in der Vergangenheit einige Rums auf den Markt gebracht, über die man recht wenig findet. Zeit ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen!

Zum Abfüller:

Blackadder International Ltd hat seinen Sitz in der englischen Grafschaft Kent (Tunbridge Wells). Bekannt ist dieser Abfüller vor allem für seine feinen Whiskys. Nach langer Recherche fand ich einige Rum-Abfüllungen. Darunter einen Rum aus Nicaragua (1999), einen aus Enmore (1988), zwei aus der Port Mourant Still (1975 und 1992), einen aus der Hampden Distillery von 1990, einen aus St. Lucia (1999), einen Fiji Rum aus 2001 und einen Panama Rum aus 2000. Optisch schick ist der beiliegende Karton dieser Flasche allemal. Blackadder wurde im Jahre 1995 von Robin Tucek und John Lamond gegründet. Der Name geht auf eine historische Person zurück. Laut der Firmenhomepage bedauert Blackadder den Einsatz der Kühlfiltration und den Gebrauch von Farbstoffen in den meisten Whiskys, welche von den Destillerien selber angeboten werden. Sie haben es sich, wie viele andere auch, zum Ziel gemacht, den Whisky als unverfälschtes Produkt dem Genießer näher zu bringen. Dieser Rum fällt wohl vermutlich auch unter dieses Motto. Die vorliegende Flasche hat die Nummer 231 von 276 weltweit. Das angegebene Mark des Rums ist „V.S.G.“. Dieses weist den Rum eindeutig als ein Erzeugnis der Versailles Still aus. Zumindest für jene Insider, die damit etwas anfangen können. Dazu zähle ich mittlerweile auch alle Stammleser unseres Blogs. Es handelt sich um einen Rum aus dem Jahrgang 1996. Mir fallen hier mehrere mögliche Vergleichskandidaten für diesen Rum ein. Den Cadenhead V.S.G. Versailles Still 15 YO, den BB&R Finest Demerara Rum Versailles Still 22 YO und den High Spirits Versailles Still 17 YO um nur einige Beispiele zu nennen. Aber wollen wir uns mit dem Rum doch nun etwas näher beschäftigen.

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Verkostung Blackadder Enmore Still (Versailles) VSG 14 YO:

Preis: Mich hat dieser Rum 73€ ohne Versandspesen gekostet. Allerdings kann man ihn getrost als so gut wie ausverkauft betrachten.

Alter: Das offizielle Alter wird mit 14 Jahren angegeben. Destilliert wurde der Rum am 14. Oktober im Jahre 1996. Abgefüllt wurde er abschließend in Schottland im Januar des Jahres 2011 vom Fass Nr. 2.

Alkoholstärke: Die angegeben Trinkstärke beträgt 47% vol. Nun könnte man annehmen, das Blackadder den Rum auf diese Trinkstärke herab verdünnt hat. Betrachtet man allerdings die Rückseite, dann steht dort ganz klar geschrieben “In order to ensure the full flavour of the spirit has been retained it has been bottled at its natural Cask Strength and neither coloured nor chill-filtered.“. Ein Rum in Fassstärke? Wohl eher nicht. Aber belassen wir es mal dabei.


Destillationsverfahren: Das angegebene Verfahren auf der Rückseite ist die „Enmore Pot-Still“. Dahinter verbirgt sich, wie auf dem Label mit dem Mark V.S.G. schon angedeutet wird, keine andere als die Versailles Single-Wooden Pot-Still.

Farbe: Die Farbe des Rums ist ein satter Goldton. Hier erwartet mich ein Rum mit viel Reife.

Viskosität: Der Rum klebt an der Glaswand und fließt relativ langsam zurück zum Glasboden. Er besitzt also eine relativ hohe Öligkeit und bildet dicken Tropfen an der Glaswand. Er beißt sich förmlich am Glas fest.

Nase: Bombastisch! Eine wunderschöne Fruchtigkeit in Form von reifen Bananen, Papayas und Orangen dringt förmlich in die Nase ein. Im Vergleich zu anderen Rums aus der Versailles Still sind diese sehr präsent. Dazu kommt eine elegante Süße, die aber weder dominant noch schwach, also gerade richtig ist. Dezente Vanillearomen umschmeicheln die Nase, je weiter weg man sich vom Glas entfernt. Auch Spuren von Nelken und Eichenaromen sind zu entdecken. Ebenfalls ganz deutlich, neben den exotischen Früchten, sind auch delikate Kräuteraromen im Glas enthalten. Man denke hier an eine Mischung aus Thymian und Bleistiftspäne.

Gaumen: Wow. Ganz schwach cremige Vanillearomen und Kräuter umschmeicheln den Gaumen zusammen mit leichtem Pfeffer zu Beginn. Danach kommt die Fruchtigkeit, in Form von Payayas und reife Bananen, deutlich mehr zum Vorschein und verdrängt die Vanillearomen. Eine Mischung aus exotischen Früchten und Kräutern dominiert am Gaumen. Wieder muss ich an Bleistiftspäne denken. Die Süße ist sehr dezent und kaum vorhanden. Alles in allem ein sehr reifer Rum mit hoher Qualität. Ich entdecke auch Spuren von Rauch und Teer.

Abgang: Wieder zuerst leicht cremige Vanillearomen mit Kräutern garniert. Mit der Zeit verblasst die Vanille immer mehr und macht der Fruchtigkeit wieder Platz. Die schon erwähnte Mischung aus exotischen Früchten und Kräutern bleibt am Gaumen haften. Mit der Zeit verblassen alle Aromen und man kann sogar wieder Spuren von Rauch erkennen. Ein sehr delikates Finish, das dem Rum am Gaumen durchaus ebenbürtig ist und auch lange am Gaumen verbleibt. Der Abgang ist leicht trocken. 

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Fazit: Was für ein außergewöhnlicher Rum aus Guyana! Blackadder hat da eine wahre Köstlichkeit abgefüllt und 2011 auf den europäischen Markt geworfen. Dieser Rum weckt Erinnerungen an den Cadenhead V.S.G. 1990 15 YO, den Berry Bros & Rudd Finest Demerara Versailles Still 1985 22 YO und den zuletzt von Duncan Taylor veröffentlichten Enmore (Versailles) von 1985 27 YO. Aber die größte Ähnlichkeit hat er mit dem High Spirits Versailles Still VSG 17 YO aus 1990. Beide besitzen dieselbe geballte Frucht. Junge oder unreife Rums dieser Still, wie auch die von Port Mourant oder Rockley, tendieren eher dazu mehr rauchig zu sein und weisen eher einen Mangel dieser exotischen Früchte auf. Diese kommen erst im wachsenden Alter zum Vorschein. Ein Paradebeispiel eines solchen unreifen Rums aus der Versailles Still war der Samaroli Versailles 1990 17 YO. Aber ich verrate Whisky-Kennern hier garantiert nichts Neues. Der Rum hier stammt aus 1996 und ist somit nicht mehr von der Enmore Distillery selbst. Diese destillierte Rum noch nachweislich bis 1995 bevor sie für immer ihre Pforten schloss.
Ich empfinde diese Abfüllung als sehr delikat und mich verwundert es absolut nicht, dass er so gut wie verschwunden ist. Für den einen mag der Preis happig erscheinen. Aber da ich nun weiß, welcher Schatz in dieser Flasche steckt, war mir dieser Rum das Geld allemal wert. So wie auch den vielen anderen Liebhabern, welche diesen Rum still und heimlich gekauft haben. Im Internet habe ich leider nicht viel über ihn gefunden. Er ist einer jener Rums, welche einfach sang- und klanglos verschwinden und eine Art Nachruf in meinen Augen wirklich verdient haben. Auch hierfür steht Barrel-Aged-Thoughts. Nicht nur um aktuelle Rums auf dem Markt näher zu betrachten, sondern auch um alten Abfüllungen eine letzte Ehre zu erweisen. Apropos aktuell: Das nächste Review wird wieder ein solcher Rum werden. Zur Zeit tummeln sich einige interessante Abfüllungen auf dem Markt. Vielleicht schaffe ich es noch am Ostern-Wochenende. ;)

Sollten sie ein Liebhaber von der Versailles Still sein und noch zufällig über diesen Rum stolpern, dann zögern sie nicht. Sie werden garantiert nicht enttäuscht werden. Ich wünsche Euch allen noch einen schönen Sonntag! 

Marco

Sonntag, 30. März 2014

Velier Enmore 1998 Full Proof Old Demerara 9 YO

Servus werte Leser!

Willkommen zu einem erneuten Review auf Barrel-Aged-Thoughts. Heute ist mal wieder ein Rum mit dem Namen Enmore auf dem Label an der Reihe verkostet zu werden. Technisch betrachtet stammt dieser Rum aber nicht mehr aus jener Destillerie. Im Jahre 1995 wurden dort endgültig alle Brennblasen verpackt und zur Uitvlugt Distillery geschickt.

