Samstag, 18. März 2017

The Rum Cask Jamaica Rum 26 YO Hampden 1990

Werte Rum-Gemeinde,

die Gerüchte lagen ja schon seit einiger Zeit in der Luft, heute kann und darf ich den Rum nun also auch hier endlich präsentieren: Ja, es ist wahr! Nach so vielen Jahren des langen Wartens hat es endlich ein Unabhängiger Rum-Abfüller getan: The Rum Cask haben einen 1990er Hampden in Fassstärke abgefüllt!




Doch der Reihe nach:

Der Grundstein für diese Rum-Abfüllung wurde, wenn man es ganz genau nimmt, schon vor vier Jahren gelegt. Damals, im Frühjahr und Sommer 2013, kam es zwischen Jens Owczarek von The Rum Cask und mir im Rahmen meiner Recherchen zu deren damaligen Hampden 2000 zu ersten Gesprächen rund um das Thema Rum, aus denen dann ein Austausch und letztlich auch die ersten "Recommended by Barrel Aged Thoughts"-Abfüllungen resultierten. 
In diesem Zusammenhang ließ ich ihm auch mal eine Liste mit außergewöhnlichen Rum-Destillerien und ihren bevorzugten Jahrgängen zukommen, die als Anregung dienen sollte. Viele dieser Rums konnten The Rum Cask im Laufe der Jahre dann auch finden und abfüllen, andere Jahrgänge blieben hingegen leider für immer verschwunden. Ganz andere wiederum, wie z.B. Hampden 1998, wurden von Ihnen neu entdeckt. Auf dieser Liste damals stand auch der 1990er Jahrgang der Hampden Destillerie. Ich hatte die Hoffnung dahingehend eigentlich schon aufgegeben, denn der bislang letzte seiner Art, der Rum Nation Supreme Lord VII, datiert ebenfalls aus 2013 und liegt somit auch schon vier Jahre zurück. Danach kam von Hampden nichts mehr aus 1990. 

Fasssample TRC Hampden 1990
Doch dann meldete sich Jens Owczarek vor ca. 2,5 Monaten, Anfang Januar 2017, überraschend bei mir um mir mitzuteilen, dass es The Rum Cask nach langen und zähen Verhandlungen letzten Endes gelungen ist ein Fass Hampden 1990 zu erstehen und berief sich dabei auf meinen Tipp von damals. Es hat mich, das möchte ich an dieser Stelle gerne betonen, wirklich über die Maßen gefreut, dass man sich nach all der Zeit noch sowohl an die Empfehlung, als auch an mich noch erinnert hat, trotz meines langen Abtauchens von der Bildfläche. Da fühlte ich mich sehr geehrt! Damit einhergehend ließ man mir auch ein Sample dieses besonderen Tropfens zukommen und holte meine Einschätzung ein. Diese war dann, das sei schon einmal verraten, sehr eindeutig. 
Was dann folgte, war vor allem eine Sammlung von Ideen, diesen Rum auch auf dem Label ein wenig von den anderen Rums abzuheben, wodurch sich auch der Papagei erklärt, der sich von denen der bisherigen Jamaicaner unterscheidet. Darüber hinaus bekam der Rum auch ein Backlabel, doch dazu später mehr. 

Über den Rum selbst kann gesagt werden, dass er das Mark "JMC" trägt, 26 Jahre lang, zwischen 1990 und 2017, im Fass #9 reifen durfte und am Ende noch ca. 270 Flaschen á 0,5 Liter ergab. Das Fass hat ein Volumen von 190 Litern, das bedeutet, dass ca. 29% an überaus glückliche Engel ging. Was das Mark betrifft, so ist dies keines, was Hampden ursprünglich zur Definition des Estergehalts verwendet hat. Diese waren:

  • LFCH: 85 - 120 gr/laa Ester
  • LROK: 200 - 400 gr/laa Ester
  • HLCF: 500 - 700 gr/laa Ester
  • <>H: 900 - 1000 gr/laa Ester
  • HGML: 1000 - 1100 gr/laa Ester
  • C<>H: 1300 - 1400 gr/laa Ester
  • DOK: 1500 - 1600 gr/laa Ester

In diesem 190 Liter Fass reifte der Rum stolze 26 Jahre
Über eine Bedeutung kann daher nur spekuliert werden (JaMaiCa?; Jamaica Main Continental?), ebenso wie dementsprechend über den Estergehalt. Hier kann wohl vermutlich nur eine Labormessung eines Tages Gewissheit bringen. Klar ist hingegen der Alkoholgehalt von 61,9% vol., er hat also noch seine ganze Fassstärke. Somit ist dies sowohl der älteste mir bekannte Rum aus Hampden, als auch der einzige mir bekannte aus dem Jahrgang 1990, der in Fassstärke abgefüllt wurde. Spätestens jetzt ist klar, warum diese Abfüllung für einen Hampden-Freak wie mich etwas ganz besonderes ist. 

