Sonntag, 20. Juli 2014

Coming in 2014 / 2015

The History of the Distilleries of Trinidad & Tobago

A little work about history, traditions, sugar and rum.


(In Deutsch und Englisch)
(In German and English)




Sonntag, 13. Juli 2014

TWA Guyana (Uitvlugt) Rum 1998 14 YO

Wieder einmal Hallo und willkommen auf BAT!

Heute ist mal wieder ein Rum aus Guyana, besser gesagt aus der Region Demerara, an der Reihe verkostet zu werden. Diese Abfüllung wurde 2012 abgefüllt und noch im gleichen Jahr auf den europäischen Markt gebracht und ist noch bei einigen Händlern zu finden.

Zur Abfüllung:

Die Abfüllung stammt von den beiden Abfüllern The Whisky Agency und The Nectar. Erster kommt aus Deutschland und der Letztere aus Belgien. The Nectar hatte schon in der Vergangenheit einige Rums der Plantation Reihe veröffentlicht. Dazu zählte auch ein Rum aus Jamaika mit dem Jahrgang 1983. The Whisky Agency ist noch nicht allzu lange im Rum-Segment vertreten. Diese Abfüllung hier muss dem deutschen Abfüller wohl gefallen haben, denn es gab eine weitere Veröffentlichung. Den Guyana (Uitvlugt) 1998 15 YO mit 51,7%vol.. Dieser hatte also dieselbe Trinkstärke, was aber nichts zu bedeuten hat (Stichwort Verdünnung), und das Fass brachte dort insgesamt 269 Flaschen hervor. Von dieser Abfüllung hier gab es 253 Flaschen weltweit. Der Jahrgang 1998 hatte schon einige Rums hervorgebracht. Da wäre unter anderem der Mezan Guyana Uitvlugt 1998 13 YO mit 40%, der allerdings in Barrique Fässern gereift sein könnte. Zumindest steht etwas mit Barrique Aged auf dem Label. Andere Rums aus diesem Jahrgang sind der TheRumCask Uitvlugt Rum 1998 15 YO mit 63,2% und der Scotland and Malts Guyana Limited Rum 1998 (Uitvlugt) 14 YO mit 63,2%. Alle Rums stammen wohl aus demselben Batch und dürften in der Grundkonsistenz recht ähnlich sein. Die Trinkstärke von 51,6%vol. lässt mich vermuten, dass dieser Rum hier verdünnt wurde. Ein Vergleich mit den beiden anderen Rums mit 63,2% erhärtet diesen Verdacht auch. Das wäre aber allerdings nichts neues. Auch Duncan Taylor hat die Rums ihrer Rum-Serie vermutlich verdünnt. Das muss also noch lange nichts schlechtes bedeuten. Eine Verdünnung kann einem Rum durchaus gut tun.
Was mich allerdings mehr als beunruhigt ist die blasse Farbe des Rums. Bisher waren alle Rums dieses Batches geradezu bleich, wenn man sie mit anderen Rums ähnlichem Alters vergleicht. Sogar einige jüngere Varianten, z.B. der TheRumCask Worthy Park 4 YO, hatten einen satteren Farbton im Glas als diese Rums aus Uitvlugt von 1998. Mittlerweile haben sogar Berry, Bros und Rudd, Duncan Taylor und Isla Del Ron jeweils ein Fass dieses Batches abgefüllt. Bei allen ist die Farbe relativ ähnlich blass. Hier muss also wohl eine ganze Menge an inaktiven, bzw. „toten“ Fässern verwendet worden sein. Wie sich dies im Glas niederschlägt werden wir hier nun „sehen“.

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Verkostung The Whisky Agency Guyana (Uitvlugt) Rum 1998 14 YO:

Preis: Der reguläre Preis dieser Abfüllung war und ist noch um die 69.00€. Mein Sample bekam ich aus Belgien, von einem kleinen Subshop von the Bondingdram.eu.

Alter: Das offizielle Alter beträgt 14 Jahre. Der Rum reifte von 1998 bis 2012 in einem ehemaligen Bourbon Fass. Dieses war, wie oben schon erwähnt, wohl schon ziemlich ausgelutscht und hatte den Rum nicht viel reifen lassen. Ich habe hier wirklich eine böse Vorahnung, hoffe jedoch auch mich gründlich zu täuschen.

Alkoholstärke: Die Trinkstärke dieser Abfüllung beträgt 51,7%vol.. Wie bereits erwähnt, vermute ich hier eine Verdünnung. Die ursprüngliche Trinkstärke dürfte so um 64%vol. herum gewesen sein, wie man es bei anderen Rums dieses Batches sehen kann.

Destillationsverfahren: Hierzu gibt es keine offizielle Angabe. Es gibt aber zwei Möglichkeiten. Die Erste wäre ein Rum aus der French Savalle Still, die angeblich leichte Destillate hervorbringt. Die Zweite wäre ein Rum aus der Port Mourant Still. Allerdings steht eindeutig Uitvlugt auf dem Label. Ich tendiere hier also eher zu Möglichkeit Nummer eins.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem sehr hellen Goldton. Er ist etwas blass. Für 14 Jahre zu blass. Hier oxidierte der Rum ohne wirklich viel vom Fass abbekommen zu haben.

Viskosität: Vom Rand an der Krone fließen sehr viele kleine Schlieren relativ schnell hinab zum Glasboden. Die Öligkeit ist nicht sehr hoch. In meinen Augen für 14 Jahre zu wenig.

Nase: Die Nase ist etwas verhalten. Das habe ich bereits befürchtet. Selbst nach einer sehr langen Zeit (30 Minuten) ist die Fülle an Aromen immer noch begrenzt. Der deutlichste Geruch ist die dezente Vanille vom Fass. Dazu gesellen sich einige Fruchtaromen, die jedoch nicht sehr dominant in der Nase sind. Ich erkenne schwach Bananen und Mangos. Ebenfalls eher im Hintergrund versteckt erkenne ich auch noch Gewürze und ganz schwache Anisaromen. Es ist sehr schwer etwas ganz genau aus dieser verhaltenen Nase herauszupicken. Der Rum ist nicht so intensiv, wie ich es sonst von Uitvlugt gewohnt bin. Hier war der Uitvlugt 1988 Full Proof Old Demerara 17 YO ein sehr schönes Beispiel eines sehr reifen Rums aus dieser Still. Besagte Abfüllung wurde hier noch nicht vorgestellt.

Gaumen: Eine nicht zu aufdringliche Süße breitet sich im Mundraum aus. Danach schmecke ich Vanillearomen und ganz minimal feine Aprikose. Der Rum hat eine sehr cremige Struktur. Der Alkohol brennt zuerst etwas, lässt dann aber schnell nach. Der Rum kommt sehr glatt daher. Er ist sehr leicht und unbeschwert zu genießen. Mit Rums aus der Port Mourant Double Wooden Vat Still kann nicht mithalten, dafür ist er aber auch einfacher zu trinken. Das Fehlen von Fassaromen, welches sich schon deutlich in der Nase bemerkbar gemacht hat, bestätigt sich auch hier am Gaumen. Außer einigen Vanillearomen hatte das Fass ihm nichts mitgegeben. Es hat ihn nicht wesentlich bereichert.

Abgang: Feine Vanille, vermischt mit Gewürzen und einem Hauch von Früchten bilden den Anfang des Abgangs. Nach einigen Sekunden kommen die Gewürze etwas mehr zum Vorschein. Der Abgang ist leider nicht sehr lang, dafür wieder sehr glatt und leicht.