Zur Abfüllung:

In Uitvlugt wurde dieser Rum 1998 auch gebrannt. Zwei Jahre später traf es die Uitvlugt Distillery selbst und all ihre Brennblasen kamen zur Diamond Distillery (Demerara Distillers Limited = D.D.L.). Also gar kein richtiger Enmore? Lassen sie es mich so ausdrücken: Wenn es einen Rum mit der geschichtlichen Berechtigung dieses Namens auf dem Label gibt, dann ist es diese Abfüllung. Warum ich mir hier so sicher bin? Das Mark des Fasses dieser Abfüllung war kein geringeres als E.H.P.. Dies steht für den Namensgeber und vermutlichen Gründer der Enmore-Plantage Edward Henry Porter. In meinem Artikel zu den Destillerien in Guyana habe ich aber auch schon darauf hingewiesen, dass bereits sein Vater Thomas Porter diese Plantage besaß, allerdings hatte sie selbst keinen eigenen Namen. Es könnte sich sogar um seine allererste Plantage gehandelt haben.
Dieser Rumstil (E.H.P.) soll laut Velier eine kräftigere Version des Rumstils E.L.C.R. (Enmore Light Coffey / Column Rum) sein. Den Velier Enmore 1995 Full Proof Old Demerara 16 YO hatte ich ja bereits auf dem Blog vorgestellt. Dieser gefiel mir persönlich nicht so sehr. Ich empfand den Rum selbst als entweder zu schwach für die tropische Lagerung oder das Fass war einfach zu stark ausgebrannt. Auf jeden Fall enthielt er für meinen Geschmack zu dominante Fassaromen, welche beim Verdünnen des Rums offensichtlich wurden. Diese nun anscheinend stärkere Variante aus der Enmore Coffey Still war lange Zeit auf meinem Radar. Ich hatte aber jedoch keine Abfüllung mit diesem Mark gefunden. Es gab zwar eine Abfüllung von Moon Import, den Demerara Rum 1994 Sherrywood (1994 – 2001) 7 YO (780 Flaschen) auf dessen Label EHP Distillery geschrieben stand, aber damit hatte es sich auch schon zum Großteil. Diese Angabe ist ja eigentlich nicht ganz korrekt, aber das ist ein anderes Thema. Sonst gab es eigentlich keine Abfüllung, auf welcher dieses Mark auch eindeutig geschrieben stand. Bis ich diese Abfüllung von Velier in Italien fand und dem Händler eine Email schickte, welche Marks den auf dem Fass waren und auf dem Rücken-Label erwähnt werden. Als mir der Händler das Mark E.H.P. nannte zögerte ich auch nicht lange und sicherte mir eine Flasche dieses Rums. Die Abfüllung bestand aus nur einem Fass, welches 265 Flaschen hervorbrachte. 

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Verkostung Velier Enmore 1998 Full Proof Old Demerara 9 YO:

Preis: Meine Flasche erstand ich für 97,60€ ohne Versandspesen. Für nur 9 Jahre Reifung eigentlich sehr überzogen. Aber wenn ich die Fassstärke und das beinahe doppelte Alter in kontinentalen Jahren im Hinterkopf behalte, dann kann ich den Preis verschmerzen.

Alter: Destilliert im Jahre 1998 und abgefüllt im Mai des Jahres 2007. Das offizielle Alter beläuft sich auf 9 Jahre. Die Reifung erfolgte im tropischen Klima Guyanas.

Alkoholstärke: Der Rum kam mit voller Fassstärke in die Flaschen. Diese betrug nach 9 Jahren in den Tropen immer noch 64,9%vol. Ich werde erneut eine Probe des Rums verdünnen (54%), um ihm mehr Aromen zu entlocken.

Destillationsverfahren: Auf dem Label prangt als Urheber eine Wooden Continous Still. Hiermit ist die Enmore Coffey Still gemeint, welche 1998 bei Uitvlugt stand.

Farbe: Der Rum erstrahlt in sehr dunklem Bernstein. Kommt dies wirklich von nur 9 Jahren in den Tropen? Wenn ja ist mir eine Holzbombe gewiss.

Viskosität: Der Rum fließt sehr träge hinab zum Glasboden und bildet dicke Tropfen an der Glaswand. Der Rum ist für 9 Jahre sehr ölig.

Nase: Der Rum kommt selbst nicht so richtig in fahrt. Ich rieche eine sehr kompakte Masse, aus der ich nur schwer einzelne Eindrücke gewinnen kann. Vom Glas entfernt rieche ich ganz schwache Vanille vermischt mit Leder. Je weiter man eintaucht, desto eher erkennt man eine leichte Süße durchzogen von Melasse. Ganz schwach und nur sehr schüchtern kommen auch Kokosnussaromen zum Vorschein. Diese Eindrücke sind aber wirklich nur sehr dezent und schwer zu erkennen. Schwenkt man das Glas und taucht die Nase direkt hinein, dann blitzen auch kurz exotische Früchte auf. Nach einer halben Stunde rieche ich nun Anisaromen. Die Geruchseindrücke werden zwar intensiver mit der Zeit, aber leider nicht einfacher zu erfassen. Wollen wir doch einmal etwas Wasser hinzufügen. 

Mit Wasser kommen die Aromen nun etwas besser durch. Ich reiche wieder Melasse gepaart mit dezenter Süße. Dazu kommt nun auch eine Spur süße Tabakblätter. Die Kokosnussaromen sind auch noch da. Am Glasrand erhasche ich wieder Vanille und ganz minimale Holzaromen. Die Verdünnung hat ihn nun etwas mehr geöffnet. Im Hintergrund erkenne ich nun Jod und eine Spur Rauch. Auch rieche ich eine süße Frucht die ich absolut nicht einordnen kann. Flambierte Bananen? Ganz schwach entschweben dem Glas dezente Anisaromen, die aber in diesem Mix nicht deutlich hervorstechen, wie man es z.B. von Port Mourant her gewohnt ist.

Gaumen: Der Alkohol drescht geballt auf den Gaumen ein. Der Rum selbst füllt den gesamten Mundraum. Allerdings ist dieser so kompakt, dass es sehr schwer ist einzelne Aromen herauszupicken. Ich schmecke leichte Anflüge von Melasse, Tabak, Leder und auch Anis. Ob diese Vom Fass oder von der Still sind kann ich im Moment nicht sagen. Nach einigen Sekunden wird der Rum leicht salzig. Ich schmecke nun auch dunkle Gewürze und minimale Holzaromen. Kein Vergleich zum Velier Enmore 1995 Full Proof Old Demerara 16 YO. Hier ist absolut keine Bitterkeit vorhanden. Allerdings ist die Süße auch sehr gering. 

Der Alkohol brennt nun deutlich sanfter am Gaumen. Dennoch sind es immer noch ca. 54%vol! Ich schmecke auch Karamell, vermischt mit Zuckerrohr und leichte Anklänge von Anisaromen. Diese Kombination hatte ich so gesehen denke ich noch nie in einem Glas. Ich bin überrascht. Auch schmecke ich hier nun ganz schwach natürliche Kokosnuss-Aromen und den süßen Tabak aus der Nase. Jod und ganz schwache Holzaromen bereichern diesen Eindruck am Gaumen. Auch dunkle Gewürze und Nelken. Der Rum gewann deutlich mit der Verdünnung an Qualität. Diese Kombination fasziniert mich.

Abgang: Dunkle Gewürze mit minimalen rauchigen Anklängen bilden den Anfang. Nach kurzer Zeit huschen Jod, Leder und Holzaromen über den Gaumen. Ganz kurz blitzen auch Mangos auf. Ich schmecke auch leichte Melassearomen. Der Abgang ist mittellang. Auch hier ist keine Bitterkeit zu schmecken. Der Rum ist eher insgesamt leicht süßlich. Aber der Alkohol sollte absolut nicht unterschätzt werden! 

