Sonntag, 19. Oktober 2014

Rum Nation Demerara Rum 1973 27 YO

Willkommen liebe Leser zu einem weiteren Demerara-Tasting ;)

Heute kommt wohl eine der mittlerweile seltensten Raritäten aus dem Hause Rum Nation zur Verkostung. Es handelt sich um den Rum Nation 1973 27 YO! Aus diesem Jahrgang hatte ich bisher noch keinen einzigen Rum im Glas. Dies ist also auch zugleich eine Premiere für mich. Mein Dank geht an den Connaisseur, der mir das Sample im Austausch überließ und mir die Bilder machte!

Zur Abfüllung:


Natürlich gab es unter dem Label von Rum Nation noch einige weitere alte Demeraras, die ich hier nicht verschweigen will. Es gab den Nation Demerara 1975 31 YO, welcher noch für astronomische 360€ zu kaufen ist, und einen Rum dessen Alter ich leider nicht kenne, da das Abfüllungsjahr auf dem Label und das Alter nicht am Flaschenhals vermerkt ist. Es ist der Rum Nation Demerara 1974 ?? YO (43%). Der Preis wäre hier wahrscheinlich noch höher, wenn es ihn denn noch gäbe. Aber von solchen Zahlen sollten wir uns nicht gleich zu einem vorschnellen Urteil hinreißen lassen und gleich auf eine sehr gute Qualität schließen. Schließlich spielt was den Preis einer Abfüllung anbelangt das Abfüllungsjahr und auch das offizielle Alter eine größere Rolle. Rum Nation hatte also schon eine Vielzahl an Demeraras auf den Markt gebracht. Aber älter als 31 oder 27 Jahre dürfte keiner der anderen Rums aus Guyana gewesen sein. Natürlich kenne ich nicht alle Rum dieses Abfüllers, noch erhebe auch einen Anspruch auf Vollständigkeit. Was sagt uns das Jahr 1973? In meinen Augen liegt die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich hier um einen Rum aus der 1995 geschlossenen Enmore Distillery handeln könnte. Mir sind keine Rums aus diesem Jahrgang von Uitvlugt (Port Mourant Still) bekannt. Erlebe ich hier vielleicht eine Überraschung? Wer weiß. Ich erwarte hier einen ähnlichen Rum wie den des Stils X.P.D., welcher noch in Enmore destilliert wurde. Der Abfüller hält sich hier leider bedeckt oder empfand diese Details wohl also nicht zu wichtig. Man findet keine detaillierten Informationen auf dem Label. Dies ist leider im Rum Geschäft eine übliche Praxis auf die wir bereits hingewiesen haben. Einzig Cadenhead (Dated Distillation Series) und Velier haben hier eine löbliche Informationspraxis und nennen dem Käufer auch die Marks des Fasses auf dem Label. Ein Grund hierfür mag auch sein, dass Velier die Informationen von DDL bekommt und Cadenhead die Rums selbst bisher immer gelagert hatte. Es gab keine Mittelsmänner, welche die Informationen im Sand verlaufen ließen.
Wie dem auch sei: Liegt meine Vermutung richtig, dann könnte dieser Rum entweder aus der Enmore Coffey Still oder der Versailles Single Vat Still sein. Im Vorfeld werde ich allerdings hierzu keine Vermutung äußern. Dafür weiß ich über die Rums aus dem 1973-Batch zu wenig bis gar nichts. Diese Abfüllung sollte, anders als bei einigen seiner Nachfolger, über kein Finish verfügen. Zumindest fand ich hierzu nichts offizielles. Die Abfüllung ist einfach zu alt um Informationen im Internet darüber zu finden. Auf der offiziellen Homepage von Rum Nation ist der Rum Nation Demerara 1985 23 YO der älteste Rum im Archiv. Nicht einmal die Eingangs erwähnten Rums von 1974 und 1975 sind dort noch vermerkt. Da Rum Nation laut eigener Website 1999 gegründet wurde handelt es sich hier also um eine der ersten Abfüllungen überhaupt. Zumindest war es eine der ersten Abfüllungen die ich noch zu Gesicht bekam. 

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Verkostung Rum Nation Demerara Rum 1973 27 YO:

Preis: Der Rum hatte vermutlich wohl ursprünglich um die 120-140€ aus heutiger Sicht  gekostet. Natürlich im Jahre 2000 wohl noch ein Preis in DM und ohne Inflationserhöhung , wenn er es damals überhaupt nach Deutschland geschafft hatte.

 Alter: Der Rum wurde 1973 destilliert und im Jahre 2000 abgefüllt. Das offizielle Alter beträgt 27 Jahre.

Alkoholstärke: Die offizielle Trinkstärke beträgt 45%vol.. Keine ungewöhnliche Trinkstärke.

Destillationsverfahren: Keine offizielle Angabe und hierzu werfe ich auch keinen Blick in die Kristallkugel. Will sagen: ich werde keine Vermutung meinerseits hierüber äußern.

Farbe: Der Rum erstrahlt in dunklem Mahagoni. Für 27 Jahre mehr als ordentlich.

Viskosität: Der Rum fließt träge hinab zum Glasgrund und bildet einen schmierigen Film. Dicke Tropfen bleiben daran haften und fließen fast nur in Zeitlupe hinab. Die Öligkeit ist sehr hoch.

Nase: Der Rum durfte nun eine sehr lange Zeit atmen. Zeit den Glasdeckel zu entfernen. Ich rieche eine wunderschöne Kombination aus Pflaumen, Kräutern, Melasse und süßen Sirup. Derart können nur Rums aus einer ganz bestimmten Destillerie riechen. Der Alkohol brennt sich sanft in die Nase ohne zu penetrant zu sein. Weiter weg vom Glasrand erkenne ich sehr schwach Vanille, garniert von Kräutern und Eichenaromen. Lässt man den Rum mehr Zeit öffnet er sich noch weiter. Ich rieche Jod, altes Leder und Toffee. Für 45% ist der Rum in der Nase sehr ausdrucksstark. Taucht man die Nase tief ins Glas werden die Geruchsnerven regelrecht von Anis, Melasse und Kräuteraromen bombardiert. In der Nase konnte er mich schon beeindrucken.

Gaumen: Wunderschöne Melassearomen und Pflaumen, umwoben mit Kräutern und Raucharomen bilden ersten Eindruck. Die Süße in der Nase ist am Gaumen fast nicht präsent. Zuerst schmeckt der Rum schwach süßlich und der Alkohol brennt sich sanft in den Gaumen ein. Nach einigen Sekunden, nachdem der Speichel den Rum verdünnt hat, kommt nach und nach eine leichte Bitterkeit zum Vorschein, die jedoch nicht zu dominant ist. Die Süße ist komplett verschwunden. Eine gute Balance. Das ideale für Kaffeeliebhaber, die ihren Zuckeranteil entweder reduziert haben oder diesen mittlerweile komplett weglassen. Ich schmecke neben schwachen Eichenaromen auch Anis und Jod. Das Fass hatte in 27 Jahren einen schmeckbaren Einfluss gehabt. Mehr Zeit im Fass und er wäre ein extremes Biest wie der Velier Skeldon 1978 Full Proof Old Demerara 27 YO geworden. Beim zweiten und dritten Schluck habe ich den Eindruck, das der Rum immer öliger wird und den Mundraum etwas intensiver mit seinen Aromen flutet. Auch Liebhaber von dunkler Schokolade mit hohem Kakoanteil wären hier auf ihre Kosten gekommen.

Abgang: Melassearomen verwoben mit Eichenaromen und eine leichte Bitterkeit bilden den Anfang des Abganges. Nach und nach verblassen diese immer mehr und ein herber Kräutergeschmack verbleibt am Gaumen. Kurz huschen auch Pflaumen und Toffee über den Gaumen. Die Bitterkeit erinnert an eine Schokolade mit einem Kakaoanteil von 85-90%. Der Rum ist im Abgang leicht trocken und leider nicht sehr lange am Gaumen präsent. Nach einigen Minuten ist der Rum am Gaumen so gut wie verschwunden. 

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Fazit: Ein guter Demerara mit einige Schwächen. In der Nase gefiel mir der Rum am Besten. Am Gaumen war der Rum leider nicht mehr ganz so ideal. Ob dies am mir nicht bekannten Stil lag der die Verdünnung nicht vertrug, kann ich nur schwer einschätzen. Der Rum ist in meinen Augen definitiv aus der alten Enmore Distillery. Den Stil allerdings kann ich leider nicht identifizieren. Es ist weder der Stil KFM noch REV. Dem Stil XPD aus 1971 kommt er zwar sehr nahe, aber ich bin mir hier nicht sicher ob sie identisch sind. Dafür ist dieser Rum etwas zu alt am Gaumen um eine sichere Aussage machen zu können. Einen Preis jenseits von 160€ wäre er mir persönlich nicht wert. Ein Preis von etwa 300€ und mehr ist allerhöchstens etwas für Sammler. Ich persönlich bevorzuge etwas jüngere Rums. Liebhaber alter Rums mit leichter Bitterkeit wären von diesem Rum hellauf begeistert gewesen. Auch mir hat er geschmeckt, aber dank seinen Raritäten-Status wäre der Preis für mich jenseits von gut und böse. Dank des Ausverkauf gibt es hier auch keine Kaufempfehlung.
Aus welcher Still dieser Rum letztendlich kommt konnte ich nicht eindeutig bestimmen. Wenn ich raten müsste, dann würde ich auf einen leichten Rum aus der Versailles Still tippen. Hiermit lehne ich mich allerdings schon sehr weit aus dem Fenster. In meinen Augen ist dies ein gefärbter Demerara. Dieses Färbemittel ist geradezu die dominante Geruchskomponente in der Nase und ich vermute auch, das ein kleiner Teil der Bitterkeit von dieser Färbung stammt. Bei einem jüngeren Rum mit gemäßigtem Einfluss von amerikanischer Weißeiche, welche zu Beginn dem Rum eine gewisse Süße verleiht, fällt dies nicht groß auf. Erst nach langen Jahren im Fass wird der Einfluss der Bitterstoffe immer größer. Allerdings war der Einfluss noch nicht zu radikal. Hätte der Rum noch länger im Fass überlebt? Wohl kaum. Wieder ein gutes Beispiel hierfür, dass ein Rum einfach nicht zu lange in einem Fass gelagert sein sollte. Natürlich ist dies nur meine persönliche Meinung. Ich weiß das einige Genießer diese Art von Rum geradezu lieben. Für mich war es zwar noch ein genussvolles Erlebnis, allerdings würde ich nie eine ganze Flasche aus den oben genannten Preisgründen kaufen. Hat man nun etwas verpasst wenn man diesen Rum nicht im Glas hatte? Ja und nein. Ja, weil es sich um ein ganz altes Exemplar aus der Enmore Distillery aus den 70er handelt und nein, weil die Qualität in meinen Augen einen Preis von über 200€ nicht rechtfertigt. Da lockt mich auch nicht der Hype des Jahrgangs, das offizielle Alter oder gar die hübsche Holzkiste. Aber dies ist natürlich nur die Meinung eines Konsumenten, der nur ein begrenztes Budget für sein Hobby zur Verfügung hat und nicht die des Abfüllers oder eines Markenbotschafters. Ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntag! 

