Sonntag, 29. März 2015

The Rum Cask Jamaica Rum from Hampden 16 YO (1998 - 2015), 64,3% vol.

(the English part is just below, just skip the German part)

Liebe Rum-Gemeinde,

nachdem ich euch letzte Woche den ersten zweier neu erscheinenden Jamaica Rums bei The Rum Cask vorgestellt habe, einen 9 jährigen Worthy Park aus 2005 in Fassstärke, folgt heute der zweite. Dass es sich bei diesem um einen Hampden Rum handeln würde hatte ich ja bereits durchblicken lassen, ansonsten hielt ich mich mit Informationen allerdings bedeckt. Bis jetzt ;) 

Wie ihr der Überschrift bereits entnehmen konntet, handelt es sich bei der Neuerscheinung um einen Hampden Rum in nicht mehr ganz jungem Alter und in Fassstärke. Letztere ist bei Hampden in meinen Augen das Sahnehäubchen, welches Rums speziell dieser Destillerie immer noch eine Sphäre höher trägt. 
Das Batch aus dem Jahr 1998 ist ein bisher nahezu unbekanntes. Einzig Alambic Classic führt ebenfalls einen Rum dieses Batches, allerdings nur mit 45% vol., was bei Hampden leider immer eine spürbar angezogene Handbremse bedeutet. 
Das Auftauchen dieses neuen Jahrgangs von Hampden ist insofern ungewöhnlich, als dass aus dem zwei Jahre jüngeren Jahrgang 2000 seit inzwischen sieben Jahren schon unzählige Fässer am Markt aufgetaucht sind. Aus 1998 ist hingegen bisher nichts erschienen, zumindest von keinem der ca. 30 bekannten Jamaica Rum abfüllenden unabhängigen Abfüller. Die beiden Abfüllungen von Alambic und nun von The Rum Cask sind mit 16 Jahren also die jüngsten bekannten Rums dieses Batches, während es aus anderen Jahrgängen auch bereits sehr junge Rums mit unter 10 Jahren Reife gegeben hat. Weshalb das so ist, wieso die Fässer nicht früher in die Flaschen gelangten kann ich nicht sagen. Nun aber ist dieses Batch auf 200 Flaschen verteilt verfügbar und ich werde es mir einmal näher ansehen.

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Verkostung des The Rum Cask Jamaica Rum from Hampden 16 YO (1998 - 2015), 64,3% vol.


Preis: 0,5 Liter des 16 jährigen Hampden werden im The Rum Cask Shop 49,90 Euro kosten.  

Alter: der Rum wurde 1998 destilliert und Anfang 2015 abgefüllt. Damit ist er volle 16 Jahre alt. 

Alkoholstärke: 64,3% vol. misst der Rum. Das bedeutet die volle Fassstärke. 

Destillationsverfahren: it's Hampden. It's Pot Still ;)

Farbe: ein satter Goldton, heller Bernstein.

Viskosität: weite, unregelmäßige, dünne, allerdings fetter werdende, Schlieren, der Rum beißt sich am Glas fest, stark ölige Viskosität. 

Nase: Woah! This! Is! Hampden! Nicht mal mit stark verschnupfter Nase bestünden hier ernsthafte Zweifel was sich im Glas vor mir befindet, ein Ester-Monster vor dem Herrn. Er hat nicht ganz so viele davon wie das 1990er Batch, aber an das legendäre 1992er Batch schließt er nahtlos an. Das dürfte definitiv ein Continental Flavoured Rum sein, also ein Rum des Marks HLCF. 
Die Nase ist wahnsinnig voll, ich habe dazu noch viel gegrillte Ananas, natürlich Banane, eine leichte Zitrusnote und etwas, was irgendwie erdig anmutet. Dazu kommt eine schöne Note vom Holz, die sehr harmonisch eingebunden ist. Hammer!

Gaumen: wie immer bei Hampden stellt sich erstmal dieses Zaubertrank-Feeling ein. Der Rum ist sehr mundfüllend und reichhaltig, ölig-cremig, zu Beginn leicht brennend, dann milder werdend. Heavy Bodied. Eine erdige Komponente ist da, aber auch der aus Hampden bekannte Obstkorb, in dem sich vor allem Bananen und Ananas befinden. Der Einfluss vom Holz ist da, aber nicht dominant, sondern schön eingebunden. Tolle Ballance! Würzig. Voller Power. 

Abgang: gewohnt lang, esterig und intensiv. Neverending Story. 

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Fazit: In ya Face! Dieser Rum und diese Destillerie ist einmal mehr der blanke Wahnsinn! Hampden in Bestform zu einem Best-Preis. Auf 0,7 Liter umgerechnet wäre man hier ganz leicht unter 70 Euro. Das sind Preise, von denen man sich eigentlich schon vor ein paar Jahren verabschiedet hatte. Was kann man also falsch machen? Nichts, mit Ausnahme eines zu lange anhaltenden Zögerns beim Bestellen eventuell. Denn die Rum Gemeinde hat sich stark vergrößert. 200 Flaschen zu einem so guten Preis sind eine echte Limitierung und ich wage die Prognose, dass dieser Rum, dieser Kracher, nicht so arg lang am Markt verfügbar sein wird. Klare Kaufempfehlung. Recommended by Barrel Aged Thoughts. 
Und wieder gilt auch hier: wir sind ein unabhängiger und unbestechlicher Blog, der die Herausstellung maximaler Qualität zum Ziel hat. Daher war uns die Wahrung unserer Unabhängigkeit bei diesem Projekt ein großes Anliegen und wir freuen uns sagen zu können, dass wir den Rum nicht deshalb empfehlen, weil unser Name mit auf dem Etikett steht, sondern, dass unser Name auf dem Label steht, weil wir den Rum abgefüllt sehen wollten und ihn empfehlen. Und wir danken dem Team von The Rum Cask an dieser Stelle für das in uns gesetzte Vertrauen!