Süßes Zuckerrohr mit Karamell bilden den Anfang des Abgangs. Danach kommen schwache Melassearomen, alte Tabakblätter und Nelken zum Vorschein. Der Rum schmeckt nun spürbar süßer. Ich mag diesen Mix aus Nelken, Zuckerrohr und Karamell. Wieder absolut keine Spur von Bitterkeit vorhanden. Am Ende verbleibt nur noch ein Hauch von Nelken und Jod am Gaumen.
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Fazit: Wie lautet nun mein Fazit bezüglich dieser Abfüllung? Well done, Luca Gargano! Endlich mal ein eindeutig zu identifizierender Rum aus der Enmore Coffey Still mit dem Mark E.H.P., welcher auch noch eine sehr hohe Qualität besitzt. Diese Abfüllung, obwohl doch wesentlich jünger, ist dem Velier Enmore 1995 Full Proof Old Demerara 16 YO in meinen Augen haushoch überlegen. Die Reifung hat den Rum positiv ergänzt und nicht zu sehr dominiert. Ich denke ich werde den Rum nach diesem Review versuchsweise mal auf 46%vol verdünnen um zu sehen, ob er dadurch noch mehr an Profil gewinnt. Mit voller Drehzahl ist er am Gaumen schon eine echte Herausforderung für den Connaisseur. Da hatte ich schon vergleichsweise mildere Rums mit einer ähnlichen Trinkstärke im Glas. Allerdings gibt es einen großen Wermutstropfen: Der Preis mittlerweile gestiegen und die Anzahl der Quellen erheblich gesunken. Mir ist nur noch eine in Italien bekannt. Neben dieser Abfüllung wurden im Jahre 2007 auch noch zwei weitere mir bekannte Abfüllungen von Velier auf den Markt gebracht. Einmal den Velier La Bonne Intention Full Proof Old Demerara 9 YO und den Velier Versailles Full Proof Old Demerara 9 YO. Beide Rums werden hier beizeiten noch auf dem Blog vorgestellt. Gerade der erste Rum ist etwas besonderes für mich. Ist er doch der einzige Rum mit des Stils (Mark) L.B.I., welcher sich in meinem Besitz befindet. Vielleicht beehrt uns Herr Gargano noch mit einer weiteren Abfüllung dieser verlorenen Destillerie, welche sich an der Ostküste Demeraras befand. 
Diese Abfüllung aus der Enmore Coffey Still war ihr Geld wert. Würde es sie auch noch zahlreicher geben, dann gäbe es hier auch glatt eine Kaufempfehlung. Der beinahe Ausverkauf macht diese aber mehr als überflüssig. Sollten sie den Rum für einen erschwinglichen Preis erwerben können, dann zögern sie nicht. Dieser Rum repräsentiert einen Rum-Stil, den es schon seit dem 19. Jahrhundert gibt und dessen eigentliche Destillerie seit 1995 endgültig verschwand. Letzteres ist dank dem Erhalt der Brennblasen allerdings verschmerzbar und dürfte nur für Sammler von Bedeutung sein. Ich betrachte die Verkostung dieses kleinen Schatzes wieder mal als ein besonderes Privileg und wünsche Euch allen einen schönen Sonntag!

Marco 

PS Es gibt seit letzte Woche zwei neue Unabhängige Abfüller (Velier & Samaroli) mit einer kleinen Liste ihrer Rums auf dem Blog. Kleine Updates wie dieses werden nicht groß angekündigt, sondern erfolgen quasi nebenbei. Warum? Wir wollen nicht aus jeder kleinen Mücke einen Elefanten machen. Auch wenn deren Inhalte aktualisiert werden gibt es kein großes Theater hierüber. Die nächsten Wochen und Monate werden noch weitere folgen, so bald ich hierfür die Zeit finde. Schaut einfach gelegentlich mal vorbei und seht ob sich schon etwas getan hat. ;)

Sonntag, 16. März 2014

James MacArthur Port Mourant 1990

Willkommen auf Barrel-Aged-Thoughts liebe Leser!

Wieder einmal möchte ich eine kleine Rarität vorstellen. Diesmal kommt der Rum aus der Port Mourant Still und dürfte nur wenigen Kennern bekannt sein. Diese kleine Serie, aus welcher dieser Rum stammt, war wohl in erster Linie nicht für Rum-Connaisseure gedacht, sondern für Whisky-Liebhaber, welche mal etwas Abwechslung im Glas haben wollen. Wollen wir doch mal sehen was in diesem kleinen Underdog steckt.

Zum Abfüller:

James MacArthur & Co Ltd hat eine traditionsreiche Geschichte. Der Name geht auf einen Farmer Namens James MacArthur zurück, der Anfang des letzten Jahrhunderts lebte. Dieser pflegte weite Wanderungen durch den Norden Schottland mit Übernachtungen in Gasthäusern, welche sich vornehmlich in der Nähe von Destillerien befanden. Um auch andere in diesen Genuss kommen zu lassen füllte er bald Whiskies unter seinem eigenen Label ab und kaufte dazu ausgesuchte Fässer. Das Label blieb bis zu seinem Tod erhalten. Im Jahre 1982 wurde James MacArthur & Co Ltd von Arthur Winning gegründet um an diesen Mann zu erinnern. Der nun vorliegende Rum gehört zur James MacArthur's Fine Rum Selection. Mir ist bisher nur diese eine Abfüllung aus dieser Serie bekannt. Im Internet ist wie immer wenig bis nichts über diesen Rum zu erfahren. Dieser Rum kommt aus der alten Port Mourant Double Wooden Pot-Still, die 1990 schon in der Uitvlugt Distillery ihren Dienst verrichtete. Die Angabe „Port Morant Distillery“ auf der Rückseite ist also, mal abgesehen von der falschen Schreibweise, nicht ganz richtig, da diese bereits 1955 geschlossen wurde. Auch befand sich das Port Mourant Sugar Estate nicht nahe am Fluss  Demerara, sondern an der Ostküste des Flusses Berbice. Aber wir wollen nicht katholischer als der Papst sein. Zusammen mit der Versailles Single Wooden Pot-Still sind sie die letzten hölzernen Pot-Stills ihrer Art. Der Rum wurde dem Anschein nach jung nach Großbritannien verschifft und dann unter kühlen Bedingungen gelagert. Allerdings knausert James MacArthur mit dem Datum der Abfüllung. Es ist also mir nicht bekannt, wann dieser Rum in die Flasche kam, oder wie alt er ist. Vielleicht weiß dies ja einer unserer Leser oder gar ein Connaisseur aus dem Whisky-Bereich. 

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Verkostung James MacArthur Port Mourant 1990:

Preis: Ich erstand diesen Rum für 46€ ohne Versandkosten. In meinen Augen ein Schnäppchen. Ob man hier allerdings auch eine Aussage über das Alter machen kann, wage ich noch zu bezweifeln.

Alter: Der Rum hat kein offizielles Alter. Ich hab auch keine Informationen bezüglich des Abfülldatums. Die einzige offizielle Angabe hierzu ist das Jahr seiner Herstellung, nämlich 1990. Zum vermutlichen Alter werde ich weiter unten noch etwas schreiben.

Alkoholstärke: Der Rum wird mit einer Trinkstärke von 50%vol. angegeben. Ich vermute, dass es sich hier nicht mehr um die ganze Fassstärke handelt. Aber Beweise für diese Vermutung habe ich natürlich nicht.

Destillationsverfahren: Durch die Angabe von "Port Morant" ist das verwendete Verfahren eine Pot-Still. Die längst geschlossene Port Mourant Distillery besaß seiner Zeit eine Double-Wooden Pot-Still, die im Jahre 1990 allerdings schon bei der Uitvlugt Distillery stand.

Farbe: Der Rum hat einen sehr schwachen Goldton. Beinahe wie ein blasser Weißwein. Leider hilft uns dies bei der Altersschätzung nicht sonderlich weiter, denn wenn das Fass nicht ordentlich ausgebrannt war, dann ist diese Farbe auch nach vielen Jahren völlig normal. Ich hatte einmal einen 17 Jahre alten Rum im Glas, den ich blind verkostet nie auf dieses Alter geschätzt hätte, den er war sehr blass und seine Reife war für dieses Alter erstaunlich gering. Deswegen gebe ich hier einmal keine Schätzung ab.

Viskosität: Eine kleine Krone aus Tropfen bildet sich am oberen Glasrand. Diese Tropfen fließen dann nach einigen Sekunden träge hinab zum Glasboden. Der Rum hat also eine gewisse Öligkeit.

Nase: Was für eine irritierende Nase. Das erste an was mich dieser Rum erinnert ist ein fruchtiger Kaugummi aus meiner Jugendzeit. So kenne ich Port Mourant ganz und gar nicht! Viele exotische Früchte umschmeicheln die Nase. Dazu kommt eine dezente Süße. Die von mir geliebten Anis- und Eichenaromen sind total in den Hintergrund gedrängt worden. Sehr undeutlich erkenne ich Kirschen, Birnen und Mangos. Da ist noch viel mehr an Frucht vorhanden, aber diese Eindrücke sind die Stärksten von allen. Neben den Früchten ist im Glas auch deutlich Rauch enthalten. Aber diese Frucht-Kombination irritiert mich doch etwas. Auf der Rückseite ist die Rede von „Oak Barrels“. Was man aber nun genau darunter verstehen darf, bleibt wohl den eigenen Geschmackssinnen überlassen.