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Quelle: thewhiskycask.de
Fazit: Wie lautet nun mein Fazit? Dieser Rum ist nichts für Fortgeschrittene oder „altgediente Hasen“. Der Rum hat aber auch seine Vorteile. Er ist ideal für Anfänger geeignet, welche sich dem Thema Rum nähern wollen. Er ist leicht und glatt am Gaumen. Allerdings ist er für all jene, welche schon Erfahrungen mit Fassstärke und / oder den Ländern Jamaika, Barbados, Trinidad, St. Lucia, Fiji oder anderen Demeraras von diversen UAs gemacht haben, sehr unterfordernd. Dies sage ich nun nicht mit anmaßender Arroganz, sondern mit einer ernüchternder und bleiernen Enttäuschung. Ich hatte wirklich mehr erwartet. Vielleicht wurde ich hier von Velier zu sehr verwöhnt. Aber selbst wenn dies stimmt, dann bin ich von allen alten Jahrgängen von Bristol, Cadenhead, etc. verwöhnt. Warum? Fast alle alten Rums hatten eine sehr schöne Reife und diese schlägt sich deutlich im Genuss nieder. Selbst neuere Rums, wie z.B. aus Jamaika, Barbados, St. Lucia und Fiji (nur um einige zu nennen) hatten aktivere Fässer und schmecken auch einfach besser. Und dies hat mit der verwendeten Still nichts zu tun. Ein solches unreifes Exemplar hatte ich auch schon aus der Versailles Still und sonst sind diese Rums, gut gereift, absolute Burner in meinen Augen. Das Uitvlugt mit seiner French Savalle ganz gut sein kann, hatte Velier gezeigt.
Rums wie diese Abfüllung aus 1998 beweisen mir, dass das beste Destillat absolut nichts bringt, wenn man es in inaktive oder tote Fässer steckt. Genauso gut könnte man den Rum in Glas- oder Stahltanks reifen lassen. Sicherlich, die haben null Fassreife. Aber dieser Rum hier hat niemals volle 14 Jahre Fassreife auf dem Buckel. Zugegeben: Der Rum ist nicht scharf, was typisch für junge und ungereifte Rums ist. Aber von der Qualität tropisch gelagerter Rums oder aktiveren Fässern, welche ihren Rums mehr Reife und Fassaromen bescheren, ist diese Version weit entfernt.
Nun die alles entscheidende Preisfrage: Ist der Rum nun sein Geld wert? Wenn sie auf sehr leichte Rums mit einem unkompliziertem Charakter stehen, dann könnte ihnen der Rum vielleicht das Geld wert sein. Ich konnte ihm nichts abgewinnen. Ich denke dieses eine Sample reicht für mein restliches Leben und deshalb gebe ich hier keine Kaufempfehlung ab. Ich bin sogar froh, hiervon keine ganze Flasche gekauft zu haben. Aber wie immer müssen sie das als mündige Bürger und Käufer selbst entscheiden, in was sie ihre sauer verdienten Mäuse stecken wollen. Nichtsdestotrotz wünsche ich Euch noch einen schönen Sonntag! 

Marco

Sonntag, 29. Juni 2014

RDS West Indies Rum Distillery (Rockley) 14 YO

Willkommen verehrte Leser! 

Heute haben wir es mit einer Premiere zu tun. Ein weiterer Unabhängiger Abfüller hat sich in das Rum-Segment gewagt und es ist ein Deutscher. Die Rede ist von Marco Bonn Whiskyhaus in Brühl. Gleich fünf Rums hat Herr Bonn abgefüllt. Einen Rum aus Nicaragua (Campania Licorera Distillery 15 Jahre), einen Rum aus Panama (Don Jose Distillery 8 Jahre), einen Rum aus Guadeloupe (15 Jahre alt), einen Rum aus Jamaika (Long Pond Distillery 14 Jahre) und einen ganz besonders und interessanten fünften Kandidaten.

Zur Abfüllung:

Die fünfte Abfüllung ist ein Bajan Rum aus der West Indies Distillery mit 14 Jahren aus dem Jahre 2000. Bei jedem Kenner müssten angesichts dieser Angaben die Alarmglocken schrillen. Dies könnte ein Rum des Rockley Stils sein. Der letzte große Jahrgang war 1986 und die letzte Abfüllung, welche dieser Jahrgang hervorbrachte, war der Duncan Taylor West Indies Rum Distillery 25 YO. Diese Abfüllung war ein ganz besonderer Rum und für mich die Krönung des Jahrgangs 1986. Andere Connaisseure mögen den Berrys Bros & Rud Finest Bajan Rockley Still 1986 21 YO als den besten Vertreter dieses Jahrgangs betrachten, für mich allerdings ist diese Fassstärke-Variante mit vier zusätzlichen Jahren das Non-Plus-Ultra gewesen. War beim Cadenhead Dated Distillation BBR 11 YO die Verwandtschaft zum Jahrgang 1986 noch nicht so offensichtlich vorhanden (erst nach längerem Luftkontakt entfalteten sich die Honigaromen), kamen die typischen Honigaromen beim TRC West Indies Distillery 12 YO schon etwas deutlicher zum Vorschein. Eindeutig ein genialer Rockley war der L'Esprit Barbados Blackrock Distillery 12 YO. Seine Vanillearomen, gepaart mit Honig, waren schon ein deutliches Signal, wohin die Reise dieses Jahrgangs gehen kann. Dann kam die Abfüllung von TheRumSwedes Barbados West Indies Rum Distillery 13 YO. Leider war und ist der Preis dank der schwedischen Regierung zu hoch. Die Qualität war eindeutig bemerkenswert. Hier konnte man die Parallelen zum Jahrgang 1986 so deutlich wie noch nie sehen. Allerdings werden nicht mehr viele Connaisseure die alten Rums aus 1986 in diesem jungen Alter kennen. Ich denke ich bin einer der Wenigen. Die meisten werden den Bristol Classic Rum Rockley 12 YO kennen, welcher ähnlich jung war. Der Berrys und der Taylor waren älter und der Bristol Classic Rum Rockley 16 YO hatte ein Fino-Sherry-Finish, welches die Geschmacksgrenzen der einzelnen Nuancen ein wenig verschleierte.

Laut einem Video von ihm, war es schon lange Marco Bonns Traum eine eigene Rum-Serie zu starten. In diesem Jahr erfüllte sich wohl sein Traum. Laut eigener Auskunft wurden nur Rums abgefüllt, von denen Herr Bonn auch überzeugt war. Ich hätte denke ich einiges dafür gegeben, nur um Herr Bonns Gesicht gesehen zu haben, als er diesen Schatz verkostete. Er musste wohl sehr fasziniert gewesen sein. Ich muss zugeben, dass ich diesem Rum hier schon kenne, da ich ihn vor dem Review verkostet habe. Die Versuchung war einfach viel zu groß für mich. Warum ich nicht die Finger hiervon lassen konnte? Der L'Esprit Barbados Blackrock Distillery 12 YO mit 57,7%vol besaß eine sehr sehr gute Reife. Man merkte den delikaten Einfluss von frischer (oder neuer ausgekohlter) amerikanischer Weißeiche. Leider war der Rum dort viel zu schnell verschwunden und für viele deutsche Genießer wohl außer Reichweite. Wenn also die Reife bei 57,7% schon mehr als sehr gut war, wie genial müsste dann ein solcher Rum mit 56,8% und zwei zusätzlichen Jahren sein? Diese Prozentangabe sagte mir als Kenner also eine Menge aus und so bestellte ich blind meine Flaschen. Ich wusste ziemlich genau was in diesen Flaschen war. Dieses Wissen musste ich mir mit einigen Fehlkäufen in der Vergangenheit teuer erkaufen. Auch die Farbe des Rums passte.

Auch wenn ich über die Floskel „die Macht der Fässer“ in Bezug zu einigen offiziellen Abfüllungen nur schmunzeln kann (wie zum Geier bekommt man aus einem Fass 20-60g Zucker pro Liter oder derart künstliche Geschmacksaromen, dass sich die Zehennägel schon unweigerlich beim Schnuppern hochrollen?), so trifft sie doch für fast alle Rums von Velier zu und bewies mir sowohl den positiven als auch den negativen Einfluss in den Tropen. Was dort in der Karibik funktioniert, dass geht auch in Schottland. Das bewiesen Cadenhead, Berry Bros & Rudd, Bristol und alle anderen schon seit Jahren. Hier hatte das Fass einen perfekten Einfluss gehabt. Das kann und will ich hier einmal vorwegnehmen. Manche Whisky-Kenner werden hier nun die Nase rümpfen und an „too much fresh white oak“ denken. Mir ist dies Schnuppe. Diese Aromen gehören und sollten auch in einem guten Melasse-Rum zu finden sein.