So. Ist das jetzt das Ende? Natürlich nicht! Denn wer mich kennt, der weiß natürlich, dass ich nicht widerstehen konnte und den Rum natürlich auch in meinem Lieblingsdrink, dem Mai Tai, ausprobieren musste ;)


Mai Tai mit The Rum Cask Jamaica Rum from Hampden 16 YO:

Mai Tai mit The Rum Cask Hampden 16 YO (1998 - 2015)
Farblich steht ein Mai Tai vor mir, wie ich ihn schon unzählige Male im Glas hatte. Milchig, leicht grünlich von der Limette, leicht gelb vom Rum, dem Curacao (Pierre Ferrand Orange Curacao) und vom Orgeat (Meneau) und vor allem aber sehr hell. 
Geschmacklich erlebe ich dagegen außergewöhnliches. Nicht, weil ich noch nie so einen guten Mai Tai gehabt hätte, das kann man wirklich nicht sagen, dafür hatte ich einfach schon alle bekannten Jamaica-Referenzen in diesem Drink um da ein Alleinstellungsmerkmal zu erlangen, aber weil er sich eben auch nicht schlechter macht, als einige außergewöhnlich gute Rums vor ihm, die man allerdings schon lange nicht mehr kaufen kann. Das macht ihn vermutlich zum derzeit besten, verfügbaren Kandidaten für diesen Drink. Und für welchen Preis nochmal? Bingo! 
Der Rum drückt dem Mai Tai seinen Stempel auf, so wie man das von einem guten Hampden erwartet. Gleichzeitig kommen die anderen Zutaten aber immer noch durch und setzen ihn so in Szene. Ich spiele häufig mit diesem Bild, ich weiß, aber es beschreibt für mich einfach am besten, was in diesem Drink geschieht mit diesem Rum und diesen erstklassigen Begleitern. 
Trotz der Fassstärke sind auch größere Schlücke möglich, ohne, dass einen der Alkohol dabei völlig erschlägt. Der Drink verwässert wenig, was aber auch kein Problem darstellt, da er das Schmelzwasser bei gutem Mischungsverhältnis nicht so sehr nötig hat. Dadurch bleibt der tolle Geschmack lange erhalten und verlangt keinen allzu kurzen Genuss. 

Fazit: auch wer einen Rum für den Mai Tai sucht und auf den puren Genuss eher zweitrangig guckt, der sollte sich den TRC Hampden 16 YO einmal genauer ansehen. Günstiger bekommt man derzeit definitiv keinen vergleichbaren oder besseren Rum für diesen Drink und auch wer bereit ist mehr Geld in die Hand zu nehmen wird lange suchen müssen um einen besseren Kandidaten zu finden. Dann wird es aber schon mindestens dreistellig und das ganze dürfte auf eine Sammlerflasche längst vergangener Tage hinauslaufen. Ob dieser Rum dann besser ist? Vielleicht etwas exklusiver, aber besser? Ich habe starke Zweifel. Denn der vor mir stehende Mai Tai ist einfach unfassbar auf den Punkt und erhält damit die vollen 10 Punkte von mir. Die haben vor ihm nur der LPS Long Pond 2nd Release, der Duncan Taylor Hampden 1990 und der Cadenhead's IRW 18 YO erhalten. Keiner dieser Rums ist noch verfügbar. Daher auch hier: uneingeschränkte Kaufempfehlung! 

Mit besten Grüße und einen schönen Sonntag,
Flo


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Dear rum community,

last week I introduced to you the first of two newly Jamaica bottlings from “The Rum Cask”. It was a 9-year Worthy Park from 2005 in cask strength. Today's review is about the second rum. That would be, as I already hinted last week, a rum from the Hampden distillery. But that was about it. Now we are getting more into detail. ;)
As you have already seen in the headline, it is not a young rum from Hampden and it is being bottled in cask-strength. This is very importing when it comes to the Hampden distillery. Rums in cask-strength from Hampden were and are always the cream of the crop when it comes to Jamaica rums from this distillery.The Batch of 1998 is almost unknown. Only one bottling in the “Alembic Classic”-series also had a rum from this batch, but only bottled with 45%abv. Which unfortunately is always a noticeable handicap when it comes to Hampden.
The emergence of this new vintage of Hampden is very unusual, considering that there were a great many bottlings from the 2000 vintage. The year 2000 brought as a lot of bottlings. When it comes to 1998, however, nothing had been published. At least no one of the approx. 30 independent bottlers did make a bottling from this year to the best of my knowledge. Those two bottlings from Alembic Classic and The Rum Cask are 16 years old and therefore the youngest ones from this batch. This is very surprising given the fact there are a lot of younger rums from other vintages with a, let say, 10 year maturity and less. I can't say why there had not been any other bottlings from other independent bottlers with this particular vintage. But anyways, this share of the cask which has been bought by the chaps from The Rum Cask will produce 200 0,5l bottles. Lets take a closer look now at the actual rum.



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Tasting The Rum Cask Jamaica Rum from Hampden 16 YO (1998 - 2015) 64,3%abv

Price: 0.5 liters of this 16-year-old Hampden will cost 49.90€ in The Rum Cask Shop.

Age: The rum was distilled in 1998 and bottled in the first months of 2015. His maturity is thereby at least 16 years.

ABV: The rum is being bottled with 64.3%abv. This means this is the full cask strength.

Process of distillation: It's Hampden. So it's a pot still rum. ;)

Colour: The rum shines in a rich golden colour. Almost like light amber.

Viscosity: Wide, irregular, thin, fat streaks are forming on the glass. The rum sticks almost firmly on the glass. It has a strong oily viscosity.

Nose: Woah! This! Is! Hampden! No doubts whatsoever. Not even a strong closed nose during a cold or flu could produce any doubts about his origin. This is a high-ester monster. He does not have quite as many esters as the rums from the 1990 batch, but this bottling easily joins the legendary 1992-batch seamlessly. This should be definitely a Continental flavoured rum. A rum with the Mark H.L.C.F.. The nose is intensily compact and full of flavours. I smell grilled pineapples, bananas and of course a slight citrus note. In addition I also smell a earthy flavour and a beautiful touch of wood, which is very balanced and well integrated into the rum. Blimey!

Palate: As always with rums from Hampden you get this magic potion feeling in the mouth. The rum is very mouth-filling, rich, oily-creamy and slightly burning at the beginning. Then it's becoming milder. A heavy bodied rum. An earthy component is also in there, but also known from Hampden, the rum is like fruit basket, which mainly consists of bananas and pineapples. The influence of wood is present, but not dominant. It's well integrated. Great Ballance! Spicy. Full of power.

Finish: It lingers on and on and on. Very estery and intense. It's like a neverending Story.