Gaumen: Deutlich Pfeffer zu Beginn, der dann jedoch rasch sanfter wird und den exotischen Früchten Platz macht. Diese Fruchtigkeit, zusammen mit wunderschönen Raucharomen, bilden den Hauptbestandteil des Geschmacksprofils. Wieder fühle ich mich leicht an ein fruchtiges Kaugummi erinnert. Die vorhandene Rauchigkeit kenne ich von jungen Rums mit geringer Reife aus Port Mourant. Allerdings schmecke ich hier auch noch eine andere Komponente. Die Rauchigkeit ist leicht durchzogen von Aromen eines Lagerfeuers. Diese sind allerdings sehr schwach und kommen für mich nicht von der hölzernen Pot-Still. Die in der Nase vorhandene Süße ist am Gaumen mehr oder weniger gleich stark präsent. Die für Port Mourant typischen Anis- und Holzaromen sind eher dezent und spielen nur eine zweite Geige in diesem Konzert.

Abgang: Zuerst umschmeichelt kurz Pfeffer den Gaumen. Danach kommen wieder die exotischen Früchte, welche mit zarten Rauchnoten verwoben sind. Dieser Abgang ist nun wieder typisch für nicht sehr reife Rums aus der Port Mourant Still. Sehr außergewöhnlich und sehr delikat. Natürlich aber auch nur, wenn man Raucharomen im Rum mag. Der Abgang ist sehr lang und verschwindet erst langsam. Die Fruchtigkeit wandelt sich im Laufe der Zeit. Nun erkenne ich Mangos und schwach Papayas. Letztere waren zuvor überhaupt nicht zu erkennen. Wirklich sehr außergewöhnlich. 

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Fazit: Kurz und bündig: Ich liebe ihn! Dieser Rum ist wahrlich außergewöhnlich und lecker. Allerdings ist diese Abfüllung nirgends mehr zu finden. Die Quelle, welche zu beginn des letzten Jahres noch einige Flaschen besaß, ist längst versiegt. Ich schrieb ja schon, dass ich diese Frucht in der Nase gar nicht von Port Mourant her gewohnt bin. Außerdem schmeckte die Rauchigkeit am Gaumen einen Ticken anders, als ich sie von anderen sehr jungen Rums dieser Still kenne. Ich tippe mal auf ein besonderes Finish in einem ehemaligen Whisky-Fass. Es müsste ein vermutlich schwach rauchiger und mehr fruchtiger Whisky gewesen sein. Ich hatte zwar schon einige Whiskies im Glas, kann hier aber keine Einordnung durchführen und werde auch keine Vermutung diesbezüglich äußern. Diese Abfüllung war für den gebotenen Preis ein Schnäppchen in meinen Augen. Der Rum ist zwar nicht so reif, wie andere Demeraras am Gaumen. Aber diese ungewöhnliche Kombination an verschiedenen Früchten und dieser eigenartigen Rauchigkeit, macht ihn zu einen meiner Demerara-Lieblinge. Zugegeben: Er befindet sich nicht unter den Top 10. Aber nach mittlerweile vielen Einzelfass-Abfüllungen ist die Luft am oberen Ende recht dünn geworden. Auch wenn ich zu einer kleinen Minderheit der Rum-Gemeinschaft gehöre, habe ich doch eine Bitte an die Unabhängigen Abfüller dort draußen: Bitte mehr davon! Abfüllungen wie diese besitzen eine sehr hohe Qualität. Der ein oder andere Connaisseur mag mir hier ruhig widersprechen. Aber dies ist und bleibt meine bescheidene Meinung. Das Alter dieses Rums ist für mich wahnsinnig schwer einzuordnen. Wie weiter oben schon geschrieben, hatte ich da schon ein kleines Oha!-Erlebnis bei einem 17 Jahre alten Rum, dessen gefühlte Reife nur einen Bruchteil dieser Jahre betrug. Auch bin ich mir hier durch das vermutliche Finish nicht ganz sicher. Ja sie haben schon richtig gelesen: Da ich außer den Sinneseindrücken meiner Nase und des Gaumens keinen soliden Beweis vorweisen kann, ist das von mir angenommene Whisky-Finish für mich nicht eindeutig bewiesen. Ich wünsche Euch allen nichtsdestotrotz noch ein schönes Wochenende! 

Marco

Sonntag, 9. März 2014

Panama in Ashes mit The Rum Cask Panama Rum 8 YO

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich euch kurz die Neuinterpretation eines Drinks vorstellen, den es erst seit ein paar Jahren gibt, sich seit dem aber großer Beliebtheit unter Cocktailliebhabern erfreut, dem Vienna in Ashes von Philip Bischoff. 

Das Rezept des Drinks lautet folgendermaßen:

Vienna in Ashes 

5 cl Mozart Black Chocolate Liqueur
2 cl Grand Marnier Cordon Rouge
1,5 cl Laphroaig 10 Years Old Single Malt Whisky
Orangenzeste


Nun steht hier seit geraumer Zeit mein Fläschchen The Rum Cask Panama Rum 8 YO (2004 - 2012) mit 54,5% vol. und überdeutlichem Islay Malt Finish herum. Leo hatte den Rum vor ca. einem dreiviertel Jahr auch hier vorgestellt und war sehr angetan. Meins war der Rum pur allerdings nicht so, zu wenig bin ich von Islay begeistert, welches diesen Rum so sehr geprägt hat. So blieb nur die Variante übrig, den Rum in einem Drink zu testen. Ich durchstöberte also die Datenbanken nach Drinks, welche einen Islay Malt verlangen und stieß so auf den Vienna in Ashes. 
In Ermangelung an Grand Marnier Cordon Rouge ersetzte ich nicht nur den Laphroaig durch den Rum, sondern auch diesen durch Pierre Ferrand Orange Curacao, der, wie der Grand Marnier, auch auf Cognac Basis hergestellt wird. Das Rezept war nun dieses:


Schwarz wie die Nacht: der Panama in Ashes.
Panama in Ashes

5 cl Mozart Black Chocolate Liqueur
2 cl Pierre Ferrand Orange Curacao
1,5 cl The Rum Cask Panama Rum 8 YO Cask Strength
Orangenzeste


Zugegeben, der Name irritiert, wurde doch der Wiener (bzw. Salzburger) Anteil garnicht substituiert, aber ich wollte den Drink nicht unter gleichem Namen vorstellen, das hätte ich noch unpassender gefunden. 
Der Drink kommt zunächst, wenn man nur noch den Purgenuss von Rum gewöhnt ist, ziemlich süß daher, was sich mit zunehmender Verwässerung aber relativiert. Die Ballance der drei Zutaten stimmt, spielen sie doch wunderbar zusammen und ergänzen einander. Die Kombination aus dunkler Schokolade, Orange und Rauch überzeugt mich, ist aber nichts für jeden Tag!

Nächsten Sonntag erwartet euch wieder ein Review von Marco. Wir wünschen eine schöne und erfolgreiche Woche.

Bis dahin,
Flo

Sonntag, 2. März 2014

Velier Albion 1994 Full Proof Old Demerara 17 YO

Bonjour, Hello folks und Willkommen auf Barrel Aged Thoughts!

Vorletzte Woche hatte ich ja schon angedroht, dass mal wieder ein Demerara auf Herz und Nieren geprüft wird. ;) Vor 14 Tagen hatten wir einen ganz großen Rum hier „zu Gast“. Leider ist er schon überall ausverkauft und ich hatte von einer Alternative gesprochen, welche dagegen noch verfügbar ist. Insider werden wohl schon wissen, auf welche Abfüllung ich damit angespielt habe. Hier ist er nun: der Velier Albion 1994 Full Proof Old Demerara 17 YO aus dem Jahre 2011.

Zur Abfüllung:

Bis auf die sehr rare Abfüllung Velier Albion 1989 Full Proof 19 YO, von dem es nur 108 Flaschen gab, hatte ich bisher jeden Albion, welcher auch in Fassstärke von Velier auf den Markt kam, im Glas. Dies ist der zweite Rum, welcher das Mark oder den Rum-Stil A.N. (Albion & Nigg) repräsentiert und mir auch bekannt ist. Das Mark der Abfüllung aus 1989 ist mir unbekannt. Hier sei an dieser Stelle auf das Review von Serge Valentine verwiesen. Er hatte diesen Schatz im Glas. Dieser Stil hier ist höchstwahrscheinlich der ursprüngliche Stil der Albion Plantage. Zur damaligen Zeit war sie schon mit der Plantage Nigg verschmolzen. Einen früheren Stil von Albion kenne ich leider nicht und der Stil A.W. sollte dort erst später in Zusammenarbeit mit der Port Mourant Still entwickelt worden sein. Zumindest kommt diese Info von Luca Gargano und er hat sie höchstwahrscheinlich von Yesu Persaud erhalten, noch bevor dieser in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet wurde. Yesu Persaud war für eine sehr lange Zeit der Chef von Demerara Distillers Limited. Seit 1975 war er dort tätig und war bis zuletzt der Chairman von DDL.

