Sonntag, 14. Dezember 2014

Velier Diamond Full Proof Old Demerara 1996 15 YO

(the English version is below, just skip the German part)

Servus und Willkommen auf BAT!

Wieder einmal führt uns unser heutiges Review nach Guyana. Es handelt sich um einen Rum mit Tropenreifung aus dem Hause Velier. Die Rede ist vom Velier Diamond 1996 Full Proof Old Demerara 15 YO. Ein rarer Schatz also und leider auch nicht mehr so häufig in Europa zu finden. Eines kann ich aber schon einmal verraten: Die Suche danach lohnt sich.

Zur Abfüllung:

Die Anfänge der alten Diamond Plantage gehen auf John Carter zurück, welcher das Lot der Plantage mit der Nummer 10 auf der Ostseite des Flusses Demerara im Jahre 1753 verliehen bekam. Zur damaligen Zeit wurde auch schon gleich Zuckerrohr angepflanzt. Im Laufe der Zeit übernahm die Zuckerfabrik bei Diamond nach und nach die Felder der umgebenden Plantagen und wurde somit zu einem zentralen Anwesen. Übernommen wurden unter anderem die Plantagen Farm, Peter's Hall und Providence. Die Destillerie wurde schließlich im 20. Jahrhundert von der Zuckerherstellung getrennt und überlebte somit auch bis heute. Viele der anderen Destillerien in British Guiana verschwanden, wenn auch die dazugehörige Zuckerfabrik oder Zuckermühle ihren Betrieb aufgab. Rum und Zucker waren leider sehr lange eng aneinander gebunden und so überlebten nicht viele Destillerien in British Guiana. Ein anderer Faktor war die Bestrebung zur Zentralisation unter den großen Herstellern wie z.B. Sandbach, Parker & Company und Booker Bros, McConnell & Company. Soweit unser Ausflug in die Geschichte.

Einen eindeutigen Rum mit Diamond auf dem Label gab es bereits hier auf BAT. Es war der Velier Diamond 1993 Full Proof Old Demerara 12 YO. Dieser hatte das Mark <> W (ein W neben einem Diamanten). Was es genau damit auf sich hat wird wohl nur DDL (Demerara Distillers Limited = Diamond Distillery) selbst wissen. Die Marks auf den Fässern dieser Abfüllung trugen die Buchstabenkombination S.V.W.. Auch hier habe ich aktuell nicht die geringste Ahnung was sich dahinter verbirgt. Es waren ganze 5 Fässer mit den Nummern 7080, 7081, 7082, 7083 & 7084. Von Diamond sind mir noch einige weitere Marks bekannt. Der neue Rum Velier Diamond 1999 15 YO hat <S>, also ein S in einem Diamanten. Auch habe ich ein Foto mit der Kombination S.S.N. gesehen. Dieses Mark soll auf den 3 Fässern des zweiten Diamond 1996 gewesen sein.Der Diamond 1981 hatte die Kombination S<W> und ein neuer Blend von Luca Gargano enthielt Rums aus Diamond von 1995 mit <SV>. Die Unterschiede sind mir bisher noch nicht klar. Dies sollte uns aber hier weiter nicht stören. Unter den neuen Rums aus dem Hause Velier waren ursprünglich 8 Abfüllungen aus Guyana. Vier davon verschwanden allerdings schnell wieder von der Bildfläche und auch von der Webseite von Velier. Einer dieser war ebenfalls wieder ein Diamond von 1999 und hatte aber genau dasselbe Mark wie diese Abfüllung von 1996 (SVW). Ich bin gespannt wann dieser auftauchen wird.
Diese Abfüllung hier hatte einen Nachfolger, welcher nur ein Jahr älter war. Es war der Velier Diamond 1996 Full Proof Old Demerara 16 YO. Da ich den oben erwähnten Rum aus 1993 schon sehr mochte habe ich hier auch schon leider einige Erwartungen an diese Abfüllung. Ich werde mich trotzdem um eine gewisse Objektivität bemühen. Beide Abfüllungen aus 1996 waren tropisch gelagert und dürften also eine sehr gute Reife aufweisen.

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Verkostung Velier Diamond Full Proof Old Demerara 1996 15 YO:

Preis: Für meine Flasche bezahlte ich noch 112€ ohne Versandspesen. Dies ist allerdings schon etwas her. Damals gab es den Rum noch bei einigen Quellen. Meine Flasche stammte aus Frankreich.

Alter: Der Rum wurde 1996 destilliert. Abgefüllt wurde er im Februar 2011. Das offizielleAlter beläuft sich auf 15 Jahre im tropischen Klima Guyanas.

Alkoholstärke: Die volle Fassstärke dieses Rum beträgt noch ganze 64,6%vol. Ich werde einen Teil davon auf ca. 50% herab verdünnen.

Destillationsverfahren: Das offizielle Verfahren ist eine Coffey Still.

Farbe: Der Rum erstrahlt in sehr dunklem Bernstein. Die Reifung hat ihn sichtlich bereichert.

Viskosität: Der Rum bildet einen fast vollständigen dicken Film an der Glaswand. Nur vereinzelt bleiben dicke Tropfen in Zeitlupe daran haften. Die Öligkeit ist für 15 Jahre in den Tropen angemessen.

Nase: Der Alkohol brennt angenehm in der Nase. Dieser wird von feinen Vanillearomen durchzogen und durch braunen Rohrohrzucker leicht süßlich garniert. Ich vernehme auch Früchte, wie Aprikosen und flambierte Bananen. Nach einer Weile gesellen sich Spuren von süßlichem Karamell und Anisaromen dazu. In Hintergrund verweilen etwas versteckt die Holzaromen, verursacht von 15 Jahren Reife in den Tropen. Aber ich rieche keinerlei Bitterkeit. Die leichte Süße der amerikanischen Weißeiche hat den Rum zu einem leckeren Kunstwerk gemacht. Ich rieche auch eine Spur Rauch und Jod. Taucht man die Nase tief ins Glas wird man regelrecht von diesen Aromen bombardiert. Auch Tabakblätter sind in diesem wunderbaren Mix enthalten. Ein ganz leckerer Rum! 

Mit Wasser beginnt der Rum sich nun etwas weiter zu öffnen. Der Alkohol hat spürbar in der Nase nachgelassen. Ich rieche süßliche Früchte wie Papayas, Aprikosen, wieder die flambierten Bananen und diesmal auch einen Hauch von Orangen. Diese letzten Aromen sind mir auch schon beim Velier Diamond Full Proof Old Demerara 1993 12 YO aufgefallen. Sie sind wohl nicht ungewöhnlich für ursprüngliche Rums aus Diamond. Wieder rieche ich Karamell und braunen Rohrohrzucker. Auch Gewürze wie Nelken und Zimt sind enthalten. Versteckt in diesem ganzen Mix sind auch wieder Anisaromen. Die Rauchigkeit hat ein wenig nachgelassen. Minimal ist wieder Jod mit dabei. Dieses mal rieche ich auch ein wenig Melasse.

Gaumen: Der Alkohol brennt sanft am Gaumen. Rasch flutet der Rum den gesamten Mundraum. Ich schmecke eine wunderbare süße, Karamell, feine Vanillearomen und ganz starke Rohrohrzuckeraromen. Der Rum ist leicht rauchig. Auch schmecke ich süßlichen Tabak. Im Hintergrund versteckt sich eine schwache Bitterkeit, vermischt mit Jod und einer Portion Melasse. Allerdings wird diese von der süße und den anderen Aromen komplett überdeckt. Erst nach einigen Sekunden schmeckt man schwache Fruchtaromen. Aber sie sind zu schwach um etwas herauszupicken. Der Rum schmeckt wie ein sehr dichtes Konzentrat. Ich schmecke nun nach einiger Zeit auch Anisaromen und dunkle Gewürze wie Zimt und Nelken. Dieser Rum ist nichts für schwache Gaumenfreunde. Er drischt zu beginn unbarmherzig auf den Gaumen ein, doch wer diesen Moment nicht nur erduldet sondern auch genießt, der wird kurz danach großzügig mit starken Aromen belohnt. 

Der Alkohol ist diesmal wesentlich sanfter am Gaumen. Wieder schmecke ich süßen Rohrohzucker, welcher beinahe untrennbar mit Karamell und Anis verwoben ist. Dazu kommt eine gute Spur Tabak, Rauch und dieses mal schmecke ich die Fruchtaromen einen Tick deutlicher. Ich erkenne aber leider nur überreife Papayas und ganz minimal vorhandene Orangenaromen. Dazu kommen wieder dunkle Gewürze wie Nelken und ein Hauch von Zimt. Nach einigen weiteren Sekunden lässt die Süße komplett nach und ich schmecke nun wieder Jod und Spuren von Melasse. Dieser Rum schmeckt wie Weihnachten. Nur die Tabakaromen erinnern einen daran, dass es sich hier um ein karibisches Produkt handelt.