Marco

Update (20.10.2014): Die Unabhängigen Abfüller "Alambic Classique" & "Moon Import" sind nun online. Es ist leider nicht viel, aber immerhin besser als nichts. ;)

Sonntag, 5. Oktober 2014

Duncan Taylor Diamond Distillery 2003 10 YO Cask 72

Wieder einmal willkommen auf BAT liebe Leser.

Dieses Mal haben wie einen jungen Demerara, den wir auf „Herz und Nieren“ tasten. Diese Rede ist vom Duncan Taylor Diamond 2003 10 YO Cask 72. Dieser Rum wurde nach 2000 hergestellt und bildet quasi zusammen mit seinem „Bruder“ von Cask 71 die neue Generation von Rums, welche nach und nach auf den Markt kommen.

Zur Abfüllung: 

Die Ära der alten Demeraras neigt sich langsam dem Ende. Es wird noch vereinzelt Abfüllungen geben, aber die Hauptmasse aus Guyana werden Rums wie diese Abfüllung bilden. Wohltuend werden sich hier allerdings die noch kommenden und bereits veröffentlichten Rums von Luca Gargano abheben. Mit seinem exklusiven Zugang zur Diamond Distillery (DDL) werden diese Abfüllungen auch hoffentlich noch einige Zeit an Zuwachs erhalten. Alternativen dazu sind Abfüllungen wie diese, die per Bulk-Verkauf nach Europa verschifft werden und dort, nach kurzer oder längerer Lagerzeit, von Unabhängigen Abfüllern wie Duncan Taylor, Berry Bros & Rudd, Cadenhead oder Bristol gekauft und abgefüllt werden. Mal mit guter und mal mit mäßiger Qualität. In was diese Abfüllung einzuordnen ist bleibt abzuwarten. Der Rum wurde in einer Pot Still gebrannt. Hierzu kommen zwei Stills infrage, auch wenn diese eigentlich Vat Still sind und keine klassischen Pot Stills wie man sie vom Whisky her kennt. Entweder die Versailles Vat Still oder die Double Port Mourant Vat Still. Allerdings habe ich das Gerücht gehört, dass die Versailles Vat Still entweder nicht mehr verwendet wird (was ich seltsam finde, da sie 2006 noch mit neuen Holz ausgestattet wurde) oder sie nur noch Rums für die eigenen El Dorado Blends herstellt. Auf der Flasche wird leider kein Mark angegeben, was die Identifizierung des Rum-Stil erschwert. Vielleicht kann uns der Gaumen mehr verraten.
Zusammen mit dieser Abfüllung gab es noch zwei weitere Demeraras. Den Duncan Taylor Uitvlugt Distillery 1998 16 YO und den Duncan Taylor Diamond 2003 10 YO Cask 71. Letzterer wurde im selben Monat destilliert wie diese Abfüllung. Beide Rums entsprangen also nach aller Wahrscheinlichkeit demselben Batch. Die Unterschiede dürften, trotz der Einzigartigkeit der einzelnen Fässer, nicht gewaltig sein. Die Farbe ist zumindest auf den ersten Blick mehr als ähnlich. Von beiden Rums erstand ich Samples von den MastersofMalt in England. Beide Abfüllungen sind dort mittlerweile ausverkauft. Anscheinend erfreute sich der Rum einiger Beliebtheit. Zumindest gab ein Whisky-Experte einer der beiden Abfüllungen eine sehr gute Wertung. Da ich mich allerdings nicht auf Wertungen anderer Connaisseure verlasse, bilde ich hier mit diesem Review ein eigenes Urteil. Lasst uns also mit dem Review beginnen. 

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Verkostung Duncan Taylor Diamond Distillery 2003 10 YO Cask 72:

Preis: Das 3cl Sample kostete rund 7€ und die Abfüllung selbst so um die 70-80€. Das ist sehr ambitioniert für einen 10 Jahre alten Rum. Dies ist nicht weit entfernt von den Abfüllungen von Velier, welche aber allesamt älter sind (durch die doppelt schnellere Reifung in den Tropen). Ist dies der Beginn eines inflationären Anstiegs durch gestiegenen Bedarf oder möchte man mehr Kasse machen?

Alter: Der Rum wurde im Mai 2003 destilliert und abschließend im September 2013, also im letzte Jahr, abgefüllt. Das offizielle Alter beläuft sich auf 10 Jahre Fassreife.

Alkoholstärke: Die Trinkstärke beläuft sich auf 54,4%vol. Hierbei dürfte es sich vermutlich nicht mehr um die volle Fassstärke handeln. Dieses Statement (Cask-Strenght) ist auch nicht auf der Flasche zu finden.

Destillationsverfahren: Das angegebene Verfahren ist die Pot Still. Ich vermute allerdings hier die Port Mourant Vat Still. Ich kann hier natürlich auch falsch liegen.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem blassen Goldton im Glas. Dies ist für 10 Jahre ein bisschen wenig. Das Fass war wohl wenig aktiv und gab dem Inhalt nur wenig an Fassaromen.

Viskosität: Am oberen Rand bilden sich viele Perlen. Nach einiger Zeit fließen diese zum Glasboden zurück. Einige bleiben jedoch an der Glaswand haften. Die Zeit scheint hier stillzustehen.

Nase: Faszinierend. Ich rieche ganz schwache Anisaromen, welche typisch für den Port Mourant Stil sind. Der Rum ist sehr unreif und hat ein rauchiges Aroma. Hier merkt man deutlich das Defizit an Fassreife, welche er in einem aktiveren Fass bekommen hätte. Ich erkenne auch Gewürze und etwas weiter weg vom Glas ganz dezente Vanille-Aromen. Ich rieche auch exotische Früchte. Sie sind allerdings nicht sehr dominant ausgeprägt. Wieder ein Zeichen der Unreife. Dennoch kann ich Papayas und sehr schwach Mangos erkennen. Es handelt sich hier um eine ähnliche Variante von Port Mourant, dürfte aber nicht exakt dieser Stil sein. Zu gern wüsste ich das Mark, welches sich auf dem Fass befand. Rums aus der Versailles Still und welche z.B. 1988 und 1990 mit dem Mark MEA abgefüllt wurden rochen eindeutig anders. Es ist also ein Port Mourant ähnlicher Stil. Mehr kann ich leider nicht hierzu sagen.

Gaumen: Der Rum ist sanft und brennt fast gar nicht am Gaumen. Bedenken sie allerdings bitte, dass ich hohe Trinkstärken mittlerweile bevorzuge und diese auch anders einstufe, als es ein anderer Connaisseur tun würde. Ich schmecke keinerlei Süße. Er bekam also wenig von der amerikanischen Weißeiche ab. Dafür schmecke ich Rauch und Gewürze. Ich kann Nelken und sogar Kamille erkennen. Hierzu gesellen sich schwache Fruchtaromen wie Papayas. Diese sind allerdings nur schwach vorhanden. Ich schmecke außerdem auch ganz schwache Anisaromen, wie man sie von Port Mourant kennt. Der Rum hat eine ganz dezente bittere Note. Das Fass war wohl schon mindestens einmal verwendet worden (nach seiner Verwendung als Bourbon-Fass) und konnte dem Rum keine Süße mehr geben, sondern nur noch einige Bitterstoffe. Ich muss gestehen, ich bin ein wenig enttäuscht. Die Nase hatte mir etwas mehr versprochen.

Abgang: Der Abgang beginnt mit Rauch und Gewürzen. Ganz kurz huschen auch Früchte über den Gaumen. Der Abgang ist nicht kräftig sondern eher schwach ausgeprägt. Anscheinend ist der Stil selber nicht sehr ausdrucksstark und/oder das Fass war wirklich inaktiv und gab dem Rum so gut wie nichts mit. Vielleicht eine Kombination aus beiden Ursachen. Am Ende verbleibt ein Hauch von Rauch und Gewürzen am Gaumen. 