Diese Abfüllung hier stammt aus einer Wooden Continuos Still. Im Jahre 1994 gab es nur noch eine Still dieses Typs und diese stand in Enmore. Es war die originale Enmore Coffey Still von der gleichnamigen Plantage und der dortigen Destillerie. Es gibt deutliche Anzeichen, dass erst in oder ab 1995 alle Brennblasen nach Uitvlugt gebracht wurden. Diese Abfüllung müsste also technisch gesehen noch auf dem Gebiet der Enmore Plantage destilliert worden sein. Später wurden alle Fässer nach Uitvlugt und dann abschließend zur Hauptanlage von DDL im Jahre 2000 gebracht. Von Albion hat keine einzige Still überlebt. Nur der Geist der Albion Destillerie, ihr Rum, hat es bis in die heutige Zeit geschafft am Leben zu bleiben. Und dank Luca Gargano haben wir alle das Glück, diesen Stil auch im Glas zu haben. Die Details zu Albion kann man wie immer in meinem Artikel nachlesen.
Laut dem Chart von Stefanie Holt ist dieser Stil in den El Dorado Blends 21YO und 25YO enthalten. Am deutlichsten sollte man ihn angeblich im 21YO schmecken. Wer je einen dieser Rums von Velier im Glas hatte, wird sich schon einmal folgende Frage gestellt haben:“ Warum zum Henker gibt es so etwas nicht häufiger?“ Die Antwort ist ernüchternd und simpel: DDL hat kein Interesse. Velier kam auch nur durch einen Teilbesitz des Unternehmens in den Genuss dieses Privilegs. Und natürlich spielt die Tatsache mit hinein, dass Luca Gargano und Yesu Persaud überaus gut miteinander harmoniert haben. Sonst hätten wir Rum-Connaisseure wohl nie diesen Genuss erlebt, zumindest nicht in dieser Form. ;) Dieser Rum ist ein Jahrgangsrum, bestehend aus 4 Fässern. Sie hatten die Nummern 7100, 7101, 7102 & 7103. Das Alter beläuft sich auf ca. 34 kontinentale Jahre. Es erwartet uns also eine frischere und etwas kräftigere Variante des Velier Albion 1983 Full Proof Old Demerara 25 YO. Beide lagerten in Guyana.

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Verkostung Velier Albion 1994 Full Proof Old Demerara 17 YO:

Preis: Ich ersteigerte meinen Rum in Belgien für 115€. Natürlich wie immer ohne Versandspesen.

Alter: Der Rum wurde 1994 in Enmore destilliert. Abgefüllt wurde er im Februar 2011. Das offizielle Alter beläuft sich auf 17 Jahre in den Tropen.

Alkoholstärke: Die volle Fassstärke betrug noch ganze 60,4%vol. Aus Neugier und zwecks eines Vergleichs werde ich eine kleine Menge diesen Rums auf 46%vol. herab verdünnen.
 
Destillationsverfahren: Das offizielle Verfahren ist eine Wooden Continous Still gewesen. Es gab 1994 nur noch eine diesen Typs und das war die Enmore Coffey Still.

Farbe: Der Rum erstrahlt in dunklem Bernstein. Hier gibt es keine Überraschung.


Viskosität: Ein dicker Film benetzt das Glas. Nur vereinzelt fließen dicke Schlieren hinab zum Glasboden. Der Rum ist gut ölig. Ich erwarte also einen Mundfüller.


Nase: Der Alkohol brennt sich tief in die Nase ein. Die Aromen sind sehr kompakt. Ich kann dennoch Tabak-, Anisaromen und dunkle Gewürze erkennen. Entfernt man die Nase vom Glas kann man ganz dezente Vanillearomen erhaschen. Der Nelkengeruch ist sehr schwach. Die Tabak- und Anisaromen sind verwoben mit delikatem Rohrzucker. Die Süße in der Nase ist erstaunlicherweise sehr gering. Die Nase hat insgesamt einen leicht pflanzlichen Touch. Im Hintergrund kann ich sogar Kokosnussaromen erkennen. Schwenkt man hier das Glas und taucht die Nase hinein, dann kann man reife Früchte riechen. Diese sind allerdings nicht von langer Dauer und werden von den anderen Aromen übermannt. Der Rum erinnert mich entfernt an eine andere Abfüllung. Allerdings ist die Nase hier noch zu kompakt. Mal sehen was einige Tropfen Wasser anstellen. 

Mit Wasser kommen der Rohrohrzucker und der Tabak deutlich mehr zum Vorschein. Beide Aromen halten sich sehr gut die Waage und keine dominiert die andere. Sie sind beinahe perfekt ausbalanciert. Der Rum hat sich etwas weiter geöffnet. Der Alkohol brennt nun überhaupt nicht mehr. Schwenkt man wieder das Glas sind die exotischen Früchte wieder präsent. Ich rieche reife Papayas und Bananen. Amtet der Rum jedoch einige zeit, dann werden diese Aromen vom Tabak und dem Rohrzucker verdrängt. Etwas weiter weg vom Glas entfernt kann man schwache Vanillearomen riechen. In all diesem Mix sind wieder diese ganz schwachen Kokosnussaromen verborgen. Der Rum hat definitiv durch die Verdünnung einiges an Profil gewonnen.

Gaumen: Der Alkohol brennt auf der Zunge und verbreitet sich im gesamten Mundraum. Ich schmecke zuerst eine ganz schwache Süße, dich gefolgt von Tabakaromen und schwachem Rohrohrzucker. Danach folgen Anis- und im Hintergrund versteckte Holzaromen. Danach kommen dunkle Gewürze wie Nelken und Zimt zum Vorschein. Der Rum ist weder bitter noch salzig. Erstaunlich wenn man das Alter in den Tropen bedenkt. Die Süße ist nach einigen Sekunden komplett verschwunden. Am Ende sind die Anisaromen und der Tabak im perfekten Einklang am Gaumen. Der Rum ist gerade noch jung genug und hat nicht zu viel vom Fass abbekommen. Eine leichte Rauchigkeit garniert den gesamten Eindruck. Ein leckerer Tropfen. 

Der Alkohol brennt nun fast überhaupt nicht mehr. Eine leichte Süße garniert die Tabakaromen und den Rohrrohzucker. Dazu kommen noch Anisaromen, welche die beiden anderen Aromen gut kombiniert. Schwach im Hintergrund erkenne ich auch Nelken und Zimt. Der Rum füllt trotz seiner schwachen Trinkstärke den Mundraum gut aus. Ich schmecke eine ganz schwache Rauchigkeit. Die Fassaromen durch die Reifung sind fast gar nicht zu entdecken. Was Früchte anbelangt kann ich nur Mangos erkennen. Nach einer Weile sind die Anisaromen zusammen mit dem Tabak das einzige am Gaumen, was man noch groß schmeckt. Diese beiden Aromen sind am Ende die dominierenden Aromen. Der Rum wurde durch die große Verdünnung nicht zu weichgespült, sondern hat dadurch enorm profitiert.

Abgang: Der Abgang startet mit Rohrzucker- und Tabakaromen, dicht gefolgt von Nelken und Zimt. Zwischen all diesen Aromen kommen Anis und eine leichte Spur Rauch zum Vorschein. Der Abgang ist weder süß, noch bitter noch salzig. Er hat einen wunderschönen Nachklang. Nach einigen Sekunden blitzen kurz Mangos auf, bevor sie wieder verschwinden. Am Ende sind der Rohrzucker, die Tabak- und Anisaromen perfekt ausbalanciert und bilden einen wunderschönen Abschluss. 

Mit Wasser startet der Abgang ganz leicht mit Tabak- und Rohrzucker. Dazu gesellen sich nach wenigen Sekunden Nelken. Der Abgang ist nur ganz minimal süß. Nach und nach kommt auch ein Hauch von Kokosnuss zum Vorschein. Diese sind allerdings sehr sehr schwach. Auch Mangos kann ich erkennen. Am Ende verbleiben nur noch die Tabakaromen und der Rohrzucker, verwoben mit einer Spur Anis am Gaumen. Ein ganz delikater Rum. 