Leider gibt es auf dem Label keine Anzahl der Flaschen. Wenigstens wird die Fassnummer, es war die #61, und auch eine Pot-Still als Urspung erwähnt. Auf dem Label fehlt leider die obligatorische Angabe des Verzichts einer Kühlfiltration und das nichts hinzugefügt wurde. Ein kleiner Minuspunkt in meinen Augen. Jammern auf hohem Niveau? Vielleicht. Aber solche Details machen eine Abfüllung in meinen Augen einfach seriöser. Aber genug gequasselt. Auf zur Verkostung! 

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Verkostung RDS West Indies Rum Distillery (Rockley) 14 YO:

Preis: Eine 0,5l Flasche kostet 36,90€. Kauft man drei und dividiert diese durch zwei, dann hat man einen Preis von 55,35€ für 0,75l und ist auch noch bequem über der Versandkostenpauschale.

Alter: Das offizielle Alter beträgt 14 Jahre.

Alkoholstärke: Die angegebene Trinkstärke beträgt noch ganze 56,8% und dürfte noch die volle Fassstärke sein. Dies deckt sich mit den von mir oben erwähnten Rums des Jahrgangs 2000.

Destillationsverfahren: Diese Angabe steht dem Label. Es war eine Pot-Still involviert.  Meine letzten Nachforschungen bezüglich Rockley haben mich aber auf den Gedanken gebracht, dass hier noch eine zweite Still in Reihe verwendet wird. Wenn ich hier auf diese Thema eingehen würde, dann würde dies den Rahmen des Reviews sprengen, aber ich denke man kann von einer zweiten Still ausgehen, welche hinter diesen „Rockleys“ steckt. Sobald ich Zeit habe, wird es einen eigenen Bajan-Distillers Artikel geben, welcher sich auch mit diesem Thema beschäftigen wird. Mehr möchte ich hier noch nicht verraten.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem sehr satten Goldton. Fast so tief und so wunderschön wie ein später Sonnenaufgang im Sommer.

Viskosität: Es bildet sich eine dicke Krone am oberen Glasrand. Von dieser fließen viele dicke und fette Tropfen in Schlieren hinab zum Glasgrund. Die Öligkeit ist für 14 Jahre mehr als gut.

Nase: Hell, yes! Ich rieche ganz feine und delikate Honigaromen, garniert und durchzogen von satter Bourbon-Vanille. Eine ganz schwache süße entschwebt dem Glas. Ich erkenne auch überreife Bananen, Mangos und andere exotische Früchte. Die Rauchigkeit junger Rockleys ist fast verschwunden (In meinen Augen ist Rauch Torf. Das sind für mich zwei unterschiedliche Nuancen. Das kann aber jeder sehen wie er will). Trotzdem riecht er immer noch leicht nach Medizin. Auch delikate Aromen von Teer und Anflüge von schwarzen Tee vorhanden. Auch ganz minimale Nuancen von Anis sind zu erkennen. Der Fasseinfluss ist für mich deutlich riechbar. Er ist allerdings komplett im positiven Bereich. Der Rum riecht wie eine reifere Variante des TheRumSwedes West Indies 13 YO und seine Vanille-Aromen sind stärker, als die des schon sehr reifen L'Esprit Barbados Blackrock Distillery 12 YO. Der Alkohol brennt sich sanft seinen Weg in die Nase. Die alkoholische Note ist allerdings (für mich) nicht besonders hoch. Dafür ist die Bourbon-Vanille-Honig-Teer Kombination einfach zu dominant. Diese Abfüllung kann von der Qualität mit den ganz Alten mithalten und zeigt deutlich ihre Verwandtschaft zum 1986er Jahrgang. Definitiv ein ganz großer. Würden ich hier Punkte vergeben, was nicht der Fall ist, wäre diese Nase hier ganz ganz oben an der Spitze.

Gaumen: Eine kurze und sehr schwache Süße umschmeichelt den Gaumen, dicht gefolgt von einem leichten Brennen im Mundraum. Sofort dominieren Honigaromen das Geschmacksbild und werden von dezenten Bourbon-Vanille-Aromen begleitet. Dazu gesellen sich nach einigen Sekunden auch Teer und wieder der leichte Geschmack nach Medizin. Der Teer war besonders im alten 1986 Jahrgang sehr präsent. Ich habe gerade einige Flashbacks an alte grandiose Abfüllungen. Dazu zählen auch der Cadenhead Green Label Barbados 13 YO (1986 – 1999/2000) und der Cadenhead Green Label 15 YO (1986 – 2001/2002). Einfach ein genialer Rum. Die Fruchtigkeit ist am Gaumen leider etwas dezenter als sie in der Nase war. Dennoch schmecke ich reife Bananen, garniert mit Honig, und auch noch ganz minimal Papayas. Nun schmecke ich auch etwas Eiche und Gewürze. Die letzten beiden Eindrücke sind sehr schwach. Ein wenig erinnert mich diese Kombination an schwarzen Tee.

Abgang: Der Abgang beginnt mit geballter Vanille-Honig-Power. Rockley at its best. Nach und nach kommen Teer und ganz schwache Anflüge von süßen Tabakblätter zum Vorschein. Selbst nach 10 Minuten dominiert immer noch der Honig mit Teer im Mund. Für einen Sekundenbruchteil muss ich wieder an schwarzen Tee denken, als der Rum im Mund immer mehr abklingt. 

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Fazit: Seien sie gewarnt liebe Leser: Die folgenden Worte schreibt ein Rockley-Fan und ein kaufender Kunde. Also keine Person welche sein Geld mit Werbung oder Tasting-Sessions verdient. Ich sage die folgenden Worte als Verbraucher und Liebhaber feiner Rums.

Der alte König ist tot (1986). Lang lebe der neue König aus Barbados (2000)! Einen Rum in dieser Qualität und zu diesem Preis aus dieser Destillerie werden sie denke ich so schnell nicht mehr finden. Für das Äquivalent von 55,35€ bei 0,75l und bei der gebotenen sehr hohen Qualität ist dieser Preis einfach unschlagbar. Von mir bekommt der Rum eine dicke Kaufempfehlung. Alle Liebhaber des Rockley Stils sollten hier unbedenklich zuschlagen. Hier kommen alle zu spät zum Rum dazu gestoßenen Connaisseure dem vergangenen Jahrgang 1986 verdammt nahe. Er ist ein würdiger Ersatz. Noch einmal: Ich betreibe hier keine Werbung. Ich empfehle diesen Rum als Verbraucher für Verbraucher. Der gebotene PLV schlägt den TRC (67,35 € / 0,7l) und den TheRumSwedes West Indies 13 YO (an die 100€ / 0,7l). Der TRC ist mehr Rauch-Medizin-lastig und hat sehr wenig Bourbon-Vanille. Haben sie es mehr mit Rauch und mehr Medizin (ja Rauch und nicht Torf), dann ist er weiterhin ihr Favorit. Dafür ist der Rum aus Schweden diesem Rum hier sehr ähnlich, ist aber aufgrund des Preises ein deutlicher Verlierer. Auch der L'Esprit Barbados Blackrock Distillery 12 YO für 72€ pro 0,7l war deutlich teurer und war innerhalb eines knappen dreiviertel Jahres in Frankreich ausverkauft. Ich werde hier keine Prognose wagen, da ich die Flaschenanzahl nicht kenne, aber ich persönlich habe mich mit diesem sehr sehr guten Rum eingedeckt. Deutschland kann sich aufgrund seiner zentralen Lage und dem großen Angebot an Rum wirklich glücklich schätzen, dass mittlerweile jedes Jahr solche Rums auf dem Markt aufschlagen. Auch zeigt dieser Rum das handwerkliche Können auf der Insel Barbados und das Rum an sich dazu sehr wohl in der Lage ist, eine hohe Qualität zu liefern, ohne das offensichtlich am Rum herumgedoktert wurde. Schnappt euch diesen Rum solange es ihn noch gibt. ;)