Die Lagerung des Rums hat vermutlich mindestens den Großteil seiner Reifezeit in Europa stattgefunden, denn 2002 schloss Hampden seine Pforten für einige Jahre und es wurde kein Rum zurückgelassen. Es müsste also spätestens 2002 alles nach Europa gelangt sein. 
Da mir die ersten unabhängigen Hampden-Abfüllungen aber überhaupt erst ab 2006 ca. bekannt sind und ich keinen Jahrgang älter als 1990 kenne, ist die Tür für Spekulation an dieser Stelle natürlich weit geöffnet, dahingehend, dass es unter Umständen nur und einzig durch die vorläufige Schließung von Hampden, überhaupt Single Casks dieser Destillerie auf den Markt geschafft haben. Das dürfte heute allerdings kaum noch wirklich nachvollziehbar sein, weswegen wir uns jetzt lieber dem Rum selbst wieder widmen wollen.

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Verkostung des The Rum Cask Jamaica Rum Hampden 26 YO:


Preis: Für 0,5 Liter des 26 jährigen Hampden werden im The Rum Cask Shop 169,90 Euro aufgerufen. Es gibt ihn aber auch in 2 cl für 12,- Euro, 4 cl für 23,50 Euro und 10 cl Gebinden für 56,- Euro im Probierformat zu kaufen. 

Alter: 1990 wurde der Rum destilliert und Anfang 2017 schließlich 26 jährig abgefüllt.

Lagerung: nicht angegeben, es kann aber von kontinentaler Reifung zu erheblichem Teil ausgegangen werden, da Hampden spätestens bei seiner vorläufigen Schließung im Jahr 2002 allen Rum verkauft hat.

Fassnummer: #9

Angel's Share: 29%, bei ca. 190 Liter Fassvolumen.

Alkoholstärke: Der Rum wurde mit 61,9% vol. abgefüllt, also in voller Fassstärke.

Destillationsverfahren: Ja, das ist bei Hampden eine reine Formalität. Verantwortlich zeichnet sich natürlich eine Double Retort Pot Still Brennblase.

Mark: JMC

Farbe: dunkles, kräftiges, Stroh.

Viskosität: beim Schwenken im Glas bilden sich am oberen Rand kleine Tropfen, die dann, eng aneinander liegend, langsam und mit aller Zeit der Welt die Glaswand herunterlaufen. 

The Rum Cask  Jamaica Rum 26 YO Hampden 1990 im Glas
Nase: Uiii, schööön! Keinerlei alkoholische Schärfe in der Nase, trotz Fassstärke. Ein sehr tiefes, volles und überaus reichhaltiges Bouquet, unheimlich komplex. Das ganze lang und schier unendlich nach hinten heraus.
Da sind zunächst natürlich ganz markant die Ester-Klebstoffnoten im Vordergrund, diese typische 1990er Hampden-Note. Der Rum ist hier nicht mehr ganz so brachial wie andere 1990er vor ihm. Man merkt ihm seine Reife extrem positiv an. Er ist nicht holzig oder gar totgelagert, aber man hat zum ersten Mal bei 1990 das Gefühl, dass der Rum nicht 10 Jahre jünger wirkt als er ist. Versteht mich nicht falsch, dieser Rum hat noch immer die Power einer Dampfwalze, aber er wirkt dabei inzwischen fast ein wenig elegant. Für seine Verhältnisse, versteht sich. Er offenbart einem nur allzu bereitwillig einen wunderbaren Obstsalat aus allen nur erdenklichen tropischen Früchten, wie Bananen, Papaya, Ananas, Mangos, Zitronen, Limetten und vielen mehr. Peinlich genau ist das auch kaum auszumachen, das ist ein wildes Durcheinander, wie bei allen anderen 90ern vor ihm, ein echter Obstsalat. Dieser ist extrem gelungen eingefasst von den Holznoten vom Fass und auch etwas Rauch. Geil! Ein Wahnsinns Zusammenspiel! Man möchte gar nicht aufhören an ihm zu schnüffeln. 
Im peripheren Nosing weist der Rum ganz hinten leicht grasig-erdige Noten auf, die sehr entfernt an alte Long Ponds erinnern. Das sind dann eben die Eindrücke, die das Alter des Rums positiv unterstreichen und beweisen, warum es sich lohnt einen Rum derart lange im Fass reifen zu lassen. 