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Fazit: Wie lautet nun mein Fazit? Die Qualität ist für mich sehr hoch anzusiedeln. In einem direkten Vergleich unter gleichen Bedingungen (46%vol.) mit dem Velier Albion 1983 Full Proof Old Demerara 25 YO hat er nur knapp gewonnen. Allerdings, und hier kommt jetzt das allerdings: wenn sie auf gereifte Versionen mit mehr Bitterkeit stehen, dann wäre der 1983 mehr ihr Sieger gewesen. Zwischen beiden Rums liegen immerhin 8 Jahre in den Tropen. Ein ganz fairer Vergleich ist leider nicht möglich, da kein weiterer Rum mit diesem Stil in diesem Alter verfügbar ist. Da ich es aber auch gern etwas jünger und kräftiger mag, war der 94er auch schon unverdünnt mein Liebling. Die Unterschiede sind in meinen Augen bei 46% vol. nicht kolossal. Sie sind aber nicht identisch. Die Bitterkeit und einige andere Aromen des 1983er fehlen hier komplett. Wenn ich mich aber entscheiden müsste, zwischen einem überteuerten Preis des Velier Albion 1983 Full Proof Old Demerara 25 YO und dieser Abfüllung, dann würde meine Wahl wohl eindeutig zugunsten des jüngeren Rums ausfallen. Und nach nunmehr zwei Abfüllungen mit dem Mark A.N. kann ich mit endgültiger Gewissheit sagen: ich liebe Albion! Noch einmal herzlichen Dank an Luca Gargano für die Veröffentlichung dieser einzigartigen Rums. Es bleibt nur zu hoffen, dass Komal Samarro, der Nachfolger von Yesu Persaud, auch so offenherzig zu Herrn Gargano sein wird. Dann würde weiteren Abfüllungen in der Zukunft nichts mehr im Wege stehen.

Es ist wahrlich ein Jammer, dass solche Schätze in Blends verschwinden. So sehr ich meinen Hut vor der Handwerkskunst des Meister-Blenders ziehe, so sehr langweiligen mich diese Blends auch. Ihnen fehlen die Ecken und Kanten von Jahrgangs- oder Einzelfass-Abfüllungen. Sie hinterlassen zwar Eindrücke am Gaumen, aber nur wenige Rums hinterlassen dauerhafte Spuren im Gedächtnis. Dieser Rum, neben dem Velier Albion 1983 Full Proof Old Demerara 25 YO und anderen großartigen Rums, gehört zur letzten Kategorie. Wir beide, Flo und ich, hatten im unverdünnten Zustand den Eindruck, einen hochkonzentrierten Albion 1983 im Glas zu haben. Flos Geschmack traf er allerdings nicht so sehr, er bevorzugt den 1983er.

Diese Demerara Rums waren ende letzten Jahres das Highlight meiner bisherigen Reise und ich hatte auch ganz großes Glück, einige dieser Abfüllungen in die Finger zu bekommen. Für nachkommende Connaisseure wird diese Gelegenheit immer geringer bis unwahrscheinlicher. Was bleibt sind die Erinnerungen, Reviews, die mit den Rums verbundenen Geschichten und die vage Hoffnung auf weitere Abfüllungen mit dieser hohen Qualität. Vielen Dank, dass Ihr, werte Leser, den bisherigen Weg mit uns gegangen seid. Noch eine kleine Ankündigung in eigener Sache: Leider fordert mein Studium neben dem Beruf mich immer mehr. Bisher war es mir immer gelungen genügend Zeit für dieses Hobby abzuzweigen. Leider sehe ich mich mittlerweile gezwungen die Reviews / Artikel nur noch alle 2 Wochen zu bringen. Ich hoffe ihr versteht diesen Schritt meinerseits. Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag!

Marco


Sonntag, 23. Februar 2014

Finest Spirits 2014 München

Eigentlich sollte diesen Sonntag die Alternative zum Velier Albion 1983 Full Proof Demerara Rum 25 YO erscheinen. Allerdings denke ich, dass ein kleiner Messebericht von der Finest Spirits in München hier nicht schaden kann. Schließlich unternahm ich diese kleine Reise gen Süden unter anderem wegen ihr. Also ein großes Sorry an alle von Euch, die ein Review erwartet hatten. Dieses wird auf den nächsten Sonntag verschoben. Ich hoffe ihr verzeiht mir. ;)

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Der "Außenbereich" des Messegeländes (MVG Museum)
München... die Landeshauptstadt Bayerns und zugleich Heimat der Finest Spirits. Neben der vielen kulturellen und architektonischen Sehenswürdigkeiten ist diese Messe eine weitere gute Ausrede, einen Trip zu dieser Metropole zu unternehmen.
Was mit Whisky begann wurde in der Zwischenzeit zu einem Allrounder. Zumindest könnte man dies auf den ersten Blick meinen. Aber weit gefehlt: das Hauptaugenmerk, zumindest nach meiner Einschätzung, liegt hier in München eindeutig immer noch auf Whisky. Wie wir später noch sehen werden, hat mir diese Tatsache den Messebesuch gerade noch gerettet.

Ich muss gestehen, dass ich mich hauptsächlich auch wegen Whisky zur Finest Spirits begeben habe. Von den Rum-Ausstellern erwartete ich im Vorfeld so gut wie gar nichts, da auf der Homepage die deutliche Mehrheit der Aussteller entweder offizielle Abfüllungen oder die üblichen Verdächtigen anbot. Zwar las man dort auch die Namen Cadenhead, Pellegrini, Bristol Spirits und noch einige weitere Unabhängige Abfüller, aber meine Erwartungen hielten sich absolut in Grenzen. Ich kam, um meinen Horizont bezüglich Whisky zu erweitern und vielleicht den ein oder anderen interessanten Rum im Glas zu haben.

Nach entspannten 15 Minuten hatten wir die Tickets in der Hand und entledigten uns unserer Jacken und verließen die "Garderobe" in Richtung Haupthalle. Als erstes machten wir einen kurzen Rundgang und gewannen so einen groben Überblick. Als wir schließlich den Stand von Bristol nicht fanden, schlugen wir im Hallenplan nach. Aber es war weder Bristol noch z.B. Pellegrini in der alphabetisch geordneten Liste auf der linken Seite des Plans zu finden. Mir schwante Übles. Schließlich klickte ich wenige Wochen zuvor schon auf der Homepage der Finest Spirits auf den Namen Bristol und wurde dann, seltsamerweise, zum Importeur Harmonex weitergeleitet und nicht zur Webseite von John Barrett. Ich sagte zu meiner Begleitung, er solle doch einmal nach Harmonex suchen und zack, wir wurden fündig. 

Was soll ich sagen? Bristol war mit sage und schreibe einer ganzen Abfüllung vertreten. Ich musste den Stand echt zweimal mit meinen Augen untersuchen, bevor ich das glauben konnte und dachte mir nur: "Wow. Mit nur einer Abfüllung schafft man es als Abfüller schon auf die Hauptseite." Es war der Bristol Rum Caroni 1996. Da ich mit der Destillerie Caroni nie so richtig warm wurde, war Bristol für mich geistlich abgehakt, was wirklich schade war, denn ich hoffte auf die Anwesenheit von John Barrett. Wenigstens hatte Harmonex, neben einigen offiziellen Abfüllungen, die mich wirklich nicht weitergebracht hätten, noch zwei Neuheiten von Pellegrini S.p.A.. Es war der Uitvlugt 1998 15 YO "Chocolate House" und der Barbajos Barbados West Indies 2004 9YO. Beide Rums waren ganz okay, aber leider keine Welthits. Gerade beim ersten hatte ich eigentlich mehr erwartet. Schließlich kostet diese Abfüllung an die 100€. Es war "nur" eine Sherryversion der TWA Uitvlugt 1998 Abfüllungen. Also ein Rum aus der originalen French Savalle Still von Uitvlugt. Beim Barbajos musste ich schmunzeln. Er schmeckte dem Plantation Barbados 2000 mehr als nur ähnlich. Auf dem Label steht auch etwas von Sherryfinish. Aber die Süße ist im Vergleich zum Plantation geradezu harmlos gewesen. Wie schaffte das Pellegrini bloß? Vielleicht sollten sie sich Rat von Plantation Rum einholen. Beide Rums waren nett, aber auch nicht mehr. Ideal für erste Pur-Verkostungen, aber keine Herausforderung für erfahrene Connaisseure. Weiter ging es zum Cadenhead-Stand.

Cadenhead wurde durch Cadenhead Köln vertreten. An die drei Rums hatten sie am Stand. Zumindest kann ich mich nur noch an diese drei Rums erinnern. Den Cadenhead Dated Distillation Kuba ADC 1998 14 YO, den Cadenhead Dated Distillation Trinidad TMAH 1991 21 YO und den Cadenhead Green Label Guyana 15 YO. Wir probierten den erst genannten und waren hin und weg. Kuba in Reinform. Würzig, kraftvoll und nur wenig Maraschino-Kirsche. Der erste Lichtblick im Tunnel quasi. Dieser Rum wäre mir eine Pulle wert. Den Rum aus Trinidad schenkten wir uns, kannten wir doch schon den Vorgänger mit 19 Jahren und auch der Guyana Rum lockte mich nicht so wirklich. Ich probierte meinen ersten Whisky. Es war der Cadenhead Highland Park Distillery 1985 28 YO. Es war ein Wow!-Erlebnis. Ich hatte ja schon viel von Highland Park und seiner Honignote gelesen, aber diese einmal zu schmecken, war doch etwas ganz anderes. Ich fürchte, Highland Park wird für mich nie ein Ersatz für Rockley werden, was ich ja insgeheim mehr als gehofft habe. Zumindest funktionierte es nicht für mich. Der Whisky war laut der netten jungen Dame aber schon ausverkauft und so hakte ich auch dieses Erlebnis geistlich ab.