Abgang: Brauner Rohrohrzucker, vermischt mit Karamell und Anisaromen bilden den Anfang. Dann folgen schnell Nelken, ein Hauch von Zimt und Jod. Der Abgang ist weder süß noch bitter. Nach einiger Zeit verbleiben nur noch leichte Butteraromen, vermischt mit Anis, Tabak und einer ganz schwachen Fruchtigkeit am Gaumen. Sind das Orangen? Der Abgang ist lang anhaltend und kommt nicht zu kurz. Ganz minimal schmecke ich auch Kräuter. Nach 10 Minuten habe ich den Rum noch immer voll im Mund und er macht keine Anstalten zu verschwinden. 

Wieder startet der Abgang mit braunem Rohrzucker vermischt mit Anis. Dunkle Gewürze halten kurz danach Einzug am Gaumen und bringen eine leichte Süße mit sich. Ich schmecke schwach Kräuter und Orangenaromen. Auch Zimt und Nelken kann ich wieder erkennen. Auch hier ist der Abgang lang anhaltend und die Geschmacksaromen verändern sich nur noch minimal, bis sie ganz verblassen. 

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Fazit: Ein sehr gereifter Diamond im besten Alter. Ich liebe ihn! Dieser Rum ist allerdings viel reifer als der Velier Diamond Full Proof Old Demerara 1993 12 YO. Dieser war eine Spur fruchtiger und nicht ganz so kraftvoll am Gaumen, wie diese Abfüllung. Dennoch ist er durchaus lebendig geblieben und wurde nicht zu Tode gelagert. Dieser Mix aus Nelken, Zimt und Orangenaromen lässt mich persönlich unwillkürlich an Weihnachten denken. Aber die Tabakaromen und der Rohrohrzucker lassen karibisches Flair aufkommen und erinnern mich daran, dass es sich hier um einen Rum handelt. Mir war diese Abfüllung jeden Cent wert. Ob er für sie etwas wäre? Das kommt ganz darauf an was sie für einen Rumstil bevorzugen und ob sie Probleme damit haben im Ausland zu bestellen. Diese Abfüllung gibt es nämlich nicht in Deutschland. Aber das ist für mich nicht wirklich neu. Gewisse Marken muss man einfach im Ausland kaufen, da sich kein deutscher Importeur dafür hergibt diese Rums auch ins Land zu holen und wenn es dann doch einmal passiert, dann in zu geringer Stückzahl. Ein befreundeter Connaisseur berichtete mir, dass er beide Rums aus 1996 im Glas hatte (SVW und SSN) und sich beide nicht viel schenken, oder mit anderen Worten: Die Unterschiede sind nicht gewaltig gewesen. Ich kann dies leider nicht selbst nachvollziehen, da ich den zweiten Rum nicht besitze. 
Ich denke eine noch längere Reifezeit in den Tropen hätte den Rum mehr geschadet als genützt. Angesichts der hohen Verdunstungsverluste sehe ich auch keinen Sinn dort Rums bis zu 30 Jahre oder mehr zu lagern. Die Ergebnisse sind sehr extrem und werden auch meist nur als Grundbasis für Blends verwendet. Um jungen Rums mit wenig Reife quasi etwas auf die Sprünge in Sachen Geschmack zu helfen. Mir kommen wie immer die Tränen wenn ich daran denke, dass Rums wie diese hier in Blends verschnitten werden und somit eigentlich total untergehen. Mag das Blenden auch noch so eine große Kunst sein, vor der ich zwar großen Respekt habe, aber ich dennoch mit den Ergebnissen oft nichts anfangen kann. Die Nachricht das man in der heißen Karibik nicht einmal weiß, dass man im kalten Europa auch mal gern Fassstärke trinkt und sich gerade ein zarter Trend am Horizont der Abfüllungen in dieser Hinsicht abzeichnet, stimmt mich da nicht gerade optimistischer. Dies ist und bleibt vorerst ein Nischenmarkt. Fast alle hochprozentigen Sachen aus der Karibik sind nur als Basis für Cocktails gedacht. Die Diskrepanz zwischen Karibik und Europa ist also nicht nur geografisch sondern auch geschmacklich begründet. Ich sehe hier auch keine Tendenz, dass sich dies in der Zukunft ändern wird. Viel zu oft werden heute noch Destillate mit einem hohen Alkoholgehalt mit billigen Fusel in Verbindung gebracht. Von jener billigen Qualität ist dieser Rum hier meilenweit entfernt. Ich wünsche euch allen noch einen schönen Sonntag!

Marco




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Hello and welcome to B.A.T.!

Once again I want to present you a rum from Guyana. It is a rum with a tropical maturation and it was bottled by Velier. It's the Velier Diamond 1996 Full Proof Old Demerara 15 YO. A rare gem and therefore nowadays not commonly found in Europe. But I can tell you this in advance: the quest for it is worth the effort.

The Bottling: 

The origins of the old Diamond plantation can be traced back to John Carter. In 1753 lot number 10 was granted to this man. It was located on the east bank of the Demerara river. A old map dated back to 1759 marked it as a sugar plantation. Over the decades the sugar factory on this plantation took over several neighbouring plantations, even on the west bank. Among those were Farm, Peter's Hall and Providence. In the 20th century the distillery was finally separated from the sugar factory and thus survived until today. Many of the other distilleries in British Guiana just disappeared if the corresponding factory or the sugar mill ceased its operation. Sugar production and rum were inseparable for a very long time. One of the first distilleries in the British West Indies, which was independent from this sugar manufacturing process, was the West Indies Rum Distillery (est. 1893) on Barbados. The required molasses was simply bought on the local market. An important role in British Guiana played the centralization process among the major manufacturers such as Sandbach, Parker & Company and Booker Bros, McConnell & Company. Efficiency and rationalization was the key to survive on the market. So much for history.

We already had a rum with a true Diamond labeling on this blog. It was the Velier Diamond 1993 Full Proof Old Demerara 12 YO with the mark <> W (a W next to a diamond). Only DDL (Demerara Distillers Limited = Diamond Distillery) itself might know whats behind the W. The marks on the barrels which spawned this bottling were S.V.W.. I have no idea whats behind this combination. There were in total five barrels with the numbers: 7080, 7081, 7082, 7083 & 7084. A newer bottling from 1999 and 15 YO had the mark <S> (an S inside a diamond). I have also seen a photo with the combination S.S.N. This mark was on the barrels of the second Diamond from 1996. The Velier Diamond 1981 Full Proof Old Demerara 31 YO had the combination S<W> and a newer blend from Velier (1995) bore the mark <SV>. 
Among the new releases in 2014 bottled by Velier were originally 8 bottlings from Guyana. However, four of which quickly disappeared from their official website. One of these was a Diamond from 1999 with the same marks on the barrel like the vintage from 1996: S.V.W.. I am eager to get my hands on a bottle or at least a sample of this rum. Today's bottling had a successor. It was the Velier Diamond 1996 Full Proof Old Demerara 16 YO. Same style and same mark. I very much liked the above mentioned Diamond from 1993. So, I have high expectations on this one. But anyways, I'll try to remain neutral while tasting this bottling. Both Diamond bottlings (1996) matured in the tropic climate in Guyana and should therefore have a very good maturity. Maybe even a bit too much, but we will see.

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Tasting Velier Diamond Full Proof Old Demerara 1996 15 YO:

Price: I paid €112 excluding shipping charges. That was in 2013.

Age: The rum was distilled in 1996 and then bottled in February 2011. The official age is 15 tropical years in Guyana.

ABV: The cask strength of this rum is at 64.6% vol. I will dilute a portion of it down to ca. 50% to see what happens.

Process of distillation: The official method is a Coffey still.

Colour: The Rum shines in a very dark amber. Now this might come from the maturation alone but I know the tradition of colouring the rums in Guyana.

Viscosity: The rum forms an almost complete thick film. Only a few big drops remain after a few seconds while moving down in slow motion. The oiliness is appropriate for 15 years in the tropics.

Nose: The alcohol burns pleasant in the nose. It is accompanied by fine vanilla aromas and slightly sweet garnished with brown cane sugar. I also smell fruits, such as apricots and bananas flambé. After a while traces of sweet caramel and aniseed aromas join them. There is oak too from the tropical aging, but it remains in the background. No bitterness. The slight sweetness of the American white oak has made the rum delicious, but it does not dominate the rum. I smell a hint of smoke and iodine. If you dip the nose deep into the glass you will be bombarded by these flavors. Also leaves of tobacco are included in this wonderful mix. Very delicious.