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Conclusion: In ya Face! This rum distillery and their rums are sheer madness! This is Hampden in a top form at best price. Converted into 0.7 liters per bottle the price would be very slightly below 70 €. These are prices were very common a few years ago. So what can you do wrong? Nothing, except possibly a too long lasting hesitation in ordering. The rum community has increased greatly. 200 bottles may not last long enough at this fair price, considering the offered quality. I am predicting that this rum will be sold out sooner than any other bottling from Hampden before. I give herby a buy recommendation to all Hampden lovers out there. This rum is "Recommended by Barrel Aged Thoughts". 
I want to emphasise the following: we are an independent and incorruptible blog that has the aim of recommend the best quality to all the buyers out there. Therefore we safeguard our independence in this project was a major concern and we are pleased to say that we do not recommend the rum because our name is on the label, but that our name is on the label because we wanted to see the rum bottled and therefore we recommend it. And at this point we want to thank the team of “The Rum Cask” for the trust they placed in us thus far!
So, is this The End now? Of course not! I could not resist to mix this pretty baby in my favourite drink: the Mai Tai. ;)

Mai Tai with The Rum Cask Jamaica Rum from Hampden 16 YO: 

Mai Tai mit The Rum Cask Hampden 16 YO (1998 - 2015)
The drink has a colour like I have it seen countless times before this rum. Milky, slightly greenish from the lime, light yellow from the rum, the Curacao (Pierre Ferrand orange curacao) and the orgeat (Meneau) and above all: it is very bright. The taste, however, Is very exceptional. Not because I never had such a good Mai Tai before in the glass. I had a great many drinks like this and some of them were really astonishing and an absolute Jamaican reference. It is not unique because he is not just worse or better than the other superb ones, but because he is available. The other ones are long gone. Their history. That makes him the currently best candidates for this drink. And for what price again? Bingo! The Rum dominates the Mai Tai as one would expect it from a good Hampden. At the same time the other ingredients are fitting perfect into the whole drink. Despite the cask-strength larger sips are still possible. It is not too dominating the Mai Tai. The drink is not watered down after a little while, but this is not a problem, since the melt water from the ice is not necessary for a good mixing ratio. Thus the great taste remains long and does not require a too short enjoyment.

Conclusion: Even for someone who is looking for a rum fitted for the Mai Tai and who is not primary interested in pure pleasure, should take a look at the TRC Hampden 16 YO. You can't get a cheaper or better fitted rum for the Mai Tai at present. Also those who are willing to invest more money for a expensive and special drink would have to look for a very long time to find a proper comparative candidate. But then you would have to buy at least a three digit price. Thats the collectors range with rums full of bygone days. Would be such a collectible better in a Mai Tai? It will be definitely more exclusive, but better? I doubt it. The Mai Tai in front of me is just unbelievable and hits the spot exactly. I score this drink with 10 points. This score was only given to the LPS Long Pond 2nd release, the Duncan Taylor Hampden 1990 and the Cadenhead's IRW 18 YO. None of these rums are still available. They are gone for good. This is why I give this rum a buy recommendation. ;) 

Best wishes and a nice sunday to all of you,
Flo

Sonntag, 22. März 2015

The Rum Cask Jamaica Rum from Worthy Park 9 YO (2005 - 2015), 57,5% vol.


(the English part is just below, just skip the German part) 

Liebe Rum-Gemeinde,

wie bereits am 1. März in einem kleinen Teaser angekündigt, stehen zwei neue Jamaica Rums des unabhängigen Abfüllers "The Rum Cask" in den Startlöchern. Dass es sich dabei um einen Rum aus Hampden und einen aus Worthy Park handeln würde hatte ich schon verraten, mehr allerdings noch nicht; Zeit also, den ersten Vorhang zu öffnen! Zunächst wird es heute um den neuen Worthy Park gehen, der Hampden folgt dann nächstes Wochenende. 

Da das 2005er Worthy Park Batch noch weitestgehend unbekannt ist, war ich im Vorfeld sehr gespannt auf den Rum. Inwieweit würde er sich vom 2009er Batch unterscheiden, was macht die längere Reifezeit aus und wo liegen generelle Unterschiede zu anderen Jamaicanern? 
Gleichzeitig war das 2005er Batch aber auch das allererste, welches seit der Wiedereröffnung der Destillerie 2005 existierte. Dieses ist also gewissermaßen der Ur-Rum der neuen Destillerie. Leider ist nicht bekannt, ob er in Jamaica oder kontinental reifen durfte.
Der Rum wurde, wie schon einige vor ihm, in einer Zusammenarbeit zwischen The Rum Cask und Barrel Aged Thougths ausgewählt. The Rum Cask ist es dann glücklicherweise auch tatsächlich gelungen einen Teil dieses Batches zu bekommen und den Rum schließlich auf 200 Flaschen á 0,5 Liter abzufüllen. Das Ergebnis gibt es nun hier. 





Verkostung des The Rum Cask Jamaica Rum from Worthy Park 9 YO (2005 - 2015), 57,5% vol.:

Preis: 39,90 Euro wird eine Flasche á 0,5 Liter im The Rum Cask Shop kosten. 

Alter: der Rum lagerte zwischen 2005 und Anfang 2015 im Fass und ist somit 9 volle Jahre alt.

Alkoholstärke: Die ausgewiesene Stärke des Rums beträgt 57,5% vol., was der Fassstärke entspricht.

Destillationsverfahren: der Rum wurde in einer Pot Still der Destillerie Worthy Park gebrannt. 

Farbe: sehr intensives, leuchtendes Gold

Viskosität: sehr fetter Rum, seine Schlieren kleben förmlich an der Glaswand fest. 

Nase: schöne volle Nase, keinerlei alkoholische Schärfe. Sofort an den 4 Jahre alten Bruder des 2009er Batches erinnernd, allerdings wesentlich reifer. Dass der Rum mehr als doppelt so alt ist fällt sofort auf, die zusätzlichen 5 Jahre machen sich extrem bemerkbar. Bedenkt man allerdings, dass der Rum erst 9 Jahre alt ist und u.U. sogar kontinental gereift wurde, dann ist diese Reife schon sehr bemerkenswert. Das hatte ich im Vorfeld nicht erwartet und hier weist der Rum wiederum Parallelen zu seinem Bruder auf, denn auch dieser überraschte ja schon mit einer für 4 Jahre sehr außergewöhnlichen Reife. 
Mir kommen Bananenchips und Bananenkompott entgegen, gepaart mit Anis und leicht grasigen, vegetalen Komponenten. Eine schöne Note vom Holz und eine natürliche Süße runden das Gesamtbild der Nase ab. 