Weiter ging's mit dem Stand der S.M.W.S.. Neben des aktuellen Programms, gab es auch noch 5 neue Whiskies zu probieren, welche laut des Ausstellers für die Mitglieder erst ab dem 25. Februar erhältlich sein würden. Zufälligerweise bin ich ein Mitglied und wollte wissen, was mich da nun erwarten würde. Wir probierten den Isle of Arran (121.57), Glenrothes (30.75) und den Glenmorangie (125.66). Die Qualität war bei allen drei sehr hoch anzusiedeln. Das war zumindest mein bescheidener Eindruck. Aber bedenken Sie bitte, werte Leser: hier probiert ein Hardcore-Rum-Connaisseur sich zum ersten Mal durch verschiedene Whiskies. Ich werde niemals behaupten, dass ich in diesem Sektor eine Ahnung habe und wenn ich einmal ganz ehrlich bin: ich habe dies auch nicht vor. Es gibt dort schon wahrlich mehr als genug Experten, die dieses Pferd reiten. Einen weiteren braucht es da wirklich nicht. 
Die Stimmung wollte nach diesen Tastings aber nicht wirklich so richtig ansteigen. Ein weiterer Spaziergang brachte uns vorbei an Plantation zu Tres Hombres. Für mich sind diese Rums eine nette Idee. Fairtrade und Rum. Klingt nach einer guten Idee. Aber Soleras von Oliver&Oliver locken mich nun wirklich nicht hinter dem Kamin hervor. Eine gute P&R isses aber allemal. Bei einem zweiten Rundgang passierten wir hastig das Fernsehteam vor der Finest Spirits Bar. Auch der Deutsche Rum-Botschafter Dirk Becker erwies der Messe die Ehre. Das Rum-Depot war personell zwar gut vertreten, aber die Auswahl reizte uns beide dennoch nicht wirklich und so verblieben wir dort auch nicht sehr lange. Dominikanische Rums waren noch nie auf meiner "Most Wanted List". Die Nähe von Kameras bereitet mir zudem einfach Unbehagen. 

Wir machten beide keinen Hehl aus unserer Enttäuschung. Selbst meine Begleitung hatte die Messe in besserer Erinnerung, nämlich als sie noch kleiner war. Der Trend geht wohl zum Mainstream hin. Zumindest was Rum anbelangt hatte ich diesen Eindruck. Welch ein Jammer. Rumtechnisch hatte ich absolut nichts erwartet und wurde auch zu meiner bitteren Zufriedenheit vollstens bestätigt. Mir hatte diese Messe in dieser Hinsicht nichts Neues zu bieten. Hier konnte ich meinen Horizont bezüglich dieser Spirituose definitiv nicht erweitern. Rum war passé. Der Gedanke, dass sich Whisky-Connaisseure mit dem Großteil dieser Abfüllungen sinnlichen Genüssen hingeben, jagte mir einen kalten Schauer über den Rücken. War ich wirklich zu einem Über-Nerd mit Null Toleranz mutiert? Ich kam mächtig ins Grübeln. Nach einigen Sekunden des Schreckens beschlossen wir, unsere Aufmerksamkeit wieder ganz der Spirituose zu widmen, mit der die Finest Spirits auch zuerst anfing: Whisky. Ich erinnerte mich daran, den Namen Berry, Bros. & Rudd. an einem Stand des Eingangs gelesen zu haben. Der Name müsste Kennern eigentlich etwas sagen.

Der Stand Nr. 11 gehörte Whiskykeller. Hier gab es Abfüllungen von BB&R. Rum gab es dort zwar auch ganze zwei Abfüllungen, die uns aber an diesem Tag nicht mehr interessierten. Eine stammte aus Mauritius mit dem klangvollen Namen Penny Blue (der Stil ist aber leider nicht mein Fall) und die andere aus der Caroni Destillerie (BB&R Caribbean Rum XO). Die Letzte Abfüllung kannte ich zudem schon. Nach einem Plausch und kurzen Tastings einiger teilweise etwas älterer Whiskies (Linkwood 1999, Littlemill 1990 & Bowmore 1987) blieben wir bei zwei jungen Abfüllungen hängen. Ich favorisierte den BB&R Bunnahabhain 2006 6 YO mit 58,2%. Meine Begleitung den BB&R Bowmore Distillery 2001 11 YO mit 46%. Beide waren "Refill Hogshead". Bei diesen Abfüllungen blieben wir auch den restlichen Tag hängen. Der Bunnahabhain war nicht zu torfig und dreschte angenehm auf meinen Gaumen ein. Die Abfüllung hinterließ einen bleibenden Eindruck in mir. Fruchtige Whiskies sind wohl nicht mein Fall. Aber so viele Abfüllungen hatte ich bisher noch nicht um diesen Trend voll zu bestätigen. Wie es der Zufall so will erlebte ich eine Überraschung: am Stand war Doug McIvor. Die Nase von Berry Bros. & Rudd. Die Nase, welche unter anderem den Berry Bros. & Rudd. Port Mourant 1975 32 YO, den Berrys Bros. & Rudd. Versailles Still 1985 22 YO, den legendären Berry Bros. & Rudd. Rockley Still 1986 21 YO und seine Vorgänger abgefüllt hat. Die folgende Unterhaltung, sie dauerte fast eine Stunde, und diese beiden Whiskies retteten für uns beide die Finest Spirits. Am Ende waren wir um einige Erfahrungen reicher. Der Besuch hatte sich doch noch gelohnt. 

Das war mein Messebesuch am Samstag den 15.02.2014. Vielleicht hatte ich einfach wirklich zu viel erwartet, obwohl ich es eigentlich vermeiden wollte. Ob Berlin besser abschneiden würde? Es gäbe nur einen Weg um dies herauszufinden. Allerdings gäbe es dort keine Whiskies, welche eine schartige Klinge während des Besuchs wieder scharf machen könnten. ;) 




So long!

Marco

Sonntag, 16. Februar 2014

Velier Albion 1983 Full Proof Old Demerara 25 YO

Servus und Willkommen liebe Leser!

Heute kommt der zweite Rum aus Albion auf Barrel Aged Thoughts. Er stammt aus dem Jahre 1983. Den Velier Albion 1986 Full Proof Old Demerara 25YO habe ich bereits auf dem Blog vorgestellt. Aber dieser Rum von 1983 unterscheidet sich drastisch von der Abfüllung aus 1986. Beide repräsentieren unterschiedliche Stile und schmecken sehr unterschiedlich.

Zur Abfüllung:

Was sagt uns das Jahr 1983? In diesem Jahr verschmolzen Diamond Liquors Limited (Diamond) mit Guyana Distilleries Limited (Uitvlugt) und ihrem Subunternehmen Demerara Distilleries (Enmore) zu Demerara Distilleres Limited (DDL). Der letztere Rum-Produzent dürfte den Lesern des Blogs bekannt sein. Der Rum stammt also aus dem Jahr dieser Verschmelzung, wenn gleich alle drei Unternehmen zuvor schon unter staatlicher Aufsicht zusammen beaufsichtigt wurden. Der Rum entspricht dem Stil (Mark) A.N.. Hinter diesen Buchstaben verbirgt sich der Zusammenschluss der alten Plantagen Albion und Nigg. Beide befanden sich an der Ostküste von Berbice und lagen in direkter Nachbarschaft. Ganz in der Nähe gab es auch die alte Port Mourant Sugar Factory mit ihrer eigenen Destillerie. Dieser Rum hier wurde 1983 in der Enmore Distillery auf der Enmore Wooden Coffey Still gebrannt. Die Albion Distillery selbst wurde vermutlich schon zwischen 1967 – 1969 aus der Zuckerfabrik ausgegliedert und aufgelöst. Aus ihrem Inventar zur Destillation hat nur die Port Mourant Still überlebt, welche um 1955 ins Inventar der Albion Distillery übertragen wurde, als man die Zuckerfabrik auf dem Port Mourant Estate stilllegte. Warum wurde er in Enmore destilliert? Weil dort um 1983 die einzig verbliebene hölzerne Coffey stand und laut Label soll sie die Quelle dieser Abfüllung sein. Ein Sample des Rums bekam ich im Austausch gegen einige andere Samples. Ohne dieses Sample hätte ich mir wohl keine ganze Flasche dieser Abfüllung zugelegt, war ich doch von dem hohen Alter und der durch die Verdunstung drastisch gesunkene Trinkstärke abgeschreckt. Zum Glück wurde ich eines besseren belehrt. Mein Dank geht an dieser Stelle an die Person, welche diesen Austausch mit mir vollzog und dieses einzigartige Erlebnis ermöglchte. Merci Cyril! 
Diese Abfüllung bestand, ähnlich dem Rum aus 1986 und dem aus 1989 (über den ich leider nur sehr wenig weiß), nur aus einem einzigen Fass. Gerade einmal 313 Flaschen konnte das Fass nach 25 Jahren noch füllen. Die Engel hatten ihn anscheinend besonders lieb gewonnen. ;)

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Verkostung Velier Albion 1983 Full Proof Old Demerara 25 YO:

Preis: Für meine Flasche bezahlte ich rund 125€. Die Quelle war ein Connaisseur, welcher mir diese Flasche zu diesem sehr fairem Preis überließ. Noch einmal herzlichen Dank!