With water the rum has opened up a little bit. The alcohol has worn off considerably in the nose. I smell sweet fruits like papaya, apricots, bananas flambé again and this time also a hint of orange. Now these oranges are reminding me of the Velier Diamond Full Proof Old Demerara 1993 12 YO. Probably not uncommon for original rums from Diamond, but who knows. Again, I can smell caramel and brown cane sugar. Also spices like cloves and cinnamon. Hidden in this whole mix are again aniseed aromas. The smokiness has eased a bit. Also the iodine. This time I smell molasses too.

Palate: The alcohol burns on the palate. The rum quickly flooded the whole mouth with its presence. I taste a wonderful sweet mix of caramel, vanilla and fine but very strong raw cane sugar flavours. The rum is slightly smoky. Also I taste sweet tobacco. Again there is this restrained sweet bitterness in the background mixed mixed with iodine and a portion of molasses. However, this is completely covered by the other flavours. Only after a few seconds you can taste weak fruit flavors. But they are too weak to identify. The Rum tastes like a very dense concentrate. After a little while the spices in form of aniseed aromas, cinnamon and cloves are shining through. This rum is not for faint gourmets. The rum is very powerful and relentless on the palate for the first seconds. But if you endure this moment you will get rewarded shortly afterwards generously with strong flavours.

The alcohol is much gentler this time on the palate. Again I taste sweet raw cane sugar flavours, which are almost inextricably intertwined with caramel and anise. In addition a good portion of tobacco and smoke are joining the mix. This time I also taste the fruit flavours a bit clearer. But unfortunately I recognize only mature papayas and quite minimal existing orange flavours. Spices like cloves come back and a touch of cinnamon is coming foward. After a few more seconds the sweetness is completely gone and now I taste iodine and trace amounts of molasses. This rum tastes like Christmas. Only the tobacco flavours are reminding you that this is a Caribbean product.

Finish: Brown cane sugar, mixed with caramel and aniseed aromas form the beginning. Then cloves, cinnamon and a hint of iodine are following. The finish is neither sweet nor bitter. After some time only a little butter flavour, mixed with anise, tobacco and a very faint fruitiness remains on the palate. Are there oranges too? The finish is relatively long lasting and not too short. I taste quite minimal and herbs. After 10 minutes I had the rum still fully in the mouth.

Again, the finish starts with brown cane sugar mixed with aniseed. Spices like cinnamon and cloves with a little bit of sweetness are following. I taste weak herbs and orange flavours. Again, the finish is relatively long lasting and the flavours change only minimally until they fade out completely.

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Conclusion: A very mature Diamond in his prime. I love him! This rum is, however, much more mature than the Velier Diamond Full Proof Old Demerara 1993 12 YO. The fruit was sadly not as powerful on the palate as it was in the bottling from 1993. However, the rum is not overaged and still alive and kicking. This mix of cloves, cinnamon and orange flavours makes me think of Christmas. But the tobacco flavors and raw cane sugar give rise to a Caribbean flair and are reminding you that this is a rum and not a fancy liquor from a European Christmas market. This bottling was worth every cent. Would it be something for you? That would depend. What style of rum are you preferring and do you have any problems of ordering spirits in foreign countries? This rum is not sold in Germany and was, to the best of my knowledge, only available in France and Italy. I recall seeing a bottle somewhere in Germany too, but it was gone too quickly. Some brands you just have to buy in other countries because there are no German importers and even if there is one, the amounts are far too low for the local demand. I guess Velier is not commonly known in this country. Apart from me, there are not many guys out there, who are writing about this stuff in my native language. A fellow connoisseur told me that he made a comparison of both bottlings from 1996 (SVW and SSN). He told me that the difference was not huge at all. I'm beginning to wonder what the difference then is.
I think a longer maturation in the tropics would have done more harm than good to the rum. Given the high evaporation losses I also see no point in storing rums for up to 30 years or longer. The results are extreme in every way, would be pretty expensive and are usually used only as a basic level for blends anyway. It gives younger rums a little bit of flavour and is pimping them overall up. Like every time when tasting such rare rums from DDL my eyes are filled with tears when thinking about their disappearance in meaningless blends. I do know that blending is an art, but the outcome is (for me) mostly somewhat boring and diluted down or drown to death. Word has reached me a few days ago, that the distillers in the Caribbean have no idea about cask strength rums being sold in Europe. I should not have been surpised and yet I was. Have they never looked to the whisky market? The discrepancy between the Caribbean and the Europe is therefore justified not only geographically but also in taste.
Yes there is just a faint trend emerging on the horizon, manifested by the increasing numbers of such cask strength rums bottled in 2014. But I guess the demand is far too low. I do know that I'm buying on a niche market and I have earned more than a few skeptical views from people when I was talking about one of my favourite hobby's. Almost all high-proof stuff are intended as a base for cocktails. The mere thought of sipping such stuff is too much for many people. At least the majority I know behaves this way. An aged spirit in a high strength like this is miles away from such cheap stuff. As is the price. The choice is yours. I wish you all a good Sunday!

Marco 

PS This is my first try of a dual review in two languages. Lets see how it works. Sry for the bad English guys. :p
PPS Corrected a mistake concerning the second rum from 1996. The mark was not SVW. It is SSN.

Sonntag, 30. November 2014

The Rum Swedes Diamond Distillery 2003 9 YO

Servus und willkommen zum heutigen Review ;)

Nach unseren kleinen Ausflug in fremde Gefilde ist es mal wieder Zeit für einen Demerara. Dieses mal kommt eine sehr junge Abfüllung zur Verkostung. Aus deren Batch gab es in den letzten Monaten einige Rums. Ich werde auch noch einige hieraus vorstellen, aber zuerst befassen wir uns mit einem Rum aus Schweden.

Zur Abfüllung:

Quelle: Masterofmalt.com
Die Rede ist vom The Rum Swedes Diamond Distillery 2003 9 YO. Diese Abfüllung war die zweite mir bekannte Abfüllung aus diesem Jahrgang. Die erste stammt aus Frankreich und war der L'Esprit Diamond Distillery 2003 7 YO Fass 58. Von diesem französischen Abfüller gab es bereits einen Rum hier auf dem Blog. Als nächstes kam die heute Abfüllung aus Schweden. Beide Abfüllungen wurden im Dezember 2003 destilliert und sind für mich aus ein und demselben Batch. Alle Rums nach 2000 aus Guyana von Demerara Distillers Limited tragen nur noch Diamond Distillery auf dem Label, was eine Identifizierung sehr schwer macht. Die Brennereien von Uitvlugt und Enmore sind Geschichte, auch wenn deren brauchbares Inventar zur Diamond Distillery kam. Hinzu kommt noch die Tatsache, das in letzter Zeit vermehrt Rum-Stile aufgetaucht sind, die bisher noch nicht abgefüllt wurden oder unbekannt sang- und klanglos untergingen. In dieser Flasche könnten nun alle möglichen Stile enthalten sein und deswegen werde ich hier auch nicht die Kristallkugel auspacken und eine Vermutung anstellen. Vielleicht kann der Rum selbst etwas sagen, aber rein von den gegebenen Daten ist eine Aussage nur verdammt schwer bis unmöglich zu machen. Eine weitere Information kann ich hier allerdings hinzufügen, die nirgends erwähnt wurde. 

Dieser Rum ist derselbe wie der The Rum Dealers Selection Diamond Distillery 2003 11 YO. Zwar wird bei der Abfüllung 12 Jahre angegeben, dies stimmt allerdings nicht. Woher ich das nun wiederum weiß? Die Abfüllung von Herrn Bonn stammt aus Fass-Nummer 62. Einen Teil desselben Fasses wurde auch von jemand anderem abgefüllt und zwar von Bulettenschmied (Besitzer des „Gasthaus im Brühl“) aus der Rum-Community. Sein Rum stammt aus demselben Fass (Nr. 20), hat dieselbe Trinkstärke (62,5%vol.) wie der Rum vom Brühlerwhiskyhaus und wurde im Juli abgefüllt und stammt aus 2003. Puh! Wozu also jetzt die ganze Arbeit und Herleitung der Daten? Herr Bonn gibt auf dem Label an, dass dieser Rum in einer Column Still hergestellt wurde. Soweit so gut, aber DDL hat leider Gottes mehr als eine hiervon und kann mit diesen kontinuierlichen Brennblasen eine unglaubliche Fülle an Stilen herstellen (Diamond, Blairmont, Albion, Enmore „EHP“, ect.). Diese Information schließt also lediglich alle Stile aus den hölzernen Vat Stills von Versailles und Port Mourant aus. Also leider kein neuer Nachfolgejahrgang der berühmten Jahrgänge 1974, 1975 und 1989, welche besonders geniale Abfüllungen aus der Port Mourant Still, bestehend aus zwei Vats, hervorbrachten.
Was könnte dies hier also nun sein? Ich denke wir belassen es bei den bisher gesammelten Informationen und widmen uns dem Rum aus Schweden selbst wieder zu. Er stammt aus Fass-Nr. 19 (welch Ironie auch noch das Vorgängerfass zu Nr. 20 aus Deutschland) und dieses brachte nach 9 Jahren noch 230 Flaschen hervor. Soviel zur Datengrundlage. Auf geht’s zur Verkostung!