Gaumen: leichtes Brennen zu Beginn, frisch abgetrenntes Holz, etwas likörartige Süße und sehr mundfüllend und ölig-cremig. Danach kommt die volle Dröhnung Anis, die sich mit dem Holz toll ergänzt. Die Fruchtigkeit aus der Nase ist verschwunden und weicht den vegetalen und würzigen Eindrücken. 

Abgang: lang und trocken, frisches Holz und Anis verbleiben. 

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Fazit: ein nicht ganz gewöhnlicher Jamaica Rum. Für sein Alter ist er unfassbar reif, komplex und vor allem leicht zugänglich, rund. Ich habe nicht das Gefühl, ein nur halb reifes Destillat vor mir zu haben. Vom 4 YO, der letztes Jahr bei The Rum Cask unter dem Recommended by Barrel Aged Thougths Logo erschien, ist er meilenweit entfernt. Das hier ist kein Mixing Rum mehr. Er erinnerte in Teilen, vor allem im Abgang, sogar an Port Mourant aus Guyana und gefiel mir einfach ausgesprochen gut. Von mir gibt es an dieser Stelle daher also eine klare Empfehlung, insbesondere auch im Hinblick auf den Preis. Dieser ist ein Kracher und alles andere als selbstverständlich im High Quality Bereich der unabhängigen Abfüller. Ich bin schwer begeistert!.
Ein letztes Wort, welches ich so aus dem ersten Recommended by Barrel Aged Thougths Artikel übernehme: wir sind ein unabhängiger und unbestechlicher Blog, der die Herausstellung maximaler Qualität zum Ziel hat. Daher war uns die Wahrung unserer Unabhängigkeit bei diesem Projekt ein großes Anliegen und wir freuen uns sagen zu können, dass wir den Rum nicht deshalb empfehlen, weil unser Name mit auf dem Etikett steht, sondern, dass unser Name auf dem Label steht, weil wir den Rum abgefüllt sehen wollten und ihn empfehlen. Und wir danken dem Team von The Rum Cask an dieser Stelle für das in uns gesetzte Vertrauen!



Bis nächsten Sonntag,
Flo

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Dear rum community,

as announced in a little teaser on March 1st, two new Jamaica rums of the independent bottler "The Rum Cask" are on its way to hit the market. I already leaked to you, that it will be one rum from the Hampden distillery and the other one comes from the Worthy Park distillery. But that was it. Time to shed some light on this! At first I would like to review the rum from Worthy Park. The rum from the Hampden distillery will follow on the next weekend. 

Since the 2005's Worthy Park batch is still largely unknown, I was very excited before I got my hands on this rum. To what extent it would differ from the 2009 batch? How great would be the differences between a young and an older rum from Worthy Park, considering the longer maturation period and where are general differences to other Jamaican styles? At the same time the 2005 batch but was also the very first, which existed since the reopening of the distillery in 2005. This is so to speak the original rum of the new distillery. I do not know if this rum has been fully matured in Jamaica or in Europe are if there was a maturation in both places.

Like a few other rums before this rum represents a collaboration between The Rum Cask and Barrel Aged Thougths. The people behind The Rum Cask were finally able to get some of this batch. There will be 200 bottles with 0,5l. The result of this bottling lies actually before me.



Tasting The Rum Cask Jamaica Rum from Worthy Park 9 YO (2005 - 2015), 57,5% abv:

Price: The price for a 0,5l bottle will be € 39.90 at TheRumCask-Store (TheWhiskyCask)

Age: The Rum matured between 2005 and early 2015. The rum is thus at least 9 years old. Thats also the official age on the label.

ABV: The bottled strength of this rum is 57.5%abv. This should be the full cask-strength.

Process of distillation: The rum was distilled in a pot still at the Worthy Park distillery.

Colour: The rum shines in a very intense and brilliant gold in the glass.

Viscosity: The rum is very fat and oily. The streaks are sticking sold to the glass wall and are leaving an oily film on the wall.

Nose: Beautiful full nose. There is no alcoholic sharpness. Immediately I am reminded of the 4 YO younger rum from 2009. This one is much more mature. It is immediately apparent that is rum as more mature than twice the age of the younger version. It is extremely noticeable. This maturity is very remarkable, Considering that the rum is, however, only 9 years old and was possibly even matured Continental. I did not expect this, but this full maturity that is beyond the imprinted age on the label is another thing it has in common with the younger rum. The 4 YO had also a great maturity, which was very unusual for this age. I am reminded of banana chips and banana compote, coupled with anise and slightly grassy, vegetal components. A nice touch of wood and a natural sweetness are rounding up the nose.

Palate: There is a slight burning sensation at the beginning. Freshly detached wood, some mouth-filling liqueur-like sweetness. It is very oily and creamy. This is followed by a full shot of anise, which combines great with the wood. The fruitiness of the nose is gone and instead you have the vegetal and spicy impressions.

Finish: The Finish is long and dry. Fresh wood and anise are remaining in the mouth.


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Conclusion: This is not an ordinary Jamaica rum. Considering his age he is incredibly mature, complex, round and above all easily accessible. I do not feel to have a half-ready distillate in my glass. He is miles away from the 4 YO, published last year under the Recommended of the Barrel Aged Thougths logo. This is not a mixing rum anymore. He is reminding me in parts, especially in the finish, of Port Mourant-style from Guyana and I simply liked the rum very much. I give this rum a clear buy recommendation.Specially when you take a close look at the price for the offered quality.  This is a very good rum with a high quality. Other bottlers would have made a higher pirce. I must confest I'm impressed about the price policy of The Rum Cask.

One last word, which I assume so from the first Recommended by Barrel Aged Thougths article: we are an independent and incorruptible blog that has the aim of maximum quality. Therefore we safeguard our independence in this project was a major concern and we are pleased to say, that we do not recommend the rum because our name is on the label, but that our name is on the label because we recommend to bottle the rum. And we thank the team of “The Rum Cask” at this point for the trust placed in us! 



Until next Sunday,

Flo

Sonntag, 1. März 2015

Jamaican Invasion by The Rum Cask: Coming soon and Recommended by BAT

Schon als Sample genial: zwei äußerst hochklassige Fullproof-Jamaicaner aus Hampden und Worthy Park aus bisher unbekannten Batches.
Fantastic samples: two delicious Fullproof-Jamaicans from Hampden and Worthy Park Estate, taken from unknown batches so far.