Diese Abfüllung ist wie geschaffen für einen Vergleich mit einem gleichaltrigen Genossen, ebenfalls in Fassstärke und aus dem Jahre 1986. Von welcher Abfüllung rede ich hier eigentlich? Ich rede vom Cadenhead Dated Distillation BRS (Rockley) Blackrock Distillery 14 YO mit 69,2% (1986 - 2000), welche ich exakt einmal besitze. Durch einen glücklichen Umstand konnte ich diese Flasche ergattern und der darin enthaltene Rum ist das perfekte Vergleichsmaterial mit diesem Rum von Marco Bonn. Was sofort auffällt ist die geringere Fassstärke. Warum der Jahrgang 2000 mit dieser geringen Trinkstärke abgefüllt wurde ist mir nicht bekannt. Sollten allerdings die Bestände dieses 2000er Jahrgangs in UK ausreichend sein, dann können wir uns in der Zukunft auf vielleicht bis zu 16 oder 20 Jahre alte Rums dieses Stils freuen. Der einzige bisherige Unterschied zwischen 1986 und 2000 ist der geringere Esteranteil, was mich aber persönlich nicht stört. Da könnten noch ganz große Rums in ihren Fässern schlummern. Vorerst bleibt es jedoch bei diesem 14 Jahre alten Exemplar. Er ist also ein beinahe perfekter bajan Rum. Und dieses „beinahe perfekt“ ist Jammern auf höchstem Niveau meinerseits.

Man kann mich hier nun für verrückt erklären, aber dieser Rum mit einem Fino-Sherry-Finish oder Oloroso-Sherry-Finish würde sehr nahe an die Abfüllungen des Jahrganges 1986 von Mr. Barrett herankommen. Gerade der erste Rum ist schon seit langem ausverkauft und eine Art Neuauflage wäre wirklich etwas nostalgisch und in Fassstärke eine einmalige Erfahrung. Auch ein Port-Finish könnte ich mir hier sehr gut vorstellen. Die eingestellte  Renegade-Rum-Serie tat dies bereits, aber leider nur mit 46%vol. Vielleicht trauen sich einige Abfüller dies einmal mit Fassstärke zu wagen. 

Dieser Rum gehört also definitiv zum Besten was Barbados zu bieten hat. Damit meine ich jetzt keine klebrigen Rums, welche nur so vor Kokosnuss strotzen, dass man unweigerlich an Malibu-Likör denken muss, und von einigen Abfüllern als gängiger Vertreter dieser Insel gepriesen werden. Dazu will ich einmal folgendes sagen: Abfüllungen aus Foursquare, Blackrock & Mt. Gay haben, bezieht man sie von UAs (den Süßling Plantation Rum ausgenommen), keine solche Aromen (echten St. Nicholas Abbey Rum gibt es bisher nur als White Rum). Selbst Originale Abfüllungen von Mount Gay oder Foursquare haben diese nicht. Was hier für magische Barrels verwendet werden, ist mir nicht ersichtlich.

Zum Schluss noch einmal der Hinweis: Ich betreibe hier keine Werbung für Herr Bonn. Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag und gönne mir noch ein Gläschen dieses (beinahe) perfekten bajan Rums!

Marco

(PS Dieses Review entstand am vergangenen Freitagabend. Nicht das hier noch ein falscher Eindruck entsteht. Wer Alkohol am Morgen braucht sollte sich mal ernsthaft Gedanken machen.)

Sonntag, 15. Juni 2014

Velier Diamond 1993 Full Proof Old Demerara 12 YO

Einen wunderschönen guten Tag und willkommen auf BAT!

Heute kommt ein kleiner "Underdog" auf den Blog. Das Label ist aber kein Unbekannter. Schon einige Rums unter diesem großen Namen wurden hier bereits vorgestellt. Aber dafür ist der Jahrgang komplett so gut wie unbekannt. Dies war auch mein allererster originaler Rum aus dieser Destillerie. Von welchen Rum ich hier rede? Ich meine den Velier Diamond 1993 Full Proof Old Demerara 12 YO!

Zur Abfüllung:

Eigentlich wollte ich einen aktuellen Rum hier vorstellen. Ich habe mich aber dann doch spontan für diesen Kandidaten umentschieden, da es bald wieder einige neue Rums aus dem Hause Velier geben wird. Dieser Rum ist sozusagen ein kleiner Appetizer, da es auch mittlerweile eine kleine deutsche Käuferschicht für diese seltenen Rums gibt. Dieser Rum stammt aus der Diamond Distillery (Demerara Distillers Limited) von 1993. In diesem Jahr waren noch nicht alle Brennblasen auf dem Gelände von DDL versammelt. Die Diamond Distillery kann auf eine weite Vergangenheit zurückblieben. Die alte Diamond Plantage, auf dessen Gelände sich einst die Destillerie befand, wurde zwischen 1746 – 1752 von vermutlich John Carter gegründet. Von den letzten 9 verbliebenen Destillerien von British Guiana befand sie sich sogar auf der ältesten Plantage. Den 2. Platz belegt die Uitvlugt Plantage, welche zwischen 1759 – 1776 von Johan Berend Christoffer Frederick Boode gegründet wurde. Die Diamond Plantage pflanzte zwar 1759 Zucker an, allerdings wechselte sie die Anpflanzung und hieß zwischenzeitlich auch Groot Diamant (Great Diamond). Die Destillerie selbst wurde vermutlich frühestens zwischen 1798 und 1833 gegründet.
Diese Abfüllung war übrigens mein allererster Rum mit dem Namen Diamond auf dem Label. Ich habe mich lange davor gedrückt, Rums aus dieser Destillerie zu kaufen. Zum Glück habe ich allerdings nicht zu lange gewartet. Dieser Rum ist eine Einzelfassabfüllung. Das Fass brachte lediglich 266 Flaschen hervor. Nach 12 Jahren in den Tropen war das Fass noch relativ gut gefüllt. Das Alter des Rums kann als ungefähr doppelt so viel in kühlen kontinentalen Jahren angesehen werden. Er kann also ansatzweise mit einem 24 Jahre alten Rum gleichen Stils aus Schottland verglichen werden. Leider kenne ich aber keinen solchen alten Rum aus der Diamond Distillery, welcher in UK reifen durfte. Das Fass hatte das Mark <> W (ein W neben einem Diamanten). Das W. könnte für den Namen Welsh (Samuel Welsh) stehen. Er war der zweite dokumentierte Besitzer dieser Plantage (1762). Dies ist allerdings eine reine Vermutung meinerseits, da ich hierfür keinerlei Beweise habe. Ich gebe zu das einige dieser Abkürzungen ziemlich kryptisch wirken. Bisher hatte Luca Gargano (Velier) einen exklusiven Zugang zu den Rums von DDL, da er einige Anteile dieser Firma besitzt und sich außerdem sehr gut mit Yesu Persaud verstand. Wollen wir doch einmal sehen, ob die Verbindung von Velier und DDL auch noch in ferner Zukunft Rums hervorbringen wird. 

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Verkostung Velier Diamond 1993 Full Proof Old Demerara 12 YO:

Preis: Ich erstand meine Flasche für 122€ ohne Versandspesen in Italien. Die Quelle ist leider mittlerweile versiegt.

Alter: Der Rum wurde laut offizieller Angabe im Februar 1993 destilliert und im April 2005 abgefüllt. Das offizielle Alter beträgt 12 Jahre im tropischen Klima.