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Quelle: MastersofMalt
Fazit: Eine kleine Enttäuschung. Ich habe wirklich mehr erwartet. Hierfür würde ich keine 70 - 80€ hinlegen. Diese Abfüllung ist ähnlich blass und ausdruckslos wie das Uitvlugt 1998-Batch. Zwar ist sie nicht ganz so mies, aber so viel besser ist sie leider auch nicht. Von der Qualität vieler alter Abfüllungen ist sie meilenweit entfernt. Einem solchen Rum könnte ich keine hohe Wertung verpassen. Dazu hatte ich schon zu viele alte Abfüllungen aus Guyana im Glas und weiß was dort produziert werden kann. Alt ist hier auch im Sinne von lang ausverkauft zu verstehen. Einige 12 Jahre alte Rums aus der PM-Still von Bristol waren einfach sehr gut. Dieser Stil dürfte in meinen Augen auch kein P.M. sein. Natürlich kann ich mich hier auch irren, aber der etwas schwache Auftritt verleitet mich zu dieser Aussage. Die für Port Mourant typische Fruchtigkeit und die Holz-Anis-Kombination ist einfach zu schwach um ein originaler Rum dieses Stils zu sein. Aber es könnte dennoch einer sein. Es erschien in der mittlerweile eingestellten Renegade Rum-Serie ein Rum aus 2003, welcher aus dieser Still stammt. Ob es ein echter PM war weiß ich allerdings nicht, da ich diesen Rum nie im Glas hatte. Natürlich bin ich nur ein Amateur(-Blogger) und kein Experte, aber wenn ein Fass schon lange verwendet wird, dann beginnen nicht nur süße Aromen sondern auch bittere den Inhalt zu beeinflussen. Anscheinend ist es bei einem solchen Exemplar möglich, dass es nach einer gewissen Zeitspanne beim neuen Rum mehr Tannine als Süße abgibt. Dieser Rum würde hier ins Bild passen. Er hat gefühlt überhaupt gar keine Süße. Aber nach zwei Schlückchen dieses Rums merkt man doch diese Bitterkeit, die nur vom Fass kommen kann. Ob der Stil mit einem aktiveren Fass besser geworden wäre? Das ist schwer zu sagen. Vielleicht. Aber in diesem Zustand ist der Rum ähnlich dem des 1998er Uitvlugt Batch einfach nur ein schwacher Zeitgenosse, der den Preis, den er kostet, einfach nicht rechtfertigt. Natürlich spreche ich hier nur für mich als zahlender Kunde. Und als ein solcher würde ich dieses Produkt nicht kaufen oder gar empfehlen, da er mich absolut nicht aus den Latschen haut. Da waren die ersten Abfüllungen von Duncan Taylor viel besser. Vielleicht sollte man einmal die bisherige Fass-Strategie überdenken. Wer auch immer die Fässer auswählt scheint es entweder egal zu sein was mit dem Inhalt geschieht, oder er will das maximale aus seiner Investition rausholen. So kann die neue Generation von Rums niemals an die Qualität alter Jahrgänge herankommen. Auch würde ich niemals alles kaufen, was einem als Abfüller da angeboten wird. Dieses Angebot hätte ich persönlich dankend abgelehnt. Auch würde ich den Inhalt der Fässer im Warenlager regelmäßig checken um die Qualität auch sicherzustellen. Aber was rede ich hier. Ich bin ja nur ein Amateur und Konsument und kein Händler. Ich wünsche Euch noch ein schönes Wochenende!

Marco


Sonntag, 21. September 2014

Velier Skeldon 1978 Full Proof Old Demerara 27 YO

Herzlich willkommen auf BAT!

Wieder einmal möchte ich eine Rarität vorstellen und öffentlich verkosten. Dieser Rum ist aufgrund seinen Preises außerhalb der Reichweite jedes normalsterblichen Connaisseurs. Mittelständische Unternehmer oder Selbstständige mal von dieser Kategorie ausgenommen. ;) Von welchem Rum rede ich hier eigentlich? Von keinem geringeren als den Velier Skeldon 1978 Old Demerara Full Proof 27 YO.

Zur Abfüllung:

Kann ein Rum mit diesem Alter aus den Tropen überhaupt etwas Trinkbares sein oder erwartet da einem Liebhaber eine flüssige Nährbrühe aus Holz bestimmt für Bohrwürmer? Wir werden sehen.
Diese Abfüllung war entweder gleichzeitig oder kurz nach dem des Velier Skeldon 1973 Full Proof Old Demerara Rum 32 YO von Luca Gargano veröffentlicht worden. Wie dieses Exemplar geschmeckt haben muss ich mir hier nicht vorstellen. Mir reicht dieses Exemplar um eine ungefähre Einschätzung davon zu gewinnen. Er muss wohl ähnlich oder noch krasser am Gaumen gewesen sein. Schließlich war Herr Gargano hin und weg von diesem Rum. Vom Velier Skeldon 1978 Old Demerara Full Proof 27 YO brachten ganze 3 Fässer gerade einmal 688 Flaschen hervor. Dies entspräche einem Durchschnitt von 229 Flaschen pro Fass. Vergleicht man dies einmal mit dem Velier Skeldon 1973 Old Demerara Full Proof 32 YO sieht das Bild schon wieder etwas anders aus. Hier brachten 4 Fässer gerade einmal 544 Flaschen hervor (!). Dies entspräche einem Durchschnitt von mageren 136 Flaschen pro Fass. Der Rum hatte aber immer noch 60,5%. Fünf Jahre Differenz und so ein krasser Unterschied an Flaschen pro Fass? Ich tippe hier auf eine höhere Verdunstung in den Fässern des Rums von 1973 und dies könnte auch auf mehr Holzeinfluss auf den Inhalt bedeuten. Dies werde ich allerdings niemals erleben oder bestätigen können, da auch dieser Rum gnadenlos überteuert ist nur noch hin und wieder mal angeboten wird. Ich war glücklich genug eine Probe dieses Rums ergattern zu können, auch wenn ich den Eindruck nicht los werde, dass der edle Spender den Austausch bis heute bereut und ihn kein zweites Mal durchführen würde.

Die Skeldon Plantage wurde zwischen 1802 – 1834 von William Ross (1787 -1840) gegründet. Er war der Sohn von Sohn von Hugh Ross III of Kerse and Skeldon (Ayrshire). Hiermit erklärt sich auch die Namensgebung der Plantage. Die Plantage befand sich am Westufer des Corentyne an der Grenze zu Surinam. Zu Beginn wurde dort auch kein Zuckerrohr angebaut sondern Baumwolle, da sich diese dort am besten anpflanzen ließ. Zwischen dem 1. Januar 1838 und dem 31. Dezember 1845 erfolgte die Umstellung auf Zuckerrohr. Genau in diesem Zeitraum müsste somit auch die Skeldon Destillerie erbaut worden sein. Das letzte aktive Jahr der Destillerie war 1960 mit einer Produktion von 66.070 Gallonen an Rum. Sie war neben Port Mourant (1955), La Bonne Intention (1959) und Blairmont (1962) ein weiteres Opfer der Rationalisierung unter Bookers. Beide Rums von Velier entstammen schon der Post-Skeldon Ära und kommen nicht mehr direkt von diesem alten Estate. Wer etwas anderes behauptet hat entweder gar nicht oder nicht gründlich genug recherchiert. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass außer dem Rum-Stil nichts mehr von dieser Destillerie übrig geblieben ist. Der Ursprüngliche Brennkessel wurde mit sehr großer Wahrscheinlichkeit verschrottet und hat es nicht bis in die heutige Zeit geschafft. Der Rumstil und damit die Identifikation der Plantage waren die Marks S.W.R.. Diese stehen für Sir William Russel. Ihm zu Ehren wurde die Plantage so in der Kurzform auf den Fässern voll mit Zucker, Melasse und Rum genannt. Mit diesen Buchstaben konnten die Käufer/Händler in London genau erkennen, von welchem Estate und Land das Produkt stammte. Heute kennt diese Marks nur noch eine kleine Minderheit. Ihre Bedeutung geriet weitgehend in Vergessenheit. Aber genug gequasselt. Widmen wir unsere Aufmerksamkeit der heutigen Abfüllung. 

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Verkostung Velier Skeldon 1978 Full Proof Old Demerara 27 YO:

Preis: Astronomische 600 - 800€ + X. Mein kleines Sample bekam ich im Austausch für einige andere Rums. Mir persönlich ist dieser Preis für eine 0,7l Abfüllung viel zu hoch. Vor allem da Velier keinen maximalen Profit erzielen wollte und der Rum deutlich billiger auf den Markt kam.

Alter: Der Rum wurde im April 1978 destilliert und abschließend im April 2005 abgefüllt. Das bedeutet satte 27 Jahre in den Tropen. Das ist eine kleine Kampfansage und in diesem Alter in den Tropen ist die Gefahr von Verholzung in meinen Augen sehr hoch.

Alkoholstärke: Der Rum hat selbst nach 27 Jahren in Guyana immer noch 60,4%vol. Hierbei handelt es sich um die originale Fassstärke.

Destillationsverfahren: Der offizielle Ursprung dieser Abfüllung ist eine Coffey Still. Eine Coffey Still? Klingt für mich nun etwas komisch, aber dazu später etwas mehr.

Farbe: Der Rum erstrahlt in dunkelrotem Kirschholz. Kommt das allein von 27 Jahren in den Tropen oder war der Rum gefärbt?

Viskosität: Es bildet sich am oberen Rand eine dicke Krone. Von dieser fließen langsam dicke Tropfen hinab zum Glasgrund. Es bildet sich ein dünner Film an der Glaswand, der erst nach sehr langer Zeit verschwindet.

Dark, bitter, extreme = beast
Nase: Sehr extreme Nase. Ich rieche altes und gut abgelagertes Holz. Dazu kommen noch massive Melasse-Aromen, Jod und Nelken. Taucht man die Nase sehr tief ins Glas, vernimmt man eine extreme Klebstoffnase. Der Alkohol brennt sich seinen Weg bis in den Rachen. Entfernt man die Nase sehr weit vom Glas kann man Nuancen von Anis und Vanille erhaschen. Der Rum riecht zwar leicht süßlich, aber hinter dieser Süße lauert noch etwas anderes auf den Connaisseur. Man kann hier dennoch die Bitterkeit / Tannine vom Fass erahnen, welche von der Süße noch zurückgehalten werden. Ich rieche außerdem noch exotische Früchte. Darunter Mangos, Aprikosen, überreife Papayas und auch ein Hauch Bananen. Nach langer Zeit riecht man auch Kaffeearomen, altes trockenes Leder und süße Tabakblätter. Auch leicht bitteres Karamell. Man kann eine sehr lange Zeit daran schnuppern und findet immer noch eine bisher unbekannte Komponente. In der Nase vermag dieser Rum mich zu begeistern. Er fasziniert mich sogar sehr. Allerdings befürchte ich schon, was mich am Gaumen erwartet.