Sonntag, 1. Juni 2014

Gordon & MacPhail Jamaica Rum Long Pond 1941

Liebe Rum-Gemeinde,

nach fast drei Monaten Pause melde ich mich heute zum drittletzten Mal zurück. Jawohl, ihr habt richtig gelesen. Meine Zeit hier auf Barrel Aged Thoughts geht zu Ende. Ich werde mich aus der Welt des Rums, zumindest öffentlich, zurückziehen, da ich den Spaß am Schreiben in den letzten Wochen mehr und mehr verloren habe und aus meiner Sicht auch alles zum Thema gesagt worden ist, was zu sagen war. Mein Themenspektrum war ja bekanntermaßen von Beginn an sehr limitiert und nachdem die Linie Mai Tai bereits vor zwei Jahren nahezu auserzählt war, ist auch zu den Rums aus Jamaica in meinen Augen alles gesagt. Alle Rums dieser Insel, die es aus meiner Sicht verdient haben hier auch vorgestellt zu werden, finden sich bereits auf Barrel Aged Thoughts. Naja, fast alle ;). Zwar haben mich mit dem Albion 1983 von Velier z.B. auch Rums rechts und links des Wegesrandes hin und wieder zu begeistern gewusst, jedoch sehe ich für mich keinen Sinn diese Rums hier zu besprechen, da Marco dazu deutlich mehr zu erzählen weiß und auf diesem Gebiet ungleich mehr Fachkompetenz auf sich vereinigen kann als ich. 
Hinter den Kulissen, administrativ, werde ich Barrel Aged Thoughts erhalten bleiben und Marco an dieser Stelle weiter unterstützen, der hier, das möchte ich einmal klar so sagen, eine super Arbeit leistet und, spätestens mit dem Demerara Rum-Artikel, den Blog zu dem gemacht hat, was er heute ist: der wohl informativste und qualitativ hochwertigste Rumblog den ich kenne! Danke Marco! 

Ich sagte, fast alle Rums aus Jamaica, die es wert waren hier gezeigt zu werden, wären hier vorgestellt worden. In der Tat, denn zwei Vertreter der Insel fehlen noch, die hier den krönenden Abschluss bilden sollen. Zum einen wird das der heute besprochene und 1999 abgefüllte Gordon & MacPhail Long Pond Jamaica Rum aus dem Jahr 1941 sein, zum anderen der The Whisky Agency Jamaica Rum 35 YO aus 1977 in Fassstärke, welcher vor zwei Jahren ca. auf den Markt kam.
Ich sagte aber auch, es wäre heute der drittletzte Post. Als letzten Post werde ich einen kleinen Ausblick auf eine mögliche Zukunft liefern und den ersten Rum komplett deutscher Produktion hier vorstellen, welcher seit einiger Zeit im Handel erhältlich ist und welchen ich sehr spannend fand. Die Entwicklung dieses Unternehmens werde ich sicher verfolgen. Doch zunächst heute zu dem Rum, der schon den zweiten Weltkrieg erlebt hat, dem Gordon & MacPhail.

Der Gordon & MacPhail ist wohl der Rum, von dem ich inzwischen am längsten gewartet und gehofft habe, ihn mal probieren zu können. Sagenhaft alt und dementsprechend auch sagenhaft teuer ist dieser Rum, welcher auf mich von Beginn meines Interesses für Rum an eine große Faszination auf mich ausübte. Wie schmeckt ein Rum, der so alt ist? Ist er verholzt und das viele Geld nicht mal im Ansatz wert? Schmeckt der Rum vllt. ganz anders als heutige Rums aus Long Pond und/oder generell?

Als der G&M gebrannt wurde, am 5. März oder am 3. Mai 1941, herrschte in Europa Krieg. Gleichzeitig handelt es sich heute um einen der letzten Rums überhaupt, welcher nachweislich noch vor der ersten Zündung einer Atombombe auf der Erde hergestellt wurde und damit noch aus gänzlich unbelastetem Zuckerrohr besteht. Ob ich der Überzeugung bin, dass man das schmecken wird? Mitnichten ;) Aber ich finde, es ist schon etwas sehr besonderes, sich über derlei Randnotizen einmal wirklich vor Augen zu führen und zu begreifen, wie verdammt alt dieser Tropfen ist, was er schon alles erlebt und was und wen er auch schon überlebt hat.
1946, ein Jahr nach Kriegsende und fünf Jahre nach seiner Destillation, wurde der Rum dann nach Großbritannien verschifft, wo er wohl bei einem nicht weiter bekannten Bulkhändler einlagerte. 1967 erwarb dann Gordon & MacPhail das Fass und lagerte es in seinen Lagerhäusern in Elgin, Schottland. Dort reifte der Rum dann bis ins Jahr 1999, in dem er schließlich abgefüllt wurde; mit einem offiziellen Alter von 58 Jahren und einem Alkoholgehalt von 50% vol.! 


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Verkostung des Gordon & MacPhail Long Pond Jamaica Rum 1941:

Preis: der Rum kostete ursprünglich umgerechnet ca. 450-500 Euro. Inzwischen liegt der Preis 100 bis 200 Euro über diesem Betrag. 


Alter: der Rum wurde 1941 destilliert, 1946 nach Großbritannien verschifft und 1999 abgefüllt. Der Tropfen ist also stolze 58 Jahre alt, fünf Jahre davon reifte er unter tropischer Sonne.

Alkoholstärke: der Alkoholgehalt beträgt 50% vol. Ob das die natürliche Fassstärke ist oder ob der Rum seitens Gordon & MacPhail noch einmal verdünnt wurde ist nicht bekannt, wahrscheinlich ist aber eine geringfügige Verdünnung. 

Destillationsverfahren: wir dürften es hier mit einem Rum aus einer traditionellen Pot Still zu tun haben.

Farbe: leuchtender, heller, tiefer Bernstein, dunkles Stroh. Für 58 Jahre ist der Rum erstaunlich hell. 

Viskosität: weite Schlieren verlaufen am Glasrand und hinterlassen große Perlen am Glasrand, was auf einen schweren, körperreichen Rum schließen lassen lässt. 