Alkoholstärke: Die Fassstärke nach 12 Jahren in den Tropen beträgt noch ganze 61,4%vol.. Wie bei den meisten Rums in einer solchen Trinkstärke, habe ich eine Probe auf ca. 49%vol. verdünnt.

Destillationsverfahren: Auf dem Label wird eine Coffey Still als Ursprung angegeben.

Farbe: Der Rum erstrahlt in sehr dunklem Bernstein. Die Lagerung nach 12 Jahren hatte hier wohl ihren Einfluss. Ob auch eine Färbung mit im Spiel war?

Viskosität: Der Rum fließt in dicken Schlieren sehr träge hinab zum Glasboden. Ein feiner und öliger Film bleibt an der Wand haften. Der Rum hat eine sehr hohe Öligkeit.

Nase: Weit vom Glas entfernt vernehme ich ganz dezente Vanillearomen, welche von einer feinen, aber nicht zu aufdringlichen Süße, begleitet werden. Der Alkohol brennt verhältnismäßig sanft in der Nase. Aber lassen sie sich bitte bei der Trinkstärke nicht täuschen. Auch Nelken und Holzaromen entschweben dem Glas, ohne zu dominant zu wirken oder zu schrill hervor zu stechen. Versteckt im Hintergrund verweilen auch Anisaromen. Taucht man nun die Nase tief ins Glas wird man regelrecht von Aromen bombardiert. Ich rieche Anklänge von schwarzem Tee, Tabakblättern und leichte Melassearomen. Auch exotische Früchte sind in diesem wunderbaren Mix enthalten. Darunter reife Papayas und Orangen. Letztere Aromen kenne ich nur von einem Rum und dort wirkten sie mehr als künstlich. Hier allerdings sind sie sehr gut ins Gesamtbild eingebunden. Sie kommen allerdings nur nach einer längeren Atmungszeit zum Vorschein. Für einen Rum aus einer Coffey Still ist die Nase schon einmal sehr vielversprechend. ;) 

Mit Wasser kommt die Fruchtigkeit etwas deutlicher zum Vorschein. Wieder rieche ich reife Papayas, Mangos und dezent Bitterorangen. Die Süße ist zurückgegangen und der Alkohol brennt nun deutlich geringer in der Nase. Auch die Melassearomen haben nachgelassen. Dafür rieche ich nun die Tabakblätter etwas stärker als zuvor und immer noch diese Aromen, welche mich an einen schwarzen Tee erinnern. Weit vom Glas entfernt vernehme ich noch die Vanillearomen, wenngleich ein wenig geringer als zuvor unverdünnt. Der Rum hat sich definitiv etwas weiter geöffnet. Man hat fast das Gefühl in einem Gewürz- und Tabakwarenlager zu stehen, wenn nicht noch diese Früchte vorhanden wären. Definitiv ein Rum mit hoher Qualität.

Gaumen: Der Rum dringt in den Mund und erfüllt diesen bis in den letzten Winkel. Sofort vernehme ich eine angenehme Fruchtigkeit. Papayas und auch Orangen. Eine sanfte Süße umschmeichelt die Zunge, dicht gefolgt von einer guten Portion Gewürzen und den Erinnerungen an schwarzen Tee. Der Rum brennt zwar auf der Zunge, ist aber nicht sehr aggressiv. Im Hintergrund schmeckt man auch das Holz vom Fass. Der Rum ist aber überhaupt nicht bitter. Auch Tabak und Leder kann man schmecken. Ein Hauch von Nelken durchzieht den gesamten Rum wie feuchter Nebel ein Tal im Morgengrauen. Ich bin ganz angenehm überrascht. Ich dachte ein Rum aus einer Coffey Still bei Diamond wäre langweilig und öde. Hier wird man eines besseren belehrt. 

Der Alkohol brennt nun fast gar nicht mehr. Dafür überflutet eine dezente Süße den Gaumen. Diese Süße ist verflochten mit verschiedenen Gewürzen. Ich schmecke auch Nelken und eine Spur Zimt. Die Früchte kommen nun etwas zu kurz. Papayas und ein Hauch von Orangen umschmeicheln dennoch den Gaumen. Am dominantesten sind nun eindeutig die Gewürze. Der Tabak ist fast verschwunden. Im Hintergrund verweilen die Fassaromen durch die lange Lagerzeit. Damit vermischt sind ganz schwache Anisaromen. Die Verdünnung hat die Früchte zugunsten der Gewürze reduziert. Selbst mit ca. 49%vol. ist dies immer noch ein sehr aromatischer Rum am Gaumen.

Abgang: Den Anfang bilden Papayas und Anisaromen. Diese klingen langsam ab und weichen Holz- und Gewürzaromen. Ein Hauch von Anis verbleibt aber am Gaumen. Nur langsam klingen diese Aromen immer mehr ab. Nur am Ende schmecke ich eine ganz schwache Bitterkeit, welche aber von der Süße und den Früchten überdeckt wird. Nelken und eine schwache Spur Zimt huschen ebenfalls über den Gaumen. Am Ende verbleibt ein ganz schwacher Hauch von Orangen und schwarzer Tee im Mund. 

Den Anfang bilden Nelken und satte Gewürzaromen. Nach einigen Sekunden verblassen diese und es huschen kurz fruchtige Anklänge über den Gaumen, dicht gefolgt von Holz- und Anisaromen, welche zu keiner Zeit bitter sind. Der Abgang ist leicht trocken und hält bis zu mehrere Minuten an. Am Ende verbleibt ein Hauch von Anis- und Holzaromen im Mund, gepaart mit dem vagen Aromen einer Orange. 

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Fazit: Ein ausgezeichneter Tropfen. Bitte mehr davon! Dieser Rum beweist mir persönlich wieder einmal, dass selbst Column Rums, gerühmt für ihre Reinheit (sprich weniger schwere Geschmacksstoffe), glänzen können, wenn man ihnen die nötige Reifung gönnt. Die tropische Lagerung hat also auch ihre guten Seiten. Das zeigen Rums wie diese Abfüllung. Weil wir gerade davon reden. Ich erinnere mich daran in Dave Brooms Buch Rum gelesen zu haben, dass Rums nach einigen Jahren in den Tropen meist "nur" noch für Blends verwendet werden können. Lasst mich mal nachsehen. Ah, ja. Auf Seite 54 linke Spalte. Das Zitat stammt von Tom Valdes (Cruzan). Da steht auch etwas von "often not pleasant" bei einem Alter von 6 - 8 Jahren in den Tropen.  Entweder ist das Klima auf St. Croix (Virgin Islands) ein anderes als in Guyana oder mein Gaumen ist einfach zu freakig und ich bin zum Aficionado mutiert. In einem hat der gute Mann aber recht: ab einem bestimmten Punkt übermannt das Fass den Rum mit seinem Einfluss. Dies kann aber auch im kühlen Schottland oder der UK passieren, siehe dem Prädikat: „Bottled for Woodworms“.  
Für meinen Gaumen war der Velier Enmore 1995 Full Proof Old Demerara 16 YO ein solcher Rum, der vom Fass eindeutig zu viel abbekommen hat und das Fass hätte eher verlassen müssen (dies ist meine persönliche Meinung). Und selbst dieser Rum wurde gelobt und fand seine Käufer. Wie auch immer: Diese Abfüllung von 1993 ist einfach ausgezeichnet und war ihr Geld absolut wert. Rums wie diese verschwinden sang- und klanglos in Blends. Blenden ist zwar eine Kunst, man muss immer denselben Rum mit anderen Jahrgängen als Basis hinbekommen, aber eine Einzelfassabfüllung wie diese schlägt für mich die Masse an Blends locker.  
Die zarten Aromen von Orangen erinnerten mich sehr an den Pyrat XO. In diesem Rum aus Antigua schmeckten sie mehr als abartig und total fehl am Platz. Ich würde sogar soweit gehen und ihm die Bezeichnung Rum abzusprechen. Oder hatte man bei diesem Premium-Rum ein besonderes Finish in ehemaligen Fässern von Orangen-Likör vollgezogen? 
Wie auch immer: Hier wirkten die Aromen perfekt eingebunden. Das Gesamtpaket hat einfach gestimmt. Ich kann es mir vielleicht auch einbilden, aber der Stil dieses Rums erinnerte mich ganz entfernt an den von der längst geschlossenen Caroni Distillery auf Trinidad. Für 12 Jahre ist der Preis auf den ersten Blick mehr als happig. Bedenkt man aber wieder das annähernd doppelte Alter (tropische Reifung >> kontinentale Reifung), dann erscheint dieser Preis akzeptabel. Für den alten Preis von 122€ war es ein unschlagbares Angebot. Ob der Rum auch über 200 € wert wäre? Das muss jeder Connaisseur oder Aficionado selbst entscheiden.
Noch einmal ein Hinweis in eigener Sache: Wenn ich diesen Rum mit 61,4%vol. oder mit ca. 49%vol. als ausgezeichnet empfinde, dann heißt das nicht, dass es auch für sie gelten muss. Wer auch noch nie etwas mit Fassstärke zu tun hatte, wird vielleicht gar nicht einmal verstehen, warum ich von diesem Rum schwärme, würde er ihn als ersten Rum im Glas haben. Er hat nicht die Milde eines Albion 1983 Full Proof Old Demerara 25 YO. Die braucht er allerdings in meinen Augen auch nicht. Ich wünsche Euch allen noch einen schönen Sonntag! 