Alter: Der Rum wurde 1983 gebrannt und im Januar 2008 abgefüllt. Das offizielle Alter soll 25 Jahre betragen.

Alkoholstärke: Der Alkoholgehalt beträgt nur noch 46,4%vol.. Ich denke hierbei handelt es sich auch noch um die übrig gebliebene Fassstärke. Hier ist also deutlich mehr Alkohol als Wasser verdunstet. Eine weitere Verdünnung spare ich mir an dieser Stelle daher. ;)

Destillationsverfahren: Der angegebene Destillierapparat ist eine Wooden Continous Still. Also eine hölzerne Column Still. Die einzige Still, die es um diese Zeit noch gab, war die von Enmore. Deswegen vermute ich auch die Enmore Distillery als Ursprungsort.

Farbe: Der Rum erstrahlt in tiefem Bernstein. Nach 25 Jahren in den Tropen aber auch kein Wunder.

Viskosität: Ein dicker Film verteilt sich auf der Glaswand. Während sich der Rum langsam wieder zum Boden bewegt, bilden sich dicke Schlieren und vereinzelt fette Tropfen. Der Rum hat eine sehr hohe Öligkeit.

Nase: Der Rum durfte eine gute halbe Stunde atmen. Weit entfernt vom Glas vernimmt man feine Vanille, süßen Tabak und Rohrzucker. Je tiefer die Nase ins Glas taucht, desto intensiver werden die Tabakaromen und der Rohrzucker. Dazu gesellt sich nun ein schwacher Hauch von Karamell, vermischt mit einer dezenten Portion Anis- und Holzaromen. Der Rum reicht leicht süßlich, was aber nach 25 Jahren in einem Fass aus amerikanischer Weißeiche nicht wirklich verwundert. Schwenkt man das Glas und taucht die Nase sofort hinein, dann kann man sogar exotische Früchte riechen. Ganz dezent rieche ich reife Mangos und Papayas. Sehr schwach und fast gar nicht zu erkennen vernehme ich auch Kokosnussaromen im Hintergrund. Der Rum ist komplex. Der Alkohol ist sehr dezent und zu keinem Zeitpunkt aufdringlich. Am dominantesten ist meiner Meinung nach der Tabakgeruch, welcher vom Rohrzucker perfekt begleitet wird.

Gaumen: Der Rum startet mit leichter Vanille, braunem Rohrzucker und schwachen Anis- und Holzaromen. Dann folgt der Alkohol und brennt sehr sanft auf der Zunge. Ich schmecke süßen Tabak, Leder und eine ganz leichte Rauchigkeit. Die Süße ist vorhanden, aber weder zu schwach noch zu dominant. Nun schmecke ich auch exotische Früchte. Leider kann ich hier keine Einzelheiten erkennen. Der Rum hat einen leicht salzigen Geschmack, welcher von der Süße gut ausbalanciert wird. Als dritte Geschmackskomponente kommt hier die Bitterkeit vom Fass hinzu. Alle drei Geschmacksnuancen sind fast gut ausbalanciert und keine dominiert die anderen beiden. Ganz minimal erkenne ich nun auch Nelken und ganz schwach Jod. Der Rum füllt den gesamten Mundraum bis zum letzten Winkel und besitzt trotz dieser geringen Trinkstärke eine sehr hohe Komplexität.

Abgang: Zuerst wieder feine Vanille, dann folgen Anis- und Holzaromen. Diese verbleiben eine Weile am Gaumen. Dann folgt brauner Roh-Rohrzucker und Melassearomen. Die Süße zu beginn verschwindet rasch. Es ist keine stechende Bitterkeit im Abgang vorhanden. Aber sie ist doch da ohne groß aufzufallen. Nach einigen Sekunden schmecke ich schwache Kaffeearomen, umhüllt von einer leichten Karamellnote. Diese erinnert mich an eine gute Tasse Arabica-Kaffee, welche mit braunem Roh-Rohrzucker gesüßt wurde, allerdings fehlt hier die Süße total. Der Abgang ist mittellang. 

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Fazit: Ein wirklich sehr guter Rum. Einer der ganz Großen. Doch bei aller Größe hat er ein kleines Manko. Die Bitterkeit nach 25 Jahren in den Tropen hat ihre Spuren im Geschmacksprofil hinterlassen. Gerade diese geringe Fassstärke von 46,4%, welche mich zu Beginn deutlich abgeschreckt hat (ich sage hier nur: Holzwurm), ist es, was diese Abfüllung zwar wunderbar leicht zu trinken macht, aber auch schon ein dezenter Hinweis auf diese Bitterkeit war. Dennoch besitzt dieser Rum eine sehr hohe Qualität und die Bitterkeit ist nicht übermäßig vorhanden. Sprich: sie ist nicht dominant und sticht auch nicht zu schrill hervor. Sie ist so etwas wie ein weiterer Geigenspieler in einem riesigen Konzert, welches eine wunderbare Symphonie vorspielt. Dass diese Abfüllung nach 25(!) Jahren in den Tropen nicht verholzt ist beweist für mich, dass diese Art der Reifung etwas besonderes mit Rums anstellen kann, wenn man es nicht mit ihr übertreibt. Theoretisch hat diese Abfüllung umgerechnet 37 – 50 kontinentale Jahre Reife. Nennen Sie mir bitte einen Rum in diesem Alter, der für an die 125€ zu haben war und nicht zu sehr vom Holz dominiert wurde. Beim Whisky würde man bei solchen Preisen das Sabbern anfangen und aus dem Staunen wäre man vermutlich nicht mehr herausgekommen. An dieser Stelle möchte ich Luca Gargano für die Gelegenheit danken, diesen Rum verkosten zu können. Ohne Ihn hätten wir wohl nie, oder nur sehr schwer, den ursprünglichen Stil von Albion (A.N.) kennengelernt. Noch einmal Danke! Auch möchte ich Cyril von durhum.com danken. Von ihm stammt das Sample, welches sie auf den Fotos sehen können. Danke Cyril! Auch zeigt mir diese Abfüllung, dass selbst Rums aus Column / Coffey Stills glänzen können. Natürlich hat aber auch die besondere Reifung mitgewirkt und ihren positiven Beitrag hierzu geleistet. 
Bezüglich eines Sammlerwerts will ich nicht die Glaskugel auspacken und keine Vermutung anstellen. Aber wenn es nur rein um den Inhalt geht, dann wäre bei mir persönlich die absolute Obergrenze bei 200€. Ich weiß, dass Rums aus Skeldon für nur noch über 600 - 700€ den Besitzer wechseln. Aber das ist für mich einfach nur noch krank und hat meiner Meinung nach nichts mehr mit Leidenschaft für Rum zu tun. Hier geht es nur noch ums Gelddrucken. Und gerade diese Art von Denkmuster macht für viele Whisky-Genießer das Hobby fast unbezahlbar. Wollen wir beim Rum dieselben Verhältnisse haben? Ich sage hierzu nur: nein , Danke!
Dies ändert aber absolut nichts daran, dass ich diese Flasche in allen Ehren genießen werde. Es ist ein großartiger Rum, der genossen werden will, und nicht in der Vitrine verstauben sollte. Wer nun keine Flasche mehr ergattern konnte, für den gibt es zur Zeit noch eine sehr gute Alternative zu dieser Abfüllung. Diese ist etwas frischer und etwas kräftiger und könnte aus diesem Grund dem einen oder anderen sogar noch mehr zusagen. Von welcher Abfüllung spreche ich hier? Das werden Sie, liebe Leser, nächstes Wochenende erfahren. Bleiben sie einfach am Ball und haben sie noch einen schönen Sonntag! 

Marco