Nase: eine sehr, sehr kräftige Nase! Sofort als Long Pond zu erkennen, sehr fruchtig und sehr tief. Wow! Ein echtes Rum-Monster, welches da im Glas wütet. Gegrillte Ananas, Banane, Cashewkerne, grasige Noten und leichte Zitrusaromen nehme ich wahr.

Gaumen: wunderbar weich legt sich der Rum ohne jedes Brennen auf die Zunge und erfüllt den gesamten Mundraum mit herrlichem Pot Still-Jamaica Aroma. Auch größere Schlücke lässt der Rum zu. Gleichzeitig ist der Long Pond sehr schön fett, cremig und ölig, was mir sehr gefällt! 
Der Rum ist wirklich heavy bodied und kommt daher, wie man auch heute noch einen Long Pond erwarten würde. 

Abgang: sehr langanhaltend und trocken, getoastetes Fass und das typische Long Pond Aroma kommen durch. 

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Fazit: als wäre auf Jamaica die Zeit stehen geblieben. Viele Vorstellung hatte ich von einem so alten Rum aus längst vergangenen Tagen und kaum welche davon trafen wirklich zu. War der Rum dreckig, insofern, als dass sich veraltete Technik in der Destillation geschmacklich feststellbar gewesen wäre? Nein, der 1941er war nicht dreckiger als es Rums aus weit späteren Jahrzehnten von Jamaica auch sind. Hier schmeckte man wohl vielmehr, wie traditionell die Rumherstellung dort noch heute ist. Ich fand diese Zeitreise auf jeden Fall ungemein spannend, wenn auch sehr kostenintensiv ;)
Kosten sind das nächste Stichwort. Der Preis für die Flasche liegt irgendwo jenseits von gut und böse und ist aus meiner Sicht nicht zu vertreten. Ja, der Rum schmeckt wirklich sehr gut, er ist das wohl sogar das beste, was ich aus Long Pond je im Glas hatte, und das Alter rechtfertigt einen solch hohen Preis auch irgendwo. Aber der Rum schmeckt einfach nicht viel besser, als heute verfügbares im Rahmen zwischen 100 und 150 Euro. Im Vergleich dazu ist der Aufpreis zu heftig. Nichts desto Trotz bin ich sehr glücklich, dass ich im Rahmen einer privaten Flaschenteilung über einen Connaisseur aus Hamburg an diesen Rum gekommen bin und bereue die Investition keine Sekunde. Ein geiler Rum und ein schönes, lebendiges Stück Zeitgeschichte, an dem ich noch viel Freude haben werde! 

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 9. März 2014

Panama in Ashes mit The Rum Cask Panama Rum 8 YO

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich euch kurz die Neuinterpretation eines Drinks vorstellen, den es erst seit ein paar Jahren gibt, sich seit dem aber großer Beliebtheit unter Cocktailliebhabern erfreut, dem Vienna in Ashes von Philip Bischoff. 

Das Rezept des Drinks lautet folgendermaßen:

Vienna in Ashes 

5 cl Mozart Black Chocolate Liqueur
2 cl Grand Marnier Cordon Rouge
1,5 cl Laphroaig 10 Years Old Single Malt Whisky
Orangenzeste


Nun steht hier seit geraumer Zeit mein Fläschchen The Rum Cask Panama Rum 8 YO (2004 - 2012) mit 54,5% vol. und überdeutlichem Islay Malt Finish herum. Leo hatte den Rum vor ca. einem dreiviertel Jahr auch hier vorgestellt und war sehr angetan. Meins war der Rum pur allerdings nicht so, zu wenig bin ich von Islay begeistert, welches diesen Rum so sehr geprägt hat. So blieb nur die Variante übrig, den Rum in einem Drink zu testen. Ich durchstöberte also die Datenbanken nach Drinks, welche einen Islay Malt verlangen und stieß so auf den Vienna in Ashes. 
In Ermangelung an Grand Marnier Cordon Rouge ersetzte ich nicht nur den Laphroaig durch den Rum, sondern auch diesen durch Pierre Ferrand Orange Curacao, der, wie der Grand Marnier, auch auf Cognac Basis hergestellt wird. Das Rezept war nun dieses:


Schwarz wie die Nacht: der Panama in Ashes.
Panama in Ashes

5 cl Mozart Black Chocolate Liqueur
2 cl Pierre Ferrand Orange Curacao
1,5 cl The Rum Cask Panama Rum 8 YO Cask Strength
Orangenzeste


Zugegeben, der Name irritiert, wurde doch der Wiener (bzw. Salzburger) Anteil garnicht substituiert, aber ich wollte den Drink nicht unter gleichem Namen vorstellen, das hätte ich noch unpassender gefunden. 
Der Drink kommt zunächst, wenn man nur noch den Purgenuss von Rum gewöhnt ist, ziemlich süß daher, was sich mit zunehmender Verwässerung aber relativiert. Die Ballance der drei Zutaten stimmt, spielen sie doch wunderbar zusammen und ergänzen einander. Die Kombination aus dunkler Schokolade, Orange und Rauch überzeugt mich, ist aber nichts für jeden Tag!

Nächsten Sonntag erwartet euch wieder ein Review von Marco. Wir wünschen eine schöne und erfolgreiche Woche.

Bis dahin,
Flo

Sonntag, 2. Februar 2014

Rum Sour mit The Rum Cask Long Pond Jamaica Rum 13 YO

Liebe Rum Gemeinde,

nach längerer Abstinenz, die ich sehr bedauere, geht's hier heute endlich mit der 13 jährigen The Rum Cask Abfüllung aus Long Pond, Jamaica weiter, welche im November letzten Jahres auf den Markt kam. Nachdem ich pur bereits begeistert war und den Rum auch im Mai Tai empfehlen konnte, machte ich mich als nächstes an einen klassischen Rum Sour. Den Drink mixte ich schon vor einiger Zeit, einzig zur Vervollständigung des Artikels bin ich lange nicht gekommen. Heute hat das zum Glück ein Ende und ich kann ihn euch hier endlich vorstellen.

Rum Sour mit The Rum Cask Long Pond Jamaica Rum 13 YO
Rum Sour mit The Rum Cask Long Pond Jamaica Rum 13 YO:

Sehr hell in der Farbe kommt der Sour daher, durch das Fehlen von Orgeat und Curacao fällt der Drink farblich auch noch heller aus als ein Mai Tai. 