Gaumen: Extreme Nase? Extremer Gaumen! Der Rum brennt regelrecht am Gaumen und verbreitet sich rasch im gesamten Mundraum. Was für eine Überraschung: Der Rum ist zu Beginn weder richtig süß, noch richtig bitter, aber dafür leicht säuerlich. Was ich ebenso extrem schmecke sind Kaffeearomen mit Rohrohrzucker vermischt. Ich schmecke außerdem noch Karamell, sehr deutlich Tabak und auch Holzaromen. Man könnte hier auch fast an Kastanien denken. Nach einigen Sekunden, nachdem der Speichel den Rum verdünnt hat, macht sich das Fass nun doch deutlich bemerkbar. Ich schmecke die mir bekannte Kombination aus Rauch, Salz, Jod und Anis, die ich mit extremen Fasseinfluss auf Rum verbinde. Die Frucht in der Nase ist am Gaumen fast nicht zu erkennen. Dennoch schmecke ich leichte Aprikosenmarmelade und Papayas. Allerdings ist alles nach einigen Sekunden mit einer leicht säuerlichen Bitterkeit verbunden. Es ist unmöglich zu sagen, wie der Rum bei einer kürzeren Reifezeit geschmeckt haben würde. In dieser sehr alten Form ist er durch das Fass mehr als verzerrt worden und der ursprüngliche Stil ist nur noch sehr schwer zu erkennen, wenn man weiß worauf man zu achten hat. Das Problem: Ich kenne einen jungen Skeldon nicht und kann ihn somit nicht erkennen.

Abgang: Habe ich schon gesagt, dass dieser Rum extrem ist? Der Abgang beginnt deutlich mit bitteren Aromen. Diese Bitterkeit verschwindet erst nach einigen Minuten und ein leicht fruchtiger Geschmack huscht kurz über die Zunge. Dazu gesellen sich minimal buttrige Aromen. Ich schmecke auch Anis- und Holzaromen. Der Fasseinfluss schlägt im Abgang voll durch. War es am Gaumen erst nach einigen Sekunden offensichtlich, so gibt das Fass im Abgang gleich zu Beginn eindeutig den Ton an. Nach vielen Minuten verbleibt ein Hauch von Anis, Kräutern, Jod, Salz und Holz am Gaumen. Ein extremes Biest durch und durch. 

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Fazit: Ich möchte, wie immer, ganz ehrlich sein liebe Leser: Zuerst wusste ich diesen Rum irgendwie nicht zu schätzen. Ich denke es lag an den krassen Kaffee/Espresso-Aromen am Gaumen und im Abgang. Mittlerweile finde ich ihn gut. Auch wenn ich ihn nicht jeden Tag trinken könnte und ihn auch niemals kaufen würde, da mir die Bitterkeit eindeutig zu viel ist, ist die Qualität hoch. Aber an die 600-800€ und mehr würde ich persönlich nicht für diesen Rum hinlegen. Nicht einmal 200€, wenn man bedenkt, dass diese Abfüllung von Luca Gargano für nur um 100€ herum verkauft wurde. Diese neuen Preise sind reine Geldmacherei. Jeder Liebhaber dieses Stils ist entweder gezwungen nur noch in Erinnerungen zu schwelgen, oder diesen irrsinnigen Preis zu bezahlen. Ich denke ich werde den Rest des Samples in Ehren halten und den Rum als den in Erinnerung behalten, der er war: Ein Demerara mit guter Qualität, aber doch extremen Fassaromen. Mir persönlich gefiel die Nase am Besten. Am Gaumen und im Abgang merkte man dann doch das Alter. Hier hatte das Fass nach dieser langen Zeit den Rum immens beeinflusst. Dennoch und gerade wegen dieser Abfüllung, würde ich einmal einen jungen Skeldon (also einen Rum mit dem Mark S.W.R.) im Glas haben. Ich bevorzuge lieber junge Rums mit einem gemäßigten Fasseinfluss. Aber ich denke dieser Traum wird nie in Erfüllung gehen. Zwar wird dieser Stil angeblich laut Stefanie Holt im 3 jährigen Eld Dorado Blend verwendet, dennoch kann ich mir einen größeren Verkauf dieses Rum-Stils im Bulk nach Europa nicht vorstellen. Auch werden diese Rums angeblich heutzutage in der French-Savalle Still destilliert. Dies kann ich nun weder bestätigen noch in Zweifel ziehen. Technisch betrachtet ist eine Coffey Still eine Column Still und auch die French-Savalle-Still ist ein Brennkessel dieses Typs, wenn auch mit einigen Unterschieden im inneren Aufbau, also an den Platten (Glockenböden).

Aber hätte Luca Gargano dies nicht auf dem Label vermerkt? Oder wurde der Stil in den Jahren 1973 und 1978 in einer Coffey Still destilliert und erst später erfolgte eine Umstellung auf die French-Savalle Still? Alles interessante Fragen für mich. Da die Uitvlugt Destillerie die Brennkessel der anderen geschlossenen Destillerien aufnahm (außer Versailles, die kam nach Enmore), könnte man dies auch hier annehmen. Was gegen diese Annahme spricht ist die Tatsache, dass die Port Mourant Still 1955 erst zu Albion kam und erst zwischen 1967 und 1969 mit der Schließung von Albion zur Uitvlugt Distillery gebracht wurde. Für diese Rums ist es allerdings unerheblich. Im Jahre 1973 existierten die Destillerien von Skeldon und Albion nicht mehr. Dieser Rum könnte also in der Uitvlugt Destillerie hergestellt worden sein und die Fässer kamen mit der Schließung dieser Brennerei zur Diamond Destillerie, wo Luca Gargano sie auch schließlich entdeckte. Allerdings kam nicht alles von Uitvlugt nach Diamond. Die Fässer des Skeldon befanden sich allerdings in Diamond. Wie auch immer: In Uitvlugt stand die French-Savalle Still zu jener Zeit (1973 & 1978). Von einer Coffey-Still dort weiß ich allerdings nichts. Was stimmt nun? War es die French-Savalle Still oder gab es eine Coffey Still auf dem Gelände von Uitvlugt und diese wurden zu einem späteren Zeitpunkt verschottet, bevor die Destillerie geschlossen wurde? Oder wurde der Rum in der Diamond Distillery destilliert? Und wenn ja mit welcher Still? Fragen auf die es wohl keine Antwort geben wird. 

Eine lehrreiches Tasting war es allemal. Eine Kaufempfehlung ist mehr als sinnfrei und wird hier auch nicht gegeben. Zu diesem Preis kann ich keinen Rum einen anderen Verbraucher empfehlen, da ich selber nicht bereit wäre diesen zu bezahlen und als ein solcher Verbraucher schreibe ich diese Reviews auch. Schließlich muss ich hier keine Werbung für ein Produkt machen oder mich durch ein gutes Punkteergebnis bei einem kommerziellen Gönner bedanken.

Muss man jetzt bittere Tränen vergießen, wenn man diesen Rum nicht genießen durfte? Nein. Wenn sie einen Hauch einer Ahnung haben möchten, wie diese Abfüllung hier schmeckte, dann nehmen sie einen kalten Espresso mit sehr säuerlicher Note und geben sie einen Rum mit leichten Körper und hoher %-Zahl hinzu, und sie kommen diesem extremen Biest zwar nicht nahe genug heran, aber sie können eine ungefähre Vorstellung von ihm bekommen. Also gerade das richtige für Espresso-Liebhaber in meinen Augen. Etwas interessantes am Rande: Ich habe einmal gelesen, dass Menschen im steigendem Alter sich weg von süßen Nahrungsmitteln bewegen und mehr zu bitteren Konsumgütern neigen. Kinder dagegen fahren ja total auf süße Dinge ab. Ich habe zwar meinen Zuckeranteil im Kaffee auch mittlerweile reduziert, aber dieses Biest ist mir mit 33 Jahren persönlich zu bitter. Vielleicht stimmt das Statement ja auch nicht, wer weiß. ;) Mein Dank geht hier an Noge für die schönen Bilder, an den Gönner von dem ich das kleine Sample im Austausch bekam und auch an Luca Gargano. Mille grazie per questa opportunità! Ich wünsche Euch allen noch einen schönen Sonntag!


Marco

Sonntag, 7. September 2014

Velier Uitvlugt 1988 Full Proof Old Demerara 17 YO

Seid gegrüßt Freunde des guten Geschmacks!

Zur Feier eines ganz besonderen Ereignisses möchte ich heute nachträglich eine kleine Kostbarkeit vorstellen. Leider also nichts Aktuelles, da der Rum nur noch schwer zu erwerben ist. Ich hoffe ihr verzeiht mir, aber man wird nicht oft Onkel in seinem Leben und diese Abfüllung erscheint mir würdig genug. Es handelt sich um einen Demerara aus der alten Uitvlugt Distillery von 1988. Die Rede ist von Velier Uitvlugt 1988 Full Proof Old Demerara 17 YO.