Marco

Sonntag, 1. Juni 2014

Gordon & MacPhail Jamaica Rum Long Pond 1941

Liebe Rum-Gemeinde,

nach fast drei Monaten Pause melde ich mich heute zum drittletzten Mal zurück. Jawohl, ihr habt richtig gelesen. Meine Zeit hier auf Barrel Aged Thoughts geht zu Ende. Ich werde mich aus der Welt des Rums, zumindest öffentlich, zurückziehen, da ich den Spaß am Schreiben in den letzten Wochen mehr und mehr verloren habe und aus meiner Sicht auch alles zum Thema gesagt worden ist, was zu sagen war. Mein Themenspektrum war ja bekanntermaßen von Beginn an sehr limitiert und nachdem die Linie Mai Tai bereits vor zwei Jahren nahezu auserzählt war, ist auch zu den Rums aus Jamaica in meinen Augen alles gesagt. Alle Rums dieser Insel, die es aus meiner Sicht verdient haben hier auch vorgestellt zu werden, finden sich bereits auf Barrel Aged Thoughts. Naja, fast alle ;). Zwar haben mich mit dem Albion 1983 von Velier z.B. auch Rums rechts und links des Wegesrandes hin und wieder zu begeistern gewusst, jedoch sehe ich für mich keinen Sinn diese Rums hier zu besprechen, da Marco dazu deutlich mehr zu erzählen weiß und auf diesem Gebiet ungleich mehr Fachkompetenz auf sich vereinigen kann als ich. 
Hinter den Kulissen, administrativ, werde ich Barrel Aged Thoughts erhalten bleiben und Marco an dieser Stelle weiter unterstützen, der hier, das möchte ich einmal klar so sagen, eine super Arbeit leistet und, spätestens mit dem Demerara Rum-Artikel, den Blog zu dem gemacht hat, was er heute ist: der wohl informativste und qualitativ hochwertigste Rumblog den ich kenne! Danke Marco! 

Ich sagte, fast alle Rums aus Jamaica, die es wert waren hier gezeigt zu werden, wären hier vorgestellt worden. In der Tat, denn zwei Vertreter der Insel fehlen noch, die hier den krönenden Abschluss bilden sollen. Zum einen wird das der heute besprochene und 1999 abgefüllte Gordon & MacPhail Long Pond Jamaica Rum aus dem Jahr 1941 sein, zum anderen der The Whisky Agency Jamaica Rum 35 YO aus 1977 in Fassstärke, welcher vor zwei Jahren ca. auf den Markt kam.
Ich sagte aber auch, es wäre heute der drittletzte Post. Als letzten Post werde ich einen kleinen Ausblick auf eine mögliche Zukunft liefern und den ersten Rum komplett deutscher Produktion hier vorstellen, welcher seit einiger Zeit im Handel erhältlich ist und welchen ich sehr spannend fand. Die Entwicklung dieses Unternehmens werde ich sicher verfolgen. Doch zunächst heute zu dem Rum, der schon den zweiten Weltkrieg erlebt hat, dem Gordon & MacPhail.

Der Gordon & MacPhail ist wohl der Rum, von dem ich inzwischen am längsten gewartet und gehofft habe, ihn mal probieren zu können. Sagenhaft alt und dementsprechend auch sagenhaft teuer ist dieser Rum, welcher auf mich von Beginn meines Interesses für Rum an eine große Faszination auf mich ausübte. Wie schmeckt ein Rum, der so alt ist? Ist er verholzt und das viele Geld nicht mal im Ansatz wert? Schmeckt der Rum vllt. ganz anders als heutige Rums aus Long Pond und/oder generell?

Als der G&M gebrannt wurde, am 5. März oder am 3. Mai 1941, herrschte in Europa Krieg. Gleichzeitig handelt es sich heute um einen der letzten Rums überhaupt, welcher nachweislich noch vor der ersten Zündung einer Atombombe auf der Erde hergestellt wurde und damit noch aus gänzlich unbelastetem Zuckerrohr besteht. Ob ich der Überzeugung bin, dass man das schmecken wird? Mitnichten ;) Aber ich finde, es ist schon etwas sehr besonderes, sich über derlei Randnotizen einmal wirklich vor Augen zu führen und zu begreifen, wie verdammt alt dieser Tropfen ist, was er schon alles erlebt und was und wen er auch schon überlebt hat.
1946, ein Jahr nach Kriegsende und fünf Jahre nach seiner Destillation, wurde der Rum dann nach Großbritannien verschifft, wo er wohl bei einem nicht weiter bekannten Bulkhändler einlagerte. 1967 erwarb dann Gordon & MacPhail das Fass und lagerte es in seinen Lagerhäusern in Elgin, Schottland. Dort reifte der Rum dann bis ins Jahr 1999, in dem er schließlich abgefüllt wurde; mit einem offiziellen Alter von 58 Jahren und einem Alkoholgehalt von 50% vol.! 


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Verkostung des Gordon & MacPhail Long Pond Jamaica Rum 1941:

Preis: der Rum kostete ursprünglich umgerechnet ca. 450-500 Euro. Inzwischen liegt der Preis 100 bis 200 Euro über diesem Betrag. 


Alter: der Rum wurde 1941 destilliert, 1946 nach Großbritannien verschifft und 1999 abgefüllt. Der Tropfen ist also stolze 58 Jahre alt, fünf Jahre davon reifte er unter tropischer Sonne.

Alkoholstärke: der Alkoholgehalt beträgt 50% vol. Ob das die natürliche Fassstärke ist oder ob der Rum seitens Gordon & MacPhail noch einmal verdünnt wurde ist nicht bekannt, wahrscheinlich ist aber eine geringfügige Verdünnung. 

Destillationsverfahren: wir dürften es hier mit einem Rum aus einer traditionellen Pot Still zu tun haben.

Farbe: leuchtender, heller, tiefer Bernstein, dunkles Stroh. Für 58 Jahre ist der Rum erstaunlich hell. 

Viskosität: weite Schlieren verlaufen am Glasrand und hinterlassen große Perlen am Glasrand, was auf einen schweren, körperreichen Rum schließen lassen lässt. 

Nase: eine sehr, sehr kräftige Nase! Sofort als Long Pond zu erkennen, sehr fruchtig und sehr tief. Wow! Ein echtes Rum-Monster, welches da im Glas wütet. Gegrillte Ananas, Banane, Cashewkerne, grasige Noten und leichte Zitrusaromen nehme ich wahr.