Geschmacklich weiß der Rum Sour sofort zu überzeugen. Mit der Kraft und der Power, die Long Pond Pot Still Jamaicaner naturgemäß mitbringen, schlägt er im Mundraum ein wie eine Bombe. Nicht zu vergleichen natürlich mit diversen Abfüllungen aus Hampden, aber dieser hier hat auch schon sehr viel Ester und die zahlen sich aus. Trotz der Fassstärke ist der Drink sofort angenehm zu trinken, ohne dass sich der Alkohol in irgendeiner Weise störend bemerkbar machen würde. Ein Top Rum macht eben einen Top Rum Sour! Der Sour ist für mich ein reduzierter Mai Tai auf das Wesentliche. Nur Rum, Sweet & Sour. Hier wird nichts verfälscht oder kaschiert. Ein sehr, sehr guter Rum im Vordergrund, ein dezenter Background und daneben nichts. Ich habe ihn im Verhältnis 6/3/1,5 gemixt, 6/2/1 würde allerdings auch noch gut funktionieren, er wäre dann nur etwas stärker, aber noch nicht zu stark. Dieser Sour macht Lust auf den Sommer und er entführt einen zu dieser Jahreszeit für wenige Minuten in wärmere Gefilde. Schön! 

Fazit: der Rum ist pur sehr gut, er macht im Mai Tai eine spitzen Figur und er gefällt mir im Rum Sour sogar noch etwas besser, da er nicht ganz die Power von Hampden hat und im Sour daher noch besser herauskommt als im Mai Tai. Der Preis (44,90€/0,5l) ist nach wie vor mehr als akezeptabel für das Gebotene und die uneingeschränkte Empfehlung bleibt klar bestehen. Recommended by Barrel Aged Thoughts! Für mich, zusammen mit dem Isla del Ron Jamaica 30 YO, der Rum des Jahres 2013!

Einen Schönen Sonntag noch,
Flo

Samstag, 11. Januar 2014

Four Roses: Single Barrel vs Single Barrel Limited Edition 2013

Sehr geehrte Leser,


heute gehen wir auf unsere erste Exkursion ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in die Vereinigten Staaten. Werden die Möglichkeiten auch ausgeschöpft und finden in liquider Form ihren Weg in die Flasche? Ich möchte hier nicht lange damit hinter dem Berg halten: Und wie! American Whiskey hat mich, neben Rum, schon seit einiger Zeit in seinen Bann gezogen und heute starten wir mit zwei Single Barrel Bourbon Whiskeys von Four Roses.

Zu Four Roses:
Die Destillerie liegt, wie die meisten (Microdistillers einmal ausgenommen) Brennereien im Bundestaat Kentucky. Die Marke besteht seit 1888 und die Destillerie, welche noch heute opreriert, wurde in der Näche von Lawrenceburg im Bundesstaat Kentucky Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet. Als eine der wenigen Brennereien wurde auch während der Prohibitionszeit Whiskey hergetsellt, allerdings durfte dies nur zu "medizinischen" Zwecken geschehen. In den frühen 1940ern kaufte Seagram's Four Roses auf. Zu dieser Zeit war Four Roses der meistverkaufte Bourbon in den USA. Mit Kauf gingen drastische Schritte einher. Seagram's entschloss sich, Four Roses Bourbon in den USA vom Markt zu nehmen und stattdessen unter dem Namen Blended Whiskey zu verkaufen. Die Bourbon-Produktion wurde zwar nicht eingestellt, allerdings wurde dieser ausschließlich nach Japan und Europa exportiert. Der heutige Master Distiller Jim Rutledge, war ab den später 1960ern für Seagram's tätig und kam 1992 nach Kentucky auf eigenen Wunsch zur Four Roses Distillery. Er setzte sich immer dafür ein, den Verkauf des Blended Whiskey einzustellen. Allerdings blieb dies ohne erfolg, bis 2001 Kirin, eine der gößten japanischen Brauereien, Four Roses (den meistverkauften American Whiskey Asiens zu dieser Zeit) übernahm. 2004 kam Four Roses Bourbon schließlich zurück auf den amerikanischen Markt.
Eine Besonderheit bei Four Roses ist, dass sie sehr viel Wert auf Ihre Hefestränge legen und 5 verschiedene dieser für die Gärung verwenden. Zusammen mit den 2 verschiedenen Mashbills, welche sich im Roggenanteil unterscheiden (25% bzw 35%), ergeben sich daraus 10 unterschiedliche "Bourbon-Rezepturen". Für den Yellow Label Bourbon werden Bourbons aus allen 10 Rezepturen geblendet. Bei den Small Batches werden entsprechend weniger verschiedene verwendet und für die Single Barrels wird entsprechend eine gewählt.

Four Roses füllt seit ein paar Jahren regelmäßig eine Limited Edition ihrer Small Batch und Single Barrel Bourbons ab, welche jeweils in Faßstärke daherkommen. Heute widme ich mich zum einen der Standardabfüllung des Single Barrel Bourbons als auch der Limited Edition des letzten Jahres, 2013.



Verkostung:

Preis: Die Standardabfüllung des Single Barrels bekommt man ohne Probleme in den meisten Onlineshops für um die 30€. Limited Editions hingegen habe ich bisher noch keine in Deutschland gesichtet. Den hier verkosteten 2013er Single Barrel habe ich in den Niederlanden erstanden, bei bestofwhisky.nl, für ca 79€ ohne Versand. Ein deutlicher Preisunterschied und die Frage stellt sich direkt, ob die Limited Edition wirklich einen Mehrwert oder anderes bietet.

Alter: Die Standardabfüllung ist ein sogenannter NAS (No Age Statement) Bourbon, dh. es wird kein Alter angegeben, nach Geschmacksprofil abgefüllt und nicht auf Grund eines bestimmten Reifezeit. Dennoch findet man diverse Aussagen im Netz. Die einen sprechen von mindestens 7 Jahren, andere Quellen von einer Mindestdauer von 8 Jahren. 
Bei der Limited Edition wird das Alter stets angegeben. Bei der vorliegenden Version durfte der Whiskey 13 Jahre im Faß verbringen, bevor er abgefüllt wurde.
Die Whiskeys unterscheiden sich allerdings auch von der  "Rezeptur": Standard Single Barrel -> OBSV und Limited Edition 2013 -> OBSK. Die verwendeten Mashbills sind zwar gleich - jeweils 60% Mais, 35% Roggen und 5% Gerste - die verwendeten Hefestämme unterscheiden sich allerdings.  Beim Standard Single Barrel ändert sich die Rezeptur nicht, für die Limited Editions werden allerdings immer wieder andere ausgewählt.