Zur Abfüllung:

Das Uitvlugt Estate wurde zwischen 1759 und 1776 von Johan Berend Christoffer Frederick Boode gegründet. Bis zum Ende des 18. Jahrhundert wurde dort aber nicht Zuckerrohr angebaut. D.h. diese Gründungsphase hatte mit der späteren Uitvlugt Distillery oder besser gesagt, der Uitvlugt sugar factory, nicht viel gemein. Diese entstand erst viel später. Destilliert wurde dieser Rum in einer French Savalle Still. Das US-Patent von Armand Savalle und sein Sohn Dèsirè Savalle ist auf das Jahr 1868 datiert. Sie könnte also frühestens aus dem 19. Jahrhundert stammen. Was heißt das jetzt im Klartext? Wenn sie irgendwo im Internet lesen, dass die Still aus dem 18. Jahrhundert stammt oder auf dem Estate schon seit diesem Jahrhundert Rum gebrannt wurde, dann haben die Autoren entweder schlampig oder gar nicht recherchiert. Selbst wenn mit einer anderen Art von Brennkessel Rum dort zuvor hergestellt wurde: Die Plantage baute noch 1798 nachweislich nur Kaffee an und hieß damals noch Groote en Klijn Uitvlugt Plantage. Die vollständige Umstellung auf Zuckerrohr erfolgte bis 1832. Die Quellen kann man meinem Artikel zu den Demerara Destillerien entnehmen. Ob bis zum Jahre 1800 dort wirklich angefangen wurde Rum zu destillieren, ist für mich nicht eindeutig bewiesen. 

Es ist schon erschreckend, was für Irrtümer aktuell immer noch für bare Münze verkauft werden. Aber dies ist ein anderes Thema, auf das ich hier nicht näher eingehen werde. Der mündige Verbraucher, der sich auch informieren will, der findet auch die Informationen die er braucht. Zuvor musste man dies sehr umständlich über digitalisierte Bücher und Karten in Bibliotheken bewerkstelligen. Spätestens seit der englischen Version meines Artikels ist dies aber nicht mehr nötig. Wer es wissen will, der findet die Informationen auch. Auch wenn dies nur ein Blog ist und kein gebundenes Fachbuch, wäre es ein Fehler die gesammelten Informationen deswegen nicht zur Kenntnis zu nehmen. 
Diese Abfüllung ist also ein Rum aus der 4 Säulen-Anlage, welche lange Zeit bei Uitvlugt stand und nun in der Diamond Distillery (D.D.L.) ihren Dienst verrichtet. Sie produziert ein angeblich leichtes Destillat und der Unterschied zu anderen Columns besteht im Aufbau der Glockenböden in den Säulen selbst. Inwieweit sich dies genau auf den Rum auswirkt weiß ich nicht, da ich kein Experte auf diesem Fachgebiet bin. Ich gehöre eher zu den Kunden solcher Leute. ;) Die Abfüllung bestand aus 4 Fässern. Diesen entsprangen 1.091 Flaschen, Also im Durchschnitt ca. 272 Flaschen pro Fass. Das Mark auf den Fässern war SP – ICBU. Was sich genau dahinter verbirgt kann ich nicht genau beweisen. ICBU ist aber todsicher die Identifikation für Uitvlugt. Der Velier Uitvlugt 1985 Full Proof Old Demerara 21 YO hatte nur das Mark ICBU. Worin jetzt nun genau der Unterschied zu beiden Rum-Stilen besteht kann ich auch nicht sagen. Danke noch einmal an Egon an dieser Stelle für diese Information! Widmen wir uns nun dem Inhalt dieser Abfüllung. 

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Verkostung Velier Uitvlugt 1988 Full Proof Old Demerara 17 YO:

Preis: Meine Flasche erstand ich 2013 für 122€ bei oldwhisky in Italien. Dort ist mittlerweile nicht mehr viel zu holen und der Rum auch verschwunden.

Alter: Der Rum wurde im April 1988 gebrannt und im April 2005 abgefüllt. Das offizielle Alter beträgt 17 Jahre in den Tropen.

Alkoholstärke: Die Trinkstärke beträgt noch 52,9%vol. Eine Probe hiervon werde ich auf ca. 45%vol verdünnen, um dem Rum mehr Aromen zu entlocken.

Destillationsverfahren: Die offizielle Angabe gibt eine Savalle Still an. Hiermit ist wohl die 4 Säulen-French Savalle Still gemeint, welche um 1988 in Uitvlugt ihren Dienst verrichtete.

Farbe: Der Rum erstrahlt in hellem Mahagoni im Glas. Ist dies die Tropenlagerung? Wir werden sehen.

Viskosität: Der Rum fließt in dicken Schlieren hinab zum Glasboden und bildet einen dünnen Film auf der Glaswand. Der Rum ist also gut ölig und sollte mundfüllend sein.

Nase: Wumms... diese Nase kommt mir sehr bekannt vor und riecht doch auch anders. Ich rieche exotische Früchte, welche von braunem Roh-Rohrzucker ummantelt werden, wie Schokolade eine Praline umschließt. Eine klebstoffartiger Geruch könnte man auf den ersten „Blick“ meinen, wenn der Rum ins Glas fließt. Ganz schwach rieche ich Tabak und Leder. Der Rum hat ein minimal blumiges Aroma. Die Süße ist nach 17 Jahren in amerikanischer Weißeiche nicht zu verleugnen. Zur Süße gesellen sich Nelken und auch Zimt. Im Hintergrund des Rums kann ich auch Holzaromen erahnen. Von den Früchten kann ich Bananen, Orangen und auch Zitrusfrüchte erhaschen. Ganz dezent erkenne ich auch Kokosnuss. Allerdings nur nach einem Schwenk des Glases und wenn man die Nase etwas vom Rand entfernt positioniert. Der Rum ist sehr konzentriert. 

Mit Wasser reduziert sich der Rohrzucker. Die Früchte werden allerdings dadurch nicht dominanter. Ich rieche ganz schwach Bananen und Mangos. Diese kommen allerdings nicht durch den Mix aus Zimt, Nelken und Rohrzucker an. Die Süße ist unverändert präsent. Auch Tabakaromen sind wieder mit dabei. Der schwache blumige Geruch ist allerdings komplett nach der Verdünnung verschwunden. Minimal sind auch Holz und Teer enthalten. Der Rum ist durch die Verdünnung nicht dramatisch verändert worden. Wie auch bei anderen tropisch gereiften Rums reiche ich hier ganz schwache Aromen von Kokosnüssen. Wollen wir doch einmal sehen, ob er sich am Gaumen mehr verändert hat.

Gaumen: Der Alkohol brennt sanft auf der Zunge, dicht gefolgt von Jod, Salz und Tabakblättern. Der Rum füllt den gesamten Mundraum. Ich schmecke dunkle Gewürze, Nelken und eine Spur Zimt. Die Fruchtigkeit ist leider sehr spärlich vorhanden. Ich schmecke nur Mangos. Der Rum schmeckt ein wenig nach Kaffee. Die Bitterkeit vom Fass wird von der Süße des Rums gut ausgeglichen. Keines der beiden Eindrücke dominiert den Rum. Ganz minimal schmecke ich wieder diese Blumigkeit, welche allerdings viel zu kurz und zu schwach ist um sie genau zu erkennen. Ähnlich dem Velier Albion 1986 Full Proof 25 YO kann ich hier nicht viel eindeutig erkennen. Der Rum ist zu kompakt. 

Mit Wasser ist der Rum nun deutlich sanfter geworden. Ich schmecke leicht Aprikosen und Mangos, garniert von Rohrzucker und leichter Süße. Die Holzaromen sind zwar immer noch präsent, aber sie dominieren den Rum immer noch nicht. Ich schmecke auch dunkle Zartbitterschokolade. Ein immer dickes Konzentrat das selbst mit 45% noch mundfüllend ist. Die Gewürze sind allerdings etwas zurückgegangen. Wieder schmecke ich Tabakblätter und eine Spur Rauch. Dazu gesellen sich Teer und Salz. Selbst bei dieser Trinkstärke ist es immer noch schwer präzise Eindrücke zu gewinnen.

Abgang: Zuerst minimal Bitterkeit gepaart mit Süße bilden den Anfang des Abgangs, gefolgt von Jod und minimal Rauch. Süße und Bitterkeit gleichen sich perfekt aus. Dann kommt auch Leder zum Vorschein. Nach einigen Sekunden verschwindet die geringe Bitterkeit komplett und zum Vorschein kommen leichte Holzomen und Melassearomen. Ein leichter Hauch von Kräutern umschmeichelt den Gaumen. Der Abgang ist leicht trocken. 

Leichte Anisaromen gepaart mit Holz- und Tabakaromen bilden den Anfang des Abgangs. Die Süße ist fast gar nicht mehr präsent. Nach einigen Sekunden umschmeichelt ein Hauch von Nelken und nicht Zuckerrohr den Gaumen. Wieder ist der Abgang leicht trocken, hat aber seine leichte Bitterkeit durch die Verdünnung verloren. Ganz am Ende verbleibt nur noch ein Hauch von Anis und Butter im Mund. 

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Fazit: Wahrlich glanzvoll. Ein ganz großer Rum mit sehr hoher Qualität. Die 17 Jahre in den Tropen haben unleugbar ihre Spuren hinterlassen, haben den Inhalt aber nicht überrannt, oder mit anderen Worten: Der Rum ist nicht verholzt. Die Fassaromen haben ihn bereichert und nicht gnadenlos verhunzt. Sein Geld war er definitiv wert und es war ein sehr lehrreiches Tasting. Persönlich würde ich zu gerne den Unterschied zum Velier Uitvlugt 1985 Full Proof Old Demerara 21 YO (I.C.B.U.) wissen. Leider war besagte Abfüllung, als er denn noch in Italien verfügbar war, zu teuer für mich. Ich würde auch gern den Preis wissen, für den Velier ihn auf den Markt brachte. Ich persönlich hoffe ja noch auf weitere Abfüllungen aus der Diamond Distillery via Luca Gargano, aber man weiß nicht, welche Prioritäten dieser gute Mann bei seinen Einkäufen setzt oder wie freizügig DDL selbst ihm gegenüber in der Zukunft sein wird. Mit diese Abfüllung im Hinterkopf verkostete ich bisher alle neuen Rums aus dem 1998er Uitvlugt Batch. Mit einem solchen Erlebnis konnten diese aalglatten und sehr reinen Rums einfach nur enttäuschen. Vielleicht taugen solche Rums in Cocktails oder für Kunden in den Tropen etwas. Als Ausgangsmaterial für hochwertige Single Casks (Barrels) kann man sich diese kraftlosen Genossen von 1998 wahrlich nicht vorstellen und dennoch werden wir zur Zeit damit „beglückt“.