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Verkostung TheRumSwedes Diamond Distillery 2003 9 YO: 

Preis: Bei MastersofMalt kostet die Pulle £66,67. Das sind rund 84 €. Ein mehr als stolzer Preis für 9 Jahre. Dieser ist aber den in Schweden herrschenden Alkoholsteuern zu schulden. Es steckt kein Geldgier dahinter. Ich kenne außer MastersofMalt auch keine weitere Bezugsquelle.

Alter: Destilliert im Dezember 2003 und abgefüllt im Juni 2013. Das nicht erwähnte Alter beläuft sich also auf 9 Jahre.

Alkoholstärke: Die Trinkstärke des Rums beträgt noch 60,9%vol. Hierbei handelt es sich wohl noch um die originale Fassstärke.

Destillationsverfahren: Aus der obigen Herleitung ergibt sich in meinen Augen eine kontinuierliche Brennblase (Column Still). Leider habe ich nicht alle Informationen zum Label und kann dies nicht verifizieren.

Farbe: Der Rum erstrahlt in tiefen Mahagoni im Glas. Offensichtlich ein gefärbter Rum. So etwas ist aus der Diamond Distillery keine Seltenheit und war auch im 19. Jahrhundert eine gängige Praxis unter den Pflanzern in British Guiana.

Viskosität: Am Glasrand bildet sich eine kleine Krone, von der dicke Tropfen langsam herabfließen. Die Öligkeit ist dem Anschein nach hoch.

Nase: Der Alkohol brennt sich zuerst tief in die Nase ein. Dies könnte einige Genießer eventuell stören. Sie wird nach einigen Sekunden Stehzeit allerdings schwächer. Diese Geruchskomponente ist allerdings nicht die Dominanteste. Dicke Melassearomen durchsetzt mit Kräutern und schwache Frucht, wenn man seine Nase tief ins Glas eintaucht. Weiter davon entfernt erkenne ich Jod und Tabak. Auch Gewürze wie Nelken schweben im Glas. Der Rum versprüht eine verhaltene Fuchtigkeit. Sind das Papayas im Hintergrund? Schwenkt man das Glas und tauscht seine Nase sofort hinein, merkt man die Frucht nach wenigen Sekunden am besten, bevor sie von den anderen Aromen auch schon wieder regelrecht verdrängt wird. Nach längere Standzeit kommt das Jod immer mehr zur Geltung. Rieche ich hier auch grasige Aromen? Ich bin mir hier nicht zu 100% sicher ob das Zuckerrohr ist. Diese Kombination aus Melasse, Kräutern, Jod und verhaltener Frucht sind das dominierende Geruchsbild nach wenigen Minuten. Der Rum macht einen sehr kompakten Eindruck.

Gaumen: Der Rum ist leicht süßlich und brennt, für meine Verhältnisse, nicht sehr am Gaumen. Ich schmecke dicke Melasse, Kräuter und sehr schwache Fruchtaromen. Nach einigen Sekunden verschwindet der leicht süße Eindruck mit dem Alkohol und der Jodgeschmack kommt durch die Speichelverdünnung des Rums immer mehr zum Vorschein. Der Rum ist nun nur noch leicht kräuterig und schwach bitter. Nun schlagen die Gewürze, darunter Nelken, voll durch und die Frucht ist fast verschwunden. Leider ist der Rum, wie zuvor in der Nase, sehr kompakt. Vielleicht auch noch eine Spur Tabakblätter. Man merkt das junge Alter. Die Fassreife ist definitiv ein wenig zu kurz gekommen. Man schmeckt dominante Melasse und Gewürze. Mehr kann ich leider nicht erkennen. Der Rum ist einfach zu kompakt. Man hätte ihm eine längere Zeit im Fass gönnen sollen. Ich hatte fast das Gefühl leichte Raucharomen neben den Gewürzen zu schmecken.

Abgang: Melasse und Kräuter bilden den Anfang des Abgangs. Dann kommen die Gewürze und minimale Fassaromen zum Vorschein. Keinerlei Süße im Abgang. Nun huschen kurz Früchte über den Gaumen, bevor sie auch schon wieder verschwinden. Wieder ein vager Hauch von Zuckerrohr. Dann kommen die Gewürze wieder voll zur Geltung. 

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Fazit: Tja, was soll ich sagen. Bis vor wenigen Wochen (ich besitze das Sample schon länger) war ich sicher, dass es ein originaler Diamond ist. Diese Information habe ich auch so weitergegeben. Dies bereue ich nun eindeutig. Warum? Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, um was genau es sich hier nun handelt. Es ist wie bei einem Blindtasting und Mutter Natur. Man glaubt sie zu kennen und zu beherrschen und dann passiert das was passieren muss: Sie tritt einem überraschend in den Arsch und erinnert einen daran, dass man gar nichts weiß und nichts unter Kontrolle hat. Kaum glaubt man sich im Bereich der Demeraras auszukennen wird von irgendeinem Abfüller ein Rum veröffentlicht der absolut nicht ins Bild passt und man fängt wieder bei Null an. Einen solchen Demerara Rum habe ich neuerdings von Cadenhead gekauft und diesen Stil kenne ich in keinster Weise. Ich werde hier keinen Blick in die Kristallkugel wagen was den Stil (das Mark) betrifft. MastersofMalt schreibt, dass dies ein Rum aus einer Pot Still ist. Woanders finde ich diese Information allerdings nicht. Er schmeckt und fühlt sich aber wie ein Rum aus einer der Column Stills bei Diamond an.

Es gibt hier nun in meinen Augen drei theoretische Möglichkeiten. Ich habe den Rum mit drei Rums von Velier verglichen. Zwei Rums mit Diamond (1993 & 1996) und ein Rum mit Enmore (1998) auf dem Label. Alle drei stammen aus Column Stills. Mit den Diamonds hat diese Abfüllung nur zu Beginn etwas gemein. Selbst bei Beginn riechen sie anders. Nach längerer Standzeit sind sie komplett verschieden. Auch am Gaumen gibt es Unterschiede. Bei der zweiten Möglichkeit wird’s jetzt interessant: Selbst nach einer längeren Standzeit ist die Ähnlichkeit mit dem Enmore 1998 in der Nase verblüffend. Sicher, die Reife ist unterschiedlich (11 Jahre kontinental versus 9 Jahre tropisch), aber die Ähnlichkeit ist einfach erschreckend. Der Enmore riecht und schmeckt allerdings intensiver nach Kräutern. Dieses Phänomen kenne ich auch von Rums des Stils „VSG“ (Versailles). Je mehr Reife desto mehr Kräuter. Dies könnte beim Enmore genauso sein. Zu gern würde ich das Mark auf dem Fass dieses Rums wissen. Der Rum könnte also aus dieser alten Coffey Still stammen. Über den Stil wage ich einmal keine Aussage. Die dritte Möglichkeit wäre, dass es sich hier um einen anderen Stil handelt. Wobei wir dann wieder bei meinem obigen Statement bezüglich Mutter Natur wären. 

Aufgrund der billigeren Alternativen aus Deutschland kann ich den Rum aus Schweden leider keine Empfehlung geben. Die Qualität ist ordentlich, aber sie rechtfertigt diesen Preis nicht (für 9 Jahre kontinental rund 84€? Nein Danke.), was aber an den in Schweden herrschenden Steuern liegt. Wer allerdings einen frischen und jungen Demerara einmal probieren möchte, der sollte zu diesen Rums aus diesem Batch greifen. Viel besser als das miserable 1998er Batch aus Uitvlugt ist er. Ich habe bewusst auf eine Verdünnung verzichtet, weil nach einigen Sekunden im Mund der Rum enorm an Kraft verliert. Bei einer Verdünnung will ich mir das Ergebnis nicht vorstellen. Dafür fehlt ihm die Komplexität einer Langzeitlagerung, verbunden mit der Oxidation und der Interaktion mit dem Holz. Mit einer qualitativ höheren Fassreife aus einem aktiven Fass könnte dieser Rum wirklich etwas werden. Hoffentlich wird nicht sofort alles abgefüllt sondern man erlaubt einigen Fässern noch länger ihren Rum zu behalten. Man schmeckt seine Leichtigkeit, die jedoch nicht zu flach geworden ist. Bei einer Verdünnung würde diese wohl voll durchschlagen und den Rum ruinieren, weswegen ich auch hierauf verzichte. Bei einem Vergleich mit dem Rum aus Fass-Nummer 20 zeigt sich für mich, dass beide gefühlt zu 95% identisch sind, wobei der aus Fass-Nummer 20 etwas weniger Reife im Vergleich hat. Für mich ist es derselbe Stil und somit derselbe Batch. Bitte vergleichen sie diesen allerdings nicht mit dem 2003er Batch aus dem Duncan Taylor zwei Fässern (Fass Nr. 71 & Fass Nr. 72) abgefüllt hat. Dieser gefärbte Rum hier ist ein vollkommen anderes Geschmackserlebnis als der ungefärbte Rum aus einer Pot (Vat) Still von Duncan Taylor. Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag!