Gaumen: der Alkohol macht sich hier zunächst ein Wenig mehr bemerkbar. Er brennt angenehm auf der Zunge, bis man ihn sanft gezügelt bekommen hat. Ja, hier zeigt sich der Fassstärke-Aspekt im Vergleich zu all seinen Vorgängern, aber absolut positiv. Der Rum und sein Aroma verbreiten sich in Windeseile im gesamten Mundraum und füllen diesen komplett aus. Schwerer, mächtiger Körper. Brachial, aber dabei, dank seiner Reife, auf seine ganz eigene Weise elegant. Ölig-cremige Konsistenz. Auch hier wieder wird die Trumpfkarte Fassstärke voll ausgespielt. Wo bei allen anderen 1990er Hampden noch eine leicht wässrige (Fehl-)Note auftrat, so entfällt diese hier glücklicherweise. Geschmacklich habe ich gegrillte Ananas und frisch geschnittenes Geäst. Auch hier ist der positive Fasseinfluss so deutlich wie bei noch keinem 1990er vor ihm. Nach Hinten heraus Humus, Tannine und eine klare Note Anis. Letzterer scheint die geschmackliche Folge von lange gelagerten Rums mit hohem Estergehalt zu sein, denn diese Note findet sich vor allem bei diesen extrem häufig. 

Abgang: Unendlich lang. Nach hinten heraus zieht sich eine unglaublich ausdauernde Esternote, die einfach unheimlich Spaß macht. Dann trockener werdend. Erhaben. Eine Disziplin, in der nichts was ich kenne den Jahrgang 1990 von Hampden schlagen könnte. 

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Fazit: Recommended by Barrel Aged Thoughts! Ein Rum, der seinesgleichen sucht. Ein Rum, der nicht eingeordnet, sondern meines Erachtens übergeordnet wird. Und ich weiß, man sollte von derlei eigentlich absehen, aber ich wage die Prognose: besser geht es nicht und wird es vermutlich nicht gehen!* Der Jahrgang 1990 ist bei Hampden in meinen Augen einfach outstanding und wird von keinem der späteren Jahrgänge erreicht. Und unter den wenigen 90ern die es bisher gab, mir sind -inklusive der heute vorgestellten Abfüllung- derer fünf bekannt, ist dieser der einzige in Fassstärke und klar der beste - vor dem Duncan Taylor und erst Recht vor den 46 bzw. 45% vol. Rums von Berry. Bros & Rudd, Blackadder und Rum Nation. Er vereint Esterpower, Fruchtigkeit, Fassreife und ideale alkoholische Stärke in einer Abfüllung, was vor ihm niemandem gelungen ist. Ein Meisterstück! Was mich hier wirklich mal interessieren würde, ist der Estergehalt dieses Rums, der klar höher ist als z.B. HLCF. Ist das schon DOK? Vielleicht gelingt es ja bei Zeiten mal, hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Das wäre wünschenswert. 
Was natürlich reinhaut, auch darüber muss gesprochen werden, ist der Preis! Bis auf den biblisch alten Long Pond von Gordon & MacPhail war kein Rum auf BAT bisher auch nur annähernd so kostspielig. Hierzu muss allerdings gesagt werden: die Zeiten haben sich leider gewandelt in dieser Hinsicht. Die Fässer sind teilweise teuer geworden. Auf seltene Fässer trifft das nochmal mehr zu. The Rum Cask haben sich immer durch sehr fair bepreiste und dabei aber dennoch qualitativ hochwertige Rums ausgezeichnet. Nicht der Abfüller hat hier also angezogen, sondern der Bulkhändler. Dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass bei diesen Summen der eine oder andere  aus Prinzip aussteigt und ich kann das gut verstehen! Ich selbst sehe die steigende Preiskurve beim Rum äußerst skeptisch und würde eine Empfehlung bei so kostspieligen Rums daher auch nur noch für absolute Top Rums aussprechen. Um einen solchen handelt es sich hierbei heute aber und daher kann ich diesen Rum wirklich nur jedem empfehlen. Auch zu diesem Preis. Der einzige Hampden, der annähernd so gut ist wie dieser, der Samaroli 1993 Full Proof 21 YO aus 2014, war damals, vor drei Jahren, schon nicht wirklich günstiger als dieser hier heute.
Bevor ich zum Ende komme, komme ich nochmal auf das eingangs erwähnte Backlabel zu sprechen. Dieses ziert eine Kurzbeschreibung Hampdens und des Rums von mir und bringt alles in Kürze auf den Punkt:


Ich möchte The Rum Cask für diese außergewöhnliche Abfüllung danken, die für mich die Abfüllung war, auf die ich, siehe Backlabel, immer gewartet habe. Und ich bedanke mich auch für die einmal mehr überaus angenehme Zusammenarbeit und das Vertrauen, welches mir da entgegen gebracht wird und dafür, dass ich einen kleinen Beitrag zu diesem tollen Rum leisten durfte. Es war mir eine große Ehre! 


Bis zum nächsten Mal
Flo

* einzig einer karibisch gelagerten Abfüllung aus der Hampden-Zeit nach der Wiedereröffnung 2010 traue ich es in vielen Jahren einmal zu, bei entsprechendem Stil da drüber zu gehen

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