Diese Abfüllung zeigt, dass die verwendete Still selbst nicht der alleinige Grund für dieses Versagen war. Die fehlende Fassreife trug sicherlich dazu bei, dass diese Rums nicht wirklich abheben konnten. Betrachtet man die langen Fermentationszeiten von bis zu drei oder mehr Wochen in Jamaika, welche für ihre hocharomatischen Rums benötigt werden, kann man sich hier eine schnelle 24 - 48Std Fermentation beim 1998er Batch vorstellen. Etwaige schwere Aromen in der Maische schafften dann nicht ihren Weg ins Endprodukt durch die zu vielen Glockenböden im inneren der Still. „Master Distiller“, welche die Column / Coffey Still immer wieder loben, betonen die besondere Reinheit des so gewonnenen Destillats. Einem Kenner sagt das allerdings: „Reinheit = fast kein Geschmack“. Also meist ein langweiliges und flaches Geschmacksprofil, welches im Vergleich billig herzustellen ist, da es kontinuierlich produziert und eigentlich nicht für den anspruchsvollen Genuss hergestellt wird. Ich habe diesbezüglich auch einen interessanten Begriff gelesen. „Silent spirit“. Diese Rums können dem Connaisseur nichts erzählen. Mann kann das Glas eine Stunde stehen lassen und es kommt einfach nichts mehr. Anders als bei diesem Rum von 1988. Man findet selbst nach einer Stunde noch unbekannte Nuancen. Wäre das Destillat ähnlich kraftlos wie beim 1998er, dann wäre der Einfluss der Fässer fatal gewesen und man könnte eine feine Holzbrühe bestaunen. Hier verlief die Herstellung, trotz gleicher Still, also irgendwie anders ab. Vielleicht gönnte man der Maische mehr Zeit oder man verwendete nicht alle Glockenböden in der Still. Die Details wird nur DDL selbst wissen.

Freilich weiß ich, dass die Destillerien auf solche geschmacksarmen Produkte angewiesen sind um zu überleben. Solche Rums sind das Butter und Brot Geschäft (ähnlich wie beim Grain Whisky) und ohne diese würde es wohl keine Destillerie mehr geben. Dennoch kann ich ihnen nichts abgewinnen, da diese mit Rums aus mittlerem oder schweren Körper aufgepeppt werden müssen, damit sie überhaupt einen anständigen Blend ergeben. Auch diverse Additive spielen hier noch eine Rolle. Eine jede Hausfrau weiß, dass man den Knochen vom Metzger nicht wegwirft, sondern mit in den Topf gibt. Natürliche Geschmacksstoffe die in unserer schnelllebigen Zeit immer mehr in Vergessenheit geraten. Auch beim Rum ist Zeit = Geld. Lange Reifezeiten? Kann man sich, Dank der von den USA gewährten Begünstigungen an einzelne Destillerien, nicht mehr leisten. Also hilft man nach die rauen Kanten junger Rums etwas abzuschleifen, und um den Spirit einer breiteren Masse noch zugänglicher zu gestalten. Hierzu wurde gelegentlich sogar von einem Experten der Begriff Dosage missbr... ich meine ins Spiel gebracht um die Verwendung solcher Mittel zu rechtfertigen. Fakt ist: Es ist leider legal. Zumindest was Zucker angeht. Mit mehr wurde man ja noch nicht erwischt. Hier wirkt ein universal einzusetzender geschmacksarmer Alkohol (natürlich aus Rum gewonnen) als Material zum Blenden wahre Wunder. Ihnen kommt das Prinzip bekannt vor? Aber ich schweife vom Thema ab.

Diese Abfüllung war wahrlich ein Genuss und absolut jeden Cent wert. Wäre sie nicht ausverkauft, dann gäbe es auch eine dicke Kaufempfehlung von meiner Seite aus. Rums wie diese Verschwinden sang- und klanglos in 08/15 Blends. Die Tatsache, dass dieser Rum direkt von DDL aus Guyana stammt und nicht aus UK, lässt einem Connaisseur wie mich davon träumen und auch erschaudern, was da noch alles in ihren Lagerhäusern schlummern mag, nur um letztendlich in Blends verschnitten zu werden. Aber damit muss man als Connaisseur und letztendlich auch als Mitglied einer kleinen Genießer-Minderheit in Europa wohl leben. Machen wir uns nichts vor: Wir sind in der Unterzahl. Die Mehrheit ist dem Anschein nach schon mit Barcadi & Co zufrieden. Da ist Whisky viel weiter.

Ich wünsche meinem Neffen einen guten Start ins Leben und Euch, verehrte Leser, wünsche ich noch einen schönen Sonntag. Lasst es euch gut gehen. ;) 

Marco

Sonntag, 24. August 2014

Isla del Ron Guyana (Enmore Distillery) 1988 24 YO

Servus und erneut willkommen auf unserem kleinen Blog!

Heute ist wieder eine Abfüllung vom deutschen UA Malts of Scotland an der Reihe. Diese Abfüllung ist schon einige Zeit vergriffen. Auch wenn es einige neue Rums dieses UAs gab, will ich doch heute diese kleine Rarität vorstellen. Diesen Rum gab es denke ich knapp ein Jahr und dann war die Abfüllung auch schon wieder verschwunden. So wie eine andere legendäre Abfülllung dieses Abfüllers: Dem Isla Del Ron Barbados (Mt. Gay) 2000 12 YO.

Zur Abfüllung & Gegenwärtiges:

Zum Abfüller Malts of Scotland und dem Label Isla Del Ron hat Flo schon einiges in seinem Review zum Isla del Ron Jamaika 30 YO aus der Long Pond Distillery geschrieben. Lang lang ist's her. Fokussieren wir unsere Aufmerksamkeit also auf die Abfüllung selbst. Als ich zum ersten mal von dieser Abfüllung las musste ich unweigerlich an einen anderen dunklen Demerara denken. Den Cadenhead Dated Distillation Enmore KFM 16 YO. War hier ein ähnlich gut gefärbter Rum in der Flasche, oder handelte es sich um eine verflüssigte Gaumenfreude für betuchte Holzwürmer? Schließlich gab es kein offizielles Sherryfinish und dementsprechend waren dies die einzigen Schlussfolgerungen in meinen Augen. Nur ein Sample konnte mir hier Gewissheit bringen und so erstand ich im April 2013 ein 3cl Sample in Belgien, wo auch die Rums meines Erachtens zuerst auftauchten. Erst einige Tagen/Wochen später kamen sie auch nach Deutschland. Viele Abfüllungen dieses ersten Releases sind nicht mehr übrig geblieben. Aber ich schweife vom Thema ab.

Das Sample konnte mich begeistern und schloss auch die Unangenehme der beiden oben erwähnten Annahmen aus. Schließlich, als sich die Gelegenheit ergab, kaufte ich meine Flasche im August bei TRC für „läppische“ 115€. Für Connaisseure mit begrenztem Budget wie mich also maßgeschneidert. Vielleicht mag sich hier der ein oder andere Leser nun fragen, auf welchem Trip ich gerade unterwegs bin oder ob ich schon vor dem Review was getrunken habe. Keineswegs! Betrachtet man die aktuell käuflich zu erwerbende Version dieses Rums aus jenem Batch von 1988 an und studiert den Preis etwas genauer, dann sind 115€ wirklich was für Leute mit begrenztem Budget gewesen. Von welchem Rum ich hier rede? Vom Silver Seal Enmore 1988 25 YO mit 55,7%. Dieser Rum rangiert von 165 bis 200€, je nachdem wo sie ihn kaufen. Ein Jahr offiziell älter, ein paar Prozente mehr in der Flasche und gleich dieser Aufpreis? Vielleicht weil das Fass noch leerer war und wenige Flaschen hergab? Fehlanzeige. Das Fass brachte geradezu gönnerhafte 215 Flaschen hervor. Zum Vergleich: Aus dem Cask IdR Nr. 3 gab es lediglich 146(!) Flaschen. Wie passt das nun zusammen? Entweder hatte jemand den Italienern ein Fass teuer verkauft oder man versucht hier schrittweise den Whisky-Preisstandard beim Rum einzuführen oder die deutschen Varianten waren einfach zu billig. Es gab nämlich noch einen Abfüller, welche einen Rum zur gleichen Zeit aus diesem Batch veröffentlichte. Es war der TheWhiskyAgency Enmore 1988 24 YO mit 50,5%. Der Rum wurde in Zusammenarbeit mit den Belgiern von „The Nectar“ abgefüllt. Diese Abfüllung hatte die geradezu unglaubliche Zahl von 264 Flaschen (Single Barrel) und könnte verdünnt worden sein. Das würde den großen Unterschied in der Flaschenanzahl im Vergleich zur Silver Seal Abfüllung auch erklären. Selbst diese Abfüllung von TWA war zu jener Zeit für ca. 120€ zu haben.
Worauf will ich hier hinaus? Eigentlich ist dies hier nichts anderes als meine schon öfters angekündigte Warnung, dass die ganz alten Demerara Rums immer höhere Preise erreichen werden und je länger ein Rum im Fass verbleibt... ich denke sie können sich denken worauf ich hinaus will. Wer gern die Katze im Sack zu einem geradezu stolzen Preis kaufen möchte, der kann sich gerne zu solchen Abenteuern einlassen. Ich passe. Dafür hatte ich schon zu viele Rums von namenhaften Labeln, welche mir den Appetit auf diese Spirituose für Wochen verdorben haben. Betrachtet man dies alles und lässt diese Informationen nun sacken, dann war diese Abfüllung von Malts of Scotland nicht nur eine Rarität, sondern wirklich auch ein Schnäppchen. Auch wenn der Preis auf den ersten Blick diese Aussage zweifelhaft erscheinen lässt. Einem Kenner war aber spätestens auf dem zweiten Blick klar, was er da vor sich hatte. Leider wird der Rum-Stil, also die Marks auf dem Fass, nicht erwähnt. 