Gaumen: wunderbar weich legt sich der Rum ohne jedes Brennen auf die Zunge und erfüllt den gesamten Mundraum mit herrlichem Pot Still-Jamaica Aroma. Auch größere Schlücke lässt der Rum zu. Gleichzeitig ist der Long Pond sehr schön fett, cremig und ölig, was mir sehr gefällt! 
Der Rum ist wirklich heavy bodied und kommt daher, wie man auch heute noch einen Long Pond erwarten würde. 

Abgang: sehr langanhaltend und trocken, getoastetes Fass und das typische Long Pond Aroma kommen durch. 

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Fazit: als wäre auf Jamaica die Zeit stehen geblieben. Viele Vorstellung hatte ich von einem so alten Rum aus längst vergangenen Tagen und kaum welche davon trafen wirklich zu. War der Rum dreckig, insofern, als dass sich veraltete Technik in der Destillation geschmacklich feststellbar gewesen wäre? Nein, der 1941er war nicht dreckiger als es Rums aus weit späteren Jahrzehnten von Jamaica auch sind. Hier schmeckte man wohl vielmehr, wie traditionell die Rumherstellung dort noch heute ist. Ich fand diese Zeitreise auf jeden Fall ungemein spannend, wenn auch sehr kostenintensiv ;)
Kosten sind das nächste Stichwort. Der Preis für die Flasche liegt irgendwo jenseits von gut und böse und ist aus meiner Sicht nicht zu vertreten. Ja, der Rum schmeckt wirklich sehr gut, er ist das wohl sogar das beste, was ich aus Long Pond je im Glas hatte, und das Alter rechtfertigt einen solch hohen Preis auch irgendwo. Aber der Rum schmeckt einfach nicht viel besser, als heute verfügbares im Rahmen zwischen 100 und 150 Euro. Im Vergleich dazu ist der Aufpreis zu heftig. Nichts desto Trotz bin ich sehr glücklich, dass ich im Rahmen einer privaten Flaschenteilung über einen Connaisseur aus Hamburg an diesen Rum gekommen bin und bereue die Investition keine Sekunde. Ein geiler Rum und ein schönes, lebendiges Stück Zeitgeschichte, an dem ich noch viel Freude haben werde! 

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 18. Mai 2014

Cadenhead Enmore Distillery (Versailles Still) VSG 15 YO

Willkommen auf Barrel-Aged-Thoughts!

Heute ist ein Rum von Cadenhead, besser gesagt ein Rum der Dated Distillation Serie an der Reihe. Es handelt sich um einen Rum aus der alten Versailles Still! Dies ist also ein Demerara Rum aus Guyana, der ehemaligen britischen Kolonie British Guiana im Norden Südamerikas mit der Hauptstadt Georgetown. Also wieder einmal eine kleine Rarität. Der Rum kam 2006 auf den Markt und ist so gut wie verschwunden.

Zur Abfüllung:

Dieser Rum stammt aus der alten Enmore Distillery. Im Jahr 1995 gab es dort höchstwahrscheinlich die letzte Destillierung auf der Enmore Plantation, auch wenn sie laut anderen Quellen schon 1993 geschlossen worden sein soll. Die Enmore Distillery gibt es nicht mehr und ihre Brennblasen kamen schlussendlich zur Diamond Distillery (Demerara Distilleries Limited). In Enmore selbst gibt es noch eine Verpackungsfabrik und eine Zuckerrohrplantage, welche von GuySuCo (Guyana Sugar Corporation Inc.) betrieben werden. Die Versailles Still ist, genauso wie die Port Mourant Still, eine Vat Still deren Holz regelmäßig ausgetauscht wird und von ihr dürften nur noch die metallischen Komponenten das ganze Alter seit ihrer Herstellung besitzen. Sie ist also keine Pot Still im klassischen Sinne, wie man es beispielsweise von der Whisky-Herstellung her auch kennt und gewohnt ist. Laut Luca Gargano ist diese Still nicht mehr in Betrieb. Wie sich dies in Zukunft auf die Blends von El Dorado auswirken wird, in denen Rums dieser Still bisher verwendet worden sind, lässt sich noch nicht sagen. Vielleicht wird es der Großteil der Konsumenten schleichend über die Jahre überhaupt gar nicht bemerken. Was bleibt sind Rums wie diese Abfüllung.
Die Plantage Versailles lag am Westufer des Flusses Demerara und wurde zwischen 1759 und 1776 vermutlich von Pierre L'amirault gegründet. Auf der gegenüberliegenden Flussseite befindet sich noch heute die Hauptstadt Georgetown. Etwas weiter nördlich der ehemaligen Plantage befindet sich die Stadt Vreed En Hoop (Peace and Hope / Friede und Hoffnung). Der Name stammt auch von einer Plantage, die schon lange nicht mehr existiert. Von vielen dieser weiten Landgüter verblieben nur die Namen in den heutigen Siedlungen, Städten und Gemeinden. Viele der Bewohner sind sich vielleicht nicht einmal dieser Tatsache bewusst. Es dürfte viele wahrscheinlich auch nicht interessieren. Wer mehr über die Vergangenheit und British Guiana erfahren möchte, dem lege ich den Artikel über die Destillerien dieser ehemaligen Kolonie ans Herz. Stammleser dürften diesen inzwischen kennen. 
Diese Abfüllung stammt aus 1990, also 5 Jahre vor der Verlegung der Brennblasen. Trotz seiner 15 Jahre Fassreife besitzt er immer noch eine beachtliche Trinkstärke. Dies ist allerdings nicht die erste Veröffentlichung eines Rums aus diesem Jahrgang mit dem Mark „VSG“ unter Cadenhead. Es gab bereits den Cadenhead Enmore Distillery (Versailles Still) 10 YO, 11 YO & 13 YO. Näheres entnehmen sie bitte der entsprechenden Seite des unabhängigen Abfüllers Cadenhead.

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Verkostung Cadenhead Enmore Distillery (Versailles Still) VSG 15 YO:

Preis: Meine Flasche, welche ich mit Sascha teilte, stammte aus Berlin und kostete 58€ ohne Versansdspesen. Leider ist diese Quelle für immer versiegt.

Alter: Das offizielle Alter wird mit 15 Jahren angegeben. Der Rum wurde irgendwann im Jahre 1990 gebrannt und nach Großbritannien im Bulk verschifft. Im Februar des Jahres 2006 wurde der Rum schließlich von Cadenhead abgefüllt und im selben Jahr noch auf den Markt gebracht.

Alkoholstärke: Beachtliche 72,5%vol. sind in dieser Abfüllung enthalten. Also nichts für sanfte Genießer. Kann man so etwas überhaupt trinken? Natürlich. Sie dürfen diesen 15 Jahre alten Rum nicht mit einem ungealterten Overproof Rum vergleichen. Dennoch sollte man den Alkohol niemals unterschätzen. Eine kleine Menge habe ich auf 53%vol. herab
verdünnt.

Destillationsverfahren: Die Angabe Pot Still prangt zwar auf dem Label, aber wie oben schon beschrieben ist die Versailles Still keine klassische Pot Still aus Kupfer, sondern eine Vat Still aus Holz.

Farbe: Für 15 Jahre Fassreife ist dieser Rum sehr blass. Ein sehr blasser Goldton erstrahlt im Glas. Das Fass war nicht sehr reaktionsfreudig mit seinem Inhalt.

Viskosität: Sehr schnell fließt der Rum zurück zum Glasboden. Es bilden sich nur sehr kleine Perlen an der Glaswand. Die Öligkeit ist für 15 Jahre Fassreife unerwartet geringer als ich erwartet habe.