Marco

Anmerkung: Wenn ein Unabhängiger Abfüller die Färbung nicht erwähnt, dann zu 100% deswegen, weil er die Information nicht bekommen hat. Diese Rums werden in Guyana gefärbt und nicht von igrendeinem Warenlagerbesitzer in Europa. Sie repräsentieren ein Produkt der Diamond Destillerie.

Sonntag, 16. November 2014

Cadenhead Green Label St. Lucia (St. Lucia Distillers) 11 YO

Einen wunderschönen Sonntag und willkommen auf BAT!

Ich habe Euch allen einen Rum der weder aus Guyana noch aus Barbados stammt versprochen und hier ist er nun: Der Cadenhead Green Label St. Lucia 11 YO. Auf dieser kleinen Insel gibt es mittlerweile nur noch eine einzige Destillerie. Die Ursprungsquelle ist also somit mehr als offensichtlich.

Zur Abfüllung:

Die heutige Abfüllung stammt von St. Lucia Distillers mit Sitz im Roseau Valley. Laut Firmenhomepage entstand St. Lucia Distillers Limited im Jahre 1972 durch den Zusammenschluss zweier Brennereien: Der Distillerie der Dennery Company und der Geest Industries (Estates) Limited in Roseau, dem heutigen Standort. Den Namen Dennery findet man gelegentlich noch auf einigen Abfüllungen, wie z.B. Silver Seal, und soll diesen wohl ein bisschen nostalgisches Flair einhauchen und den Touch einer Lost Distillery verleihen. Diese zwei Destillerien sind oder waren die Überbleibsel von den drei letzten Zuckerfabriken im 20. Jahrhundert auf St. Lucia. Dieses Eiland war lange Zeit ein Zankapfel zwischen England und Frankreich, bis den Engländer schließlich im Jahre 1814 das Eiland zugesprochen wurde. Der Rum ist in meinen Augen von zwei Stilen durchsetzt. Einmal vom typisch britischem Stil, welcher fast ausschließlich in Pot Stils produziert wird und dem französischen Stil des Rhum Agricole. Wie das die dortigen Brennmeister hinbekommen wissen sie wohl nur selbst. Es ist ein wirklich einzigartiger und sehr gewöhnungsbedürftiger Stil. Entweder man hasst ihn oder mag liebt ihn. Zu Beginn wusste ich diesen Stil einfach nicht zu schätzen. Es sehr lange, bis ich auf den Geschmack kam und für mich sind diese Pot Still Rums aus St. Lucia mittlerweile ein Geheimtipp.
Diese Abfüllung stammt aus demselben Batch wie der Cadenhead's Cask Strength St. Lucia Distillers SLJD 9 YO (1999 – 2008) mit 70,8%vol. Auch der Plantation St. Lucia 2001 kam aus dieser Destillerie. Dieser allerdings war einfach nur scharf, unreif und unausgeglichen. Ich denke dies war einer der ersten Rums, welche ich mit voller Verachtung in den Ausguss ausgeschüttet habe, weil ich den Anblick von vergeudetem Geld in meinem Schrank einfach nicht ertragen konnte und wollte. Es folgten noch weitere Flaschen deren Inhalt ich auf diesem Weg „entsorgte“. Wissen muss man sich zu Beginn nun einmal teuer erkaufen. Mein zweiter Rum von St. Lucia war der Cadenhead in Fassstärke. Flo verkaufte mir ein Sample und wollte meine Meinung wissen. Ich denke er war ziemlich überrascht, dass ich mit ihm überhaupt nichts anfangen konnte. Ich fand ihn zu französisch und konnte diesem Stil nichts positives abgewinnen. Aber der Rum war von der Qualität her wesentlich besser und reifer, als es der Plantation war. Erst letzten Jahres gab ich ihm eine zweite Chance und siehe da, der Rum konnte mich vollauf begeistern. Der Stil hatte sich nicht geändert. Das was sich geändert hatte war allerdings mein Geschmack. Leider wusste ich den Cadenhead's Cask Strength St. Lucia Distillers SLJD 9 YO zu spät zu schätzen und so war er vom Markt verschwunden. Neuerdings gibt es aber Abfüllungen aus dieser Destillerie von Duncan Taylor. Ich denke diese werde ich mir noch zur Brust nehmen. Aber genug gequasselt und auf zur Verkostung dieses einzigartigen Stils! 

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Verkostung Cadenhead Green Label St. Lucia (St. Lucia Distillers) 11 YO:

Preis: Ich erstand meine Flasche für 36€ ohne Versandspesen. Ein absolutes Schnäppchen in meinen Augen.

Alter: Das offizielle Alter beträgt 11 Jahre. Er stammt aus demselben Batch wie der SLJD und wurde im Jahre 1999 destillierte und 2010 abgefüllt und auf den europäischen Markt gebracht.

Alkoholstärke: Keine Überraschung. Hier gibt’s die Standard-Trinkstärke von 46%vol.

Destillationsverfahren: Wie der SLJD stammt dieser Rum aus einer Pot Still. Auf dem Label suchen sie diese Angabe allerdings vergeblich.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem tiefen Goldton im Glas. Eigentlich schon Bernsteinfarben um ganz genau zu sein.

Viskosität: Von oberen Glasrand fließen dicke Tropfen sehr schnell hinab zum Glasgrund. Dabei bilden sie dünne Streifen, welche erst nach einigen Sekunden verschwinden. Die Glaswand ist leicht mit einem öligen Film überzogen.

Nase: Bäm! St Lucia direkt ins Gesicht. Ich rieche eine Mischung aus herben Kräutern, ähnlich den Kräuteraromen eines reifen Rums aus der Versailles Single Vat Still von Guyana, Zuckerrohr und Akazienhonig. Dazu gesellen sich exotische Fruchtaromen wie reife Papayas. Schwenkt man das Glas und taucht die Nase direkt ins Glas, kann man nach wenigen Sekunden diese am Besten erkennen. Das gesamte Geruchsprofil hat einen sehr medizinischen Geruch. Er ist minimal rauchig in der Nase. Die Süße ist angenehm und dominiert den Rum in der Nase überhaupt nicht. Nach einigen Minuten Ruhezeit rieche ich starke Zuckerrohraromen. Beinahe könnte man denken, hier wäre ein Rhum Agricole im Glas. Rieche ich hier auch noch unreife Bananen? Die Kräuteraromen und das Zuckerrohr sind selbst nach langer Zeit immer noch sehr stark ausgeprägt. Der Alkohol brennt sich angenehm tief in die Nase ein und verursacht ein angenehmes Gefühl. Alles in allem: Ein sehr schöner Pot Still Rum mit Ecken und Kanten. Die Nase verheißt einen mittelschweren Rum.

Gaumen: Der Alkohol brennt nur sehr schwach. Ich schmecke frisches Zuckerrohr vermischt mit herben Kräuteraromen, wie Minze und Eukalyptus. Ist da auch Menthol mit im Spiel? Wieder ist hier der leicht medizinische Beigeschmack. Der Rum hat am Gaumen eine ganz ganz schwache Rauchkomponente und hat gefühlt gar keine Süße in sich. Zu Beginn zeigt sie sich sehr kurz, bevor die herben und grasigen Aromen die Überhand übernehmen und die Süße total verdrängen. Auch schmecke ich dezente Honigaromen. Akazien- oder Waldhonig. Dieser Stil ist genauso einzigartig am Gaumen, wie er es zuvor schon in der Nase war. Ich kenne persönlich nichts Vergleichbares. Man kann allerdings seine Zugehörigkeit zum britischen Stil erkennen. Allerdings sind hier Einflüsse des französischen Stils enthalten. Ich schmecke sehr dezente exotische Früchte und auch Gewürze. Am dominantesten ist es hier schwarzer Pfeffer. Ein wirklich einzigartiger Rum mit einem sehr eigenwilligen Geschmacksprofil.

Abgang: Der Abgang beginnt mit Zuckerrohr, Honig und Kräuteraromen. Bei Letzteren sind wieder Minze und Eukalyptus vorhanden. Nach einigen Sekunden verblasst das Zuckerrohr und leicht grasige Aromen blitzen auf. Auch exotische Früchte huschen kurz über den Gaumen. Nach einiger Zeit hat man einen leicht medizischen Geschmack nach herben Kräutern im Mund. Am dominantesten ist hier nun gefühlt der Eukalyptus. Wieder ist keine Spur von Süße zu entdecken. Ein ganz ungewöhnlicher Rum. 