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Verkostung Isla del Ron Guyana (Enmore Distillery) 1988 24 YO:

Preis: Ich erstand diesen Rum für 115€ bei The Rum Cask. Zur damaligen Zeit ein stolzer Preis. Wer allerdings die geringe Flaschenanzahl, die Fassstärke und das Alter mit einrechnet, der empfindet diesen Preis auch als bezahlbar.

Alter: Ein offizielles Alter auf dem Label fehlt. Der Rum dürfte aber ca. 24 Jahre alt sein.

Alkoholstärke: Die Trinkstärke dieses Rums beträgt ganze 52,6%vol.. Ich vermute hier auch die ganze Fassstärke.

Destillationsverfahren: Leider gibt es hierzu keine offizielle Angabe auf dem Label. Vielleicht verrät uns der Gaumen mehr.

Farbe: Die Farbe dieses Rums ist mehr ein dunkles und rötliches Braun. Eine Art tiefes Mahagoni mit rötlichen Reflexen im Licht.

Viskosität: Vereinzelte dicke Tropfen fließen an der Glaswand hinab zum Glasboden. Der Rum ist für 24 Jahre angemessen ölig.

Nase: Angenehme Aromen von Melasse, garniert mit feinen Pflaumen, umschmeicheln die Nase. Dazu gesellen sich dezente Kräuteraromen und eine ganz schwache Rauchigkeit. Die Versailles Single Vat Still lässt grüßen. Auch Spuren von Jod und Salz sind im Glas enthalten. Dunkle Gewürze wie Pfeffer und Nelken sind nur schwach vorhanden. Auch Aromen vom Fass kann ich erkennen: ganz minimale Anis- und Holzaromen. Die Süße ist nicht zu aufdringlich und umschließt all diese Eindrücke wie eine warme wohlige Bettdecke. Entfernt erinnert mich dieser Rum an den Cadenhead Dated Distillation Enmore Distillery KFM 16 YO. Der Alkohol brennt nicht übermäßig in der Nase.

Gaumen: Der Alkohol wärmt und dringt in den Gaumen ein, dicht gefolgt von Melasse- und Kräuteraromen. Wieder kann ich Spuren von Jod schmecken. Der Rum ist überhaupt nicht bitter und auch die Süße ist nicht so krass, wie ich es erwartet habe. Sie ist angenehm und nicht zu aufdringlich. Langsam lässt der Alkohol nach und ein leicht salziger Geschmack macht sich am Gaumen breit. Ganz minimal kann ich Anis und nicht süßen Tabak erkennen. Der Rum weist eine geringe Rauchigkeit auf. Ich muss gestehen, ich habe hier einen etwas krasseren Gesamteindruck erwartet. Der Rum ist sanft und angenehm zu trinken. Ich kann hier als Liebhaber von Rums In Fassstärke nur für mich sprechen.

Abgang: Zuerst beginnt der Abgang mit leicht rauchiger Melasse. Langsam verblassen diese rauchigen Nuancen und ein minimal salziger Geschmack verbleibt am Gaumen. Kurz blitzen Pflaumen- und Kräuteraromen auf. Nach einer Weile verbleibt nur noch ein Hauch von herber Melasse am Gaumen. Ein wahrer Gaumenschmeichler, der den Connaisseur nicht überfordert.

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Fazit: Aus der Erinnerung heraus ein anderer Stil als der des Cadenhead Dated Distillation Enmore Distillery KFM 16 YO. Ich habe also leider noch keine Ahnung, welche Marks auf dem Fass gewesen sein könnten. Seinen Preis von 115€ war er allemal wert. Wie oben schon erwähnt war der Rum ein Schnäppchen. Allerdings auch nur wenn sie dunkle Demeraras mögen. Anhand der Flaschenanzahl und einiger Geschmacksaromen vermute ich, dass der Rum sehr viel vom Fass abbekommen hat. Verholzt ist er jedoch noch nicht, auch wenn die salzigen Aromen für mich eindeutig vom Fass kommen. Der Rum stammt in meinen Augen aus der hölzernen Single Vat Still der alten Versailles Plantage. Die Versailles Destillerie wurde zwischen 1967 und 1971 geschlossen und ihre Brennkessel kamen zur Enmore Plantage. Dort verblieb sie bis zu deren Schließung und schließlich kam sie um die Jahrtausendwende zur Diamond Distillery (Demerara Distillers Limited). Der letzte Jahrgang dieser Still, aus dem viele Unabhängige Abfüller Fässer kaufen konnten, war 1996. Der Jahrgang 1998 von Versailles ist bisher nur bei Velier aufgetaucht und diese stammte aus dem Lagerhaus von DDL selbst.
Silver Seal hatte diesen Jahrgang schon einige Male abgefüllt. Im Glas hatte ich keinen einzigen davon, da diese Abfüllungen utopische Preise kosten. Auch Moon Import hatte mindestens eine Abfüllung aus diesem Batch. Den Moon Import Demerara Rum Enmore Guyana 1988 23 YO 46% welcher 2011 abgefüllt wurde. Von diesem hat man in Deutschland nicht viel gesehen oder gelesen. Auch diese Abfüllung von Isla del Ron verschwand irgendwie sang- und klanglos vom Markt. Zeit für einen Nachruf also. Rums wie diese werden die nächsten Jahre noch seltener und sollte doch mal eine aus den 80igern auftauchen, dann werden die Preise wohl nicht mehr so niedrig wie hier sein. Auch Duncan Taylor veröffentlichte zu Beginn sehr alte Jahrgänge und einer hiervon, es war ein Demerara, kratzte an der 150€ Marke und war stolze 27 Jahre alt und stammte aus dem Jahrgang 1985.
Ich denke es erübrigt sich zu erwähnen, dass der Isla del Ron beim Befüllen des Fasses gefärbt wurde. Wäre das die Farbe vom Fass dann wäre dies hier wirklich ein Paradies für Holzwürmer gewesen. Ein Sherry-Finish wird nicht erwähnt und war für mich auch nicht erkennbar. Je älter die Rums aus den 70igern und 80igern in ihren Fässern jedoch werden, desto sinnfreier wird die Annahme auf eine Färbung. Die Gefahr einen wirklich verholzten Rum aus besagten Jahrzehnten zu kaufen wird also mit den kommenden Jahren steigen, wenn sich die Abfüller wirklich dazu verleiten lassen das Fass auch zu kaufen. Es ist eine Art Lotteriespiel. Man kann eine sehr gute Abfüllung für viel Geld kaufen, oder man setzt eine Menge Geld für flüssiges Holz in den Sand. Solche Fehlkäufe können einem auf Dauer das Hobby ruinieren. Aber natürlich muss jeder Käufer selbst entscheiden, ob er das Risiko eingehen will oder nicht. Ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntag.

Marco


Sonntag, 10. August 2014

Bristol Classic Rum Port Mourant 1999 14 YO

Willkommen auf BAT werte Leser.

Heute kommt eine aktuelle Abfüllung aus Guyana zur öffentlichen Verkostung auf dem Blog. Es handelt sich um einen Rum aus der Port Mourant Double Vat Still. Ich hatte schon einige Rums von Bristol Spirits Limited diesen Stils im Glas. Auch aus diesem Jahrgang. Ich bin zuversichtlich kein totales Desaster, wie bei den bisherigen Rums des Uitvlugt 1998er Batches, zu verkosten.

Zur Abfüllung:

Dies ist die zweite Abfüllung aus dem Jahrgang 1999 von Bristol Spirits Limited. Die Erste wurde denke ich Ende 2010 abgefüllt und, wenn ich mich recht erinnere, kam sie zwischen Ende 2010 und Anfang 2011 auf den Markt. Bisher hatten Bristol Spirits Limited, A.D. Rattray und Plantation Rum diesen Jahrgang abgefüllt. Zumal der Plantation Rum als Port Mourant Rum nicht richtig zu erkennen war. Keine Ahnung was Ferrand mit dem Inhalt der gekauften Fässern anstellte. Einen Nachfolger aus 2005 gibt es auch schon. Aber ich denke auf diesen Rum werde ich persönlich verzichten. Diese Abfüllung bekam laut Label eine weitere Reifezeit in ehemaligen Portwein-Fässern (Port Pipes). Der Vorgänger hatte zwei Jahre darin verweilen dürfen. Ob dieser Rum länger oder dieselbe Zeitspanne darin reifen durfte ist mir leider nicht bekannt. Diese Informationen fehlen auf dem Label. Leider gibt es hier auch keine Angabe zur Flaschenanzahl oder den Fässern. Das ist aber leider bei diesem Abfüllers keine Seltenheit. Nur bei wenigen Abfüllungen findet man eine Flaschenanzahl oder eine Angabe zum Fass. 