Alkoholstärke: Der "normale" Single Barrel kommt mit einer Trinkstärke von 50% in die Flasche. Die Limited Edtitions hingegen in Faßstärke. Es wurden etliche Fäßer für die 2013er Edition abgefüllt und jedes Faß wird andere Geschmacksnoten vorweisen. Die hier besprochene Abfüllung, welche nur in den Niederlanden verfügbar ist, weißt einen Alkoholgehalt von 62,9% auf.

Destillationsverfahren: Destilliert wird bei Four Roses in Column Stills, wie bei den allermeisten American Whiskeys üblich.

Farbe: American Whiskey darf nicht gefärbt werden, somit kommt die Färbung beider Bourbons ausschließlich von der Faßlagerung in frischen, ausgebrannten Eichenfässern, aus amerikanischer Weißeiche. Schon die Erscheinung im Glas lässt einen Altersunterschied erahnen. Der 13 jährige hat eine dunkle Bernstein-Farbe mit rötlichen sowie grünlichen Reflexen wohingegen der NAS Four Roses deutlich heller im Glas und mehr golden erscheint. 

Viskosität: Beide Whiskeys bilden vereinzelt dünne Schlieren an den Glaswänden, welche recht schnell zurückrinnen. 


Nase: Hier zeigen sich große Unterschiede. Der 50%-ige, jüngere Bourbon wirft mir direkt eine volle Ladung Gewürze und Minze entgegen. Vor allem Muskatnuss, weißer Pfeffer, Piment und etwas Zimt. Dahinter folgt Vanille-Honig und dezent die für Four Roses typische blumige Note sowie frische Eiche. Der Geruch lässt einen frischen, komplexen Bourbon erwarten: gefällt!
Der Limited Edition 2013 hingegen versteckt weder seine längere Reifezeit noch seine höheren Volumenprozente: was ihm allerdings absolut nicht zu seinem Nachteil gereicht. Die Blumigkeit nimmt hier einen deutlich anderen Platz ein, sie prescht einhergehend mit einer vollen Ladung an Frucht und Zartbitterschokolade aus dem Glas: mit Zarbitterschokolade umhüllte Sauerkirschen. Hinterhergeschoben werden Vanille und Honigsüße. Die hellen Minzenoten sind hier nicht vorhanden. Muskat und Pfeffer kommen nur gegen Ende etwas hervor. Hier habe ich einen Gentleman im besten Alter vor mir, der es allerdings nicht scheut Gas zu geben! Für mich eine, wenn nicht die schönste Nase, die mir bisher bei einem Bourbon untergekommen ist! Mit etwas Wasser kommen die Gewürze etwas mehr zur Geltung, inbesondere eine Pfeffrigkeit.


Gaumen: Die Nase beim Standard Single Barrel setzt sich am Gaumen fort. Sehr würzig mit Pfeffer, Piment, Muskat, abgerundet durch die Honigsüße welche von etwas Vanille und Minze begleitet wird. Getragen und abgerundet wird es von der typischen Four Roses Note (blumig). Die 50% kommen zur Geltung, aber es stellt sich auch ein sähmiges Mundgefühl ein. Sehr ansprechend!
Mit vollem Anlauf katapuliert der Limited Edition seine Aromen in jeden Mundwinkel. Blumen, Honig, Kirschen, Bitterschokolade, Vanille, Gewürze. Das ist großes Kino! Alle Aromen verschmelzen zu einem Gesamtkunstwerk, bei dem nicht jeder Teil einzeln heraussticht sondern sich zu einem Ganzen vermengt. Mit etwas Wasser lassen sich die Teile etwas mehr aufgliedern und separieren, er wird pfeffriger, die Eiche kommt etwas hervor und er wird trockener.
 

Abgang: Im Abgang wird der jüngere Four Roses etwas trockener und die Eiche kommt mehr zum Vorschein. Was bleibt ist danach der Honig, sowie die Muskatnuss und Minze.
Wie bei einem Fassstärkebourbon und den vorhergehenden Eindrücken zu erwarten, bleibt der Whiskey lange präsent. Hier zeigt sich nun auch die, für Bourbon recht lange, Reifezeit. Allerdings zu keiner Zeit unangenehm. Zartbitterschokolade und Sauerkirschen dominieren, die blumigen Noten verblassen zunehmend. Mit der Zugabe von Wasser kommt auch hier der Pfeffer und die Muskatnuss hervor und es lässt sich zudem eine Chilischärfe ausmachen.

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Fazit: Diese Whiskeys sollten es vermögen, jeden Spirituosenliebhaber zu begeistern. Der Standard Single Barrel glänzt mit Frische, Süße und einem hervorragendem PLV. Ich verwende ihn gerne für Juleps und Sours, aber auch pur weiß er durchaus zu überzeugen. 
Das Faß, welches ich vom Limited Edition 2013 hier verkostet habe, ist sicherlich preislich kein Pappenstil, aber ich kann ihn jedem Whiskey-Liebhaber nur ans Herz legen. Für mich ist dies der American Whiskey des Jahres 2013 (und ja, ich habe auch unter anderem den Elijah Craig Barrel Proof probiert, welchen ich allerdings eher zum mixen verwenden würde). Auch wer einen Single Barrel Limited Edition 2012 bereits probiert hat und hier eventuell nicht absolut überzeugt war: Zwischen den Abfüllungen die ich probiert habe liegen Welten, zugunsten des 2013er Release. Der Four Roses weiß sowohl pur als auch im Old Fashioned absolut zu überzeugen, wobei ich hier den Purgenuß wohl meist bevorzugen werde. Jim Rutledge: Chapeau, ich freue mich auf die nächsten 125 Jahre;) Was Four Roses insbesondere mit der limitierten Auflage hier abliefert ist erste Sahne und wenn man den Preis zu diversen anderen jährlichen Auflagen von diversen American Whiskeys vergleicht, welchen wir hier in Europa zu zahlen haben, sind die knapp 80€ sogar noch ein Schnäppchen. Ich für meinen Teil habe mit nach meinem ersten Glas dieses Tropfens 3 weitere Flaschen gesichert.


Beste Grüße aus dem Breisgau,
Euer Leo