Nase: Man merkt deutlich, dass dieser Rum noch über 70% Fassstärke in sich hat. Der Alkohol brennt sich (für mich) angenehm tief in die Nase ein. Die alkoholische Note könnte für viele Connaisseure zu viel sein. Ich rieche leichte Vanillearomen, vermischt mit zarten Fruchtaromen und einer dezenten Süße, welche vom Alkohol doch etwas in den Hintergrund gedrängt wird. Je weiter man die Nase vom Glas entfernt, desto deutlicher kann man die Vanille erkennen. Mangos, reife Papayas sowie Anis- und Eichenaromen entschweben dem Glas. Ganz entfernt kann man auch Kräuteraromen erkennen. Sie erinnern mich an frische Bleistiftspähne, welche man kurz in Alkohol getränkt hat. Dieser Geruch ist allerdings sehr schwach und nur schwer zu erkennen. 

Mit Wasser kommt die Frucht nun deutlicher zum Vorschein. Grüne Bananen und Mangos sind am deutlichsten zu erkennen. Der Rest der Früchte ist für mich nicht zu identifizieren Die Kräuteraromen sind ebenfalls nun stärker, erinnern mich aber nun eher an ein Bündel frisch geschnittener Kräuter. Schwenkt man das Glas blitzen kurz die Aromen von reifen Papayas und Blutorangen auf. Selbst bei ca 53% ist der Alkohol immer noch präsent, aber nicht mehr so dominant wie vor der Verdünnung. Spuren von Rauch umschmeicheln die Nase, zusammen mit dunklen Gewürzen. Die Verdünnung hat dem Rum nicht geschadet, sondern seine Aromen haben sich weiter geöffnet.

Gaumen: Geballte 72,5% dreschen auf den Gaumen ein. Ein Rum ganz nach meinem Geschmack! Der Alkohol erfüllt den Mund mit einem schönen warmen Gefühl. Das Brennen hält sich im erträglichen Rahmen (kleine Schlückchen). Dezente Fruchtaromen mit einem rauchigen Anklang überfluten den Gaumen als nächstes. Dazu gesellen sich nach einigen Sekunden Anis- und Eichenaromen. Dunkle Gewürze runden den Geschmack noch zusätzlich ab. Ganz schwach sind Kräuteraromen zu erkennen. Dieser Rum ist im unverdünnten Zustand nichts für Unerfahrene. Wer überhaupt noch keine Erfahrung mit Fassstärke gemacht hat, der sollte sich nicht gleich zu Beginn an solche Monster wagen. Sonst wird er keine Freude an diesen Schätzen haben. Man merkt jedoch auch die geringe Interaktion mit dem Fass. Seine jugendliche Frische ist nach 15 Jahren immer noch vorhanden. Für mich sehr erstaunlich. 

Mit Wasser gibt es fast kein Brennen mehr am Gaumen. Der Rum scheint gezähmt worden zu sein. Rauchige Aromen mit dunklen Gewürzen dominieren am Gaumen. Nur im Hintergrund sind noch Fruchtaromen zu entdecken. Hier merkt man die fehlende Reife durch das scheinbar inaktive Fass. Dennoch erkenne ich Papayas und Bananen. Die Kräuteraromen sind nun etwas deutlicher zu schmecken. Wieder erinnern sie mich an Bleistiftspäne. Der Eindruck ist jedoch sehr schwach. Die Verdünnung hat den Rum nicht gekillt. Mehr Wasser würde ich an dieser Stelle jedoch auch nicht mehr wagen. Diese Kombination aus Rauch, Gewürzen und Kräutern am Gaumen ist mir auch schon beim Bristol Classic Rum Enmore 12 YO aufgefallen. Was mich allerdings auch nicht wundert. Beide Rums stammen aus dieser Still. Auch wenn die Stile unterschiedlich sind, schmeckt man die Verwandtschaft.

Abgang: Dunkle Gewürze, Rauch und schwache Frucht bilden den Anfang des Abgangs. Nach kurzer Zeit verschwinden die Fruchtaromen und machen herben Kräutern platz. Rauch, Kräuter und dunkle Gewürze verbleiben eine lange Zeit am Gaumen, bis auch sie letztendlich verschwinden. Was bleibt ist ein schwacher Hauch von Mangos am Gaumen. 

Rauch und dunkle Gewürze bilden auch hier wieder den Anfang des Abgangs. Die Frucht ist jedoch verschwunden. Dafür kommen nun wieder die herben Kräuteraromen nach kurzer Zeit und fluten den Mund. Erst jetzt kann man dezente Fruchtaromen erkennen. Die dunklen Gewürze und der Rauch halten sich länger am Gaumen als die Frucht. Wieder verbleibt am Schluss ein Hauch von Mangos im Mund. Der Abgang ist leicht trocken. 

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Fazit: Ein für 15 Jahre ungewöhnlich jugendlicher Rum. Nun könnte man sagen: „Klaro, bei 72,5%vol ist das ja auch mehr als deutlich.“ Für mich ist dies optisch aber an der Farbe mehr zu erkennen, als an der verbliebenen Trinkstärke. Olfaktorisch bemerkt man diese fehlende Reifung definitiv. Der Blackadder Enmore Still (Versailles) 1996 14 YO war ein Paradebeispiel für einen sehr reifen Rum aus der Versailles Still. Die Frucht war im Vergleich zu dieser Abfüllung deutlich stärker vorhanden. Dieser Rum hätte weitere 10-15 Jahre in diesem Fass unbeschadet weiter reifen können. Ob es ihn allerdings auch besser gemacht hätte oder der Rum nur sinnlos oxidiert wäre, das lässt sich nur schwer sagen. Die Verdünnung des Rums hat ihn wesentlich sanfter werden lassen. Wenn der Alkohol nicht mehr so dominant ist, dann merkt man die jugendliche Frische und das Fernbleiben von Fassaromen am deutlichsten. Die Abfüllung hat sehr große Ähnlichkeiten mit dem Bristol Classic Rum Enmore 12 YO. Dieser ist mit 46% ähnlich kraftvoll wie diese Abfüllung mit ca. 53%. Dies ist allerdings meine Einschätzung.
Das Fass hatte einen deutlicheren Einfluss mit 12 Jahren gehabt. Ich mag diesen Rum. Allerdings sind 72,5%vol. schon eine klare Kampfansage an den Gaumen. Der einzige große Wermutstropfen ist wieder einmal der Ausverkauf. Es gibt ihn schlichtweg fast nicht mehr auf dem europäischen Markt. Wenn dieser Rum mit 15 Jahren schon so jung geblieben ist, kann man sich den 10 YO nur schwer vorstellen. Ein wenig blasser als der 15 YO ist er aber definitiv, was wieder auf wenig Interaktion zwischen Fass und Rum hindeutet. Eine Kaufempfehlung ist durch den Ausverkauf hinfällig und wird an dieser Stelle von mir auch nicht gegeben. Wäre der Rum wesentlich mehr Geld wert als ich hingelegt habe? Das müssen sie selbst entscheiden werte Leser. Wie immer sehe ich den Genuss eines ausverkauften Rums als ein kleines Privileg an.
Wenn sie diesen Rum in einem kleinen Spirituosengeschäft entdecken, dann können sie sich wirklich glücklich schätzen. Ob sie aber auch zuschlagen und ihn kaufen bleibt Ihnen überlassen. Wenn sie nichts vom Verdünnen halten und auch das „Spielen“ mit einer Pipette und Wasser ihrer Wahl nicht mögen, dann sollten sie die Finger davon lassen. Allen anderen kann ich, wenn sie die Möglichkeit haben, nur zum Zugreifen raten. Ich persönlich mag es, wenn man mit der Zugabe von einigen Tropfen Wasser deutlich die Veränderung des Rums sofort riechen kann. Selbst aus einem Glaszylinder mit Alkoholmeter erfüllt der Geruch des Rums die nähere Umgebung. Leider also nichts für Leute mit kleinen Kindern in der näheren Umgebung oder die nicht mit Alkohol im Allgemeinen umgehen können. Von sinnlosen Trinkspielen und "Komasaufen" nehmen wir von BAT deutlich Abstand. Einem Rum mit hoher Trinkstärke und Alkohol im Allgemeinen, muss man gebührenden Respekt zollen.

Ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntag! 

Marco