Apropos fehlende Infos auf den Labeln: Was die Unabhängigen Abfüller nicht vom Verkäufer der Fässer erfahren, können sie auch nicht auf das Label packen. Das wurde beim letzten Review wieder einmal aufgebracht und ich denke ich sollte dies noch einmal erwähnen. Diese Informationspraxis der Bulk- und Zwischenhändler ist, milde ausgedrückt, ein Witz und stark verbesserungswürdig. Vielleicht ist Rum einfach noch immer zu unwürdig um ihm die gleiche Behandlung wie Whisky erfahren zu lassen. Dort erfährt der Käufer (und auch spätere Abfüller) sehr viel über das Fass und seinem Ursprung. Diese Informationen gibt er auch an den Käufer weiter. Glauben sie also bitte nicht, dass ihnen jeder Abfüller diese Informationen mit Absicht vorenthält. Ausnahmen gibt es zwar, welche zu ihren Abfüllungen nur das Land angeben und sonst rein gar nichts, aber die Hauptmasse sollte man deswegen nicht pauschal verurteilen. Absolute Vorbilder sind hier bisher die Dated Distillation Serie von Cadenhead und auch Velier gewesen.
 
Und da wir auch beim Thema Guyana sind möchte ich noch eine kleine Anmerkung in eigener Sache hinzufügen: Es wird wohl denke ich so schnell keine alten Abfüllungen aus Guyana mehr geben, oder sie werden lächerliche und utopische Preise kosten. Rums wie diese, die jung und frisch sind werden wohl in Zukunft den Markt dominieren. Dafür wird die erst jetzt anziehende Nachfrage sorgen. Viele Jahre ist nichts mehr gekauft worden, da die Lagerhäuser voll waren und die Flaschen teilweise wie Blei sehr lange in den Läden lagen. Wie sonst kann ich mir die Verfügbarkeit einiger Rums aus 2000 oder 2007 bis vor ein oder zwei Jahren erklären? Erst die letzten drei Jahre wurden Altbestände eliminiert und junge Jahrgänge beginnen langsam den Markt zu dominieren. Sollte die Nachfrage anhalten, dann wird es eventuell keine Fässer mehr für ältere Abfüllungen geben sondern es werden fast nur junge Abfüllungen nachrücken. Sicherlich hatte die Arbeit des Blogs und unser Bemühen die UAs mehr in den Fokus zu rücken einen Teil zur Nachfrage beigetragen. Vielleicht kommt das gestiegene Interesse auch von den hohen Preisen beim Whisky und dort sucht man einfach nach günstigeren sogenannten „Malternativen“. Das dieses Destillat (Rums von UAs) das Potenzial hierfür besitzt, steht für mich außer Frage. Die Zeit wird zeigen wohin die Reise gehen wird. 

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Verkostung Bristol Classic Rum Port Mourant 1999 14 YO:

Preis: Meine Flasche erstand ich für 47,60€ ohne Versandspesen beim Koelnerrumkontor.

Alter: Auf dem Label gibt es kein offizielles Alter. Der Rum wurde im Jahre 1999 destilliert und abgefüllt wurde er schließlich 2013. Er ist vermutlich an die 14 Jahre alt.

Alkoholstärke: Keine große Überraschung: Die Abfüllung hat die Standard-Trinkstärke von 46%vol.

Destillationsverfahren: Der Name verrät es schon. Hinter diesem Rum steckt die Double Vat Still aus der lange geschlossenen Port Mourant Distillery, welche sich seit 2000 auf dem Gelände von DDL (die ehemalige Diamond Distillery) befindet.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem Goldton im Glas. Er ist ein wenig heller als sein Vorgänger aus 2010. Ob dies nun auf das Bourbon- oder Port-Fass zurückzuführen ist kann ich leider nicht sagen. Es zeigen sich leicht rötliche Reflexe im Licht. Das könnte von den Portwein-Rückständen im Weinfass kommen, welche sich während der Reife darin mit dem Rum vermählt haben.

Viskosität: Der Rum fließt in dünnen Schlieren relativ schnell zurück zum Glasboden. Kleine Glasperlen benetzen die Glaswand. Die Öligkeit ist gefühlt für 14 Jahre ein wenig zurückhaltend. Wieder inaktive Bourbon-Fässer wie beim Uitvlugt 1998er Batch? Lassen wir den Rum selbst sprechen.

Nase: Der Rum durfte nun über eine halbe Stunde atmen. Ich rieche wunderschöne Anisaromen und minimale Nuancen von feuchtem Holz. Auch dunkle Gewürze und eine im Hintergrund versteckte minimale Bitterkeit kann ich erkennen. Allerdings wird diese von einer sehr schwachen Süße überdeckt. Aber man kann sie riechen. Weit vom Glas entfernt riecht man leichte Vanille und wunderschöne Fruchtaromen. Darunter auch Mangos und Papayas. Da ist noch mehr. Aber diese anderen Fruchtaromen kann ich nicht eindeutig bestimmen. Das Weinfinish ist nicht zu dominant, macht sich aber in der Nase durch rote Früchte bemerkbar. Die Geruchsgrenzen sind leicht verschwommen und einige Weinnoten haben sich unter den Aromen des Rums gemischt. Da ich aber kein Weinkenner bin, kann ich hierzu keine weiteren Angaben machen. Der Alkohol sticht leicht in der Nase. Taucht man die Nase tief ins Glas, dann wird man von einer Mischung aus Anis, Holz, Gewürzen und Frucht bombardiert. Man könnte hier auch an eine Schokolade mit hohem Kakao-Anteil denken.

Gaumen: Zuerst wärmt der Alkohol leicht den Mundraum. Danach schmecke ich eine Kombination aus Anis-, Holz- und Gewürzaromen. Hier schmecke ich nun leicht die in der Nase schon erkannte Bitterkeit. Ich kann überhaupt keine Süße im Rum erkennen. Sollte sie vorhanden sein, dann wird sie von dieser Bitterkeit vollständig ausgeglichen. Die Geschmacksgrenzen sind sehr verschwommen. Neben den Gewürzen, wie Nelken, schmecke ich sehr schwache Raucharomen. Die sehr geringe Süße am Gaumen deutet auch auf wenig Einfluss vom Bourbon-Fass hin. Dieser Rum musste vermutlich blass bis leicht golden gewesen sein, bevor er ins Weinfass kam. Die leichte Bitterkeit kommt vielleicht von der Eiche des Weinfasses. Für einen Sekundenbruchteil dachte ich sogar, Holzkohle neben den Gewürzen zu schmecken. Die Frucht ist leider nicht besonders dominant am Gaumen ausgeprägt. Dennoch schmecke ich rote Früchte. Aber die Frucht wird von diesem Mix einfach überwältigt und verweilt eher im Hintergrund. Wieder werde ich an den Geschmack einer dunklen Schokolade mit hohen Kakao-Anteil erinnert.

Abgang: Nuancen von schwachen Rauch mit Holz und Anis bilden den Anfang des Abgangs. Langsam kommen wieder die leichte Bitterkeit und die Gewürze zum Vorschein. Auch Eichenaromen schmecke ich ganz kurz. Wieder muss ich hier an Holzkohle und Bitterschokolade denken. Eine ungewöhnliche Kombination? Mit Sicherheit. Vielleicht schmecken sie hier etwas anderes. Der Abgang ist leicht trocken. Auch hier bestätigt sich meine Vermutung eines unreifen Port Mourants mit einer fast überhaupt nicht vorhandenen Süße. Das Bourbon-Fass musste sehr oft benutzt worden sein. 

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Fazit: Ein sehr solider Rum aus der Port Mourant Still. Sein Geld von rund 48€ ist er wert in meinen Augen. Da bieten andere Abfüller Rums mit weit weniger Komplexität und Qualität für mehr Geld an. Für absolute Puristen und Connaisseure, die mehr wert auf einen nicht süßen oder leicht bitteren Geschmack legen, wäre dieser Rum geeignet. Zumindest konnte ich keine Süße entdecken. Sie geht in diesem Geschmacksprofil am Gaumen für mich einfach etwas unter. Er könnte also auch etwas für Whisky-Liebhaber sein, welche nicht begeistert von zu viel frischer Weißeiche in einem Destillat sind. Am sichersten würde man mit einer Flaschenteilung sein. Dann hätte man keine angebrochene Flasche im Regal stehen, die man nicht trinken kann oder will.

Für die obigen genannten Gruppen gebe ich eine Kaufempfehlung. Zumindest sollten sie diesem Rum eine Chance geben (Samples oder Flaschenteilung). Dieser Rum aus 2013 ist, aus dem Gedächtnis heraus, nicht wahnsinnig anders als sein Vorgänger aus 2010. Identisch dürften sie aber nicht sein. Das deutet die Farbe allerdings auch an. Ein direkter Vergleich steht bei mir noch aus. Die Farbunterschiede beider Abfüllungen kann ich mir durch die unterschiedlichen Bourbon-Fässer oder ein aktiveres Weinfass erklären. John Barrett hatte bisher keine Abfüllung aus der Double Vat Still der seit 1955 geschlossenen Port Mourant Distillery, welche ein kompletter Fehlschlag war. Für Jamaika kann ich leider nicht sprechen, aber ich denke Flo war nicht restlos von allen Abfüllungen dieses Abfüllers begeistert. Ich konnte diesem Rum einiges abgewinnen und das trotz der Tatsache, dass ich eigentlich mit Wein absolut nichts anfangen kann. Welch Ironie für einen Franken, welcher in der Nähe einer solchen Weinhochburg lebt und mit diesem Getränk absolut nichts anfangen kann.

Bisher brachte John Barrett bei einigen, dem Anschein nach, beliebten Abfüllungen einen Nachfolger auf den Markt. Dies war z.B. auch beim Bristol Classic Rum Port Mourant 12 YO (1986-1998) der Fall, welcher den Bristol Classic Rum Port Mourant 12 YO (1988-2000) als Nachfolger hatte. Beide Abfüllungen sind allerdings nicht identisch. Der Stil ist derselbe, die Qualität ist nicht identisch. Der letztere Rum hatte schon seinen Auftritt auf dem Blog. Die erste Abfüllung wartet noch darauf. Dies war auch schon beim Bristol Classic Rum Fine Cuban Rum 2003 (2010 & 2012) und beim Bristol Classic Rum Finest Trinidad Rum Caroni 1996 (2008 & 2011) der Fall. Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag!

Marco