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Fazit: Man kann es nicht oft genug betonen: Dieser Rum ist außergewöhnlich. Ich kenne keinen vergleichbaren Stil der diesem Rum hier in seiner Gänze ähneln würde. Der einzige Vergleichskandidat käme aus derselben Destillerie und ist schon ausverkauft. Es ist der oben erwähnte Cadenhead's Cask Strength St. Lucia Distillers SLJD 9 YO. Dieser Rum ist, wie oben schon erwähnt, so etwas wie eine Kombination aus französischem und britischem Stil, was auch der Geschichte der Insel entsprechen würde. Schließlich kämpften die Nationen Frankreich und England lange um dieses Eiland. So wie die Rums aus der geschlossenen Caroni Distillerie in Trinidad eine Mischung aus spanischem und britischem Stil verkörperten. Auch dieses Geschmacksprofil passt auf die Geschichte der Insel der Dreifaltigkeit, war sie doch sehr lange eine spanische Kolonie, bis sie in den Besitz der Engländer gelangte. Die jeweiligen kulturellen Einflüsse sind in meinen Augen nach wie vor schmeckbar. Zumindest stimmt dies noch für St. Lucia. Für das gebotene Geld bekommt man einen wirklichen PLV-Kracher. Einen schönen mittelschweren Rum mit geballter Aromenvielfalt. Eigentlich mag ich Rums des Rhum-Agricole Stils überhaupt nicht. Hier allerdings, wo auch nicht alle Geschmackskomponenten des französischen Stils enthalten sind, mag ich sie. Diese Abfüllung ist sozusagen etwas wie ein geheimer Favorit. Noch kann man den Rum käuflich erwerben. Deswegen bekommt er auch von mir eine klare Kaufempfehlung als Verbraucher für Verbraucher. 

Allerdings hat diese Empfehlung einen Haken: Sie müssen diesen eigenwilligen Stil mögen, oder sie werden diesen Rum nicht lieben sondern hassen. War der Cadenhead's Cask Strength St. Lucia Distillers SLJD 9 YO mit 70,8%vol ein rauflustiger Rabauke und eine Explosion am Gaumen, so kommt dieser Rum im Vergleich sehr sanft und elegant daher. Bevor sie jetzt blind eine Flasche kaufen rate ich Ihnen wirklich bei einem Tasting oder einer Flaschenteilung sich diesem Stil zu nähern. Der Stil ist sehr eigenwillig. Sagen sie mir also bitte nicht, dass ich sie nicht davor gewarnt hätte. ;)
Allen Käufern des Cadenhead's Cask Strength St. Lucia Distillers SLJD 9 YO, deren Vorräte fast völlig aufgebraucht sind, also Leute wie ich, können hier dagegen unbedenklich zugreifen. Die Verdünnung auf 46% hat den Rum nicht definitiv weichgespült. Sie mitten in die Fresse schlagen, wie es der SLJD mit seinen 70,8% getan hat, wird er allerdings nicht. Das sollten sie beachten. Ich denke aber, dass viele Connaisseure diesen Rum in den meisten Fällen mit Wasser verdünnt haben. Über 70% sind schon eine heftige Kampfansage an den Gaumen gewesen. Dieser elegante Rum dagegen benötigt keine Verdünnung mehr. Ich wünsche Euch noch allen ein schönes Wochenende und lasst es euch gut gehen! 

Marco

Samstag, 8. November 2014

Neue Demeraras von Velier (2014)

Wenn der Postbote zweimal klingelt...




Ein ganz ganz dickes und herzliches Danke an die beiden Organisatoren der Flaschenteilung! Ich freue mich, dass ich mit meiner Leidenschaft nicht alleine bin. Da macht das Hobby gleich noch viel mehr Spaß. Ihr seid spitze Jungs!

Stay tuned lads. ;)

Sonntag, 2. November 2014

Rum Nation Demerara Rum 1985 23 YO

Herzlich willkommen liebe Leser ;)

Wieder mal (ja ich weiß, ich langweile euch bestimmt hiermit zu Tode) kommt ein Demerara zur Verkostung. Der letzte Demerara war der Rum Nation Demerara 1973 27 YO. Heute kommt einer seiner Nachfolger. Die Rede ist vom Rum Nation Demerara 1985 23 YO. Dies war der erste von drei 23 Jahre alten Demeraras, welche Rossi&Rossi bisher abgefüllt hat.

Zur Abfüllung:

Drei? Richtig gelesen: Es waren bisher mindestens drei. Der zweite mir bekannte Rum war der Rum Nation Demerara 1989 23 YO, die dritte und auch aktuelle Abfüllung ist der Rum Nation Demerara 1990 23 YO. Aber alles zu seiner Zeit. Was sagt uns der Jahrgang 1985? Das es sich höchstwahrscheinlich um einen Rum aus der Versailles Single Vat Still handelt. Port Mourant Rums sind allerdings dennoch möglich.Allerdings wurden die einzigen Rums aus der Port Mourant Still aus diesem Jahrgang hauptsächlich von Bristol Spirits Limited abgefüllt. Die Versailles Still befand sich 1985 in der Enmore Distillery. Die Brennblasen wurden erst 1995 zur Uitvlugt Distillery gebracht, bis auch diese um die Jahrtausendwende geschlossen wurde und die Still zur Diamond Distillery (Demerara Distillers Limited) gebracht wurde. Aus dem Jahrgang 1985 hatte ich schon einige Rums. Diese Abfüllung entsprang vermutlich demselben Batch, aus dem auch der BB&R Demerara Rum (Versailles Still) 17 YO & 22 YO und Duncan Taylor Enmore Distillery (Versailles Still) 27 YO stammen. Auch mindestens drei Abfüllungen des italienischen Abfüllers Moon Import, mindestens eine des Italienischen Abfüllers Samaroli und einige Bristols stammen aus diesem Batch. Der Jahrgang 1985 ist den älteren Jahrgängen zuzuordnen und dürfte nicht mehr viel in der Zukunft hergeben. Dafür gab es schon zu viele abgefüllte Fässer. Diese Abfüllung wurde angeblich mit einem Pedro Jimenez Sherry Cask–Finish veredelt. Davon steht allerdings nichts auf dem Label. Über die Anzahl der Flaschen oder gar der Fässer dieser Abfüllung ist nichts bekannt. Vermutlich war es aber mehr als ein Fass, da Rum Nation auch Gastronomie-Betriebe beliefert und gewöhnliche Käufer, wie ich und sie, wohl die Minderheit darstellen. Außerhalb Italiens sind diese Rums zwar zu finden, dürften aber mittlerweile stolze Preise veranschlagen. Mal sehen wie weit die Preisspirale der letzten Abfüllungen jenseits von 1990 (also abwärts) noch nach oben gehen wird. Je weiter wir uns 2000 nähern, desto wahrscheinlicher werden auch die zukünftigen Abfüllungen aus Guyana. Die Frage bleibt nur: Wie viel werden junge Rums aus diesem Land und dieser Destillerie in Zukunft kosten? Ich erinnere mich den Duncan Taylor Diamond Distillery 2003 10 YO Cask 71 für 130€ gesehen zu haben. Das sind absolut lächerliche Preise, die jenseits der gebotenen Qualität liegen. Aber dies ist nur die persönliche Meinung eines bescheidenen Amateurs und Käufers, der nur ein mickriges Budget für sein Hobby zur Verfügung stehen hat und der nicht bereit ist, für meist ungereifte Rums aus inaktiven Fässern viel Geld hinzublättern. Oder würden sie für einen Porsche mit einem Trabant-Motor (mit einer Leistung von 31 kW / 42 PS) 200.000€ - 300.000€ hinlegen, wenn sie ein Sportautoliebhaber sind? Mitnichten. Sie würden das volle Programm haben wollen. Genauso wie ich eine Mindest-Fassreife erwarte, die übrigens leider wenig mit dem gedruckten Alter (oder der Automarke) auf dem Label zu tun hat, wie diese unreifen Rums mehr als eindrucksvoll beweisen. Irgendwann sollte man einfach das ausgelutschte Bourbon-Fass aussortieren. Interesanterweise betrifft dies nicht nur Rum-Abfüllungen sondern dem Anschein nach auch Whiskys. Ich habe etwas über Abfüllungen gelesen, die nach einigen Jahren in Bourbon-Fässern immer noch wie "New Make" schmeckten / rochen. Aber genug gejammert. Weiter geht’s. 

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Verkostung Rum Nation Demerara Rum 1985 23 YO:

Preis: Der Preis befand sich zwischen 110 – 125€ pro Flasche. Der Rum ist sehr rar geworden und nicht mehr so einfach zu finden.

Alter: Das offizielle Alter beträgt 23 Jahre. Der Rum wurde 1985 in Guyana destilliert und 2008 von Rossi & Rossi unter dem Label Rum Nation abgefüllt.

Alkoholstärke: Keine Überraschungen hier. Die Abfüllung hat eine Standard-Trinkstärke von 43%vol. Meistens sind es entweder 43%, 45% oder 46%. Leider gibt es aber auch viele 40% Abfüllungen. Über die Wirkung von wenigen %-Punkten Unterschied kann man sich streiten. Mit 40% aber sind für mich definitiv die meisten Rums zu verwässert. Einige Stile vertragen einfach kein Wasser.

Destillationsverfahren: Keine offizielle Angabe vom italienischen Abfüller. Müsste ich raten, dann würde ich hier auf eine oder zwei Vat Stills mit nachgeschalteter Rektifikationskolonne tippen.

Farbe: Der Rum erstrahlt in tiefem Mahagoni. Ein gefärbter Rum aus 1985 ist mir nicht bekannt also könnte dies „nur“ vom Sherry-Finish kommen.

Viskosität: Ein feiner und doch schmieriger Film bildet sich am Glasrand. Von dessen Krone beginnen langsam dicke Tropfen hinab zum Glasboden zu fließen. Die Zeit scheint hier still zu stehen. Der Rum macht einen gut öligen Eindruck.

Nase: Bingo. Es ist ein Rum aus der Versailles Single Vat Still. Ich rieche ein überwältigendes Aroma von Bleistiftspänen, vermischt mit einem Hauch von Blutorangen. Weit vom Glas entfernt vernimmt man den Geruch von Muskatnuss, Pfeffer und Vanille. Tief im Glas riecht man einen Mix aus Bitterorangen, Zimt, Eiche und einem Hauch von Toffee und Karamell. Über allem Aromen „schweben“ die zu Beginn erwähnten Aromen von Bleistiftspänen. Man könnte hier allerdings auch an Kräuter denken. Thymian und dergleichen. Der Alkohol brennt sanft in der Nase und ist nicht zu dominant. In der Nase glänzt der Rum.

Gaumen: Der Rum verteilt sich leicht im Mundraum und flutet ihn mit dem dominierenden Kräuteraromen oder Bleistiftspänen. Der Alkohol ist sehr sanft und nicht dominant. Die Süße ist mehr als zurückhaltend und fast nicht vorhanden. Ich schmecke wieder Orangen, Zimt und Karamell. Je länger der Rum im Mund verbleibt, desto milder wird er. Auch einen minimalen Hauch von Anis, Thymian und Eiche kann ich erkennen. Die Geschmacksgrenzen der einzelnen Nuancen sind allerdings ein wenig verschwommen. Vielleicht vom Sherry-Finish? Wenn er wirklich ein Finish erhielt, dann war es ein nicht sehr langer Aufenthalt. Keine aufdringliche Süße oder ein dominanter Sherry Geschmack. Der Rum schmeckt seinen oben genannten Verwandten sehr ähnlich, ist aber zugleich auch ein Stück anders. Man merkt leider ein wenig die Verdünnung auf 43%.

Abgang: Zuerst herb mit Kräutern und Zimt. Dann folgt ein Hauch von Blutorangen. Nach und nach kommen die Kräuteraromen immer mehr zum Vorschein. Die Frucht verbleibt für eine Weile am Gaumen bevor sie immer mehr verblasst und einen hauch von Zimt und Kräutern im Mundraum verbleibt. Der Abgang ist nicht trocken und mittellang. In Fassstärke muss dieser Rum ein wunderschönes Biest gewesen sein. 

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Fazit: Ein ganz großer Rum, der allerdings ein kleines bisschen zu sehr mit Wasser verdünnt wurde. Der einzige große Minuspunkt von meiner Seite aus sind also die 43%. Beachten sie allerdings bitte, dass ich Rums mit ein wenig mehr Prozenten bevorzuge. Mehr Alkohol bedeutet für mich zugleich auch mehr Geschmack. Natürlich ist zu viel auch nicht positiv und kann den durchschnittlichen Genießer den Spaß am Dram verderben. Der Philosophie, dass bei mehr Wasser mehr Aromen zum Vorschein kommen, kann ich nur bedingt zustimmen. Ab einem gewissen Punkt, der bei jedem Stil oder bei jedem Fass woanders liegt, ist der Rum einfach zu sehr gestreckt und profitiert nicht mehr von einer Verdünnung. Natürlich entscheidet dies der Abfüller allein, in welcher Trinkstärke er die Rums aus den Markt bringt. Zudem bringt ein Rum mit hoher Trinkstärke die Gefahr abschreckend zu wirken. Vor allem für Gelegenheitstrinker in einer Bar oder einem feinen Restaurant, die nur geringe Trinkstärken gewohnt sind und solch hohe Zahlen nur mit unreifen Alkohol in Verbindung bringen. Dies ist also der einzige Minuspunkt in meinen Augen. Jammern auf hohem Niveau, würden hier einige vielleicht anmerken. Es ist also tatsächlich ein Rum aus der Versailles Single Vat Still und es ist der alte Stil von Versailles. Es handelt sich also um einen Rum mit dem Mark V.S.G.. Auch wenn diese Information nirgends auf dem Label zu finden ist, kann ich diese dem Rum entnehmen. Die Abfüllung war also sein Geld von ca. 110 – 125€ definitiv wert. Solche Preise werden zukünftige Rums aus Guyana mit diesem Alter wohl nicht mehr so einfach erzielen. Sie dürften in den kommenden Jahren wohl höher anzusetzen sein. Eine Kaufempfehlung erübrigt sich Dank des Ausverkaufs und wird hier an dieser Stelle auch nicht gegeben. Diese Abfüllung empfand ich, im Vergleich zum Rum Nation Demerara 1973 27 YO, als ausgeglichener und auch frischer. Von Bitterkeit war hier keine Spur zu finden. Das Fass hatte den Rum gut beeinflusst. Wenn es wirklich ein Pedro Jimenez Sherry Cask Finish war, dann kann es nicht für sehr lange gewesen sein. Da es aber hiervon keine offizielle Angabe auf dem Label gibt, bin ich mir hier nicht zu 100% sicher. Für mich fehlt allerdings der typische Geruch und Geschmack einer starken Färbung im Navy-Stil. Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende!

Marco

Sonntag, 19. Oktober 2014

Rum Nation Demerara Rum 1973 27 YO

Willkommen liebe Leser zu einem weiteren Demerara-Tasting ;)

Heute kommt wohl eine der mittlerweile seltensten Raritäten aus dem Hause Rum Nation zur Verkostung. Es handelt sich um den Rum Nation 1973 27 YO! Aus diesem Jahrgang hatte ich bisher noch keinen einzigen Rum im Glas. Dies ist also auch zugleich eine Premiere für mich. Mein Dank geht an den Connaisseur, der mir das Sample im Austausch überließ und mir die Bilder machte!

Zur Abfüllung:


Natürlich gab es unter dem Label von Rum Nation noch einige weitere alte Demeraras, die ich hier nicht verschweigen will. Es gab den Nation Demerara 1975 31 YO, welcher noch für astronomische 360€ zu kaufen ist, und einen Rum dessen Alter ich leider nicht kenne, da das Abfüllungsjahr auf dem Label und das Alter nicht am Flaschenhals vermerkt ist. Es ist der Rum Nation Demerara 1974 ?? YO (43%). Der Preis wäre hier wahrscheinlich noch höher, wenn es ihn denn noch gäbe. Aber von solchen Zahlen sollten wir uns nicht gleich zu einem vorschnellen Urteil hinreißen lassen und gleich auf eine sehr gute Qualität schließen. Schließlich spielt was den Preis einer Abfüllung anbelangt das Abfüllungsjahr und auch das offizielle Alter eine größere Rolle. Rum Nation hatte also schon eine Vielzahl an Demeraras auf den Markt gebracht. Aber älter als 31 oder 27 Jahre dürfte keiner der anderen Rums aus Guyana gewesen sein. Natürlich kenne ich nicht alle Rum dieses Abfüllers, noch erhebe auch einen Anspruch auf Vollständigkeit. Was sagt uns das Jahr 1973? In meinen Augen liegt die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich hier um einen Rum aus der 1995 geschlossenen Enmore Distillery handeln könnte. Mir sind keine Rums aus diesem Jahrgang von Uitvlugt (Port Mourant Still) bekannt. Erlebe ich hier vielleicht eine Überraschung? Wer weiß. Ich erwarte hier einen ähnlichen Rum wie den des Stils X.P.D., welcher noch in Enmore destilliert wurde. Der Abfüller hält sich hier leider bedeckt oder empfand diese Details wohl also nicht zu wichtig. Man findet keine detaillierten Informationen auf dem Label. Dies ist leider im Rum Geschäft eine übliche Praxis auf die wir bereits hingewiesen haben. Einzig Cadenhead (Dated Distillation Series) und Velier haben hier eine löbliche Informationspraxis und nennen dem Käufer auch die Marks des Fasses auf dem Label. Ein Grund hierfür mag auch sein, dass Velier die Informationen von DDL bekommt und Cadenhead die Rums selbst bisher immer gelagert hatte. Es gab keine Mittelsmänner, welche die Informationen im Sand verlaufen ließen.
Wie dem auch sei: Liegt meine Vermutung richtig, dann könnte dieser Rum entweder aus der Enmore Coffey Still oder der Versailles Single Vat Still sein. Im Vorfeld werde ich allerdings hierzu keine Vermutung äußern. Dafür weiß ich über die Rums aus dem 1973-Batch zu wenig bis gar nichts. Diese Abfüllung sollte, anders als bei einigen seiner Nachfolger, über kein Finish verfügen. Zumindest fand ich hierzu nichts offizielles. Die Abfüllung ist einfach zu alt um Informationen im Internet darüber zu finden. Auf der offiziellen Homepage von Rum Nation ist der Rum Nation Demerara 1985 23 YO der älteste Rum im Archiv. Nicht einmal die Eingangs erwähnten Rums von 1974 und 1975 sind dort noch vermerkt. Da Rum Nation laut eigener Website 1999 gegründet wurde handelt es sich hier also um eine der ersten Abfüllungen überhaupt. Zumindest war es eine der ersten Abfüllungen die ich noch zu Gesicht bekam. 

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Verkostung Rum Nation Demerara Rum 1973 27 YO:

Preis: Der Rum hatte vermutlich wohl ursprünglich um die 120-140€ aus heutiger Sicht  gekostet. Natürlich im Jahre 2000 wohl noch ein Preis in DM und ohne Inflationserhöhung , wenn er es damals überhaupt nach Deutschland geschafft hatte.

 Alter: Der Rum wurde 1973 destilliert und im Jahre 2000 abgefüllt. Das offizielle Alter beträgt 27 Jahre.

Alkoholstärke: Die offizielle Trinkstärke beträgt 45%vol.. Keine ungewöhnliche Trinkstärke.

Destillationsverfahren: Keine offizielle Angabe und hierzu werfe ich auch keinen Blick in die Kristallkugel. Will sagen: ich werde keine Vermutung meinerseits hierüber äußern.

Farbe: Der Rum erstrahlt in dunklem Mahagoni. Für 27 Jahre mehr als ordentlich.

Viskosität: Der Rum fließt träge hinab zum Glasgrund und bildet einen schmierigen Film. Dicke Tropfen bleiben daran haften und fließen fast nur in Zeitlupe hinab. Die Öligkeit ist sehr hoch.

Nase: Der Rum durfte nun eine sehr lange Zeit atmen. Zeit den Glasdeckel zu entfernen. Ich rieche eine wunderschöne Kombination aus Pflaumen, Kräutern, Melasse und süßen Sirup. Derart können nur Rums aus einer ganz bestimmten Destillerie riechen. Der Alkohol brennt sich sanft in die Nase ohne zu penetrant zu sein. Weiter weg vom Glasrand erkenne ich sehr schwach Vanille, garniert von Kräutern und Eichenaromen. Lässt man den Rum mehr Zeit öffnet er sich noch weiter. Ich rieche Jod, altes Leder und Toffee. Für 45% ist der Rum in der Nase sehr ausdrucksstark. Taucht man die Nase tief ins Glas werden die Geruchsnerven regelrecht von Anis, Melasse und Kräuteraromen bombardiert. In der Nase konnte er mich schon beeindrucken.

Gaumen: Wunderschöne Melassearomen und Pflaumen, umwoben mit Kräutern und Raucharomen bilden ersten Eindruck. Die Süße in der Nase ist am Gaumen fast nicht präsent. Zuerst schmeckt der Rum schwach süßlich und der Alkohol brennt sich sanft in den Gaumen ein. Nach einigen Sekunden, nachdem der Speichel den Rum verdünnt hat, kommt nach und nach eine leichte Bitterkeit zum Vorschein, die jedoch nicht zu dominant ist. Die Süße ist komplett verschwunden. Eine gute Balance. Das ideale für Kaffeeliebhaber, die ihren Zuckeranteil entweder reduziert haben oder diesen mittlerweile komplett weglassen. Ich schmecke neben schwachen Eichenaromen auch Anis und Jod. Das Fass hatte in 27 Jahren einen schmeckbaren Einfluss gehabt. Mehr Zeit im Fass und er wäre ein extremes Biest wie der Velier Skeldon 1978 Full Proof Old Demerara 27 YO geworden. Beim zweiten und dritten Schluck habe ich den Eindruck, das der Rum immer öliger wird und den Mundraum etwas intensiver mit seinen Aromen flutet. Auch Liebhaber von dunkler Schokolade mit hohem Kakoanteil wären hier auf ihre Kosten gekommen.

Abgang: Melassearomen verwoben mit Eichenaromen und eine leichte Bitterkeit bilden den Anfang des Abganges. Nach und nach verblassen diese immer mehr und ein herber Kräutergeschmack verbleibt am Gaumen. Kurz huschen auch Pflaumen und Toffee über den Gaumen. Die Bitterkeit erinnert an eine Schokolade mit einem Kakaoanteil von 85-90%. Der Rum ist im Abgang leicht trocken und leider nicht sehr lange am Gaumen präsent. Nach einigen Minuten ist der Rum am Gaumen so gut wie verschwunden. 

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Fazit: Ein guter Demerara mit einige Schwächen. In der Nase gefiel mir der Rum am Besten. Am Gaumen war der Rum leider nicht mehr ganz so ideal. Ob dies am mir nicht bekannten Stil lag der die Verdünnung nicht vertrug, kann ich nur schwer einschätzen. Der Rum ist in meinen Augen definitiv aus der alten Enmore Distillery. Den Stil allerdings kann ich leider nicht identifizieren. Es ist weder der Stil KFM noch REV. Dem Stil XPD aus 1971 kommt er zwar sehr nahe, aber ich bin mir hier nicht sicher ob sie identisch sind. Dafür ist dieser Rum etwas zu alt am Gaumen um eine sichere Aussage machen zu können. Einen Preis jenseits von 160€ wäre er mir persönlich nicht wert. Ein Preis von etwa 300€ und mehr ist allerhöchstens etwas für Sammler. Ich persönlich bevorzuge etwas jüngere Rums. Liebhaber alter Rums mit leichter Bitterkeit wären von diesem Rum hellauf begeistert gewesen. Auch mir hat er geschmeckt, aber dank seinen Raritäten-Status wäre der Preis für mich jenseits von gut und böse. Dank des Ausverkauf gibt es hier auch keine Kaufempfehlung.
Aus welcher Still dieser Rum letztendlich kommt konnte ich nicht eindeutig bestimmen. Wenn ich raten müsste, dann würde ich auf einen leichten Rum aus der Versailles Still tippen. Hiermit lehne ich mich allerdings schon sehr weit aus dem Fenster. In meinen Augen ist dies ein gefärbter Demerara. Dieses Färbemittel ist geradezu die dominante Geruchskomponente in der Nase und ich vermute auch, das ein kleiner Teil der Bitterkeit von dieser Färbung stammt. Bei einem jüngeren Rum mit gemäßigtem Einfluss von amerikanischer Weißeiche, welche zu Beginn dem Rum eine gewisse Süße verleiht, fällt dies nicht groß auf. Erst nach langen Jahren im Fass wird der Einfluss der Bitterstoffe immer größer. Allerdings war der Einfluss noch nicht zu radikal. Hätte der Rum noch länger im Fass überlebt? Wohl kaum. Wieder ein gutes Beispiel hierfür, dass ein Rum einfach nicht zu lange in einem Fass gelagert sein sollte. Natürlich ist dies nur meine persönliche Meinung. Ich weiß das einige Genießer diese Art von Rum geradezu lieben. Für mich war es zwar noch ein genussvolles Erlebnis, allerdings würde ich nie eine ganze Flasche aus den oben genannten Preisgründen kaufen. Hat man nun etwas verpasst wenn man diesen Rum nicht im Glas hatte? Ja und nein. Ja, weil es sich um ein ganz altes Exemplar aus der Enmore Distillery aus den 70er handelt und nein, weil die Qualität in meinen Augen einen Preis von über 200€ nicht rechtfertigt. Da lockt mich auch nicht der Hype des Jahrgangs, das offizielle Alter oder gar die hübsche Holzkiste. Aber dies ist natürlich nur die Meinung eines Konsumenten, der nur ein begrenztes Budget für sein Hobby zur Verfügung hat und nicht die des Abfüllers oder eines Markenbotschafters. Ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntag! 

Marco

Update (20.10.2014): Die Unabhängigen Abfüller "Alambic Classique" & "Moon Import" sind nun online. Es ist leider nicht viel, aber immerhin besser als nichts. ;)